Wednesday, November 04, 2009

Mein Haberer Barack!





Ich will jetzt nicht angeben, aber Barack hat mir geschrieben, Barack Obama, genau, der Präsident der Vereinigten Staaten. Er schreibt mir öfters, wie hunderttausend anderen auch. Ich trug mich vor der US-Wahl auf seiner Mailinglist ein, seitdem bekomme ich seine Mails. Im Wahlkampf hat er mich gelegentlich um Kohle angepumpt, auch sollte ich für ihn lässige Wahlpartys machen, für gute Stimmung sorgen und so nebenbei auch wieder Spenden einsammeln. Seit der Wahl habe ich nur noch spärlich Post bekommen, in der letzten Zeit überhaupt keinen mehr. Ich dachte schon, dem Kerl ist etwas passiert, aber dafür war er zu oft in der Zeitung. Vor Kurzem kam jedoch ein starkes Lebenszeichen: Er hat mir in aller Herrgottsfrüh verkleckert, dass sie, Michelle und er den Friedensnobelpreis bekommen haben. Voll nette Mail, denke ich mir, der Mann hat durchaus Charakter, denn dieses Mal haut er mich um keine Kohle an. Die Frohbotschaft alleine muss reichen.

Einige Tage später lese ich die Headline, dass der Friedensnobelpreisträger die Truppen in Afghanistan erhöht. Das passt doch nicht! Irgendwas haut da nicht hin. Der Friedensnobelpreisträger erhöht die Truppen. Klingt irgendwie gleich wie „Veganer essen Tigerfleisch“, „Gesundheitsministerin beim Tschick-Schmuggeln erwischt“ oder „Polizist wird zum Einbrecher“. Ich schüttle den Kopf.
Abends setzte ich mich zur Glotze. Ein seltenes Ereignis, da ich glaube, dass die Welt vom Fernsehen nur blöder wird. Es läuft gerade der Assinger mit seinem Millionen-Quizz. Die 10.000 Euro Frage lautet: „Wer ist in Goethes Faust des Pudels Kern?“ Zum einen bin ich schwer entsetzt, dass man mit so einer 6. Klasse-Mittelschule-Frage satte 10.000 Euronen abcashen kann, zum anderen bin ich noch ein bisserl entsetzter, weil der Kandidat die Antwort nicht weiß. In solchen Momenten sieht man dann den Assinger leiden, ich glaub insgeheim verzweifelt er an Österreich. Es kommt noch schlimmer: Selbst der Telefon-Joker hat keine Ahnung vom Pudels Kern und ich denk mir nur: Der Teufel soll euch holen, wenn ihr dermaßen deppert seids!

Ich schalte einige Programme weiter und nach diesem Goethe-Einfahrer ist mir nach einer Amnesie zumute. Ich will vergessen, wie ungebildet die Menschen bei uns sind. Nach der Amnesie fragt grad ein Privatsender: „Wenn man sich an nichts mehr erinnern kann, hat man dann die Amnesie oder die Annemarie?“ Die Annemarie finde ich als Antwort sehr super. Ich gehe mit der Annemarie im Kopf durchs Leben und weiß von nichts. Ich denke wieder an meinen E-Mail-Freund Barack. Vielleicht hat der auch die Annemarie im Kopf und weiß von nichts, hat keine Ahnung von seinem Nobelpreis, verschickt ein paar tausend Truppen nach Afghanistan und vergisst das gleich wieder. Eigentlich ein schöner Zustand, wenn man Scheiße baut und nicht mehr davon weiß.
Die ÖBB ist übrigens auch von der Annemarie befallen. Wenn die schon das halbe Netz streicht, warum nicht gleich das ganze? Hätte etwas Ehrliches. Wir scheißen auf die Bahn und dafür müssen uns die Brummis via Autostopp quer durch Österreich mitnehmen. Denen erzählen wir dann etwas vom Pudels Ker, von Obama dem E-Mail-Freund, sowie von der Annemarie und der Amnesie.

Wa.

(c) "Frontal" 2009.

