Wednesday, October 19, 2022

Gedanken zum Derby.


 



Nach 15 Jahren sehen wir uns wieder. Es wird ein Derby, das im Vorfeld und im Nachfeld schwierig werden könnte, das ist der Charakter eines Derbys, sonst wäre es auch kein Derby. Die Sau lachte ja auch schon von der Autobahnbrücke, im Balkan zwischen München und Mexiko passiert das eben. Ich habe da jetzt einmal keine Vorurteile gegen alle schwarzen Seelen, witzig ist es trotzdem nicht, aber die Arschkarte bezüglich des „radikalen Anhangs“ ist jetzt einmal nicht bei den Roten. 

Und heute: Irgendwo wird es krachen. Da es aber auf der ganzen Welt kracht, könnten wir unser Krachen durchaus sein lassen, aber wenn es tscheppert, dann tscheppert es halt. Jo mei! Das wird an diesem Abend so gewollt sein, im LKH wird man darauf eingerichtet sein. 

 

Nach all den seltsamen Anfreundungen in den Medien in den letzten Tagen, in denen man Rote und Schwarze fast schon als sonderbare Habschis gegenüberstellte, muss man sich fragen, warum? Menschen lernen sich in den unmöglichsten Situationen kennen und schätzen. Das hat aber selten etwas mit Fußball zu tun. Der Scharm des Derbys liegt in der Rivalität und der Abneigung des Gegners und bittte und gerne auch Hasss des Gegners, absichtlich hier mehrfach betont. 

Ich finde es nach wie vor legitim, dass wir uns nicht mögen. Warum sollten sich Rote und Schwarze tatsächlich mögen? Da kann man durchaus von einer berechtigten Ablehnung sprechen, sie ist von beiden Seiten legitim und durchaus menschlich. Irgendwo müssen diese Gefühle auch hin, Samuel Beckett meinte zum Beispiel, dass Sport eine Ersatzhandlung für Krieg sei, wäre global sicher sinnvoll, hat aber mit uns kleinen Derby-Wutzis nix zu tun. Wir hauen uns einfach den Schädel ein. Bezüglich der Vereinsleidenschaft hassen wir uns. Warum sollte man auch alle und alles mögen. Feindschaft bindet ;)


per sempre rosso - red party will never die. 

 

Wa. 


Wednesday, April 06, 2022

Musik ist hart, Jugend ist härter.

 




Stewart O’Nan schließt bei seinen Anfängen an und begleitet seine jugendlichen Protagnisten in eine Katastrophe, in dieser Katastrophe haben sie sicher auch die zweite Buchvorstellung akustisch laufen lassen, The Clash. 

 

Die New-England-Staaten in den USA sind vor allem für ihre einladenden Küstenlandschaften, für Ferienhäuser gut situierter New Yorker Familien, für ihre Lobster, für Segelbote und gelegentlich auch für Bestseller bekannt. Stephen Kings „Es“ spielt beispielsweise in einer fiktiven Kleinstadt in Main mit bunten Häusern, in den 1950er-Jahren. Gute 70 Jahre später legt nun Stewart O’Nan seinen Roman „Ocean State“ vor, spielt in Westerly, einer unbedeutenden Küstenstadt der Neuengland-Staaten. Aus diesem Sumpf läuft man fort und macht Karriere, wie in „Es“, oder man verschläft den Absprung und muss sich so durchs Leben schlagen, wie in „Ocean State.“ 

O’Nans Protagonisten sind zum Großteil jung und fristen ihr Leben. Wenn man als Leser nicht wissen würde, dass die Story in einer Katastrophe mündet - ein Mädchen tötet ein anders aufgrund eines Beziehungsstreits - wäre es eher eine soziologische Bestandaufnahme. Doch so weiß der Leser, wohin die Reise geht und Stewart O’Nan erzeugt einmal mehr einen unheimlichen Sog. 

