Friday, December 19, 2008

Serienweise Krimihelden.



Krimi Autor Manfred Wieninger in St. Pölten, der Homebase von Privatermittler Marek Miert.



Neue Krimis von Manfred Wiener & Akllen Guthrie


Es scheint im deutschen Sprachraum ein ungeschriebenes Gesätz zu sein, dass Krimis die eine härtere Gangart aufweisen, über ein Nischenpublikum nicht herauskommen. Umso erstaunlicher ist es, dass sich jetzt die Krimi-Serie „Hard Case Crime“ recht erfolgreich behaupten kann. Das Konzept ist einfach: Alte Krimi-Helden wie Mickey Spillane werden neben genialen Schattengestalten wie Donald E. Westlake neu aufgelegt. Dazu streut man brandaktuelle Autoren, die das Genre der ungeschönten Krimis für sich wiederentdeckt haben.
Einer dieser neuen, jungen Interpreten ist der Schotte Allan Guthrie. „Post Mortem“ heißt sein Krimi-Schocker und der Titel verspricht nicht zu viel. Robin und Eddie sind auf Einbrüche spezialisiert. Alles läuft soweit gut, bis Eddie sich in die Freundin von Robin versieht und mit ihr ein Verhältnis beginnt. Daraus entwickelt sich eine verhängnisvolle Szenerie, die ihre Opfer fordert. Wie in einem Dominospiel purzeln die Kapitel dahin und lösen eine permanente Kettenreaktion aus. Die unglaubliche Spannung und der starke Sog beruhen darauf, dass der Roman Echtzeitcharakter hat. Ein Krimi wie er passieren muss, perfekte Inszenierung, eindringliche Personenzeichnungen und Verbrechen wohin das Auge reicht.
Vielleicht noch ein Wort dazu, wie man im hübschen Edingurgh ein Star wird: Guthrie arbeitete vor seinem Durchbruch als Autor in einer Buchhandlungskette. Ian Rankin, schottischer Krimigott empfahl in einem Interview, "Allen Guthrie an seinem Arbeitsplatz zu besuchen, sein Debüt 'Abschied ohne Küsse' zu kaufen und sich das Buch vom Autor gleich vor Ort signieren zu lassen." Man stelle sich vor, Alfred Komarek wirbt für einen Kollegen. Na wie wär' denn das, hm?

„Kaliber .64“ nennt sich ein Serial aus der Edition Nautilus. Für die technischen Experten unter den Krimi-Fans dürfte diese Etikette Fragen aufwerfen, denn ein Projektil mit diesem Durchmesser von 64 mm gibt es nicht. Weiters nicht schlimm, denn der Verlag hat anderes im Sinn: Die wichtigsten deutschsprachigen Krimi-Autoren werden hier seit einigen Jahren gebeten, einen Kurzkrimi zu schreiben, der 64 Seiten nicht übersteigt. Kurze Geschichten sind also gefragt und aktuell hat der niederösterreichische Krimiautor Manfred Wieninger die Ehre mit „Die Rückseite des Mondes“ einen dementsprechenden Krimi vorzulegen.
Manfred Wieninger ist durch seine Marek-Miert-Krimis eine österreichische Krimi-Legende geworden. Seine Charakterstudien sind so scharf, als hätte er bei Erwin Ringel studiert, seine Beschreibungen sind so treffend, als bestünde Österreich größtenteils aus Manfred Deix-Figuren. Darüber stülpt der Autor das Hinterland von Niederösterreich, fernab jeglicher Heurigen- und Marillenblüten-Romantik. In „Die Rückseite des Mondes“ begleitet Wieninger den Gruppeninspektor Franz Grassmann in seinen Ruhestand hinüber. Außer Kleinkriminalität war in den letzten Jahren nichts zu protokollieren, und plötzlich, einen Tag nach seiner Pensionierung ist die Hölle los. Ausgerechnet drei Kerle mussten daran glauben, die er immer versucht hat in den Knast zu bringen. Hat etwa der frischpensionierte Gruppeninspektor selbst Hand angelegt?
Wieninger besticht auch in der Kurzform. Eine perfekte Krimierzählung aus dem verödeten Hinterland, wo Einkaufszentren, zugeschüttete Mülldeponien und Autobahnzubringer das Denken der Menschen bestimmt, denen das Glück nicht hold war. Der Vorstadtautor Wieninger hat sich ihnen angenommen.

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