Friday, October 30, 2009

Besprechung Roberto Bolaño: 2666



Jens Lapidus -- Roberto Bolaño -- Ulrich Ritzel

Bei dem Namen Roberto denke ich als g’standenes Wirtschaftswunderkrapferl natürlich an Roberto Blanco, aber da ja Blanco eher Herr des Schlagers ist, hat er auf diesem Blogg keinen Stammplatz. Roberto Bolaño schon eher, der mit seinem über 1000 Seiten starken Roman „2666“ von sich reden macht. Ja, ich hab das Buch leider noch nicht gelesen, aber da meine Blogeintrag „Besprechung David Forster Wallace: Unendlicher Spaß“
auffallend häufig aufgerufen wird, versuchen wir das nun auch mit Kollegen Roberto Bolaño ebenso. Übrigens: Noch nie wurden die Namensvetter Roberto Bolaño und Blanco in einem Satz verwendet, was sich hiermit auch erledigt hat. Ja, gut auch, dass ich die Erstausgabe mit den duften orangen Seiten habe, siehe Bild, seit der 2. Auflage sind sie ja leider weiß.
Aber ich will Sie nicht ganz bescheißen zum Lesen empfiehlt sich zweierlei: Ulrich Ritzel, mit seinem „Beifang“, nicht ganz auf der Höhe der Zeit, aber der alte Haudegen hat schon sieben Berndorf-Krimis gestemmt. Dazu sage ich einmal Respekt, Herr Ritzel!
Knallhart geht’s dafür bei Jens Lapidus zu. Der Stockholmer hat mit „Spür die Angst“ einen knallharten Gangster-Krimi geschrieben, dessen Gangart eher an die Machart von Krimis im angelsächsischen Raum erinnert. Knochen krachen, Schädel bersten und die dunklen Herzen und Seelen werden offengelegt. Fernab vom norwegischen Sozialstaat widmet sich der Autor der Balkan-Mafia. Kurze Sätze, ein knackiger Stil, eine klare Aussage, mehr kann man sich von diesem Krimi nicht erwarten.

Wa.

Tuesday, October 27, 2009

Bilder-Blog




Manchmal ist ein Blog nicht mehr als ein Bild. Dazu gibt's eine kurze Anleitung: (Nicht zu weit) aus dem Fenster lehnen und abdrücken. Und so erstrahlt dann die Grazer Universität für Musik und darstellende Kunst in neuem Licht.

Wa.

Friday, October 23, 2009

Tone Fink in Graz




Sollt noch einer sagen, Maler sind nicht eitel! Nein, kleiner Scherz, Tone Fink freute sich so sehr über die gestrige Vernissage seiner Ausstellung, dass er sich einige Minuten zuvor beim Friseur "Haar Virus" Gel reinschmieren ließ. Da sind wir eigentlich schon am Ort des Geschehens. Der Vorarlberger-Wiener Künstler stellt zurzeit in der Galerie der hiesigen Raiffeisen-Zentrale am Tummelplatz aus. An sich sind ja Ausstellungen in bankhäuser und Versicherungen nicht immer angehnem, gerade die Vorstadt-Fillialen können davon ein Lied singen, aber bei Tone muss man sich da keine Sorgen machen.
Kurz noch ein Wort zu den Bildern, gerade die Din A4 Formate sind bestechend: Papier ist nicht einfach Papier. Es ist lebendig, es ist zu entzweien, zu durchbrechen, aber auch wieder zu kleben. Für Tone Fink ist es so etwas wie eine lebendige Substanz. Dazu bemalt und „bekritzelt“ er es, mit Bleistift, Kreide oder Bundstifte. Eine Art verspielte Leichtigkeit tritt hier auf, als sei ein Kind am Werk, das ungeachtet nach den Stiften greift, die ihm gerade am nächsten liegen. Es ist der Zufallsmoment, der sehr stark mitspielt, die Eingabe in einem Sekundenbruchteil, natürlich unbewusst gesteuert. Und trotzdem kommen bei Tone Fink fabelhaft anmutende Zeichnungen heraus. Tiere, Menschen, Kreuzungen aus Tierrassen, eben neue „finkische Fabelwesen“ sind zu erkennen.

Und hier gehts zum Fink


Wa.

