Sunday, May 19, 2013

The Living Desert – two American novels.


Gleich zwei Autoren haben ihre Romane in der Wüste angesiedelt.



Dave Eggers ist so etwas wie ein großer Abenteuerliterat in der Neuzeit. Seine Geschichten umspannen oft den ganzen Globus. Dieses Mal landet er an der Küste von Saudi-Arabien, wo mithilfe der neuesten IT-Technik aus den USA für den amtierenden König eine moderne Metropole aus der unendlichen Wüste gestampft werden soll. „King Abdulah Economic City“, so der protzige Name, doch außer ein schmächtiger Büroturm und ein moderneres Beduinenzelt steht noch nichts, weit und breit, als die vier Amerikaner ankommen. In dem Zelt müssen nun der 54 jährige Geschäftsmann Alan Clay und seine drei jungen Kollegen aus der IT-Branche warten, bis hier etwas passiert. Wacklige Internetverbindungen, überhitze Luft und ein König, der auf sich warten lässt: Schlechte Aussichten für Alan, der diesen Mega-Deal sehr dringend benötigt, denn zu Hause kann er sich nicht einmal die Universitätsgebühren für seine Tochter leisten – ein Mann am Abgrund.
 Vom Fahrrad in die Wüste
Wie kaum ein anderer zeitgenössischer Autor schafft es Dave Eggers in „Ein Hologramm für den König“ aus dem Vollen zu schöpfen, also auch heutzutage noch ein Werk zu schreiben, das die große amerikanische Erzähltradition in sich birgt und das literarisch eher spröde Thema „Wirtschaft“ zum Leben erweckt. Herauskommt eine packende Globalisierungsgeschichte, die den Verlauf der amerikanischen und auch europäischen Wirtschaft anhand vom Schicksal des Romanhelden erzählt: Alan Clay war ein guter Verkäufer, er hatte auch das Gespür für den Menschen, bis er mit Produktionsdeals in Osteuropa und China seine Fahrradfabrik in einer irritierenden Freiwilligkeit an die Wand fuhr. Und nun ist er sprichwörtlich im Treibsand angelangt, den Arabern mit ihrer traditionellen Gelassenheit und auch Willkürlichkeit ausgeliefert. Der Druck wächst, auch von seinen mitgereisten jungen Kollegen, denn schlussendlich ist er für den Deal verantwortlich. In der vielen Zeit die ihm bleibt, die Zeit in der Wüste muss man einmal totschlagen können, erzählt er mosaikartig, wie er in diese schier ausweglose Situation geschlittert ist. Und hier entpuppt sich der Autor als herangereifter Erzähler, der den Leser mit einer beträchtlichen Zufriedenheit zurücklässt.
 Blühende Bäume und hässliche Granaten
Liest man Dave Eggers Geschichte doch mit der Lust einen fiktiven Roman in den Händen zu halten, ist Kevin Powers Werk „Die Sonne war der ganze Himmel“ dem Genre Kriegsrealismus zuzuordnen, trotz der präzisen literarisch hochwertigen Landschaftsbeschreibungen, der Wüste im Irak, sowie des aufkeimenden Frühlings. Es ist ein authentischer Erfahrungsbericht eines jener jungen Soldaten, die man vor rund zehn Jahren in das Verderben schickte. Eine Gesichte zwischen Schuld und Unschuld, zwischen Wahrheit und Lüge, sehr gut aufgeteilt in elf zu unterschiedlichen Zeiten spielenden Kapiteln.
Kevin Powers, selber als Soldat im Irakkrieg, schreibt sich die Geschehnisse von der Seele, eine Stimme also aus der letzten „Lost Generation“, der zu wenig Gehör geschenkt wird. Es geht hier um die tragische Freundschaft zwischen den Soldaten John Bartle und Daniel Murphy. Der schrille Ton der Mörsergranaten, der Geruch vom verbrannte Fleisch gefallener Soldaten und dazu als Kontrastbild die im Frühling blühenden Bäume, Bilder die man aus vielen Antikriegsromanen kennt. Aber dennoch ist die Intensität seiner Sprache erfrischend, die Mischung aus Abgebrühtheit und literarischem Feinschliff.
Wa.  
 
Dave Eggers: „Ein Hologramm für den König“, 348 Seiten, Kiepenheuer & Witsch
Kevin Powers: „Die Sonne war der ganze Himmel“, 239 Seiten, S. Fischer
 







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