Sunday, January 16, 2022

Über verrückte Spieler, einem wütenden Bauer und dem guten Bobo





Jonathan Lethem, der verrückte Autor mit Stil, legt mit „Anatomie eines Spielers“ seinen neuen Roman vor.

 

Seine Brooklyn Romane „Motherless Brooklyn“ und „Die Festung der Einsamkeit“ machten den Autor zum Fixstern im Himmel der verwegeneren Literatur, die jedoch durch ihre Hollywood-Verfilmungen mehrheitsfähig wurde. Mit der „Anatomie eines Spielers“ legt er, unschwer zu erraten, einen Roman über einen Spieler hin. Alexander Bruno ist Berufsspieler. Er verdient sein Geld damit, indem er ambitionierte Amateure ausnimmt. Sein Leben funktioniert wie die ersten Minuten eines James Bond Film der 1980er-Jahre. Das Leben ist glamourös, Sorgen hat man morgen, wenn überhaupt. Dahinter steckt ein System, Edgar Falk finanziert die Spiele vor, treibt danach bei den Schuldnern das Geld ein und behält sich seinen Anteil. Bruno kann weltweit gebucht werden und ist nicht unelegant im Spielerparadies Singapur stationiert. Sein Spiel ist übrigens das Brettspiel Backgammon. Das geht so lange gut, bis Bruno, als schwarzen Fleck in seiner Iris, einen Gehirntumor wahrnimmt und parallel dazu seine Glückssträhne verliert. Zugleich ist das der Zeitpunkt, wo Autor Jonathan Lethem zur Höchstform findet. 

 

Die Rückkehr des Frankenstein 

In atemberaubender Geschwindigkeit schickt er seinen Protagonisten nach Berlin, von dort weiter nach San Francisco, genauer in die Universitätsstadt Berkeley, um sich von einem umstrittenen Chirurgen, Noah Behringer, operieren zu lassen: Um an den Tumor zu kommen, bohrt er kein Loch in den Schädel, sondern schneidet ihn frontal auf. Danach soll ein langsamer Heilungsprozess vonstatten gehen und den Eingriff unsichtbar machen – wenn alles gutgeht. Willkommen im Spiel um das Leben oder bei Mary Shelleys Frankenstein. Finanziert wird die Operation von einem alten Freund aus Berkeley, der durch Immobilienspekulationen und dem Hochziehen einer wüsten Unterhaltungs- und Restaurantkultur sich in der Universitätsstadt nicht nur Freunde macht. 

Ein typischer Super-GAU für Lethem, der ein wertbefreites Amerika durch den Schredder jagt. Als Galionsfigur sieht man den erkrankten Spieler sich durchs Leben zu kämpfen. Fein säuberlich verknüpft er seine Angelpunkte und lässt das Spiel fast wie von selbst vonstattengehen. Einzig schade, dass der Funken nicht immer zum Leser überspringt. Elendslange Spielpassagen sind nichts für die Literatur. Und, nicht zuletzt fehlt es Bruno Alexander an einem höheren Ziel. Muss man nicht haben, klar, aber wenn die Struktur des Romans ein Ziel verlangt, sollte eines kommen. Fazit: An sich eine interessante, ausbaufähige Trockenschwimmübung, mal schauen was passiert, wenn die Drehbuchautoren sich über das Werk hermachen und die Schleusen öffnen.

 

Die Identität am Berg

„Bauer und Bobo“, das klingt so ähnlich wie „Bauer sucht Frau“, ist aber nichts dergleichen. Zur Begriffserklärung: Ein Bobo ist eine urbane Person, die für das Gute steht und den Genüssen dieser Welt, solange bio-zertifiziert, nicht abgeneigt ist. Zum Buch: Als Bauer fungiert der „Wutbauer“ Christian Bachler und als Bobo, der Falter-Chefredakteur Florian Klenk, der die Reportage auch verfasste. Nach einem Vorgeplänkel lernte Klenk Bachlers Hof in den steirischen Bergen persönlich kennen und schätzen. Kurz später war der Bauer am finanziellen Abgrund, Florian Klenk setzte seine Kontakte ein, ein Wirtschaftsplan wurde erstellt und in einem sagenhaften Crowdfunding wurde in kurzer Zeit rund eine halbe Million Euro aufgestellt – so viel einmal zum wahrgewordenen Märchen, das dieser Reportage zu Grunde liegt. Liest man zwischen den Zeilen, werden alte Mitterer-Dramen äußerst aktuell, Axel Corti-Verfilmungen nach wie vor gültig und die Franz Innerhofer-Romane noch immer lesenswert. Da sieht man wieder die Herren in feinem Zwirn am Hof stehen, um technokratisch über Schicksale zu bestimmen. Einmal wird Weidefläche, dann bloß das Vieh gefördert und zum Zurückzahlen ist allemal was. Fazit: Nicht jeden Tag Fleisch essen und dann bewusst etwas mehr zahlen. Immerhin isst man Nahrung, die einem noch kurz vorhin angeschaut hätte. Das könnte man sich im neuen Jahr vornehmen.

