Tuesday, April 05, 2011

Die Ansichten eines Venedig-Reisenden.



Die Lagunenstadt wurde für den Vorarlberger Autor Christian Futscher ein Fixpunkt, der in seiner tagebuchartigen Litanei „Nur Mut, kleiner Liebling“ Quartier in einer Autorenwohnung in St. Polo bezieht. „Nur Mut, kleiner Liebling“ ist mehr oder minder die Fortsetzung von „Pfeil im Auge“. Beide Bücher schrieb er in derselben Venedig-Wohnung. Der Verfasser dieses Blogs residierte ebenfalls schon in dieser Wohnung, und die ist wirklich anständig fein.

Futscher über Futscher: Interessant!

Als Bewohner Venedigs verhält man sich naturgemäß anders als ein Tagestourist, vermeidet überfüllte Plätze und Cafés, bleibt auch gerne bei sich in der Wohnung und findet Gefallen an den Büchern der anderen, die in der Wohnungsbibliothek aufliegen. Keine flirrenden, sich im Wasser spiegelnde Palazzi, keine Gondolieri, weder grantig noch lustig. Nein, Futscher latscht ein paar Gassen weiter und fühlt sich bei einer Pizza Siciliana pudelwohl, erzählt dabei von seinen Söhnen Leo, Paul und Philipp oder schaut bei Gabriele Gmeiner vorbei, einer Maßschuhmacherin aus Vorarlberg.

Die Zeit fließt, und Futscher fließt mit.

Der Autor notiert was ihm kommt: Ein SMS, eine Flasche Bier, ein Gedanke an Leo, an Anne Marie, an seinen Vater, ein Witz über den Kunstbetrieb. Und dann wieder Unberechenbares: Futscher schreibt das Wort „schreiben“ hundert Mal auf um bei „schpeiben“ anzugelangen. Was geht hier unbewusst im Dichterkopf vor? Strafübung, Schönschreibübung, Volksschuldrama? Wie dem auch sei, als Inspirationsquelle diente hier übrigens Friederike Mayröcker. Ähnlich auch das Gedicht „Prosa“, das nur aus Punkten und An- und Ausführungszeichen besteht. Hierfür stand übrigens Sabine Gruber Pate. Das geht sehr in die Sprach- und Wortspiele der Wiener Gruppe hinein. Ein Kaleidoskop der Gedanken, ein verrückter Wortteppich eben, und dann wieder ein Anlaufen gegen die Zeit, ein Unterfangen, dem man sich nicht unbegrenzt annähern kann, weiß der Autor zu berichten. „Non si può mettere il tempo in una bottiglia“, schreibt Flutscher, die Zeit lässt sich eben nicht in eine Flasche stecken. - Einen dritten Venedig Band soll es noch geben. Futscher wird also wieder in Venedig sein. Trifft man dort auf den Dichter, einen Grappa oder ein Birra Moretti könnte man ihm doch glatt spendieren.

Wa.

Christian Futscher: „Nur Mut, kleiner Liebling“, 261 Seiten. Czernin Verlag

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