Wednesday, October 21, 2009

Der heilige Ort des Lesens.




Auf dem WC liest man sehr gerne, ich hoffe da es geht Ihnen auch so. Das hat viele Gründe. Zum einen ist man so herrlich unabgelenkt. Hat damit zu tun, dass man nur blöd gegen die Klotüre schaut. Handy hat man auch keines dabei und wenn das Wasser ein bisserl plätschert, weil der Installateur noch nicht gekommen ist, beruhigt das unheimlich. Das Scheißhaus als Oase des Glücks. Es gibt also keinen besseren Ort um zu entspannen, außer man hat Verstopfung oder das Gegenteil davon.

Dementsprechend eignet sich das WC wunderbar als Leseort. Auf dem WC liest man, was man gerade in die Finger kriegt. Im Grunde ist das ziemlich toll. So hatte ich erstmalig das türkise Magazin eines Parfümerie-Diskonters in der Hand. Das erste was mir auffiel sind die Modells. Viele von denen schauen komisch, so als ob sie grad von einer geheimnisvollen Krankheit heimgesucht werden. Vielleicht müssen sie auch nur dringend auf die Toilette, kann ja sein.

Auf den nächsten Seiten wird eine Reise nach Mexiko angeboten. Der Reisebüro-Mensch meint, dass sich Mexiko in den letzten 20 Jahren echt verändert hat. Super, denk ich mir. Sogar die Steiermark hat sich in den letzten 20 Jahren verändert, wird wohl in Mexiko auch so sein. Von der Schweinegrippe steht nix drin, auch nicht von den tausenden, mexikanischen Wirtschaftsflüchtlingen, aber macht nix, wir blättern weiter.

Wieder ein paar Bilder von Modells, wo keiner weiß warum die so komisch dreinschauen, vielleicht sagt ja auch der Fotograf zu denen, „schau mal so drein, als ob du dich ankackst!“, möglich ist bekanntlich alles. Endlich sind wir bei einem Designer, ich kenne ihn aber nicht. Kenneth Cole aus New York, vom Foto her ein netter Kerl. Ich erfahre, dass er ziemlich viel auf Charity macht, super denk ich mir, in Amerika muss ja jeder Steinreiche auf Charity machen, sonst gehört er gleich zu den bösen Reichen. Und dann hat er einen neuen Duft kreiert. Soll sehr traditionell riechen, weil die Tradition und die damit verbundenen „wahren Werte“ uns in der Krise doch Orientierung geben sollen, meint man da so. Aber irgendwie soll auch alles wärmer und sinnlicher riechen, meint der Herr Designer. Ja, genau, das hätte ich an seiner Stelle auch geantwortet. Tradition und Sinnlichkeit, genau das was wir brauchen. Ha! Das uns diese Formel nicht schon in den letzten Monaten eingefallen ist! Ist ja nicht zu glauben … Es gibt Menschen die nehmen solche Hefterln ernst, denke ich mir, und die tun mir jetzt verdammt leid.

Das nächste im Regal ist ein Micky Mause Heftl unserer Tochter aus dem Jahre Schnee. Satte 28 Schilling habe ich damals für den Dreck bezahlt und irgendwie hat er es geschafft, bis heute zu überleben. Phantastisch! Da sind lässige Zaubertricks drin. Karten die verschwinden, Becher die in der Luft schweben. Nebenbei erklärt der Zauberer was hinter dem Zauber steckt: Die richtigen Klamotten muss man anhaben. Die Tricks muss man oft üben, sonst ist man zu langsam. So nebenbei muss man das Publikum ablenken, eine gute Laune soll man haben und selber staunen was man da so daherzaubert. Aber nichts desto trotz: Zaubern sollte doch gelernt sein, steht im letzten Absatz geschrieben. Kommt mir ein bisserl wie die Politik vor: Schönwetterstimmung ist ja toll und ein bisserl Tam-Tam muss man auch machen, aber herauskommen sollte auch was.

Übrigens, was den Profi- und Amateur-Leser auf der Toilette unterscheidet ist, dass der Profi aufs Runterlassen nicht vergisst und die Lüftung einschaltet.


