Wednesday, December 24, 2008

Happy X-mas an alle „Wa“ Leser!




… und sogar an diesem Tag, einoge kleine Lesetipps, fernab von zu dick aufgetragener Zuckergussglasur und Weihnachtsgansl. Leider haben uns ja die Hardcore-Autoren heuer enttäuscht – kein Weihnachtshammer a la „Das Christkind drischt den Schädel ein“ im Verkaufsprogramm der Verlage, aber dennoch, das Fest wird ja langsam wieder was.

Der New Yorker

Weinachten in New York kostet ja noch immer ein Schweinegeld, zumindest für denkende Menschen, die sich diesem Blog auch dann und wann hingeben. Einmal mehr muss man dort nicht hinfliegen und sich den A. abfrieren, ein netter Text und hübsche Fotos sind in Paul Austers Weihnachtsgeschichte zu finden. Eh klar, spielet in Brooklyn – gleich in der Nähe seiner Wohnung arbeitet der Zigarrenverkäufer Auggie Wren, der Mittelpunkt in „Auggie Wrens Weihnachtsgeschichte“. Die charmante Kurzgeschichte wurde durch stilvolle SW-Aufnahmen vom New Yorker Top-Fotografen Beowulf Sheehan ergänzt und zeigt ein winterliches Brooklyn.

… der Diskonter …

Seit Stewart O’Nans Debüt „Engel im Schnee“, für das er 1993 mit dem William-Faulkner-Preis ausgezeichnet wurde, ist sein ungetrübtes Auge auf regelrechte Provinznester gerichtet. Der scheinbar trivialen Handlung wird eine beeindruckende Zeichnung von Alltagsbildern gegenübergestellt. Der Glitzer, mit dem sich Großstadt-Romane schmücken, ist bei O’Nan nicht zu finden. In seinem Roman „Red Lobster“ widmet sich der Autor dem letzen Arbeitstag in einem entlegenen Fischlokal an der Ostküste, bevor es für immer seine Pforten schließt. Und das ausgerechnet am letzten Werktag vor Weihnachten. „Prost, Mahlzeit“ kann man dazu auf gut österreichisch nur noch sagen …

… der Zauberer …

Für Ray Bradbury ist das ganze Jahr Weihnachten. Nein, natürlich nicht wirklich, aber er ist der große Zauberer unter den amerikanischen Erzählern. Mit dem utopischen Roman „Fahrenheit 451“, der von Francois Truffaut verfilmt wurde, gelang ihm 1953 der Durchbruch. „Das Weihnachtsgeschenk“ heißt sein neuer Kurzgeschichtenband. Großer Zauber liegt also in der Luft, wenn Bradbury zur Feder greift. Dabei legt er seine scheinbar simplen Storys äußerst realistisch an, doch ist er mit großer List am Werk. Die doppelten Böden sind nicht sichtbar, und lässt man sich auf den Zauber ein, kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus.


Wer Kekse backt, hört Hörbücher.

Zum Vergnügen der Simenon-Fans kommen nun auch neben den neu aufgelegten Simenon-Romanen die Krimi-Hörbücher auf den Markt. „Weihnachten mit Maigret“ wird von Hans Korte gelesen, seine sonore Stimme verleiht gerade dem weihnachtlich gestimmten Maigret einen ungewohnt melodischen Klang. Ansonsten bitte auf die Gert-Heidenreich-Simenon-Vertonungen zurückgreifen. Heidenreich klingt eher nach den verrauchten Brasserien, in denen sich der Pariser Kommissar mindestens so gerne herumtreibt, wie Fälle löst.
Ein als Weihnachtsmann verkleideter Einbrecher ist dort in der Nacht auf den 24. Dezember eingedrungen. Gestohlen hat er nichts, im Gegenteil, ein ungewolltes Geschenk sorgt für Unruhe. Der Weihnachtsfrieden ist also dahin, dafür ist Madame Maigret behilflich, den Fall aufzuklären. Bereits ausprobiert: Die Hände kneten den Teig, die Ohren sind bei Maigret – der große Analytiker Simenon eignet sich hervorragend zum Kekse backen!

Euer Wa!

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