Sunday, May 27, 2018

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Sunday, October 29, 2017

Vier Mal Frankreich.




Die Welt ist groß, doch Frankreich genügt die Innenansicht, nicht zu Unrecht: Julie Estève, Enfant terrible der Pariser Szene, geht mit ihrer Protagonistin, Lola, auf Männerjagd. Im gleichnamigen Roman erobert sie Männer im Nu, lässt sie jedoch sehr bald wieder fallen. So nebenbei fließt Lolas dramatische Kindheit in den Text ein und macht daraus ein Stück Borderliner-Literatur, inklusive psychologischem Background. Aber das ist nicht alles: Es wurde in der letzten Zeit selten so schonungslos und zugleich amüsant über Männer geschrieben. Sehr dichte, literarisch ansprechende Momente enden gekonnt am Höhepunkt der Geschichten und schauen danach in das dunkle Loch der Depression. Und dann kommt doch einer, der eine, der dem eher anstrengenden Treiben ein Ende setzen könnte, im positiven Sinne.
Keine Provokation

Natürlich hat man jetzt keine neue Jelinek vor sich liegen, weder „die Klavierspielerin“ noch „die Lust“ ist mit „Lola“ zu vergleichen. Bei Julie Estève fehlt das provokante Element, vielleicht auch die ernüchternde Gewalt der Elfriede Jelinek. Alleine der Mädchenname „Lola“ hätte die österreichische Autorin vermutlich zu einem Angriff gegen jegliche Erwartungshaltungen genützt. Julie Estève traut sich hier noch nicht so richtig raus. Vielleicht kommt das noch - „Lola“ ist eine gelungene Verstörung, die den Leser durchaus dranbleiben lässt und auch einen gewissen Unterhaltungswert hat. Abseits der großen Provokation ein wirklich sehr eigener Roman. 
„Balzac, Balzac!“, hört man das gebildete Paris jubilieren, wenn es um Virginie Despentes Roman „Das Leben des Vernon Subutex“ geht. So weit ist es noch nicht, aber Virginie Despentes zeichnet ein sehr präziseres Sittenbild unserer Zeit. Nach einigen Werken über Randgestalten unserer Gesellschaft, ist ihr neuer Roman eine Art Versuch über die Menschheit. Damit kommt sie in der gesellschaftlichen Mitte an und gewinnt so an Bedeutung.


Gesellschaftliches Kaleidoskop
Vernon, ein Schallplattenhändler, verliert seinen Job und schlussendlich seine Wohnung. Er bemüht nun seine gar nicht so knappe Liste an Kontakten, tingelt so von Freund zu Freund und nistet sich für einige Tage ein. Dabei heraus kommt ein Spiegelbild der Menschheit. Besonders gut gelingen Virginie Despentes die Porträts der Pariser Kulturszene, sehr böse und dennoch zum Lachen komisch. Die Autorin macht hier einen gelungen Querschnitt durch die Pariser Gesellschaft, jegliche Tabus sind ihr fremd. Leider fehlt an manchen Stellen die Stringenz, gerade wenn sich die Autorin zu sehr vom Hauptprotagonisten entfernt. Aber der Roman funktioniert und schlussendlich soll er zu einer Trilogie ausgebaut werden. Hoffentlich kann die Spannung gehalten werden.

Sowohl „Lola“ als auch „Das Leben des Vernon Subutex“ zeigen eine gewisse Vormachtstellung der französischen Literatur in Europa. Frankreich nimmt sich gesellschaftlich und kulturell nach wie vor sehr wichtig und dieses Selbstvertrauen ist auch in den Romanen festzustellen und beim Lesen nach wie vor spürbar. Hiermit muss jetzt nicht übertrieben werden, jedoch in einer Welt, die sich permanent versucht gleichzuschalten, kann der eigenständige Weg nur zum Vorteil gereichen.
Gitarre und Paris

