Sunday, March 22, 2009

Der Autor aus den Yellow Pages.




Kalifornien 1930. Im Grunde war Raymond Chandler mit den Nerven am Ende. Er hatte durch eigenes Verschulden einen gut dotierten Job in der Ölindustrie verloren. Der Alkohol fuhr mit ihm Schlitten, Verhältnisse brachten seine Ehe ins Wanken und plötzlich tauchte er wochenlang unter. Um Chandler zu retten, musste Detektiv Philip Marlowe erfunden werden.
In den Wochen des Deliriums schien er sich zu besinnen, warum er überhaupt auf dieser Welt sein sollte: Bücher schreiben, ein Autor werden, er hatte doch mit 20 Jahren einige bemühte Gedichte verfasst. Nun war Chandler 41, Zeit also die Sache in die Hand zu nehmen. Als erste Tat ließ er sich ins Telefonbuch von Los Angeles als Schriftsteller eintragen. Ein letzter Versuch, sein Leben auf Schiene zu bringen.
Der Rest ist Geschichte. 7 Philip Marlowe Romane, einige wunderbare Shortstories und Essays, Briefe, unzählige Drehbücher und natürlich Verfilmungen.In den nächsten Tagen jährt sich Chandlers Todestag zum fünfzigsten Mal. Durchaus ein Grund, das Raubein mit dem feinen Isntinkt abzufeiern.
Vielleicht war es der ungewöhnliche Gang zum Postamt, um sich als Autor zu deklarieren, der Chandler den Weg zu Detektiv Philip Marlowe ebnete. Denn, wo sonst fand man in den 1930er-Jahren eine anständige Detektei, wenn nicht auf den Yellow Pages im Telefonbuch? Den Gang zur Post musste auch für Detektiv Philip Marlowe erledigt werden.

Euer Wa.

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