 

Vorarlberger Nachrichten - Martin G. Wanko

 

Jonathan Lethem: „Anatomie eines Spielers“, 393 Seiten, Tropen Verlag

Florian Klenk: „Bauer und Bobo“, 155 Seiten, Zsolnay 

 

Wednesday, December 29, 2021

Back in the DDR!


 


Georg Baselitz füllt noch immer die Museen, jetzt werden seine Anfangsjahre literarisch gedeutet. 

 

Mit „Raumfahrer” legt der junge deutscher Autor Lukas Rietzschel seinen zweiten Roman vor. Der Maler Georg Baselitz, oder genauer gesagt Baselitz durch die Welt um ihn herum zu erklären, ist das Thema des Romans. Im Detail geht es um den unbekannten Bruder des Künstlers, um Günter, der im Gegensatz zu seinem berühmten Bruder, in der DDR zurückblieb, nicht wegkonnte oder zumindest nicht wollte, während sein Bruder ins chaotische West-Berlin der Nachkriegsjahre hineintauchte. 

 

Im Dickicht der DDR

Hinzu kommt, dass die erzählende Figur, ein Junge namens Jan, plötzlich mit einem Schwall von festgehaltenen Erinnerungen konfrontiert wird, die der längst verstorbene Günter für ihn hinterlassen haben soll, mit der Bitte das Konvolut zu lesen. Als Vermittler gilt der an den Rollstuhl gefesselte Sohn des Baselitz-Bruders, der im Familiennamen noch Kern heißt, wie der Künstler eben auch, bevor er sich als Künstlername den Namen seines Geburtsortes aneignete: Baselitz. Hier fängt eigentlich die Geschichte an, gepaart mit starken literarischen Bildern, die in Beziehung zu weltberühmten Baselitz-Bildern stehen. 

Einen nicht unwesentlichen Punkt scheinen auch Jans Eltern zu spielen, vor allem die schon verstorbene Mutter und so ist es auch eine Reise in die DDR, zurück in die andere deutsche Geschichte nach dem 2. Weltkrieg. Genauer in die Dresdner Vorortlandschaft, dem Plattenbau-Dorado oder der Plattenbau-Hölle, je nachdem, von welchem Blickwinkel aus man die vielseitige Geschichte lesen mag. Lukas Rietzschel gräbt sich also durch die jüngere deutsche Vergangenheit und kommt in der Gegenwart raus. Aber der Blick ist doch eher auf die alte DDR gerichtet, als man eben dort an eine alternative Zukunft glaubte, von der heute sehr oft nicht einmal mehr Erinnerungen existieren würden, würden sich nicht Künstler um das „Ephesus aus Beton” kümmern. Baselitz darf bereits zu Lebzeiten wiederentdeckt werden, zumindest literarisch.

 

Ein schwedischer Klassiker 

Henning Mankell sollte wiederentdeckt werden. Mankell war ja einer der wesentlichen Autoren, wenn nicht der wesentlichste, der den Krimi aus dem Norden Europas auf eigene Beine stellte. Der Sog seiner Wallander-Krimis war so stark, dass sich daraus ein ganzes Genre entwickelte, das in Europa nach wie vor den Markt beherrscht: Skandinavische Kühle und Gelassenheit sind vordergründig, relativ viel unberührte nordische Landschaft, sozialkritische Stoffe und meistens eine irrer, bösartiger Hauptcharakter werden zur Hauptzutat, dem Ermittler, beigemengt, der nach Möglichkeit die gute Seite der nordischen Errungenschaften darstellt. Erst jetzt wird mit „Der Verrückte“ ein Frühwerk des 2015 verstorbenen Autors herausgebracht.  

