Sunday, June 07, 2009

Runde 28: Aspiranten, Volontäre und Schlampen.



Die Volontäre



Die Helden von heut’: GAK-Superhelden in der Kurve.




Für die Ewigkeit und noch viel länger: GAK als Tatoo am Bein.


7454 Fans. Das ist für die 3. Österreichische Liga Rekord und wird so in die Annalen des Österreichischen Fußballs eingehen. Absolut hollywoodmäßig auch das Resultat: 2:0 gegen die Hartberger, dem bisherigen Tabellenführer. Dadurch haben die Roten mit den Hartbergern in der Tabelle gleichgezogen und dank dem besseren Torverhältnis die Tabellenführung übernommen. Und trotz allem war das Spiel das Befremdetste was der „echte“ Fan seit über 2 Jahren mitbekam.

Der „Rote Schnitt“ bei Regionalspielen beträgt ungefähr 2500 Fans. Das ist eine eingeschworene Gemeinde, wo von mir aus nicht jeder jeden kennt, aber über den Weg läuft man da doch vielen öfters. Der Fan ist es gewohnt, beim Gang nach Liebenau mitleidig betrachtet zu werden, von argwöhnisch kann seit dem Absturz in die 3. Liga nicht mehr die Rede sein, nach dem Spiel mit einer noch kleineren Gemeinde ein Bier zu trinken und dann den Heimweg anzutreten. Auf dem Heimweg bleiben oft genug Nobelkarossen stehen, lassen schnell das Fenster runter, sodann sich eine hoffnungsvolle Stimme den Weg nach außen bahnt: „Wie haben wir gespielt?“ Der Haubentaucher hat hier schon die richtige Antwort eingeführt: „Sie haben nicht gespielt, Sie waren ja nicht einmal unten. Also bitte, fahren Sie weiter, hauen Sie ab.“ Und aus.

Also, wie geht es dann dem „Echten Roten“, wenn er plötzlich einer Übermacht an Fan-Aspiranten gegenüber steht? Ich versuche die Antwort zu formulieren: Er ist umgeben von einem schalen Nichts, von einem Schwamm voller Essig, von Heuschrecken, die die Landschaft kahl fressen, von Menschen die nicht gelernt haben, nur so viel zu trinken, dass man 45 Minuten nicht pissen muss, von Menschen die sich an den gedeckten Tisch setzen und sich ein Leben lang nicht Gedanken machen, wer denn das Mahl gerichtet hat, von Menschen denen seit 2 Jahren der Verein so etwas von scheißegal war und die nun mit stolz erhobener Brust durch die Stadt gehen und behaupten „Wir waren dabei, als der GAK …“.

Diese 5000 Fan-Volontäre haben in den letzten 2 Jahren absolut nichts dazu beigetragen, dass es den Verein und so etwas wie einen Fußball-Dualismus in Graz noch gibt. Ein Dank sei hier an die 2500 Fans gerichtet, die sich sehr viele Spiele angetan haben, angetan deshalb, weil es oft um nichts ging außer eben um das Wichtigste: Um Fußball. Und ein Dank sei an dieser Stelle auch der Initiative 1902 ausgerichtet, die sich nicht zu schade war, mitunter den fußballbürokratischen Weg einzuschlagen, um einer Fusion mit einem anderen Club oder sonstigen Hirngespinsten einen Riegel vorzuschieben. Darum hatten die 5000 Fan-Schlampen am Freitag etwas zu feiern. Immerhin ging nach der 1. Halbzeit das Bier aus.

Wa.

5 comments:

Haubentaucher said...

sehr richtig, Herr Wanko.

Übrigens waren da wohl nicht nur "Rote" dabei, sondern auch der eine oder andere Stadtrivale, der offenbar ehrlichen Fußball statt Bundesliga-Murks sehen wollte. Auch diesmal wieder: nach dem Match hält der fette BMW an. Fenster geht runter. "Wie haben WIR gespielt?" Ich: "Keine Ahnung, wo spielen SIE denn?"

Wenn von den 7.500 wenigstens 5.000 nächstes Jahr in der Kaufhaus-Liga einigermaßen regelmäßig kommen könnten, wäre dem Verein sehr geholfen.

Wer keine Zeit hat, soll sich einfach ein Abo kaufen und daheim bleiben.

thfkoch said...

Auch an dieser Stelle: Gratulation! Der Durchreflektiertheit Eurer Beiträge zufolge seid Ihr ja schon wieder nüchtern: Respekt!
Ja, da müsst Ihr GAKler halt durch. Diese Rosinenpicker gibt's überall, sie nerven - und sie werden (kohlemäßig) doch gebraucht. Denkt 'mal an Uli Hoeneß' Ausraster letztes Jahr: der hatte die gleichen "Schlampen" im Visier.
Aber ich denke, Euer Plan steht: Ein Zwischenjahr in der Zweiten, und dann: Wieder international, oder?

Martin G. Wanko said...

YES!

Wa.

Hier ist die hohe Warte, hier ist die hohe Warte said...

nö, so schnell sollte der Aufstieg in die oberste Klasse gar nicht gehen, da sind sich viele GAK-Insider einig. Lieber in der 2. Liga konsolidieren und nach 2-3 Jahren wieder ganz nach oben. Aber zuerst wartet sowieso Linz auf uns, wenn wir dort nicht gewinnen, ist die Diskussion müßig.

Martin G. Wanko said...

Richtig. Zuerst muss in Linz gewonnen werden. So lange sollte über Aufstieg etc. nur mit vorgehaltner Hand geredet werden. Also halte ich mir jetzt mal die Hand vor: Ich glaube, dass wir von der Substanz her, sprich: die Akademie, das jetzt auch wieder professionelle Handling im Hintergrund und vieles mehr uns schnell wieder nach oben bringen könnten. Zu lange in der 3. Liga bleiben ist nicht gut, zu lange in der 2. Liga zu verweilen auch nicht.
Aber wie gesagt, Freitag um 21:00 Uhr wissen wir mehr.

Wa.