Sunday, November 03, 2013

Krimis zwischen Bits, Bytes und Beat!






Dan Jordan ist ein anerkannter Geschäftsmann, der in einer gehypten IT-Firma in Silicon Valley groß abzockt. Aber er hat vom turbulenten Leben die Schnauze voll und sehnt sich nach etwas Ruhe für sich und seine Familie. Er hat auch einen passablen Plan: Nach Ablauf der Sperrfrist will er seine auf einen gigantischen Gewinn angewachsenen Firmenaktien verkaufen. Drei Tage fehlen noch zu seinem Glück, doch dann geht’s Schlag auf Schlag: Gekündigte IT-Spezialisten erpressen ihn, hinzu kommt ein bulliger Glatzkopf, der ihn verfolgt, und schließlich ist da Jordans Frau, die ihn zu einer Sextherapeutin schleift.


Bizarr und skurril

Krimis über wuchtig wachsende Technologiekonzerne gibt es tatsächlich schon einige. Selten sind sie jedoch so temporeich und zugleich mit unvorhersehbaren Wendungen ausgestattet wie „Cash Out“ von Greg Bardsley. Besonders gut gelingt es dem Autor Silicon Valley und die ganze IT-Branche in äußerst schlechtem Licht darzustellen. Es scheint der Ort zu sein, wo ohne jegliche moralische oder ethische Komponente nach Lust und Laune agiert werden kann. An skurrilen Charakteren und bizarren Handlungssträngen mangelt es der Story nicht, einziger Wermutstropfen ist das etwas zu seichte Ende.  Die Abrechnung hätte gewaltiger ausfallen können. Ein paar Tätschen mehr aufs Maul wäre schon gut gewesen. Solche Abrechnungen sind doch fein zu schreiben!
 



Während Greg Bardsley gemäß dem Webzeitalter einen äußerst temporeichen Thriller hinlegte, besann sich William Shaw auf die Tradition des klassischen Krimis, der dadurch sehr gut in das Swinging London der 1960er-Jahre hineinpasst. Aber no Panic, das Ding ist nicht verschnarcht. Kurz zum Inhalt: Ein Mädchen wird in einem Hinterhof tot aufgefunden, keiner kennt dessen Identität, ein Sexualverbrechen wird nicht ausgeschlossen. Detective Breen muss den aussichtslosen Fall übernehmen und seine junge Kollegin Tozer soll ihn dabei unterstützen. Das Verbrechen wurde in der Nähe der berühmten Abbey Road Studios begangen und schon bald findet sich das zu Beginn sehr unglücklich agierende Polizisten-Duo in der Beatles-Szene wieder. Ein pikantes Detail am Rande erschwert die Arbeit: Tozers jüngere Schwester wurde ebenfalls tragisches Opfer eines Sexualdelikts und die Ermittlerin ist darüber noch nicht hinweggekommen.


Ungeschöntes London

Shaw scheint die Swinging Sitxies in London zu kennen wie seine Westentasche. Häppchenweise lässt er die wilde Zeit einfließen und spart nicht mit Fakten, beispielsweise der Verhaftung von John Lennon wegen illegalen Drogenbesitzes. Der Autor bleibt jedoch nicht in den pulsierenden Vierteln hängen, sondern zeigt auch den farblosen Osten der Metropole und ihre mürrischen Bewohner in der noch lange nicht verebbten Nachkriegszeit. William Shaw ist ein Meister der Charakterzeichnung, weiß trotz aller Behutsamkeit zu überraschen und schickt die gesamte Hippie-Gesellschaft auf einen sehr lesenswerten Horrortrip.

Wa.

 

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