Die Zutaten sind die gleichen, wie vorhin genannt, aber es ist kein Krimi, sondern ein Spannungsroman, der auf Tatsachen beruht. Nach dem 2. Weltkrieg geht Bertil Kras in ein kleines Dorf im hohen Norrland, um in einem Sägewerk Arbeit zu finden. Das Dorf hat jedoch eine schwere Bürde zu tragen: Im nahegelegenen Wald wurde im 2. Weltkrieg ein Lager errichtet, in welchem politisch Andersdenkende inhaftiert wurden, auch waren Teile der norrländischen Gesellschaft mit der politischen Entwicklung im Nazi-Deutschland gar nicht so unglücklich. Am Ende des Romans steht ein Verrückter, der das Sägewerk abfackelt. Aber war er wirklich so verrückt? Mankell nimmt sich hier bereits als 29-jähriger Zeit und Geduld, um die Geschichte schonungslos zu erzählen. Er hat bereits als junger Autor einen erstaunlich langen Atem und scheint von großer Menschenkenntnis beseelt zu sein. Es wird tatsächlich Zeit die nordische Galionsfigur abseits seinen Wallander-Krimis zu entdecken. 

 

© Vorarlberger Nachrichten, Martin G. Wanko

 

Lukas Rietzschel „Raumfahrer“, 287 Seiten, dtv

 

Henning Mankell: „Der Verrückte“, 505 Seiten, Zsolnay


Wednesday, December 08, 2021

Serien sind nicht nur im Stream en vogue, in der Literatur boomen sie ebenso.


 Till Raether schickt mit „Hausbruch“ seinen Ermittler Danowski zur Reha, an die Ostsee. Carsten Sebastian Henn macht einen weiteren hochprozentigen Krimi. 

 

Carsten Sebastian Henn hat schon seit längerem den Alkohol für sich entdeckt. Jetzt nicht im herkömmlichen Sinne, sondern literarisch. Buchreihen über Buchreihen, die um Julius Eichendorff ist die bekannteste. Seine Ermittler sind hauptberuflich Köche, Professoren und eben Hobby-Detektive. Dazu gehört dem Autor auch ein Weingut an der Mosel, er weiß also worüber er schreibt, technisch gibt es auch nichts auszusetzen. Wirklich trendy wurde er, als er mit „Gib dem Leben einen Gin”, auf den Gin-Hype aufsprang und eine Story rund um eine verschollene Gin-Rezeptur niederschrieb. Mit „Rum oder Ehre“ geht es nun, nicht schwer zu erraten, um Rum und Crime. 

 

Rum soweit das Auge reicht

Ausgangspunkt ist Flensburg in Deutschland, eine der historischen Rum-Hochburgen in Europa. Im Zentrum steht der nicht mehr so ganz fitte Martin, genannt Käpt‘n, dessen Bruder Christian, ein talentierter Rum-Blender, in seinen jungen Jahren nach Jamaika ging und seitdem als verschollen gilt. Plötzlich tauchen bei Martin Briefe seines Bruders auf, die von einem turbulenten Leben auf der Karibikinsel erzählen. Grund genug um Christian, den sie auf Jamaika alle ehrenvoll „den Professor” nennen, einen Besuch abzustatten, um zumindest seinen Spuren zu folgen - wer weiß, ob der Bruder noch lebt. Angekommen auf der Insel, wird der Käpt‘n sofort mit einer Taxifahrerin bekannt, die sich für den Aufenthalt als Chauffeurin anbietet. Das alles geschieht nicht ohne Hintergedanken, denn Martin könnte ihr Onkel sein, da ihre Mutter mit dem verschollenen Christian eine Liaison hatte. Kurz nach der Ankunft gibt es bereits den ersten Toten. 