 

Schrittweise in die Katastrophe 


Im Grunde ist es eine Rückkehr zu seinem zentralen Werk: Für „Engel im Schnee“ bekam er 1993 den William-Falkner-Preis und es folgten darauf die Romane „Die Speed Queen“ und „Halloween“, mit einem überstrahlenden Leitthema: Junge Menschen, die nicht mit ihrem Leben klarkommen. Sie leben ein Leben zwischen Depression und Sehnsucht, doch bleibt der Autor im seriösen Bereich, ganz ohne Sozialporno begleitet er seine Charaktere auf den Weg in die Katastrophe, wie ein Analytiker, der nicht eingreift, sondern berichtet. Als wären seine Figuren in einer Art Dämmerzustand, sind sie unterschwellig von einem strengen Calvinismus gelenkt. Die Menschen gehen - fast schon provozierend freiwillig - in ihr „gottgewolltes“ Unglück und keiner kann sie davor abhalten. Der Sog wird zum einen durch das drohende Unglück erzeugt, zum anderen durch den klugen Mix an verteilten Rollen, in denen die Geschichte vorangetrieben wird. Einen Unterschied zu den Vorgängern gibt es, die Story wird ausnahmslos aus der Sicht der Frauen in dem Roman erzählt: Birdy und Angel rittern um Myles, dem jungen Mann mit dem prächtigen Haus am Meer, während Angels Mutter durchs Leben stolpert und die jüngere Schwester Marie ist mehr oder minder die Chronistin der Ereignisse. Daraus entwickelt sich ein spannender Roman ins Verderben. 

 

Eine Band mit Biss 


Biographien sind eine schwierige Angelegenheit. Entweder loben sie den Beschriebenen über den grünen Klee oder sie vernichten ihn. Interessant ist, wenn sich aus einer Biographie ein spannendes Zeitdokument entwickelt: Nach Jahren neu aufgelegt wurde „The Clash“, das offizielle Bandbuch einer der wichtigsten Punkrocker der 1970er-Jahre. The Clash waren eine Art Farbklecks in einer ziemlich grauen Zeit. Sie waren Kunststudenten, die ihr Studium abbrachen, um Musik zu machen und mussten unter andrem illustren Jobs nachgehen, wie verdächtige Briefsendungen zu öffnen, in denen IRA-Briefbomben vermutet wurden. 

Sehr cool ist, dass die damaligen Musiker das ganze Buch hindurch ihre subjektive Sicht der Dinge erzählen, über die Band, über Erfolg und Misserfolg aber auch über die Zeit, die langsam zu der bunten, fast sorglosen Zeit der 1980er-Jahre abhob. Die Dialoge sind gut montiert, sodass ein fast natürlicher Drive entsteht. Das alles kommt jetzt aber ohne Eigenlob aus, bringt hingegen immer wieder spannende Details ans Tageslicht. Man darf nicht vergessen, die Band spielte 1976 in unsäglichen Hinterzimmern und wurde mit Dosen und Flaschen beworfen, aber die Jungs hielten zusammen. Acht Jahre später füllte man Footballstadien in den USA und war heillos zerstritten. Das Buch endet mit der Trennung der Band. Um sich selbst zu finden, ging der Leadsänger und Gitarrist Joe Strummer wieder in Fußgängerzonen in nordenglische Städte und spielte einfach darauf los. Das hat durchaus Stil. 

 

(c) Vorarlberger Nachrichten / Martin G. Wanko 

 

Stewart O’Nan: „Ocean State“, 253 Seiten, Rowohlt.

The Clash – Das offizielle Bandbuch, 408 Seiten, Heyne Verlag. 

Monday, February 07, 2022

Da gab es schon viel Schlimmeres!


 

Kathleen Kent hat mit „Die Toten mit der roten Strähne“ ihren ersten Thriller verfasst. In ihrem literarischen Vorleben schrieb sie historische Schinken. Ob das gut geht?

 

Die US-Autorin Kathleen Kent hat eine rege literarische Vergangenheit, sie schrieb Romane, die es jedes Jahr als Kiloware angeboten werden und durchaus ihr Publikum finden. Ihre historischen Romane mit Schall und Rauch und viel Getöse eignen sich wunderbar für Nachmittage im Schwimmbad oder für langwierige Zugfahrten. Kents Romane laufen unter verheißungsvollen Titeln wie „Die Tochter der Ketzerin“, „Die Ausgestoßenen“ oder „Die Frau des Verräters“. Mit Themen wie die Hexenjagd und das Aufgebehren gegen das Patriarchat schafft es die Autorin zu Büchern, die global gesehen sicher zu Bestseller wurden. Okay, es ist kein zweites „Vom Winde verweht“ dabei, aber im Land der unbegrenzten Auflagen ist „der Bestseller“ wesentlicher als alles andere. Dann war einige Jahre Funkstille, warum auch immer, und nun wartet die Autorin mit ihrem ersten Thriller namens „Die Tote mit der Roten Strähne“ - immerhin im deutschen Qualitätsverlag - auf. Die Frage drängt sich auf: Was kann das Werk?

