Thursday, September 08, 2011

Scotch, tabs and crime.


Ein Wehgeschrei ging durch die britische Literaturszene, als 2007 Ian Rankin den charismatischen Inspector John Rebus 2007 in die wohlverdiente Rente schickte. Anwärter gab es auf den nun vakanten Posten schon zuhauf, gehalten hat sich keiner. Neu im Rennen ist Tony Black, mit seinem Gus Dury aus Edinburgh. Gus Dury musste erfunden werden: Er hat im Leben eigentlich ziemlich viel falsch gemacht. Seine Ehe ging den Bach runter, von seiner Zeit als schottischer Starjournalist kann er nur noch träumen, seine Liebe zum Scotch erinnert an Humphrey Bogart und irgendwie passiert es immer wieder, dass dort wohin ihn seine wuchtigen Doc Martens führen auch die Fäuste fliegen. Ein Mann fürs Grobe also, der in Schottland schon längst als musikversierter Punk-Detektive gefeiert wird.

Schlecht gestimmte Dudelsäcke.

Um was geht’s in seinem ersten Krimi „Geopfert“? Der Sohn eines Freundes wurde bestialisch zugerichtet, doch die Polizei legt den Fall als Selbstmord zu den Akten. Da Gus nach seinem Rauswurf aus der Zeitung eigentlich nicht mehr zu tun hat, als einen Scotch nach dem anderen zu kippen, übernimmt er die Aufgabe für seinen Freund ein bisschen zu recherchieren, wie es denn wirklich zu diesem wüsten Mord kam. Der Fall bringt ihn sehr schnell in die Unterwelt von Edinburgh, wo der Mädchenhandel nur so blüht. Trotz aller Tragik könnte dies nun eine 08/15 Geschichte werden, aber nein, Tony Black bleibt so stark am Limit, dass er zum einen die Dudelsack-Hauptstadt Edinburgh anständig entzaubert, der Politik die Leviten liest, und gegensätzlich dazu, sehr ergreifend, die Kindheit und Jugend von Gus Dury aufarbeitet. Sein Vater ein gefeierter Fußballstar, aber im trauten Heim eine Bestie. Fein, sauber aufgearbeitet, brutal, aber dennoch nicht unstimmig. Kaum verwunderlich also, dass bereits drei weitere Gus-Dury-Romane in der Übersetzung sind.

Ein Schotte in Amerika.

Für den Altmeister ist er noch zu jung, aber auf dem besten Wege dazu ist der schottische Literat Irvine Welsh allemal. Vor rund 20 Jahren schrieb er mit „Trainspotting“ englische Literaturgeschichte: Die Welt der schottischen Großstadtjugend zwischen coolen Clubbings und sozialer Achterbahnfahrten machten ihn über Nacht berühmt. Was vielleicht in den Anfangsjahren weniger beachtet wurde, kristallisiert sich immer mehr heraus: Der Mann ist stilistisch in Bombenform. In seinem Roman, mit dem schlichten Titel „Crime“ führt er den Leser an das sensible Thema Kindesentführung heran. Dabei bleibt er inhaltlich wahnsinnig dicht, auch detailreich, und schafft es so, den Leser sehr stark an die Gestalt von Detektive Ray Lennox zu binden. Und sonst? Wie üblich teilt Welsh aus. Seine Geburtsstadt Edinburgh kommt, ähnlich wie bei Gus Dury, gar nicht gut weg. Interessant aber, dass ein Großteil des Romans in den Vereinigten Staaten spielt und die werden nun zu seinem Spielball. Er wirbelt sie durch die halbe Galaxie und zurück. Und dem Leser bleibt hierbei das Lachen im Hals stecken – die Vereinigten Staaten, ein Kulturtrauma.

Wa.

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