Der Leser kommt im ersten Drittel des Romans einigermaßen ins Schnaufen, weil eben der Inhalt eingearbeitet werden muss. Vielleicht etwas viel am Tablett, aber dafür sind die Storys gut gebaut und machen jetzt auf witzige Art Lust tatsächlich einmal einen Abstecher an die Karibik, abseits der weißen Strände, zu machen. Reggae, Ska und der Mythos Rum, das mag man, oder mag man nicht. Interessant ist, dass Alkohol, verbunden mit dem Profil der Regionen, immer mehr als „bürgerliches Kulturgut“ wahrgenommen wird, das sich für Krimis sehr gut eignet. Vorbei sind die Zeiten eines Charles Bukowskis und seiner wüsten Welt, lieber spaziert man die anmutigen Wege Martin Walkers oder Alfred Komareks nach. Carsten Sebastian Henn ist bisweilen vielleicht eine Spur zu nett und praktikabel, sein Protagonist könnte ruppiger sein. Unterm Strich hat der Roman jedoch seine Momente, der Leser profitiert durch sein ausgezeichnetes Fachwissen und an manchen Bars könnten seine nicht alltäglichen Drinks und Kuchen durchaus für Abwechslung sorgen. 

 

Der Polizist in der Sinnkrise

Adam Danowski ist so ziemlich das Gegenteil von Carsten Sebastian Henns Käpt’n. Danowski ist Polizist aus Leidenschaft, besser gesagt war er das. Till Raether schickt ihn bereits das sechste Mal ins Rennen, aber es läuft nicht mehr so wirklich rund. Im fünften Fall ging so ziemlich alles schief. Hier war er 24 Stunden in der Gewalt eines entflohenen Straftäters. Der Fall ging nicht ohne Pannen ab und so befindet sich der geschundene Danowskinun auf Reha an der Ostsee. Ganz nebenbei entwickelt der Autor ein Pärchen, welches sich ebenso auf Erholung befindet. Langsam und nüchtern strukturiert, in bester nordischer Qualität, lässt er hier eine ziemlich kaputte Beziehung entstehen, wo am Ende des Tages nur die Frau überbleibt und diese geht nun zu Danowski beichten. Die Kritik meint, Danowski nähme im sechsten Fall relativ spät Fahrt auf. Aber, warum auch nicht? Ein Ermittler darf auch einmal lethargisch sein und der Autor kann diese Zeit literarisch zu Nutze machen. Till Raether schafft das sehr gut. Wer mehr Action haben will, sollte den Vorgänger „Unter Wasser“ lesen.

 

Martin G. Wanko / © Vorarlberger Nachrichten 




Thursday, November 04, 2021

Die Seelenrettung einer Stadt, oder der Reiz abseits des Sandstrandes




Triest kann viel, nur nicht das gewohnte Bild Italiens wiedergeben. Der Reise- und Gourmetjournalist Georges Desrues geht in „Triest für Fortgeschrittene“ durchaus auf Einblick mit Tiefgang.

 

Wer im Schatten von Venedig liegt, tut sich schwer Aufmerksamkeit zu erlangen. So dämmert Triest, seit dem Wachküssen unter Maria Theresia, vor sich hin. Aber es gibt emsige Autoren und auch immer mehr Qualitätstouristen, die sich mit der Stadt behutsam auseinandersetzen. „Triest für Fortgeschrittene“ heißt ein ambitionierter Band mit essayartiger Reiseliteratur, aktuellen Bildern und Stadtpläne, auf denen man die Wege nachwandern kann. So offeriert das Buch mehr als einen Überblick, eher schon den Durchblick. 

 

Buntes Stecktuch 

Georges Desrues bleibt von Anfang an ganz ehrlich: Natürlich ist er vernarrt in diese Stadt, sonst würde er dort die letzten fünf Jahre nicht leben, aber Triest ist jetzt weder das Mekka der Antike noch der Renaissance. Und während der Canal Grande in Venedig ein Prunkstück zum Flanieren und Prominieren wurde, blieb der Canal Grande in Triest ein sehr nutzungsbezogenes Stück Wasser zum Beladen und Entladen der Fracht. Aber Triest war auch für den Norden die Öffnung zum Mittelmeer und nicht zuletzt für das monarchistische Österreich sozusagen das bunte Stecktuch der sonst doch ziemlich biederen Habsburger Monarchie. Mit dem Freihafen schuf man das Tor zur Welt und ließ Menschen aller Herren Länder hinein: Händler, die großzügige Villen bauten, Syrer, Armenier und Briten, die sich ganze Straßen und sogar Vierteln einverleibten. Die Habsburger kreierten mit dem Borgo Teresiano einen ganzen Bezirk nach ihren Vorstellungen und auch den, für Italien, einzigen offenen Hauptplatz zum Meer, die Piazza dell’Unità. Und mit den Investitionen auch Anziehungspunkt für Kultur und Wissenschaft. 