In „Vintage“, so der Titel Grégoire Herviers Romans, geht es nicht um Mode oder Möbel, sondern um gebrauchte, edle Gitarren, genauer um E-Gitarren. Gleich zum Inhalt: Der Pariser Thomas Dupré ist vom Beruf her Gitarrenrestaurator und zugleich Liebhaber dieser Instrumente. Im Speziellen sind es E-Gitarren aus den Fifties und Sixties, die es ihm angetan haben. Eines Tages beauftragt ihn sein Chef eine der restaurierten Gitarren persönlich einem gewissen Lord Winsley nach Schottland zu bringen. Angekommen, auf dem ehemaligen Schloss von Led Zeppelin-Gitarristen Jimmy Page, weiht ihn Lord Winsley in ein Geheimnis ein: Ihm sei eine „Gibson Moderne“, eine sagenumwobene Gitarre, von der nur einige Prototypen gebaut wurden, gestohlen worden. Er beauftragt nun Thomas, für ihn die Gitarre zurückzuholen. Dafür bekommt er eine Million Pfund, sowie ein erstklassiges Erlebnis. Das Abenteuer kann also beginnen.

Abenteuerlust

Grégoire Hervier knüpft an große Abenteuerromane an, verfasst in der Tradition eines Jules Vernes, Jack Londons oder Mark Twains. Man kann diesen Roman auch als Krimi lesen: Ein gestohlenes, wertvolles Musikinstrument, ein toter Gitarrenbauer, dazu zaubert der Autor noch einige schräge Vögel auf die Bühne: Verschrobene Sammler, Millionäre mit eigenen Privatmuseen, Händler ohne Skrupel. Falls man ein Freund von Abenteuergeschichten ist, grundsätzlich an Rock-Musik interessiert ist und das Spiel zwischen Faktum und Fiktion liebt, dann ist man bei Grégoire Hervier goldrichtig.

Brutale Realitäten

Bei Édouard Louis hat die Fiktion nur begrenzt Platz. Nach seinem autobiographischen Debüt „Das Ende von Eddy“, in dem er seine Jugend als homosexueller Außenseiter bezüglich seiner intoleranten Familie und dem problematischen Umfeld seiner Schulzeit aufarbeitet, legt er nun einen zweiten Roman, „Im Herzen der Gewalt“, vor, ebenfalls autobiographisch. Dieses Detail wird hier wesentlich, wenn man den Inhalt des Buches in Betracht zieht. Hier wird der Ich-Erzähler von einem Mann vergewaltigt und mit dem Tode bedroht. Geschickt wird die Situation gezeichnet: Fiktiv lässt der Autor auch andere Personen zu Wort kommen, die dieser Geschichte unterschiedliche Perspektiven verleihen. Dazu ist das Grundthema des Autors allgegenwärtig: Eine eindringliche Stimme, die wieder und wieder feststellt, es bis hierher nach Paris, in die gesittete Welt, in die intellektuelle Schichte geschafft zu haben - und dann dies: Missbrauch und Morddrohung.

Sofern man sich diesem Roman öffnen kann, ist er wirklich sehr feinsinnig und feingliedrig und tatsächlich ein ausgezeichnetes Stück Literatur. Dass der Inhalt auch außerhalb des Feuilletons für Diskussionen sorgte, liegt vor allem daran, dass der Vergewaltiger laut Autor ein Schwarzer ist, der diese Tat bis heute bestreitet. Dennoch geht es hier nicht um Schuldzuweisungen, sondern um einen literarischen Achtungserfolg, dem man auch den zum Teil doch sehr pathetischen Stil verzeihen kann.

Martin G. Wanko (Vorarlberger Nachrichten)

 Julie Estève: „Lola“, 160 Seiten, Rowohlt
Virginie Despentes: „Das Leben des Vernon Subutex“, 398 Seiten, Kiwi

Grégoire Hervier: „Vintage“, 389 Seiten, Diogenes

Édouard Louis: „Im Herzen der Gewalt“, 216 Seiten, S. Fischer

Monday, September 18, 2017

15 Konzerte in 30 Zeilen.

That's me und die Stones am Becher.


