Tuesday, January 13, 2015

Schräge Tiere und tratschende Menschen



In Lauren Beukes Roman „Zoo City“ geben Tiere den Ton an. Wer nun an nette Zoo-Geschichten in Schönbrunn denkt, der irrt gewaltig. Lauren Beukes ist eine südafrikanische Autorin, die mit „Zoo City“ eine Art moderner Roman noir schrieb, der beim Lesen im Kopf als düsterer, skurriler Action-Krimi abgeht: Johannesburg scheint das Epizentrum für Menschen zu sein, die mit Tieren in Koexistenz leben. Die Tiere scheinen den Charakter der jeweiligen Menschen widerzuspiegeln und die Menschen sind dazu verdammt, sich um die Tiere kümmern zu müssen. So nebenbei erleben sie zusammen unheimlich viele Abenteuer.

Die Spürnase

In Johannesburg ist es sogar gefährlich, sich eine Flasche Milch zu holen. Überall lauern Gefahren, die auch in diesem Roman permanent vorhanden sind, doch den totalen Durchblick hat man in diesem völlig durchgeknallten Werk selten. Da sind unerwartete und nur mit großer Fantasie nachvollziehbare Sprünge drin, losgelöste Kapiteln, aber im Grunde macht das alles nichts, denn in „Zoo City“ regiert eben das Chaos und es ist wundervoll, wieder einmal ein Buch zu lesen, das in seiner ursprünglichen Verrücktheit existieren darf, ohne gewissen Markteinschätzungen zum Opfer zu fallen. Kurz zum Inhalt: Das Girlie Zinzi December hat die magische Begabung Dinge aufzuspüren, die irgendwo in Johannesburg verstreut sind. Plötzlich bekommt sie den Auftrag einen Jugendstar zu suchen, der untergetaucht ist. Ob sie das schafft oder nicht ist sekundär. Wichtig ist, endlich wieder eine Autorin zu haben, die ihrem Unbewussten freien Lauf lässt.


 Talk is cheap.

Alexander von Schönburg ist eine der interessantesten, gestrandeten Intelligenzen Deutschlands. Seit einigen Jahren versucht er nun aus seiner nicht ganz so angenehmen Rolle, die eines verarmten Adeligen, Kapital zu schlagen. Am besten funktionierte dies mit seinem Buch „Die Kunst des stilvollen Verarmens“. In seinem neunen Werk „Smalltalk Die Kunst des stilvollen Mitredens“, analysiert er der Faszination der oberflächlichen Gespräche. Schönburg liegt damit nicht schlecht, denn im deutschsprachigen Raum funktioniert Smalltalk fast so holprig wie in Nordkorea. Schön an dem Buch ist, dass der Autor in der Lage ist, die Quintessenz des Themas herausfiltern. Herausragend an dem Buch ist, dass der Autor unterhaltsam Storys erzählen kann. Ganz mies an dem Buch ist, dass er dem Leser seine Meinung zu breitgetretenen Themen wie Kapitalismus oder Moderne Kunst aufs Auge drücken will. Warum eigentlich? Hier hätte mehr zum Thema Platz gehabt.
Wa.

Lauren Beukes: „Zoo City“ 362 Seiten, Rowohlt Polaris.
 
Alexander von Schönburg: „Smalltalk Die Kunst des stilvollen Mitredens“, 317 Seiten, Rowohlt Berlin.

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