Saturday, September 20, 2008

Hauptsache noch nicht ganz erwachsen.




Irgendwie wollte ich das schon immer (stimmt nicht, die Idee ist mir erst beim Fotografieren gekommen): Ein Schafsfell auf dem Lesesessel und ein Buchcover darauf abfotografieren, wo Schafe auf einer Weide stehen. Das hat etwas von einem Anfang und einem Ende.
"Du wirst schon noch sehen wozu es gut ist.", so heißt Peter Comerons neuer Roman. Hübscher Titel, bricht endlich aus dem "2 bis 3 Wort-Titel-Dreck" aus. "Ihr werdet schon noch sehen …" - das hat Stil. Nicht ganz stilsicher dazu die PR, die da gleich einen neuen Fänger im Roggen sieht (gähn …), aber Schwamm drüber, das Büchl ist zu gut!
Also, Cameron legt er eine unterhaltsame und zugleich sprachlich gelungene Erzählung vor. James, ein Junge in den besten Jahren, soll nach der High School auf die Universität von Yale geschickt werden. Seine Eltern haben das schon ziemlich spitzenmäßig geplant, einzig, der Bub will nicht! Wie das halt so ist in dem Alter, will der Junge überhaupt nichts, außer sich ein bisschen besser kennen zu lernen. Die Gleichaltrigen findet er öd, seine ältere Schwester ein unnötiges Übel und die Stadt New York verliert in den Augen des Jungen jeden Glimmer. Eine juvenile Depression regiert ihn, und trotzdem muss das Leben Tag für Tag weitergehen. Tja, irgendwann wird man dann so etwas wie erwachsen – bei Cameron passiert das auf 252 Seiten, dazu die kleinen Nebenbewegungen, der sehr differenzierte Blick aufs Banale, in Summe ergibt das Literatur.
Kluge Fragen stellt der Junge, führt seine Eltern regelmäßig aufs Glatteis und bringt seine Therapeutin schon mal ins Schwitzen. Parallel dazu wächst im Jungen ein Unmut der die Depression in Aggression umschlagen lässt. „Da war noch etwas anderes in mir, etwas Hartes, Eigensinniges, und das war gemein“, so die Beschreibung des Ich-Erzählers über seine Befindlichkeit. Widerstand also, sehr schön wie Peter Cameron hier die Links offenlegt, die den Jungen zum Verweiger des geistlosen Alltags machen. Der einzige Hoffnungsschimmer scheinen seine Großmutter und die Menschen im Mittleren Westen zu sein. An einem beschaulichen Leben, von dem man kein Teil ist, scheint man sich immer gut orientieren zu können. Das klingt nun vielleicht zynisch, doch funktioniert dieser Trugschluss ein Leben lang, bei James zumindest so lange, bis er erwachsen wird.

also auf zur Bestellung, oder in den Buchladen,

Wa.

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