Saturday, October 17, 2015

Triest muss man nicht mögen.


Canale Grande, a bisserl rosto!

Triest? Ich muss Triest jetzt nicht mögen. Alle mögen Triest. Vielleicht nicht alle, aber schaut man ins Netz, oder in einschlägige Bücher, wird die Stadt mehr oder minder als Tor zur Adria angepriesen. Stimmt. Stimmt aber auch nicht, denn Triest schaut jetzt nicht zur sandigen italienischen Adria, ihr steinerner Zinken ragt nach Slowenien und Kroatien. Der Stadt fehlen die römischen Prachtbauten und die der Renaissance, der Canale Grande scheint in Summe nicht fertiggebaut, in der Literatur würde man sagen „nicht ausformuliert“, diese Nüchternheit hat natürlich seine Reize, ob sie gewollt war, ist fraglich. Auch seinen engen Gassen fehlt oft das Schmuckhafte, ich kann das gut annehmen, auch weil dadurch der Massentourismus nicht funktioniert. Trotzdem muss man Triest nicht mögen.
Illy!
 
 

Man kann Triest wegen des Kaffees mögen, oder auch nicht. Über 30 Kaffeeröstereien gibt es, stimmt wahrscheinlich, aber meistens sieht man doch nur den Illy, was grundsätzlich nichts Schlechtes ist, weil er für ein Massenprodukt sehr hoch im qualitativen Anspruch liegt und auch Kunstanspruch hat, siehe zum Beispiel die von Künstlern designten Tassen, oder das Engagement auf der Biennale in Venedig. Ob’s nun noch 30 Kaffeeröstereien sind, weiß ich nicht. Hausbrand, die eigentliche Marke (mit dem historischen Link nach Graz), sieht man jedoch eher selten. Aber mag man deshalb Triest? Vielleicht mag man Triest, weil die Stadt den fünffachen Kaffeekonsum gegenüber dem Rest-Italien aufweist, das macht sie gleich viel italienischer, aber auch das ist leider eine Mär, für diese Statistik waren unsere Freunde in Jugoslawien zuständig, die in der Zeit des Kommunismus an den Grenzen zu Italien massiv Kaffee kauften um ihrem eigenen zu entkommen. (Quelle: Wolfgang Salomon „Triest abseits der Pfade“).

Wirbel im Gartenwald :)
 
Die Universität tut sich schwer, wurde mir berichtet. Mit Neid schaue man auf die Kaderschmieden nach Bologna und Mailand. Und auch die Jugend ist in Triest schwer zu halten. Mit der Industrie wandert auch die Jugend ab … ohne Navi hat man es auch so nicht leicht, denn die Stadt breitet sich um den Golf aus, einen zentralen Platz von dem die Straßen ausgehen ist kaum auszumachen. Dadurch lernt man zumindest andere Stadtteile kennen, in denen schäbige Hochhäuser über brach liegende Hafenanlagen ragen. Dies schaut eher nach albanischen Gegebenheiten aus, als nach der italienischen Adria. Gerade am Meer drängt sich hier die Frage auf, ob hier nicht bauliche Maßnahmen rentabel wären. Apropos rentabel: Die Stadt bzw. Rom muss an allen Ecken und Enden sparen. Das Schloss Miramare bröckelt, in der Nacht darf es nicht mehr beleuchtet werden, der Strom sei zu teuer. Langsam frage ich mich wirklich, warum sollte man Triest mögen? Vielleicht eher bemitleiden?
Café - Schiff - Platz!
 

Falsch! Triest ist ein wunderbar zusammengewürfelter Haufen an Kulturen. Darüber schwebt sozusagen die Triestiner Bevölkerung. Ob sie es nun wollen oder nicht, sie haben viel Italienisches an sich. Die Motorroller brausen, die Autos fahren nach Gefühl und sehr schnell, die Menschen tratschen und ratschen sehr gerne, wie es sich für Italiener gehört. Mit wunderbaren kleinen Häusern und Wohnungen machten sie sich die Karsthänge urban. Sie trotzen den Fallwinden in den kalten Jahreszeiten und lassen sich auch in den heißen Monaten nicht aus der Fassung bringen. Sie haben rechtzeitig entdeckt, dass ihre sehr eigene Art auf die schroffe Landschaft zurückzuführen ist, im dort gekelterten Wein lässt eine klare Antwort findet: Der Wein ist im Karst so eigen, sowie die Menschen auch und deshalb muss man Triest nicht nur mögen, sondern auch achten.

Ciao, čáo und tschüss,

Wa.

Mehr zum Karst und Triest finden Sie unter: http://ilcarsolabora.blogspot.co.at/

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