Thursday, November 04, 2021

Die Seelenrettung einer Stadt, oder der Reiz abseits des Sandstrandes




Triest kann viel, nur nicht das gewohnte Bild Italiens wiedergeben. Der Reise- und Gourmetjournalist Georges Desrues geht in „Triest für Fortgeschrittene“ durchaus auf Einblick mit Tiefgang.

 

Wer im Schatten von Venedig liegt, tut sich schwer Aufmerksamkeit zu erlangen. So dämmert Triest, seit dem Wachküssen unter Maria Theresia, vor sich hin. Aber es gibt emsige Autoren und auch immer mehr Qualitätstouristen, die sich mit der Stadt behutsam auseinandersetzen. „Triest für Fortgeschrittene“ heißt ein ambitionierter Band mit essayartiger Reiseliteratur, aktuellen Bildern und Stadtpläne, auf denen man die Wege nachwandern kann. So offeriert das Buch mehr als einen Überblick, eher schon den Durchblick. 

 

Buntes Stecktuch 

Georges Desrues bleibt von Anfang an ganz ehrlich: Natürlich ist er vernarrt in diese Stadt, sonst würde er dort die letzten fünf Jahre nicht leben, aber Triest ist jetzt weder das Mekka der Antike noch der Renaissance. Und während der Canal Grande in Venedig ein Prunkstück zum Flanieren und Prominieren wurde, blieb der Canal Grande in Triest ein sehr nutzungsbezogenes Stück Wasser zum Beladen und Entladen der Fracht. Aber Triest war auch für den Norden die Öffnung zum Mittelmeer und nicht zuletzt für das monarchistische Österreich sozusagen das bunte Stecktuch der sonst doch ziemlich biederen Habsburger Monarchie. Mit dem Freihafen schuf man das Tor zur Welt und ließ Menschen aller Herren Länder hinein: Händler, die großzügige Villen bauten, Syrer, Armenier und Briten, die sich ganze Straßen und sogar Vierteln einverleibten. Die Habsburger kreierten mit dem Borgo Teresiano einen ganzen Bezirk nach ihren Vorstellungen und auch den, für Italien, einzigen offenen Hauptplatz zum Meer, die Piazza dell’Unità. Und mit den Investitionen auch Anziehungspunkt für Kultur und Wissenschaft. 

Das Spannende in „Triest für Fortgeschrittene“ ist, dass hier Architektur von einigen Jahrhunderten in einer Art historischen Timeline aufgezogen wurde: Von der Antike über Art-déco-Klassikern bis zu Otto Wagner inspirierten Jugendstilbauten, kommen auch Elemente aus dem Faschismus und eher zweifelhafte Erneuerungen der Stadt nicht zu kurz. Überhaupt sei dem gebürtigen Franzosen gedankt, mit Fakten wie Faschismus und Links- oder Rechtsextremismus sehr nüchtern umzugehen und sie objektiv in die Kapitel einfließen zu lassen. Kulinarisch ist auch einiges da, auch immer gut in Notizen zusammengefasst. Ob es nun die angeleiteten Wege zu den Osmizen am Karstplateau sind, die einem einen entspannenden Blick auf das unorthodoxe Italien geben, zum Beispiel auf das überwältigende Areal des alten Hafens, der zugleich visionäres Industriedenkmal und Hoffnungsträger für ein historisches und modernes Triest ist. Die Stadt trägt noch die Handschrift von Riccardo Illy, zweimaliger Bürgermeister - man sehnt sich nach einem Nachfolger mit ähnlicher Leuchtkraft. Eine Art Guggenheim müsste her, denn wer hatte außerhalb des Fußballs Bilbao jemals auf dem Radar? 

 

Ein Altmeister in Aktion

Als Zugabe einer der es so richtig kann, und zum Glück auch die nötige Beachtung findet, ist Max Annas, deutscher Kriminalromanautor der ersten Stunde, der sich immer wieder mit Themen seines Landes auseinandersetzt. In seinem aktuellen Roman, „der Hochsitz“, geistert im Jahre 1978 das widerauferstandene RAF-Gespenst durch Deutschland, das auch in einem kleinen Dorf in der Eifel, nicht unweit der Grenze nach Luxemburg, sein Unwesen treibt. Dazu kommen Banküberfälle in sonderbarer Häufung und ein Cadillac, mit Frankfurter Kennzeichen, der auffällig oft durch Dörfer fährt und Landwirten überzogene Kaufofferte für ihre Höfe hinterlässt. Einiges aufzuklären in einem ruhigen Dorf, wo sonst so gar nichts passiert und die Kinder in den Ostertagen eigentlich nur die WM-Kleber für die anstehende Fußball-MM in Argentinien aus den Hanuta-Schnitten-Packungen sammeln wollen und so nebenbei am geheimen Hochsitz den Fall gelöst bekommen. Aber wer glaubt schon den Kindern? Ein meisterlich geschnipseltes Werk mit überraschenden Wendungen, in einem politischen Deutschland der 1970er-Jahre. 