Nach wie vor bekomme ich vor Konzerten das Kribbeln. Obwohl dieses Gefühl jetzt nicht  zwingend vom Zuschauerstrom und von der Bekanntheit der Band abhängig ist. Das Ding muss für einen passen und sonst gar nix. Passiert mir übrigens beim Fußball auch, aber das ist dann wieder eine andere Story. Samstags gastierten die Rolling Stones am Red Bull Ring in Spielberg. Da konnte alles zusammenpassen: Band, Ort und Größe der Veranstaltung. Oder eben nicht: Weder Band, noch Ort, noch Größe, kann ja alles scheitern und schon beginnt man zum Nachdenken. Wie waren die letzten 50 Konzerte, die wir* so sahen.

The WHO in der Stadthalle waren großartig, einzig das klassische Gitarrenzertrümmern blieb aus, in einigen Jahren eine Angelegenheit für das Konzerthaus, jetzt im positiven Sinne. Red Hot Chili Peppers auf Nova waren hingegen eine Enttäuschung, zu wabbelig war der Sound und eine gewisse Textsicherheit wäre tatsächlich a Traum gewesen. Sehr erfreut hat hingegen Nick Cave auf Frequency im Jahre 2013, eine irre australische Predigt im weißen Licht. Fast schon kindliche Freude traf uns bei Blink 182, in der Originalbesetzung. In Graz sehr lustig und erfrischend K.I.Z. (das Konzert, in dem das Rauchverbot im PPC für die Jollies war). AnnenMayKantereit, (das Konzert, in dem 16-jährige Mädchen die Nichtraucherzone im PPC eisern verteidigten), woher May diese kräftige Stimme hat, weiß kein Mensch. Alligatoah mit Animator eh sehr okay.

Frittenbude, die Jungs aus Berlin waren wirklich wild und geil, irgendwie Rap, Punk, das sind Menschen mit Anstand & Meinung. Iggy Pop in der Arena, Wien (100 Leute mit Iggy auf der Bühne und Iggy bei strömenden Regen im Publikum). Kraftklub KK, (leider nur das letzte Lied, durch viel Blödheit im eigenen Schädel den Rest nicht gesehen), Tocotronic, trotz Grazer Soziologen und Psychologen-Publikums okay, vor allem auf den Zuruf „Hamburger Schule“, den er als „Hamburger Sonderschule“ quittierte. Deichkind eigentlich immer großartig, nie vergessen werden wir die „Yippie Yippie Yeah“-Tournee, zwei Mal Bilderbuch, zurzeit von „Maschin“ (klingt fast kärntnerisch „ma scheeen“), noch im Glauben, dass Bilderbuch die besseren Wanda wären, was sie aber nicht sind. Wanda, bei denen wir uns nachträglich für den J&B in der ersten Reihe links bedanken wollen. 


 
That's Mick, ohne Becher, dafür mit Gitarre.
 

Und dann war da der letzte Samstag, der 16.09.2017, und wir im Bus von Graz nach Spielfeld. Neben mir ein eh ganz cooler aber doch leicht angespannter Typ, weißes Haar und so, wo ich vom Gefühl her nicht so genau wusste, ob ich ihn jetzt duzen kann, oder ob das nicht mehr geht, hinter mir Jeansjacken-Prolls, die sich einen Deut zu laut über ihre „Erfolge“ im Golfsport unterhielten. Dazu nimmt der Regen minütig zu und ich denke an die Gatsch Partie in Woodstock, die ich nie erlebt habe, an die gute alte Zeit, die nie so gut war, wie wir sie uns vorgaukeln und will einfach nur eines haben: Ein verdammt geiles Konzert, das keine Wünsche offenlässt, anders ausgedrückt: Die Möglichkeit einer gelungenen Veranstaltung mit fast 100.000 Besuchern.

Und? Es war so. Geiler Gig!

 Wa.
 

*Wir: Tochter & ich


 

 

Thursday, January 19, 2017

Die Hölle!



Violetta Schuralow und Stefan Ruzowitzky  bei der Soundportal Premiere ...