 

Gut gebaut ist halb gewonnen

Die Antwort in sechs Wörtern: Da gab es schon viel Schlimmeres! Hauptcharakter Detective Betty Rhyzyk kommt aus einer polnischen Polizisten-Familie, der Blutzoll ist in der Familie nicht zu übersehen, aber Betty hält eisern die Fahnen hoch und ist im Drogendezernat in einer No Name City in Texas, nahe der Grenze zu Mexiko, stationiert, dazu ist sie lesbisch und wirkt auf Männer anziehend. Im Grunde hätte die Hälfte an Eigenschaften für den Roman gereicht, aber die Autorin hat vermutlich gleich bei der Konzeption des Erstlings an diverse Fortsetzungen gedacht, da zahlt sich eine große Menge an Erscheinungsmerkmalen schon aus. Detective Betty Rhyzyk kämpft auf alle Fälle heroisch für das Recht aller Unterdrückten, das Training dazu dürfte sie in ihren historischen Romanen absolviert haben. 

Trotz gewisser literarischer Vorbehalte ist der Thriller inhaltlich gut gebaut. Hier wird Tempo gemacht, jetzt nicht auf Teufel komm raus, aber es kommen doch immer Schüsse aus Ecken, wo man sie nicht vermutet. Psychopathen, historische, nachgespielte Schlachten, missglückte Beschattungen, rechte Nachbarn und eine quasi sich in die Fortsetzung schwindelnde Täterin ergeben in Summe einen Themenwald, wo die Autorin gekonnt hindurchgaloppiert. Der Einfluss der Streaming-Dienste wird hier spürbar, und gut möglich, dass der Roman auch schon in seriengerechte Happen zerteilt wird, zumindest liegen in den USA bereits zwei Fortsetzungen im Buchhandel auf. Vielleicht lässt man nach der Lektüre den Roman auch im Strandcafé liegen, aber zumindest fertiggelesen hat man ihn. 

 

Mord, oder nicht Mord

Aus der Boulevard-Presse kennt man solche Geschichten: Drei Frauen und ein Mann leben zurückgezogen in einem Haus, schön verankert in einem Wohnbezirk. Die vier Bewohner sieht man eher selten, sind aber jetzt auch nicht auffällig. Plötzlich stehen vor dem Haus am frühen Morgen einige Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und auf einer Bahre wird eine der Frauen herausgetragen, die sich scheinbar zu Tode gehungert hat. Sehr schnell wird klar, dass sich zur Tatzeit die Insassen in einer glaubensbedingten psychischen Ausnahmesituation befanden. Schon bald fällt der Groschen: War das nun Mord an der schwächsten Persönlichkeit, fahrlässige Tötung oder doch der freie Wille zu sterben. Dazu spielt der Roman in den Niederlanden, wo dieses Thema freizügiger gehandhabt wird. Die Autorin Gerda Blees macht es sich in „Wir sind das Licht“ nicht leicht, hält gekonnt ihre Meinung zurück und lässt die anderen erzählen, auch die Häuser und ein Stück Brot dürfen an der Story mitwirken. Ob es diesen Kunstgriff braucht, ist fraglich, aber Gerda Blees Roman hat gefühlt etwas mit dem „Tatortreiniger“ im TV zu tun, durchaus unterhaltsam, doch mit ernstem Hintergrund: Wenn nichts passiert wäre, hätte die Reinigung auch nicht kommen müssen. 

 

© VN / Martin G. Wanko

 

Kathleen Kent: „Die Toten mit der roten Strähne“, 361 Seiten, Suhrkamp.

Gerda Blees: „Wir sind das Licht“, 239 Seiten, Zsolnay

Sunday, January 16, 2022

Über verrückte Spieler, einem wütenden Bauer und dem guten Bobo





Jonathan Lethem, der verrückte Autor mit Stil, legt mit „Anatomie eines Spielers“ seinen neuen Roman vor.