 

(c) Vorarlberger Nachrichten / Martin G. Wanko

 

Georges Desrues: „Triest für Fortgeschrittene“, Styria Verlag, 200 Seiten. 

Max Annas: „Der Hochsitz“, Rowohlt, 270 Seiten. 

Saturday, October 16, 2021

GAK, quo vadis?





Sehr geehrter Vorstand, sehr geehrte sportliche Verantwortliche des GAK,


 

nach der gestrigen 1:6 Schlappe gegen den SKN kann es nicht mehr so weitergehen. Will man nicht die letzten Fans vergraulen, sollte der aktuelle Trainer Gernot Plassnegger beurlaubt werden. Erst gestern meinte Marco Perchtold zurecht, dass wir die beste 2-Liag-Mannschaft haben, seit wir in der Liga sind. Unter diesen Voraussetzungen ist ein Ergebnis schlicht und ergreifend inakzeptabel. 

Es ist alles nicht einfach und den passenden Trainer zu finden, gehört zu den schwierigsten Aufgaben überhaupt, aber dafür seid Ihr auch da. Mehr können die Fans nicht tun, als sie eh schon tun und das seit der 1. Klasse. Sie sind das Rückgrat und die Seele des Vereins. Ohne diesen wäre der GAK nicht dort, wo er heute ist. Dazu haben sie sich bis jetzt nobel zurückgehalten. 

Das sollte jedoch Eure Leistung als Vorstand oder Verantwortlicher nicht mindern. Um weiterhin handlungsfähig zu bleiben, bitte ich Euch den Trainer auszuwechseln. Ich will hier nicht seine Leistung beurteilen, aber nicht nur ich habe das Gefühl, dass er die Mannschaft nicht mehr erreichen kann, das ist jedoch die Basis für ein gutes Spiel. Wenn es um die finanziellen Mitteln geht: Es werden noch mehr den Bach hinuntergehen, wenn so weitergespielt wird, als wenn ein neuer Trainer engagiert wird. Das Irritierende daran ist, dass wir noch immer den 5. Tabellenplatz halten und nach dem Wochenende zumindest noch im Mittelfeld sind. Es ist also noch nicht zu spät! 

 

Freundschaftliche Grüße, Martin G. Wanko


Foto: (c) Wanko

Wednesday, March 31, 2021

Hans-Ulrich Thomale: „Ich bin Trainer - kein Diplomat.“

 

                                    Foto: Hans Ulrich Thomale in seinem Element, beim GAK. (c) Thomale 



Hans-Ulrich Thomale ist Jahrhunderttrainer des GAK. Nicht umsonst, denn unter seiner Regentschaft schafften die Roten in der Saison 1994/95 den Aufstieg von der 2. in die 1. Liga und daraufhin sogleich die Qualifikation zu einem internationalen Bewerb, als 4.-Platzierter. Er formte Spieler wie Ales Ceh, Franz Almer, Gregor Pötscher, Martin Amerhauser und Edi Glieder. Den größten Erfolg hatte er sicher mit dem 1. FC Lokomotive Leipzig, mit dem er das Europacup Finale 1987 gegen Ajax Amsterdam mit 0:1 verlor. Den wahren Segen gab es jedoch 2004, als er mit seiner Frau in Thailand bei der Tsunami-Katastrophe nur knapp dem Tod entging. Im Sommer soll, wenn bezüglich der ganzen Lockdowns alles glatt verläuft, ein Buch über den Trainer herauskommen. Dann gibt es auch eine Lesereise, die ihn auch nach Graz führt. Guter Plan und eine gute Zeit, um jetzt mal kurz zu quatschen.

 

Herr Trainer, wie heißt das Buch und wie kommt es zu dem Buch über Sie. Ist ja doch eine Ehre, oder?

Thomale: Im Dezember 2019 überraschte mich mein ältester Sohn Michael mit dem Wunsch und einer zarten Aufforderung, doch ein Buch über mein Leben schreiben zu lassen. Anfangs war ich von dieser Idee nicht unbedingt angetan. Doch mein Sohn überzeugte mich. Ich hätte doch viel erlebt (Tätigkeit in Ost u. West, im Ausland sowie Ereignisse wie z.B. der Tsunami in Thailand...). Letztlich gab ich ihm Recht. So wurde aus der Idee die Wirklichkeit.