Die Hölle ist ein ungemütlicher aber interessanter Ort und seit kurzem auch Titel eines Action-Films aus Österreich. Stefan Ruzowitzky hat ihn in Szene gesetzt – und wie. Ein Psychopath treibt sein Unwesen, ein Frauenmörder. Eigentlich in Afrika „tätig“, hat nun in Wien sein erstes Opfer, eine muslimische Sexarbeiterin, in den Himmel befördert. Violetta Schuralow (Özge) hat ihn dabei von Fenster zu Fenster knapp nach der Tat beobachtet, und er sie. Sie ist daraufhin die Gehetzte, macht aber einen auf Nikita und ist schon sehr wehrhaft. Als Kommissar engagierte Ruzowitzky Tobias Moretti, der auch mit seinem Alter Ego seinen gewissen Spaß hat, sein altersschwacher Schäferhund ist schon sehr okay.  

im Cineplexxx in Graz ...

„Die Hölle“ ist ein klassischer Actionfilm, in der Machart von Luc Besson. Action, dazu viel Film Noir und ein Fokus auf das ungeschönte Wien von heute. Hier wird das heiße Thema Migration angepackt, jedoch ohne eine eindeutige Position zu beziehen, sondern um einen coolen Film zu machen, der seine Erwartungen übertrifft. „Die Hölle“ ist nicht peinlich, sondern fährt auf einem High Label - deshalb angemerkt, da das Genre Actionfilm im deutschen Sprachraum oft aufgrund mangelnder finanzieller Möglichkeiten und ästhetischer Fehlentscheidungen ein bisserl lächerlich ausschaut und eher an beliebige Sokos erinnern. Wenn es in „der Hölle“ kracht, kracht, kracht es, wenn gejagt wird, wird gejagt und wenn das Blut spritzt, spritzt das Blut. Das ist sehr fein anzuschauen, natürlich auch mit wunderbaren stimmigen und traurigen Momenten, die nötige Formung und Weiterentwicklung der Charaktere sorgt.

Hund is cool - Violetta.


Natürlich kann man meckern, dass der Moretti schon wieder spielt, oder es scheinbar am Palfrader kein Vorbeikommen gibt. Ja eh, aber scheiß drauf, weil Violetta Schuralow eine großartige Schauspielerin ist, die alles überstrahlt, dem Ruzowitzky  ein geiler Film gelungen, dem das noch viele neidisch sein werden, weil man Wien „von unten“ sieht, ohne daraus ein Sozialdrama zu machen und weil der Film ganz einfach klasse ist und darum viele, viele Besucher braucht. In Österreich ohne der klassischen Komödie oder dem Arthouse-Film geiles Zeug zu machen, ist verdammt schwierig, eine Genre Erweiterung „Österreichischer Action-Film“ wäre sinnvoll.

Wa.

Vielen Dank für die Einladung an das Radio Soundportal sowie das Cineplexxx in Graz. (Fotos 1, 2, Wa. Foto 3: Allegro Film).  


Monday, October 17, 2016

Das Glacis und der Lauf.




 
Die Stadt ist wie ein pulsierender Organismus und jeder Organismus hat ein Gebiss. Die vorderste Zahnreihe ist meist die, die am schönsten poliert wird, soll ja etwas hermachen, unsere Stadt. Da ich jeden Tag am Glasics zur Arbeit gehe, sehe ich den langsamen Niedergang dieser einstigen Prachtstraße. Antiquariate sperren zu, Lokale machen nicht auf, kleine, an die Universität gebundene Betriebe geben w.o. So manch Oase versiegt und wird anderenorts wieder gesichtet, zum Beispiel die Pastaria. Dazu verdreckt das Glacis zusehends. Da mag man doch nicht einmal mehr mit dem Fahrrad unterwegs sein. Vielleicht doch die Sperrstunde nach Hinten verlegen? Das könnten sich Lokale wieder rentieren und vom Glacis könnte der Schall in Richtung Stadtpark verlaufen, das wäre auch für die Anrainer gut.