 

Seine Brooklyn Romane „Motherless Brooklyn“ und „Die Festung der Einsamkeit“ machten den Autor zum Fixstern im Himmel der verwegeneren Literatur, die jedoch durch ihre Hollywood-Verfilmungen mehrheitsfähig wurde. Mit der „Anatomie eines Spielers“ legt er, unschwer zu erraten, einen Roman über einen Spieler hin. Alexander Bruno ist Berufsspieler. Er verdient sein Geld damit, indem er ambitionierte Amateure ausnimmt. Sein Leben funktioniert wie die ersten Minuten eines James Bond Film der 1980er-Jahre. Das Leben ist glamourös, Sorgen hat man morgen, wenn überhaupt. Dahinter steckt ein System, Edgar Falk finanziert die Spiele vor, treibt danach bei den Schuldnern das Geld ein und behält sich seinen Anteil. Bruno kann weltweit gebucht werden und ist nicht unelegant im Spielerparadies Singapur stationiert. Sein Spiel ist übrigens das Brettspiel Backgammon. Das geht so lange gut, bis Bruno, als schwarzen Fleck in seiner Iris, einen Gehirntumor wahrnimmt und parallel dazu seine Glückssträhne verliert. Zugleich ist das der Zeitpunkt, wo Autor Jonathan Lethem zur Höchstform findet. 

 

Die Rückkehr des Frankenstein 

In atemberaubender Geschwindigkeit schickt er seinen Protagonisten nach Berlin, von dort weiter nach San Francisco, genauer in die Universitätsstadt Berkeley, um sich von einem umstrittenen Chirurgen, Noah Behringer, operieren zu lassen: Um an den Tumor zu kommen, bohrt er kein Loch in den Schädel, sondern schneidet ihn frontal auf. Danach soll ein langsamer Heilungsprozess vonstatten gehen und den Eingriff unsichtbar machen – wenn alles gutgeht. Willkommen im Spiel um das Leben oder bei Mary Shelleys Frankenstein. Finanziert wird die Operation von einem alten Freund aus Berkeley, der durch Immobilienspekulationen und dem Hochziehen einer wüsten Unterhaltungs- und Restaurantkultur sich in der Universitätsstadt nicht nur Freunde macht. 

Ein typischer Super-GAU für Lethem, der ein wertbefreites Amerika durch den Schredder jagt. Als Galionsfigur sieht man den erkrankten Spieler sich durchs Leben zu kämpfen. Fein säuberlich verknüpft er seine Angelpunkte und lässt das Spiel fast wie von selbst vonstattengehen. Einzig schade, dass der Funken nicht immer zum Leser überspringt. Elendslange Spielpassagen sind nichts für die Literatur. Und, nicht zuletzt fehlt es Bruno Alexander an einem höheren Ziel. Muss man nicht haben, klar, aber wenn die Struktur des Romans ein Ziel verlangt, sollte eines kommen. Fazit: An sich eine interessante, ausbaufähige Trockenschwimmübung, mal schauen was passiert, wenn die Drehbuchautoren sich über das Werk hermachen und die Schleusen öffnen.

 

Die Identität am Berg

„Bauer und Bobo“, das klingt so ähnlich wie „Bauer sucht Frau“, ist aber nichts dergleichen. Zur Begriffserklärung: Ein Bobo ist eine urbane Person, die für das Gute steht und den Genüssen dieser Welt, solange bio-zertifiziert, nicht abgeneigt ist. Zum Buch: Als Bauer fungiert der „Wutbauer“ Christian Bachler und als Bobo, der Falter-Chefredakteur Florian Klenk, der die Reportage auch verfasste. Nach einem Vorgeplänkel lernte Klenk Bachlers Hof in den steirischen Bergen persönlich kennen und schätzen. Kurz später war der Bauer am finanziellen Abgrund, Florian Klenk setzte seine Kontakte ein, ein Wirtschaftsplan wurde erstellt und in einem sagenhaften Crowdfunding wurde in kurzer Zeit rund eine halbe Million Euro aufgestellt – so viel einmal zum wahrgewordenen Märchen, das dieser Reportage zu Grunde liegt. Liest man zwischen den Zeilen, werden alte Mitterer-Dramen äußerst aktuell, Axel Corti-Verfilmungen nach wie vor gültig und die Franz Innerhofer-Romane noch immer lesenswert. Da sieht man wieder die Herren in feinem Zwirn am Hof stehen, um technokratisch über Schicksale zu bestimmen. Einmal wird Weidefläche, dann bloß das Vieh gefördert und zum Zurückzahlen ist allemal was. Fazit: Nicht jeden Tag Fleisch essen und dann bewusst etwas mehr zahlen. Immerhin isst man Nahrung, die einem noch kurz vorhin angeschaut hätte. Das könnte man sich im neuen Jahr vornehmen.