Das Buch sollte nicht nur meinen sportlichen Werdegang zeigen, sondern auch andere Lebens-u. Ereignisbereiche (Familie, Leben in beiden Teilen Deutschlands und im Ausland ) skizzieren. Fachleute, die das Manuskript schon gelesen haben, meinen es wäre ein sehr authentisches, ehrliches Buch. Wir werden sehen. Der Titel des Buches sagt schon einiges aus: „Ich bin Trainer - kein Diplomat.“

 

Sehr schön, dann haben wir auch gleich den Titel unseres Gesprächs gefunden. Sie wurden fast Europacupsieger der Meister, waren öfters „im Westen zu Gast“. Gab es da einmal die Überlegung nicht mehr zurück in die DDR zu reisen? (Sie wären ja nicht der einzige gewesen...)

Thomale: In meiner Trainertätigkeit habe ich mit meinen jeweiligen Mannschaften ca. 100 internationale Spiele bestritten. Davon 30% in etwa in westlichen Ländern. Dadurch hatte viele Kontakte, manche Visitenkarte fand den Weg zu mir. Für mich hat sich die Frage nie gestellt - meine Familie (tolle Frau, zwei prachtvolle Jungs!) waren meine wahren Vorteile!

 

Gehen Sie noch auf den Fußballplatz?

Thomale: Natürlich verfolge ich vieles im Fußball. Aber auf Sportplätzen bin ich selten zu sehen. Früher hatte ich durch meinen Job wenig Zeit. Heute hole ich vieles nach, zum Beispiel Urlaub machen ... 

 

Was halten Sie von RB Leipzig?

Thomale: RB Leipzig ist für mich ein Retortenclub, der aber durch gutes Management , entsprechende sportliche Führung natürlich auf der entsprechenden finanziellen Grundlage, seinen Weg in Spitze der Bundesliga geschafft hat. Das sollte man anerkennen.

 

Als Grazer muss man das fragen: Welchen Stellenwert nimmt der GAK 1902 inIhrem Buch ein?

Thomale: Der GAK nimmt einen relativ hohen Stellenwert ein. Schließlich war diese Zeit sportlich sehr erfolgreich und nicht zu vergessen: die Lebensart der Österreicher sowie Mannschaft und Fangemeinde des GAK.

 

Sie haben als Trainer den GAK 1995 raufgebracht. Wann meinen Sie ist es für den Aufstieg in die höchste Spielklasse Zeit?

Thomale: Nachdem sich der GAK stetig nach oben entwickelt hat, gehe ich davon aus, dass  

mit guter Arbeit und dem entsprechenden Glück, in spätestens zwei Jahren der GAK wieder erstklassig wird. Dazu wünsche ich von Herzen gutes Gelingen!  

 

Herr Trainer, danke für das Gespräch, alles Gute für Sie und Ihre Familie und rote Grüße aus Graz!

 

Wa. 

 



Monday, June 22, 2020

Corona and me - Nr. 70

Guten Abend, schönen Tag, da bin ich wieder, seas :)

wie versprochen, melde ich mich gelegentlich zu diesem Thema, "Corona" zurück, und gerade weil es zz gerade sehr würgend ist, keiner will davon noch etwas wissen, umso lieber :) anbei einige Eindrücke der letzten Zeit: 

Was mir ein bisserl auf den Zahn geht, sind die permanenten ORF-ZIB-Meldungen "zur Normalisierung", wenn ein Land die Grenzen aufmacht. Mit Covid-19-Zahlen hat das nix zu tun, die steigen nämlich. Spanien leider nicht normalisiert, aber gerne auf die Touris aus. Ja eh, aber. 

Die Arschkarte haben Kunst und Sport, weil man diese Veranstaltungen anmelden muss, bzw. sie unter gewissen Regeln laufen. Hier gilt das Abstandsmaß von 1,5 m. In den Parkanlagen, oder auf den Plätzen wo Lokale eher auf Standl-Basis sind, scheint das egal zu sein. Zu sehen jeden Tag, wenn gutes Wetter ist und die Menschen Spaß haben. Rock-Festivals gehen halt nicht, weil Anmeldung nötig. 

Aber kein Stress, ich meine, an den ersten Tagen wo die Maskenpflicht am Markt fiel, fragte ich (scheinbare Senioren), warum sie denn die Maske nicht mehr auf haben, die lapidare Antwort war: "Jetzt ist eh alles vorbei, jetzt stoß ma an." Ja, bei der zweiten Welle sollte man dies berücksichtigen. Aber eh, manche Rentner stehen noch vor dem Fenster. Das Leben ist schwierig. 