Und überhaupt: Außerhalb von Graz wird man gerne gefragt: Und was wird nun als Nächstes bei euch verboten? Also, Leute im kreativen Umfeld wollen in so eine Stadt nicht kommen, Verbote kommen ihnen zu creepy vor. Die sind aber der Humus für die Zukunft. Künstler und Kreative, die machen’s aus. Blöd aber, weil die halt immer die Goschen offen haben und eifrig meckern. Früher sind die wenigstens „nur“ im Wirtshaus gesessen, haben Dinge ausgeheckt, die sogar „die Zeit“ daraufhin abgedruckt hat. Heute gehen die Herrschaften zwar auch ins Wirtshaus aber mitunter laufen sie auch oder halten sich sonst wie fit. Und so kommt es, dass ich gestern, Sonntag, am 16.10. laufen war. Der Oleander blüht, die Oliven stehen noch im Freien, in der Sporgasse machen Eishändler noch gute Umsätze. Und so verlässlich wir jetzt bereits seit Jahren keinen Frost mehr im Oktober haben, werden nach wie vor die Trinkbrunnen der Stadt Graz zugesperrt, wie jedes Jahr, Mitte Oktober.
Fotos & Text: Wa.

Das Glacis und der Lauf.




 
Die Stadt ist wie ein pulsierender Organismus und jeder Organismus hat ein Gebiss. Die vorderste Zahnreihe ist meist die, die am schönsten poliert wird, soll ja etwas hermachen, unsere Stadt. Da ich jeden Tag am Glasics zur Arbeit gehe, sehe ich den langsamen Niedergang dieser einstigen Prachtstraße. Antiquariate sperren zu, Lokale machen nicht auf, kleine, an die Universität gebundene Betriebe geben w.o. So manch Oase versiegt und wird anderenorts wieder gesichtet, zum Beispiel die Pastaria. Dazu verdreckt das Glacis zusehends. Da mag man doch nicht einmal mehr mit dem Fahrrad unterwegs sein. Vielleicht doch die Sperrstunde nach Hinten verlegen? Das könnten sich Lokale wieder rentieren und vom Glacis könnte der Schall in Richtung Stadtpark verlaufen, das wäre auch für die Anrainer gut.


Und überhaupt: Außerhalb von Graz wird man gerne gefragt: Und was wird nun als Nächstes bei euch verboten? Also, Leute im kreativen Umfeld wollen in so eine Stadt nicht kommen, Verbote kommen ihnen zu creepy vor. Die sind aber der Humus für die Zukunft. Künstler und Kreative, die machen’s aus. Blöd aber, weil die halt immer die Goschen offen haben und eifrig meckern. Früher sind die wenigstens „nur“ im Wirtshaus gesessen, haben Dinge ausgeheckt, die sogar „die Zeit“ daraufhin abgedruckt hat. Heute gehen die Herrschaften zwar auch ins Wirtshaus aber mitunter laufen sie auch oder halten sich sonst wie fit. Und so kommt es, dass ich gestern, Sonntag, am 16.10. laufen war. Der Oleander blüht, die Oliven stehen noch im Freien, in der Sporgasse machen Eishändler noch gute Umsätze. Und so verlässlich wir jetzt bereits seit Jahren keinen Frost mehr im Oktober haben, werden nach wie vor die Trinkbrunnen der Stadt Graz zugesperrt, wie jedes Jahr, Mitte Oktober.
Fotos & Text: Wa.

Sunday, June 12, 2016

Warum ich den Vatertag ablehne.


Zusammen in Italien, jung waren wir!
 

Ich bin Vater einer 21-jährigen Tochter und alles ist gut, soviel einmal für Leser, die mich nicht so gut kennen. Der Vatertag ist für mich dennoch eine sonderbare Angelegenheit, um ehrlich zu sein, finde ich ihn entbehrlich.

