Thursday, August 24, 2006

Nachmittag, schmutzig blauer Himmel

Ich schreibe. Klar, sonst könnten Sie zum Beispiel diesen und jenen Furz von mir nicht lesen. „Bloß so“ schreibe ich rein gar nichts, aber es gibt ja auch selten Ärzte die „bloß so“ untersuchen, falls diese nicht „bloß so“ aus Knittelfeld kommen und nackte Patientinnen „bloß so“ fotografieren. Bloß so. Ich schreibe weil es mir die nötigen Match (Rubel) einspielt und Spaß macht. Neben meinen literarischen Tätigkeiten mach ich auch Journalistenjobs und PRs. Mitunter bespreche ich Bücher.
Gelegentlich bringt man einen Roman doch nirgends unter, oder er ist schon zu alt um besprochen zu werden und trotzdem will man dem Herrn oder der Frau Verfasserin etwas Gutes tun und dann lande ich wiederum auf Seiten wie dieser. Also, gut zuhören und merken! „Lieber Osama“ von Chris Cleave ist heuer der erste Terror Roman, Anti-Terror Roman will ich nicht zwingend dazu sagen, der wirklich was hergibt. Wo sonst wird eine ganze Ostkurve eines Fußballstadions (Highbury Park, Match: Arsenal FC vs. Chelsea FC) weggesprengt? Und von wem? Klar, von kleinen Osamas. Erzählt wird die Tragödie und die Zeit danach, von einer Mid-Dreißigerin, nicht wirklich hell auf der Birne, und dadurch für den Leser geradezu erfrischend. Als sie als posttraumatisiertes Terroropfer im Spital landet, kommt sie sogar Thronfolger Prince William besuchen, dem kotzt sie auch ganz anständig die Schuhe voll. Welcher Engländer kann das von sich behaupten?

Eine kleine Kostprobe, gut?

>>Ich spürte das Elend in mir hochkommen, und zwar körperlich. Prince William legte die Stirn in die Falten. In gefasster Anteilnahme.
- Wie geht’s ihnen, fragt er noch einmal.
Ich schob den Kopf über die Bettkante und kotzte ihm voll auf die Schuhe.<<

Ja, das ist doch was, nicht? Die Kotzorgie kommt übrigens auf Seite 79 vor, wenn Sie im Buchhandel mal reinschnuppern wollen. Aber im Grunde ist „Lieber Osama“ der 1000ste London Roman der auf eine sehr subtile aber doch spürbare Art nur eines bestärkt: London wird’s immer geben. Geile Erkenntnis, echt. Einen kleinen Fehler hat der Roman: Osama ist (oder war) Arsenal London Fan. Also würd er wohl eher die blauen Jungs von Chelsea in die Luft sprengen, denk ich mir mal. So, ich weiß, ich weiß, ich bin zu lange, so sorry. Und mitunter werde ich noch durch solche Empfehlungen meine Leserschaft halbieren. Aber, was macht man nicht alles für die Kunst, nicht?

Bis morgen, Wa. Und bleiben Sie auf diesem Sender!

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