Das Spannende in „Triest für Fortgeschrittene“ ist, dass hier Architektur von einigen Jahrhunderten in einer Art historischen Timeline aufgezogen wurde: Von der Antike über Art-déco-Klassikern bis zu Otto Wagner inspirierten Jugendstilbauten, kommen auch Elemente aus dem Faschismus und eher zweifelhafte Erneuerungen der Stadt nicht zu kurz. Überhaupt sei dem gebürtigen Franzosen gedankt, mit Fakten wie Faschismus und Links- oder Rechtsextremismus sehr nüchtern umzugehen und sie objektiv in die Kapitel einfließen zu lassen. Kulinarisch ist auch einiges da, auch immer gut in Notizen zusammengefasst. Ob es nun die angeleiteten Wege zu den Osmizen am Karstplateau sind, die einem einen entspannenden Blick auf das unorthodoxe Italien geben, zum Beispiel auf das überwältigende Areal des alten Hafens, der zugleich visionäres Industriedenkmal und Hoffnungsträger für ein historisches und modernes Triest ist. Die Stadt trägt noch die Handschrift von Riccardo Illy, zweimaliger Bürgermeister - man sehnt sich nach einem Nachfolger mit ähnlicher Leuchtkraft. Eine Art Guggenheim müsste her, denn wer hatte außerhalb des Fußballs Bilbao jemals auf dem Radar? 

 

Ein Altmeister in Aktion

Als Zugabe einer der es so richtig kann, und zum Glück auch die nötige Beachtung findet, ist Max Annas, deutscher Kriminalromanautor der ersten Stunde, der sich immer wieder mit Themen seines Landes auseinandersetzt. In seinem aktuellen Roman, „der Hochsitz“, geistert im Jahre 1978 das widerauferstandene RAF-Gespenst durch Deutschland, das auch in einem kleinen Dorf in der Eifel, nicht unweit der Grenze nach Luxemburg, sein Unwesen treibt. Dazu kommen Banküberfälle in sonderbarer Häufung und ein Cadillac, mit Frankfurter Kennzeichen, der auffällig oft durch Dörfer fährt und Landwirten überzogene Kaufofferte für ihre Höfe hinterlässt. Einiges aufzuklären in einem ruhigen Dorf, wo sonst so gar nichts passiert und die Kinder in den Ostertagen eigentlich nur die WM-Kleber für die anstehende Fußball-MM in Argentinien aus den Hanuta-Schnitten-Packungen sammeln wollen und so nebenbei am geheimen Hochsitz den Fall gelöst bekommen. Aber wer glaubt schon den Kindern? Ein meisterlich geschnipseltes Werk mit überraschenden Wendungen, in einem politischen Deutschland der 1970er-Jahre. 

 

(c) Vorarlberger Nachrichten / Martin G. Wanko

 

Georges Desrues: „Triest für Fortgeschrittene“, Styria Verlag, 200 Seiten. 

Max Annas: „Der Hochsitz“, Rowohlt, 270 Seiten. 

Saturday, October 16, 2021

GAK, quo vadis?





Sehr geehrter Vorstand, sehr geehrte sportliche Verantwortliche des GAK,


 

nach der gestrigen 1:6 Schlappe gegen den SKN kann es nicht mehr so weitergehen. Will man nicht die letzten Fans vergraulen, sollte der aktuelle Trainer Gernot Plassnegger beurlaubt werden. Erst gestern meinte Marco Perchtold zurecht, dass wir die beste 2-Liag-Mannschaft haben, seit wir in der Liga sind. Unter diesen Voraussetzungen ist ein Ergebnis schlicht und ergreifend inakzeptabel. 

Es ist alles nicht einfach und den passenden Trainer zu finden, gehört zu den schwierigsten Aufgaben überhaupt, aber dafür seid Ihr auch da. Mehr können die Fans nicht tun, als sie eh schon tun und das seit der 1. Klasse. Sie sind das Rückgrat und die Seele des Vereins. Ohne diesen wäre der GAK nicht dort, wo er heute ist. Dazu haben sie sich bis jetzt nobel zurückgehalten. 