Darum lese ich auch heute keine Zeitung, außerhalb des Sportteils. Finde es aber schon lustig, dass die beiden auflagenstärksten Zeitungen das gleiche Titelbild eines Fotodienstes gewählt haben. Es zahlt sich halt doch aus, einen Gerry Wolf oder einen Christian Jungwirth für ein Exklusivfoto zu verpflichten, das nur kurz zum Thema Austauschbarkeit unserer Medien. Das Bild ist aber sehr nett, ein Kind liegt mit dem Vater in der Wiese und das kleine Kind packt den Vater an der Nase, beide lachen dabei. Alles eitle Wonne. Schön so.
Zusammen auf dem letzten Spring Festival
 

Ich bin Autor, war zur Zeit als unsere Tochter klein war, Ende der 1990er-Jahre,  als Freischaffender logisch, viel mit unserer Tochter unterwegs. Jetzt lache ich darüber, damals war das alles nicht so witzig.

An den öffentlichen Spielplätzen zum Beispiel, schauten mich die Mütter misstrauisch an, manche kamen auch auf mich zu und fragten, was ich denn hier auf der Bank so sitzend und die Kinder beobachtend, mache. Als Antwort rief ich dann nach meiner Tochter, die zu mir gelaufen kam. Den Müttern war das ziemlich peinlich und sie entschuldigten sich auch, aber die Sache war klar, sie verdächtigten mich als Kinderverzahrer.

Auf der fahrt nach Wien. Gas geben!
 

Unsere Kinderärztin wiederrum sagte mir Jahre später, als ich sie auf einer Vernissage traf, dass ich der erste Vater war, der prinzipiell mit seinem Kind die üblichen Termine machte. Immerhin brauchte sie damals am Abend einen Cognac, und spürte, dass eine neue Zeit angebrochen war.

Besonders nett waren die Menschen, die nach dem dritten Bier meinten, und bei euch macht also deine Frau Karriere, während du auf die Tochter „schaust“. Das impliziert nämlich gleichzeitig den Gedanken, dass eine Mutter, die „ihren Pflichten“ „anständig“ nachkommt, keine Karriere machen kann, oder darf. Meine Frau spürte das übrigens auch gelegentlich, dass eine Beziehung, wo sich eben beide um den Nachwuchs kümmern, mit Neid bedacht wurde.

Besuche am Fußballplatz mit meinem Freund Wolfgang waren auch immer interessant, weil wir unsere Mäderln dabei hatten. Ja, sollten wir sie zu Hause sitzen lassen oder was? Das sind jetzt alles nur Momente, die ich beschreibe und nichts mit Jammern zu haben, bitte mich hier nicht falsch zu verstehen und wenn schon, dann bitte jetzt einmal ein Hoch auf alle alleinerziehende Männer, denen gar nichts anderes übrig bleibt, als den Part beider Elternteile einzunehmen. Ich bedanke mich mit diesen Zeilen bei meiner großartigen Tochter, mit der ich nach wie vor eine großartige Zeit verbringe und auch bei meiner Frau, die mir diese so wichtige Zeit ermöglichte, die Dinge anders zu machen, als sie damals übrig waren.

Zusammen auf dem GAK Platz. An was ich da wieder denke ;)
 
Die Zeit mit meiner Tochter, die wir zusammen verbringen, findet übrigens noch immer ihre Fortsetzung. Es gibt keinen Menschen, mit dem ich auf mehr Fußballspielen war als mit meiner Tochter (und Haberer Wolfgang K.) und tatsächlich gibt es keinen Menschen, mit dem ich häufiger im Theater und auf Konzerten war und bin als mit meiner Tochter Clarissa. Ich finde dieses Zusammenwachsen von Generationen so kostbar, sodass wir wieeeder eine Bewegung sind. Heute übrigens, fährt der alte Knacker Wanko nach auf Nova Rock, die Red Hot Cilli Peppers habe ich noch nie live gesehen. Meine Tochter erwartet mich schon. Wird sicher eine große Sache, ganz ohne Vatertag. Den kann man übrigens abschaffen, gleich wie den Muttertag, der von der Nazi Propaganda erfunden wurde. Und wenn schon: Vatertag ist jeder Tag, Muttertag auch und Kindertag so und so.

 
Als wir Campino von den Toten Hosen einen GAK-Schal überreichten. Er war naturgemäß begeistert.

