Friday, January 11, 2013

Big in Japan.


SALLLIIIIIS!


In Japan gibt ein Mord Rätsel auf, in Amerika agiert man undercover.

 
Der Japaner Heigo Higashino ist einer der bekanntesten Autoren im asiatischen Raum, der nun auch in Europa Fuß fassen will. Mit seinem Krimi „Verdächtige Geliebte“ hat er den ersten wesentlichen Schritt dazu gesetzt. Der Inhalt ist schnell erzählt: Yasuko hat ihren gewalttätigen Ex-Mann im Affekt ermordet, da er ihrem kleinen Familienglück zu zerstören drohte. Ihre Tochter half tatkräftig mit. Die Sympathien liegen also von Anbeginn an auf der Seite der Täterinnen. Damit etwas Leben ins Spiel kommt, schenkt ihr der zutrauliche Nachbar ein glattes Alibi, als großer logischer Denker und Mathematiker fällt ihm das auch nicht schwer. Spannung kommt auf, als sich ein Physiker in den Dienst der Polizei gesellt, der noch eine Rechnung mit dem Mathematiker offen hat. Der Rest ist ein nobler Showdown.

 
Ein Schachspiel mit asiatischer Aura.

Schon auf den ersten Seiten wird das Schachspiel zelebriert. Dementsprechend ist der Krimi auch aufgebaut. Die Beteiligten kommen einem wie Brettspielfiguren vor und das Spielfeld von Heigo Higashino ist wahrlich groß. Natürlich läuft er dann und wann Gefahr den Fall zu technokratisch abhandeln, um dies zu verhindern, bringt er die emotionellen Möglichkeiten von Yasuko ins Spiel. Zum einen liest man das Buch flott und es ist entspannend, nicht vor einem weiteren Sushi-Krimi zu sitzen, hier wurde schon viel nachgedacht, zum anderen ist es aber kein Murakami-Roman, obgleich die begnadete Murakami-Übersetzerin Ursula Gräfe auch in der „Verdächtigen Geliebten“ eine grundsolide Arbeit hinlegte und die asiatische Aura richtig temperiert einfließen ließ.

Während Heigo Higashino bei allen Verdüsterungen eigentlich einen lichten Roman schrieb, ziehen in Amerika schwerbeladene Wolken auf, wenn James Sallis, der Altmeister der amerikanischen Noir-Krimis, am Werk ist. Mit seinem Vorgänger „Driver“ legte er in den letzten Jahren wahrscheinlich das brillanteste Werk über das Agentendasein nach dem Kalten Krieg hin. „Driver“ wurde mit Erfolg verfilmt, wahrscheinlich auch deshalb die nun doch sehr rasche Nachreichung von „Driver 2“.

 
Manche Lichter leuchten dunkel.

Driver ist ein junger Agent, den es mangels Aufträge in einer neuen Weltordnung und einer frischen Liebe in den Frühruhestand versetzte. Aus dem Nichts tauchen Auftragskiller auf und in einem Schusswechsel stirbt seine Frau Elsa. Die Kopfgeldjäger haben es auf ihn jedoch weiter abgesehen und in einem furiosen, sehr fein dosierten Thrill, dringt er immer näher zu den Mächten vor, die ihm diese unruhige Zeit bescheren. Im Hintergrund der bewusst brüchigen Handlung ragen düstere Modells, schlecht beleuchtete Autowerkstätten, billige Restaurants, poröse Straßen aufgemotzte Autos und zugleich sehr hellen Blitze empor, die eine sehr kräftige barocke Klangfarbe aufleuchten lassen, vielleicht auch eine Nuance heller als bei seinem letzten Werk. Bliebe mir noch ein Neujahrswunsch offen, würde ich James Sallis mit einem James-Bond-Drehbuch beauftragen: Daniel Craig hätte endlich eine Rolle und der Mainstream hätte unendliche  Möglichkeiten das Genre neu entdecken.

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