Ich will jetzt weder auf die Tennis-Adria-Helden, noch auf fragwürdige Tests in fernen Ländern eingehen, weil, leider geil: Sie wollen viele Touristen, dann stirbt ihnen die Tour an Covid. ;))) 
So vorzüglich, wie sich die Community im Fitnesscenter Fitinn (Graz, Jakominiplatz) benimmt, inklusive der gesperrten Geräte, damit der Abstand passt, vorzüglich! 

Wir müssen diese Orte aufsuchen, wo nach Möglichkeit fortgesetzt wird, was vor rund drei Monate begann. Eine Entfernung mit vorsichtiger Annäherung - so zu tun, als ob die letztren Monate nicht gewesen sind, fällt mir ein bisserl schwer, so dicht in der Birn kannst kaum sein,

seas, euer Wa. "Haut's drauf, mit Ziel" ;) 








Thursday, May 21, 2020

2 Monat, 2 scheiß Tage - alle Flaschen sind am Container


Corona and me – 2 Monat und Tag 2 der Quarantäne

Austria – 16.319 Corona-Infizierte / 14.822 Genesene



Unseren Blog „Corona and me“ wird ab nun ohne der Beifügung „Quarantäne“ weitergeführt.



Es gibt jedoch viel zu tun, auch zu berichten. W. Kühnelt wusste heute über leere Kaffeehäuser in Graz zu berichten, und ich sage Euch, im Citypark waren heute nur die Supermärkte und Drogeriemärkte wirklich gut besucht - es bleibt schwierig. Aber wir haben dort Kaffee getrunken, wir haben eingekauft und auch KEINE ANGST gehabt.

Absatz.

Wie geh es nun auf diesem Blog weiter? Es geht mir nach wie vor, um die kleinen Tagesanschauungen, die verloren gehen würden, wenn man sie nicht niederschreibt. Leere Fußballstadien, dafür gefüllte Container. Und für das braucht man Nachtschreiber wie uns. :)

Tja, manchmal schaut man aus dem Fenster und denkt, es könnte alles „normal“ sein. Aber was ist normal?

Wir bleiben dran, danke für's Lesen

Euer Wa.


Quelle:Statistik Austria

Monday, May 18, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 29 der Quarantäne



Austria – 16.176 Corona-Infizierte / 14.563 Genesene / 1613 akute Fälle

So wie fast jeder Österreicher, der die zivilisierte Gastrokultur als Teil seines Lebens sieht, haben auch wir den ersten Tag der wiedereröffneten Gastro miterlebt. In der Cohibar waren das schöne 1,5 Stunden (die von Riesenohr und Zottel empfohlene 90 Minuten). Es war interessant. Fast schon wie ein Veteranentreffen im Kameradschaftsbund, natürlich nicht so, aber Ihr wisst schon, wie das zu verstehen ist. Es hatte etwas Festliches, man „darf“ wieder. Die Mannschaft hinter der Bar sah jetzt auch nicht unglücklich darüber aus, dass der Laden wieder Fahrt aufnimmt. Die Personen, die sich kannten, die aber jetzt nicht wirklich etwas miteinander zu tun haben, kamen sich nicht zu nahe. Also 1,5 m Abstand wurde gelebt. Die Bar war wie gefordert, nicht besiedelt. Gelegentlich stehen Tische an der Bar, um den Platz im Lokal optimal auszunützen.

Die Wiedereröffnung der Lokale scheint den Österreicher*innen nicht unwesentlicher zu sein, als die Gschroppen wieder in die Schule zu stopfen. 

Es war angenehm und eben nach 1,5 Stunden vorbei. Auf den Plätzen in Graz ging es anders rund, weil dort eher im Herdenverhalten getrunken wird. Dazu sage ich jetzt einmal nichts. Ich mache jetzt eine vorsichtige Prognose: Ich kann mir vorstellen, dass die zunehmende Hitze inkl. UV-Strahlen dem Virus zusetzen und dass auch eine grundsätzliche Vorsicht, ein anerzogenes Distanzverhalten und Hygiene den Virus in Österreich (!) in Grenzen hält. Die Entwicklung im Herbst und Winter wird muss abgewartet werden. Aber das was nun wieder zugelassen wurde, lassen sich die Menschen schwer nehmen. Einkaufen und Saufen. Einkaufen vielleicht noch eher. ;) Na, Spaß bei Seite: Die Wiedereröffnung der Lokale scheint den Österreicher*innen nicht unwesentlicher zu sein, als die Gschroppen wieder in die Schule zu stopfen.