Das sollte jedoch Eure Leistung als Vorstand oder Verantwortlicher nicht mindern. Um weiterhin handlungsfähig zu bleiben, bitte ich Euch den Trainer auszuwechseln. Ich will hier nicht seine Leistung beurteilen, aber nicht nur ich habe das Gefühl, dass er die Mannschaft nicht mehr erreichen kann, das ist jedoch die Basis für ein gutes Spiel. Wenn es um die finanziellen Mitteln geht: Es werden noch mehr den Bach hinuntergehen, wenn so weitergespielt wird, als wenn ein neuer Trainer engagiert wird. Das Irritierende daran ist, dass wir noch immer den 5. Tabellenplatz halten und nach dem Wochenende zumindest noch im Mittelfeld sind. Es ist also noch nicht zu spät! 

 

Freundschaftliche Grüße, Martin G. Wanko


Foto: (c) Wanko

Wednesday, March 31, 2021

Hans-Ulrich Thomale: „Ich bin Trainer - kein Diplomat.“

 

                                    Foto: Hans Ulrich Thomale in seinem Element, beim GAK. (c) Thomale 



Hans-Ulrich Thomale ist Jahrhunderttrainer des GAK. Nicht umsonst, denn unter seiner Regentschaft schafften die Roten in der Saison 1994/95 den Aufstieg von der 2. in die 1. Liga und daraufhin sogleich die Qualifikation zu einem internationalen Bewerb, als 4.-Platzierter. Er formte Spieler wie Ales Ceh, Franz Almer, Gregor Pötscher, Martin Amerhauser und Edi Glieder. Den größten Erfolg hatte er sicher mit dem 1. FC Lokomotive Leipzig, mit dem er das Europacup Finale 1987 gegen Ajax Amsterdam mit 0:1 verlor. Den wahren Segen gab es jedoch 2004, als er mit seiner Frau in Thailand bei der Tsunami-Katastrophe nur knapp dem Tod entging. Im Sommer soll, wenn bezüglich der ganzen Lockdowns alles glatt verläuft, ein Buch über den Trainer herauskommen. Dann gibt es auch eine Lesereise, die ihn auch nach Graz führt. Guter Plan und eine gute Zeit, um jetzt mal kurz zu quatschen.

 

Herr Trainer, wie heißt das Buch und wie kommt es zu dem Buch über Sie. Ist ja doch eine Ehre, oder?

Thomale: Im Dezember 2019 überraschte mich mein ältester Sohn Michael mit dem Wunsch und einer zarten Aufforderung, doch ein Buch über mein Leben schreiben zu lassen. Anfangs war ich von dieser Idee nicht unbedingt angetan. Doch mein Sohn überzeugte mich. Ich hätte doch viel erlebt (Tätigkeit in Ost u. West, im Ausland sowie Ereignisse wie z.B. der Tsunami in Thailand...). Letztlich gab ich ihm Recht. So wurde aus der Idee die Wirklichkeit.

Das Buch sollte nicht nur meinen sportlichen Werdegang zeigen, sondern auch andere Lebens-u. Ereignisbereiche (Familie, Leben in beiden Teilen Deutschlands und im Ausland ) skizzieren. Fachleute, die das Manuskript schon gelesen haben, meinen es wäre ein sehr authentisches, ehrliches Buch. Wir werden sehen. Der Titel des Buches sagt schon einiges aus: „Ich bin Trainer - kein Diplomat.“

 

Sehr schön, dann haben wir auch gleich den Titel unseres Gesprächs gefunden. Sie wurden fast Europacupsieger der Meister, waren öfters „im Westen zu Gast“. Gab es da einmal die Überlegung nicht mehr zurück in die DDR zu reisen? (Sie wären ja nicht der einzige gewesen...)

Thomale: In meiner Trainertätigkeit habe ich mit meinen jeweiligen Mannschaften ca. 100 internationale Spiele bestritten. Davon 30% in etwa in westlichen Ländern. Dadurch hatte viele Kontakte, manche Visitenkarte fand den Weg zu mir. Für mich hat sich die Frage nie gestellt - meine Familie (tolle Frau, zwei prachtvolle Jungs!) waren meine wahren Vorteile!

