Monday, January 03, 2011

Terroristenpärchen.

Die Schatten der blutigen Vergangenheit ragen bis in die heutige Zeit hinein. Junge Autoren beschäftigen sich damit.


Von der RAF in Deutschland über die PLO im Nahen Osten bis zu den Roten Brigaden in Italien, der 1970er-Terror beschäftigt eine neue Autorengeneration. Ihnen geht es jetzt aber weniger um den damaligen Aufruhr, sondern um die Auswirkung auf die heutige Zeit. Sie sind die Kinder des Zorns und versuchen dies literarisch zu verarbeiten. Hinzu kommt, dass das literarische Zweigespann immer beliebter wird.

Die RAF und seine literarischen Erben.

Ulrich Noller und Gök Senin sind eines dieser neuen Autorenpaare, die zusammen den Krimi „Celik & Pelzer“ geschrieben haben. Der Krimi kommt schnell auf Touren und ist die ersten Seiten wirklich packend, hat auch kantige Personenbeschreibungen, scannt das ganze Umfeld ziemlich gut ab, auch die Dialoge haben genug Schärfe, und trotzdem, der Krimi verheddert sich aber zunehmend in private Plänkeleien zwischen Celik und Pelzer. Das wäre jetzt auch nicht das Problem, aber aus einem RAF-Krimi muss man mehr herauszuholen. Hier müsste die Fiktion stärker in die Realität und in die jüngere Zeitgeschichte verzahnt sein, gerade wo eh noch so viel im diffusen Bereich ist. Da müssen Tatsachen auf den Tisch und keine fiktiven RAF-Sub-Organisationen. Der Krimi punktet jedoch als deutsch-türkisches Literaturprojekt. Hierzu braucht es aber keinen Blick in die Vergangenheit.

Italien kann sehr krass sein.

Sensibler geht es Roberto Cotroneo an. Der Titel „Die Jahre aus Blei“ ist zwar wirklich nicht einladend, und die ersten Seiten der Übersetzung sind noch sehr eng am Italienischen, das Problem legt sich aber. „Die Jahre aus Blei“ spielen im Jahr 2006 und haben einen sehr stark zurückgerichteten Blick. Roberto Cotroneo spielt sich mit dem Gedanken, dass linker Terror und rechte Geheimdienste einander bedingen. Um diese enge Verflochtenheit zu zeigen, rollt der Autor die italienische Geschichte noch einmal auf, von den faschistischen Vätern auf der einen Seite und von den kommunistischen Vätern auf der anderen Seite, bis hin zu schier unüberbrückbaren Grabenbrüche in der italienischen Gesellschaft von heute, die sich schlussendlich in der katastrophalen politischen Situation Italiens wiederspiegeln. „Jahre aus Blei“ ist ein verstörender Roman, der den italienischen Terror aus ungewohnten Positionen beleuchtet. Das Aushängeschild der italienischen Neointellektuellen Roberto Cotroneo schafft es über die Versuchung des Terrorismus zu schreiben, ohne sich von ihm blenden zu lassen.

Wa.

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