Bleibt’s sauber und auch ein bisserl mutig. Leben ist zu kurz, um öd zu sein,

euer Wa.

Zahlen: Quelle: Republik Österreich, Statistik Austria.

Tuesday, May 12, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 23 der Quarantäne


Austria – 15.874 Corona-Infizierte / 14.061 Genesene

Genau heute wären die Pet Shop Boys in Wien und ich mit meiner Tochter jetzt bald einmal auf den Weg dorthin. Das ist zurzeit auch so einer dieser Standardsätze. Was man heute gemacht hätte, oder was man vor einem Jahr gemacht hat. Mann, das sind jetzt schon absolut 1.Welt Probleme, es ist aber auch eine voll okay Einleitung für einen Blog Beitrag.

Zugegeben, von gestern auf heute hat sich jetzt nichts Wesentliches getan, solange auch Sie und Ihre Nächsten wohlauf sind ist einmal alles im Lot, oder auch nicht. Zeit sich ein bisserl durch die Medien schauen. Als Medium muss man natürlich in dieser Zeit dankbar sein, Inserate zu haben. Aber manchmal muss man sich schon fragen, ob in der COVID-19-Phase nicht auch Geschmack abhandenkam. Im Radio (und TV) wirbt ein Möbelhaus bezüglich der Wiedereröffnung mit dem Slogan: „Endlich wieder Möbel schauen!“ Das singt ein Mädel so auf lustig, jedoch ohne Belange, also eh Werbung. Aber nach sechs Wochen nix tun, „endlich wieder Möbel schauen!“. Dieses „endlich“, diese „große Sehnsucht“. Wenn die mit „6 Wochen Entzug“ daherkommt, würde meine Mutter, die den WK2 durchgemacht hat, ihr glatt eine scheuern. Aber meine Mutter erlebt ja die Welt zurzeit fast ausschließlich durch den Vorhang. „Vuaschrift is Vuaschrift“. Die geht auch nicht Möbel schauen.

Ganz toll auch, dass Booking.com wieder einen NL verschickt. „Reisen kommt bald wieder“, meinen sie. Klar, durch Reisen werden Vorurteile abgebaut, Devisen gebracht, aber wenn es Virenschleudern gibt, von der der Staat, also wir, so ziemlich wenig hat, dann gehören die Billig-Buden-Schnalzer dazu.

Kein KOVID-Anstieg?

Dass dann heute am Morgen die Nachrichten mit der Aussage beginnen, dass es bezüglich des Muttertag-WEs keinen KOVID-19-Anstiegs gibt, frage ich mich schon, ob der Redakteur noch ganz frisch ist: Die Werte des Muttertags-WE bekommen wir frühestens dieses WE präsentiert. Von einer Summen-Rechnung kann man einmal Ende Mai sprechen.

Das nächste ist der zu bemängelnde Zustand unserer Gesellschaft. Betrachte ich heute eine Tageszeitung, fehlt mir etwas wie eine österreichweite Richtung, wohin die Reise gehen soll. Eigentlich ist in den Berichten kaum etwas Gemeinsames zu erkennen, die vielgepriesene Einigkeit, die es in den ersten zwei Wochen gab, ist verschwunden.

Ich bin für die Hammwerfer!

Die Berichterstattung scheint oft auf die Bedürfnisse von Interessensvertretungen reduziert. Ich verstehe hier so ziemlich alle Vertretungen. Jeder will haben, dass es bei ihm so wie vorher wird, oder noch ein bisserl besser. Je größer die Lobby einer Interessensvertretung ist, desto eher zahlt die Regierung eine COVID-Entschädigung. Beim Sport ist es relativ einfach zu sehen. Um die Volleyballer kümmert sich fast niemand, bei den Tischtennisspielern schaut es auch nicht gut aus, aber so richtig zach wird es bei Hammerwerfern oder Speerwerfern. Dabei würde ich unsere 10-Kämpfer nicht links liegen lassen. Man stelle sich vor, ein Hammer fliegt gegen die Regierungsbank oder ein Speer landet im Herzen eines Nationalradabgeordneten. Eigentlich eine schöne Filmidee, die Zehnkämpfer*innen eines unterfinanzierten Leistungszentrums knöpft sich die Regierung vor. Und ausgerechnet jetzt darf gefilmt auch nicht werden. Ja, das Leben ist oft hart und härter. Auf dass sich jetzt einmal alle eine Runde zerfleischen ;)

Bleibts tapfer und zu Hause,

Euer Wa.

Zahlen: Quelle: Republik Österreich, Sozialministerium.