Sunday, December 11, 2011

Laufke adé

Die Türe zum Lokal, links mit der Martini Werbung ist vielen Grazer Szenemenschen ein Begriff.

Die letzten Gäste, die letzten Getränke.



Der wohl integrierteste Grazer Kaufmann mit Restaurantbetrieb schließt heute seine Pforten, wie "der Grazer" berichtete. Drehen wir das Zeitrad einmal zurück: Vor rund 25 Jahren war es angesagt, zur späten Stunde sich eine Flasche Wein oder stärkeres zu holen, wenn die Vorräte verbraucht waren, oder wenn man zur vorgerückten Stunde noch einen kleinen Spaziergang auf den Schloßberg vorhatte, oder beim Zocken eine Glückssträhne betrinken musste, oder wenn ganz einfach der jeweilige Fußballverein das Derby gewann. Gerne blieb man auch an der Bar hängen, glückliche Menschen, frustige Menschen, sie stießen mit einem Glaserl an und beobachteten aus dem Seitenwinkel, welch illusteres Publikum nächtens noch die Flügeltüren betätigt und herein flattert und für Amüsmo sorgt. Auch Stadt- und Landesräte oder Flanierer und Wunderfutzis wurden nicht erstaunt empfangen. Jedem sein Tröpferl eben, in der Nacht sind alle Menschen gleich.

Dazu kamen viele Studenten und Professoren, die auch am Sonntagmorgen noch für den Brunch einkauften, aber auch Senioren, die rund um die Elisabethstraße gerne im Laufke ihre täglichen Einkäufe besorgten. Und wie gesagt, bürgerlich essen konnte man sehr gut, der Blick aus den breiten Panoramafenstern im Winter oder der Gastgarten im Sommer sind mehr als Legende. Seit 31 Jahren führt nun Frau Adelheit Fürnrath-Moretti den Laufke, durch alle Höhen und Tiefen. Sicher, sie war auch streitbar und einige Gäste zogen es lieber vor in anderen Lokalen ihr Geld liegen zu lassen, aber der Laufke blieb halt immer der Laufke.

In letzter Zeit machte die Konkurrenz der Pächterin aber zu schaffen. Tankstellen mit frischen Semmerln am Sonntag und durchlaufende Öffnungszeiten für nächtliche Einkäufe, Schnitzellokale die ebenfalls Bier und Wein im Gassenverkauf anbieten und ein Kaufhaus am Grazer Hauptbahnhof, das jeden Tag bis 22 Uhr geöffnet hat. Klar, wenn man schon am Sonntag nix mit sich anzufangen weiß, der Bahnhof bietet mittlerweile eine kleine Shopping Mall für „Brauch ma nicht Produkte“, und das sorgt für Kunden. Zurück in die Elisabethstraße: Die Krawallbrüder zur nächtlichen Stunde, zertrümmerte Auslagen (und Autos), eine neue Lokalszene – das Leben als alteingesessener Wirt kann ansträngend sein. Dazu kam ihre Betätigung als Nationalratsabgeordnete in Wien, ein Weingut in der Südsteiermark, und, und, und. Frau Fürnrath hat auf alle Fälle nach 31 Jahren genug, alles andere hätte eine totale Fokussierung auf das Lokal bedeutet. Aber um sie muss man sich keine Sorgen machen, in der Südsteiermark warten neue gastronomische Aufgaben. Der Dichter Wa. bekam zum Abschied noch eine Flasche Sekt auf Haus mit und Sektgläser, soviel seine Hände tragen konnten. Die kommen aus der Grazer Sektkellerei Kleinoschek, aber das ist wieder eine andere Geschichte. Bleibt zu hoffen, dass „der Laufke“ einen neuen Pächter findet, mit neuem Esprit und nicht zur aussagelosen Pizzeria oder Asia-Bude verkommt.

Prost!

Wa.

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