 

Vorarlberger Nachrichten - Martin G. Wanko

 

Jonathan Lethem: „Anatomie eines Spielers“, 393 Seiten, Tropen Verlag

Florian Klenk: „Bauer und Bobo“, 155 Seiten, Zsolnay 

 

Wednesday, December 29, 2021

Back in the DDR!


 


Georg Baselitz füllt noch immer die Museen, jetzt werden seine Anfangsjahre literarisch gedeutet. 

 

Mit „Raumfahrer” legt der junge deutscher Autor Lukas Rietzschel seinen zweiten Roman vor. Der Maler Georg Baselitz, oder genauer gesagt Baselitz durch die Welt um ihn herum zu erklären, ist das Thema des Romans. Im Detail geht es um den unbekannten Bruder des Künstlers, um Günter, der im Gegensatz zu seinem berühmten Bruder, in der DDR zurückblieb, nicht wegkonnte oder zumindest nicht wollte, während sein Bruder ins chaotische West-Berlin der Nachkriegsjahre hineintauchte. 

 

Im Dickicht der DDR

Hinzu kommt, dass die erzählende Figur, ein Junge namens Jan, plötzlich mit einem Schwall von festgehaltenen Erinnerungen konfrontiert wird, die der längst verstorbene Günter für ihn hinterlassen haben soll, mit der Bitte das Konvolut zu lesen. Als Vermittler gilt der an den Rollstuhl gefesselte Sohn des Baselitz-Bruders, der im Familiennamen noch Kern heißt, wie der Künstler eben auch, bevor er sich als Künstlername den Namen seines Geburtsortes aneignete: Baselitz. Hier fängt eigentlich die Geschichte an, gepaart mit starken literarischen Bildern, die in Beziehung zu weltberühmten Baselitz-Bildern stehen. 

Einen nicht unwesentlichen Punkt scheinen auch Jans Eltern zu spielen, vor allem die schon verstorbene Mutter und so ist es auch eine Reise in die DDR, zurück in die andere deutsche Geschichte nach dem 2. Weltkrieg. Genauer in die Dresdner Vorortlandschaft, dem Plattenbau-Dorado oder der Plattenbau-Hölle, je nachdem, von welchem Blickwinkel aus man die vielseitige Geschichte lesen mag. Lukas Rietzschel gräbt sich also durch die jüngere deutsche Vergangenheit und kommt in der Gegenwart raus. Aber der Blick ist doch eher auf die alte DDR gerichtet, als man eben dort an eine alternative Zukunft glaubte, von der heute sehr oft nicht einmal mehr Erinnerungen existieren würden, würden sich nicht Künstler um das „Ephesus aus Beton” kümmern. Baselitz darf bereits zu Lebzeiten wiederentdeckt werden, zumindest literarisch.

 

Ein schwedischer Klassiker 

Henning Mankell sollte wiederentdeckt werden. Mankell war ja einer der wesentlichen Autoren, wenn nicht der wesentlichste, der den Krimi aus dem Norden Europas auf eigene Beine stellte. Der Sog seiner Wallander-Krimis war so stark, dass sich daraus ein ganzes Genre entwickelte, das in Europa nach wie vor den Markt beherrscht: Skandinavische Kühle und Gelassenheit sind vordergründig, relativ viel unberührte nordische Landschaft, sozialkritische Stoffe und meistens eine irrer, bösartiger Hauptcharakter werden zur Hauptzutat, dem Ermittler, beigemengt, der nach Möglichkeit die gute Seite der nordischen Errungenschaften darstellt. Erst jetzt wird mit „Der Verrückte“ ein Frühwerk des 2015 verstorbenen Autors herausgebracht.  

Die Zutaten sind die gleichen, wie vorhin genannt, aber es ist kein Krimi, sondern ein Spannungsroman, der auf Tatsachen beruht. Nach dem 2. Weltkrieg geht Bertil Kras in ein kleines Dorf im hohen Norrland, um in einem Sägewerk Arbeit zu finden. Das Dorf hat jedoch eine schwere Bürde zu tragen: Im nahegelegenen Wald wurde im 2. Weltkrieg ein Lager errichtet, in welchem politisch Andersdenkende inhaftiert wurden, auch waren Teile der norrländischen Gesellschaft mit der politischen Entwicklung im Nazi-Deutschland gar nicht so unglücklich. Am Ende des Romans steht ein Verrückter, der das Sägewerk abfackelt. Aber war er wirklich so verrückt? Mankell nimmt sich hier bereits als 29-jähriger Zeit und Geduld, um die Geschichte schonungslos zu erzählen. Er hat bereits als junger Autor einen erstaunlich langen Atem und scheint von großer Menschenkenntnis beseelt zu sein. Es wird tatsächlich Zeit die nordische Galionsfigur abseits seinen Wallander-Krimis zu entdecken. 

