Monday, March 02, 2015

Cooler Krimi, cooler Junge!


Parker, ein Gangster ohne Vergangenheit und Vornamen ausgestattet, so cool wie nur möglich, ein Muskelpaket aber nicht dumm, ein Mann der die Herausforderung liebt und gerne auch mal Drecksarbeit verrichtet: Erfunden wurde der Charakter von Donald E. Westlake alias Richard Stark. Parker gehört zu den kantigsten Gangstern, die das Genre  Kriminalliteratur jemals hervorgebracht hat. Vor einigen Jahren hat man begonnen die Parker-Romane des 2008 verstorbenem Autor neu zu übersetzt und zu veröffentlichen. Diesem Unterfangen setzt der Verlag jetzt die Krone auf: „The Hunter“, der erste Parker-Krimi aus dem Jahre 1960, wird frisch aufpoliert nochmals herausgebracht.

Knochentrockener Krimi
Parker ist der hartgesottene, kaum psychologisierte Anti-Held und so das klassische Gegenstück zu den Patricia-Highsmith-Protagonisten, alias Tom Ripley und wie sie alle heißen. Highsmith hat das ja rigoros gemeistert, doch ihre Art zu schreiben brachte eine Schwemme von „verpsychologisierten“ Verbrechern und Kommissaren mit sich. Parker hingegen bleibt reduziert: Er ist ein Gangster der gerne Pläne entwickelt, ein bisschen Nervenkitzel braucht,  keiner geregelten Arbeit nachgeht, dennoch gut leben will. Eigentlich frech, aber echte Verbrecher sind eben selten sozial integrierte Bürger. In „The Hunter“ pfuscht die Mafia Parker ins Handwerk, also muss er mit ihr aufräumen und das macht er auch sehr gründlich. Starks Frauenbild ist leider etwas mickrig, dennoch ist es kaum verwunderlich, dass ihm Kult-Regisseur Quentin Tarantino Blumen streut, indem er beteuert, von diesem Klassiker „stark beeinflusst“ worden zu sein.

 

Die Bohème und David Bowie

Kurze, grelle Momentaufnahmen einer jungen, unzufriedenen Generation wird es seit J.D. Salingers „Fänger im Roggen“ immer geben. Boris Pofalla legt mit „Low“ einen solchen Roman vor: Der Ich-Erzähler ist auf der Suche nach seinem Freund und Mitbewohner Moritz. Moritz verschwand Hals über Kopf und der Autor gibt sich nun einige Mühe ihn aufzuspüren. Dabei bekommt der Leser einen entspannten Einblick in die junge Berliner Kunst-Bohème.
So zwischen Wodka, Pillen, der schwierigen Liebe und des langsamen Erwachsenwerdens entwickeln sich fabelhafte kleine Geschichten. So sucht man mit Google Earth einen versteckten See, geht ins Programmkino in Potsdam und wirft auch mal einen ätzenden Blick auf die ganzen Start-Ups, der allzu geschäftigen Berliner Kreativwirtschaft. Übersetzt bedeutet „Low“ so viel wie „langsam“ oder „Tiefstand“. David Bowies erste LP seiner Berlin Trilogie nennt sich ebenfalls „Low“. Auf der „Low“ lotet Bowie die innere Einsamkeit und Zerrissenheit neu aus, Boris Pofalla könnte sich auch einmal in so eine Richtung entwickeln.
Wa.
Richard Stark: „The Hunter“ 190 Seiten, Zsolnay Verlag
Boris Pofalla: „Low“, 222 Seiten, Metrolit

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