Wa.

Sunday, October 11, 2009

Der Graz Marathon



Herr K. vom Portal haubentaucher.at - aufgenommen noch vor dem 1/2 Marathon

Der Graz Marathon ist also überstanden. Nicht nur für Herrn K. aus der haubentaucher.at-Redaktion sondern auch für den Elvis-Imitator bei mir um die Ecke. Herr Elvis wiederholte sich alle fünf Songs und stolperte immer wieder über „I’ve lost you“. Dass hier meine natürliche Abscheu gegen Elvis-Imitatoren durchkommen mag, will ich gar nicht abstreiten. Dass aber wirklich sehr viele Läufer vor dem Marathon wischeln mussten und in Graz dafür sehr wenige mobile Toiletten aufgestellt waren, steht auf einem anderen Papier. Ah ja, Herr K. aus der Redaktion haubentaucher.at landete nach 2:08:57 immerhin auf dem respektablen 1734 Platz.

Gratulation!

Wa.

Saturday, October 10, 2009

Endlich, Strache ist Kanzler!



Manche last trägt man nicht gerne auf dem Rücken ...

Ok. Nicht so ganz, aber der PR-Gag vom Überreuter Verlag haut schon hin. Vor kurzem erschien nämlich das gleichnamige Polit-Buch. Eine spekulative Zukunftsmusik, aber die letzten Wahlen lassen zumindest doch nicht ganz abstreiten, dass uns der FPÖ-Mann weiterhin nicht erspart bleiben wird.
An Susi war diese Sprachblase befestigt. Weiters teilte sie Flyer zum Buch aus. Ihre Reaktion: Rechts-Wähler gehen sehr zielgerichtet auf sie zu und nehmen den Flyer mit, anders denkende Menschen schauen zuerst einmal blöd, meinen dann „Spinnt’s ihr?“ und nehmen’s dann doch mit Humor. Strache, Kanzler? Wer will das schon glauben.


Er schafft's nicht. Ich weiß es. Wa.

ILL BILLY THE K.I.T.T.


4Erinnert an die Grazer Gruppe: Autor bekommt unerwartet beuch auf der Bühne.

Manfred Gram zählt zu den begnadetsten Schandmäulern in Österreich. Tagsüber schuftet er in der Kulturredaktion vom Format, aber in der Nacht wird er, wenn er zur Feder greift und nicht grad seinem Baby das Flascherl geben muss oder gerade über den Durst gluckert, zu ILL BILLY THE K.I.T.T., dem Herr über die letze Seite im Wiener Studentenmagazin „The Gap“.
Billy schreibt gerne über schlechte Rasuren, nicht bessere Laune, dem Drang seiner primären Geschlechtsmerkmale oder über Personen die nicht erwachsen werden wollen – die Bandbreite ist groß, gegen die Billy schießt. Und das passt schon so. Bei Lesungen schenkt er übrigens grausige und nicht so grausige Styling-Produkte her, die als Reklame in die Redaktion geschickt werden.
Gestern hatte aber sogar Billy mit viel Gegenwind zu kämpfen. Obgleich sein Lese-Duktus eine kampfbetonte Mischung aus Rainald Götz und Franz Dobler gleichkommt, konnte er beim „Hundert Jahre Gap Fest“ wohl weder gegen eine nicht ganz interessierte Meute im hinteren Veranstaltungsbereich noch gegen einen Besucher ankommen, der Billys Hair-Styling Produkte auch an Billy persönlich ausprobierte. (Der „Wa.“ bekam übrigens auch eine Styling Schaum Dosis ab.)


Wa.

Die kleinste Weltstadt Graz.



In einen der letzten Nächte gab’s am zentral gelegenen Jakominiplatz Schweißerarbeiten zu bestaunen. Der warme Sahara -Wind, das stählerne Licht und dazu den Werbespot im Hintergrund gaben ein filmisches Bild ab. „Chinatown“ gibt’s schon, ebenso „Subway“, ein Film der ebenfalls Schweißerarbeiten ästhetisiert. Grazer „Bim Film“ oder so, das wäre zumindest ein Titel.

Wa.