 

Gehen Sie noch auf den Fußballplatz?

Thomale: Natürlich verfolge ich vieles im Fußball. Aber auf Sportplätzen bin ich selten zu sehen. Früher hatte ich durch meinen Job wenig Zeit. Heute hole ich vieles nach, zum Beispiel Urlaub machen ... 

 

Was halten Sie von RB Leipzig?

Thomale: RB Leipzig ist für mich ein Retortenclub, der aber durch gutes Management , entsprechende sportliche Führung natürlich auf der entsprechenden finanziellen Grundlage, seinen Weg in Spitze der Bundesliga geschafft hat. Das sollte man anerkennen.

 

Als Grazer muss man das fragen: Welchen Stellenwert nimmt der GAK 1902 inIhrem Buch ein?

Thomale: Der GAK nimmt einen relativ hohen Stellenwert ein. Schließlich war diese Zeit sportlich sehr erfolgreich und nicht zu vergessen: die Lebensart der Österreicher sowie Mannschaft und Fangemeinde des GAK.

 

Sie haben als Trainer den GAK 1995 raufgebracht. Wann meinen Sie ist es für den Aufstieg in die höchste Spielklasse Zeit?

Thomale: Nachdem sich der GAK stetig nach oben entwickelt hat, gehe ich davon aus, dass  

mit guter Arbeit und dem entsprechenden Glück, in spätestens zwei Jahren der GAK wieder erstklassig wird. Dazu wünsche ich von Herzen gutes Gelingen!  

 

Herr Trainer, danke für das Gespräch, alles Gute für Sie und Ihre Familie und rote Grüße aus Graz!

 

Wa. 

 



Monday, June 22, 2020

Corona and me - Nr. 70

Guten Abend, schönen Tag, da bin ich wieder, seas :)

wie versprochen, melde ich mich gelegentlich zu diesem Thema, "Corona" zurück, und gerade weil es zz gerade sehr würgend ist, keiner will davon noch etwas wissen, umso lieber :) anbei einige Eindrücke der letzten Zeit: 

Was mir ein bisserl auf den Zahn geht, sind die permanenten ORF-ZIB-Meldungen "zur Normalisierung", wenn ein Land die Grenzen aufmacht. Mit Covid-19-Zahlen hat das nix zu tun, die steigen nämlich. Spanien leider nicht normalisiert, aber gerne auf die Touris aus. Ja eh, aber. 

Die Arschkarte haben Kunst und Sport, weil man diese Veranstaltungen anmelden muss, bzw. sie unter gewissen Regeln laufen. Hier gilt das Abstandsmaß von 1,5 m. In den Parkanlagen, oder auf den Plätzen wo Lokale eher auf Standl-Basis sind, scheint das egal zu sein. Zu sehen jeden Tag, wenn gutes Wetter ist und die Menschen Spaß haben. Rock-Festivals gehen halt nicht, weil Anmeldung nötig. 

Aber kein Stress, ich meine, an den ersten Tagen wo die Maskenpflicht am Markt fiel, fragte ich (scheinbare Senioren), warum sie denn die Maske nicht mehr auf haben, die lapidare Antwort war: "Jetzt ist eh alles vorbei, jetzt stoß ma an." Ja, bei der zweiten Welle sollte man dies berücksichtigen. Aber eh, manche Rentner stehen noch vor dem Fenster. Das Leben ist schwierig. 

Ich will jetzt weder auf die Tennis-Adria-Helden, noch auf fragwürdige Tests in fernen Ländern eingehen, weil, leider geil: Sie wollen viele Touristen, dann stirbt ihnen die Tour an Covid. ;))) 
So vorzüglich, wie sich die Community im Fitnesscenter Fitinn (Graz, Jakominiplatz) benimmt, inklusive der gesperrten Geräte, damit der Abstand passt, vorzüglich! 

Wir müssen diese Orte aufsuchen, wo nach Möglichkeit fortgesetzt wird, was vor rund drei Monate begann. Eine Entfernung mit vorsichtiger Annäherung - so zu tun, als ob die letztren Monate nicht gewesen sind, fällt mir ein bisserl schwer, so dicht in der Birn kannst kaum sein,

seas, euer Wa. "Haut's drauf, mit Ziel" ;)