Wa.
(Alle Fotos (c) Wanko / Berner)


Monday, May 30, 2016

Philip Kerr - Wolfgang Kühnelt 1:3




Pünktlich zur Fußball-EM erscheinen naturgemäß massenhaft Kicker-Bücher Wolfgang Kühnelt nimmt hierbei Österreich unter die Lupe, Philip Kerr marschiert nach Griechenland.
Philip Kerr ist kein Unbekannter mehr. Mit „Game Over“ brachte der überzeugte Arsenal- Fan vor zwei Jahren seinen ersten Fußball-Krimi heraus, mit „Die Hand Gottes“ legt er nun nach. Spielt sein erster Roman zur Weihnachtszeit, in der in England der Fußball Hochbetrieb hat, ist der Handlungsschauplatz seines neuesten Werks interessanterweise Griechenland.

Der Co-Trainer als Schnüffler

Im Champions-League-Spiel Olympiakos Piräus gegen London City stirbt während des Spiels der russische Spielmacher der Londoner am Sekundentod, einem plötzlichen Herzstillstand. In der Nacht darauf wird aus dem Hafenbecken von Piräus eine Dame gefischt, die die letzten Stunden ihres Lebens mit dem toten Fußballer verbrachte. Die mögliche Verwicklung in diesen Todesfall ist nun der Grund, warum die Mannschaft nicht aus Griechenland abfahren darf. Um die Zeit totzuschlagen, beginnt der Co-Trainer des fiktiven Fußballclubs, Scott Manson, wie bereits im ersten Roman, als Hobbydetektiv zu ermitteln.

Prinzipiell ist Philip Kerr fein zu lesen. Der Mann hat wirklich eine Ahnung vom Fußball und auch wie die Dinge im Hintergrund laufen. Seine direkte Ausdruckweise, er nimmt sich nur selten ein Blatt vor den Mund, erinnert sehr stark an die Spielart des englischen Fußballs. Den Trip nach Griechenland hätte er sich dennoch sparen können. Seine Erkenntnis bringt keinen Mehrgehalt, zumal auch der saloppe Stil des Autors in diesem Falle eher beleidigend wirkt. Bleibt zu hoffen, dass Philip Kerr seinen nächsten Fußball-Thriller wieder in England spielen lässt, oder eine wirklich ausgefallene Destination findet.

Die österreichische Seele

Hier tut sich der Autor Wolfgang Kühnelt etwas leichter. Er bleibt mit seiner Streitschrift „Nachspielzeit“ in Österreich. Der Untertitel „Die sieben Todsünden des österreichischen Fußballs“ sagt eigentlich schon alles aus und zugleich ist es doch anders als es scheint: Kühnelt zeichnet mit Hilfe des Fußballs ein äußerst gelungenes Porträt über unser Land. Österreich als ängstliches Land, welches an einer verschwommenen Selbstwahrnehmung laboriert und sich im Grunde selbst nicht leiden kann.

Aber diese Streitschrift ist mehr als ein launisches Dribbling. Sie behandelt sowohl die Einstellung des Durchschnittsösterreichers zu Einwanderern, bis hin zur berühmten Missgunst gegenüber seinen Nachbarn. Cordoba oder der Sieg über Deutschland wird dementsprechend nochmals beleuchtet. Fazit: Wir sind die Neidrepublik und Kühnelt ein genauer Beobachter. Zu lernen würde es viel geben, die erste Hürde könnte bereits nach der Fußball-EM kommen: Wenn es mit den Resultaten nicht so klappt, schickt man den zurzeit hochgejubelten Teamchef Marcel Koller wieder in die Wüste? Zuzutrauen wäre es dem Österreicher. Ist er doch nach wie vor seines Unglücks bester Schmied.

Fazit: Der Österreicher Wolfgang Kühnelt gewinnt das Ländermatch gegen den Engländer Philip Kerr eindeutig mit 3:1.


Vorarlberger Nachrichten, Martin G. Wanko

 
Philip Kerr: „Die Hand Gottes“, 396 Seiten, Tropen Verlag

Wolfgang Kühnelt: „Nachspielzeit“, 67 Seiten Leykam Verlag