Monday, April 11, 2011

So was von da!


Wer jung ist darf schon Lärm machen, denkt sich Tino Hanekamp.




Klar, der Ahnherr jeder deutschen Literaturparty bleibt Jörg Fauser. Die Party mit poppigerer Studentenliteratur eröffnete vor rund 13 Jahren jedoch Benjamin von Stuckrad-Barre. Mit seinem Roman „Soloalbum“ thematisierte er das Leben von Jugendlichen zwischen Selbstfindung und dem Zurechtfinden im kapitalistischen Markenlabyrinth. Schubladisiert wurde „Stucki“ mit anderen Kollegen unter der Marke „Deutsche Popliteratur“. Heute will den „Stucki“ kaum noch wer kennen, die Literaturparty fraß also sein Lieblingskind. Die deutsche Party ging hingegen weiter, Florian Illies bracht „Generation Golf“ und Moritz von Uslar ging das alles journalistisch an und sorgte für frischen Wind im deutschen Feuilleton. Der, der heute alle Regler nach rechts dreht und die Glitzerkugel einschaltet, ist Tino Hanekamp mit „So was von da“.

Eine Party auf hohem Niveau.
„Vorglühen“ muss Hanekamp für seinen Roman nicht. Er steigt gleich direkt am Tag der großen Silvesterparty ins Geschehen ein. Man muss sich das so vorstellen, der Inhalt des Romans geht nicht länger als eine Party, Tatsache. Hätte nie geglaubt, dass so ein Vorhaben gelingen kann, weil mit der auch noch so ausufernden Afterparty jede Party einmal sein Ende hat. Dramaturgisch gesehen aber sehr klug getimt: Es soll das letzte große Fest sein, dann wird der Club abgerissen.

Dichte Atmosphäre und Witz.
Der Autor weiß natürlich, dass eine Fahrt mit 180 Sachen nicht auf 282 Seiten gut gehen kann, also nimmt er gelegentlich das Tempo raus, lässt sein Leben außen vor und zitiert Passagen von Mark Aurel oder Aristoteles über die Adoleszenz. Aber das kommt jetzt nicht peinlich, gleich wenig wie die erste große Liebe, über die Oskar nicht hinwegkommt. Hanekamp bleibt hier unterhaltsam, mit so waschechten Dialogen, also schon „So was von da“. Fazit: Die Literatenparty geht weiter, der Sound war schon mal entbehrlicher, Tino Hanekamp kann seine 24 Stunden wunderbar unterhalten und baut dazu eine sehr dichte Atmosphäre auf. Mal schauen, wie seine Literatur wird, wenn er den Partykeller verlässt.

Wa.


Tino Hanekamp: „So was von da“ Roman. Kiepenheuer & Witsch. 284 Seiten.

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