Thursday, May 02, 2013

Unglaubliche Geschichten und andere Wahrheiten





Absurdes Moldawien

 „Zuckerleben“ von Pyotr Magnus Nedov spielt im skandalgeplagtem Berlusconi-Italien der letzten Jahre, dort  ist der Moldawier Tolyan Andreewitsch mit seinem Kleinbus auf der Autostrada unterwegs, hat viele Träume im Kopf, ist sich nie sicher, ob er nun hier auf Erden ist, oder im Universum und plötzlich sieht er vor ihm zwei Personen auf der Autobahn liegen. Wagemutig bremst er ab - so beginnt die verrückte Gesichte über 40 Tonnen zu Schnaps verarbeiteten Zucker, die den Leser auf geradem Weg in den Zerfall der Sowjetunion bringt. Aber es geht jetzt nicht um schon oft geschriebene Metropolen-Storys, sondern der Autor wühlt in der Hinterwelt des ehemaligen Imperiums: In Moldawien. Fazit: Durch Nedovs Roman kann man nochmals dieses unglaublich spannungsgeladene Chaos in der Zeit des Umbruchs nachvollziehen und das lässt die EU-Krise angesichts dessen fast schon als lächerliche Kleinkrämerei verkommen. Die Krise als Permanentzustand sozusagen, die der Autor ausgezeichnet ins neue Jahrtausend zu übertragen weiß. Eine harte Story mit Biss und Herz!

 Hamburg von außen

Einmal im Leben muss man ein Buch von Heinz Strunk in die Hand genommen haben. Heinz Strunk gehört zu den guten Seelen in Deutschland, die schon absolut auf Freak sind - Musik machen, Schauspielen, moderieren und schreiben - aber das mit großer Konsequenz und Leidenschaft. Strunk ist tatsächlich ein leidenschaftlicher Mensch, seine Lesungen seien besser als seine Bücher, meinen böse Zungen. Sein größter literarischer Hit war bis heute das autobiographisch angehauchte Buch „Fleisch ist mein Gemüse“. Ebenfalls hitverdächtig ist sein neuerster Roman „Junge rettet Freund aus Teich“.
Es geht um die Kindheit und die Jugend von Mathias Halfpape, so auch der bürgerliche Name von Heinz Strunk, am unscheinbaren Rande von Hamburg. In einem Satz: Grausam schön und ganz und gar ohne Mitleid geschrieben. Eine deutsche Jugend in den 60ern, sage ich einmal, wo Fußball im Hinterhof, Schwimmen im Freibad und Kriegsgeschichten vom Opa die großen Highlights sind. Der Leser weiß natürlich, dass die Idylle nur trügt und eine Lawine namens Leben im Laufe des Buches über sie hinwegfegen wird. Das macht aber zugleich den Reiz des Romans aus, indem Heinz Strunks Romanheld Mathias natürlich nichts über den nächsten Morgen weiß. Es passiert also den ganzen Roman so ziemlich wenig. Alltägliches eben und der Autor hat auch diese bestimmte Qualität, einen Hauch von der gestrigen Welt einzufangen. Ob das nun wirklich ein absolut tragfähiges Konzept für einen ganzen Roman ist, sei dahingestellt, der Autor wollte es nicht anders und dieses Statement hat eigentlich auch schon wieder etwas an sich.
 
 Wa.

Pyotr Magnus Nedov: „Zuckerleben“ 368 Seiten. DuMont.
Heinz Strunk: „Junge rettet Freund aus Teich“ 282 Seiten. Rowohlt.

1 comment:

George Wanko said...

Marty,from what google translates I think you are quite the voracious reader.
Are you familiar with the Pulp Fiction paperbacks of the 70's ?
Specifically the Destroyer,and Mack Bolan The Executioner ?

Your Cousin in PA.
George Wanko