 

© Vorarlberger Nachrichten, Martin G. Wanko

 

Lukas Rietzschel „Raumfahrer“, 287 Seiten, dtv

 

Henning Mankell: „Der Verrückte“, 505 Seiten, Zsolnay


Wednesday, December 08, 2021

Serien sind nicht nur im Stream en vogue, in der Literatur boomen sie ebenso.


 Till Raether schickt mit „Hausbruch“ seinen Ermittler Danowski zur Reha, an die Ostsee. Carsten Sebastian Henn macht einen weiteren hochprozentigen Krimi. 

 

Carsten Sebastian Henn hat schon seit längerem den Alkohol für sich entdeckt. Jetzt nicht im herkömmlichen Sinne, sondern literarisch. Buchreihen über Buchreihen, die um Julius Eichendorff ist die bekannteste. Seine Ermittler sind hauptberuflich Köche, Professoren und eben Hobby-Detektive. Dazu gehört dem Autor auch ein Weingut an der Mosel, er weiß also worüber er schreibt, technisch gibt es auch nichts auszusetzen. Wirklich trendy wurde er, als er mit „Gib dem Leben einen Gin”, auf den Gin-Hype aufsprang und eine Story rund um eine verschollene Gin-Rezeptur niederschrieb. Mit „Rum oder Ehre“ geht es nun, nicht schwer zu erraten, um Rum und Crime. 

 

Rum soweit das Auge reicht

Ausgangspunkt ist Flensburg in Deutschland, eine der historischen Rum-Hochburgen in Europa. Im Zentrum steht der nicht mehr so ganz fitte Martin, genannt Käpt‘n, dessen Bruder Christian, ein talentierter Rum-Blender, in seinen jungen Jahren nach Jamaika ging und seitdem als verschollen gilt. Plötzlich tauchen bei Martin Briefe seines Bruders auf, die von einem turbulenten Leben auf der Karibikinsel erzählen. Grund genug um Christian, den sie auf Jamaika alle ehrenvoll „den Professor” nennen, einen Besuch abzustatten, um zumindest seinen Spuren zu folgen - wer weiß, ob der Bruder noch lebt. Angekommen auf der Insel, wird der Käpt‘n sofort mit einer Taxifahrerin bekannt, die sich für den Aufenthalt als Chauffeurin anbietet. Das alles geschieht nicht ohne Hintergedanken, denn Martin könnte ihr Onkel sein, da ihre Mutter mit dem verschollenen Christian eine Liaison hatte. Kurz nach der Ankunft gibt es bereits den ersten Toten. 

Der Leser kommt im ersten Drittel des Romans einigermaßen ins Schnaufen, weil eben der Inhalt eingearbeitet werden muss. Vielleicht etwas viel am Tablett, aber dafür sind die Storys gut gebaut und machen jetzt auf witzige Art Lust tatsächlich einmal einen Abstecher an die Karibik, abseits der weißen Strände, zu machen. Reggae, Ska und der Mythos Rum, das mag man, oder mag man nicht. Interessant ist, dass Alkohol, verbunden mit dem Profil der Regionen, immer mehr als „bürgerliches Kulturgut“ wahrgenommen wird, das sich für Krimis sehr gut eignet. Vorbei sind die Zeiten eines Charles Bukowskis und seiner wüsten Welt, lieber spaziert man die anmutigen Wege Martin Walkers oder Alfred Komareks nach. Carsten Sebastian Henn ist bisweilen vielleicht eine Spur zu nett und praktikabel, sein Protagonist könnte ruppiger sein. Unterm Strich hat der Roman jedoch seine Momente, der Leser profitiert durch sein ausgezeichnetes Fachwissen und an manchen Bars könnten seine nicht alltäglichen Drinks und Kuchen durchaus für Abwechslung sorgen. 

 

Der Polizist in der Sinnkrise

Adam Danowski ist so ziemlich das Gegenteil von Carsten Sebastian Henns Käpt’n. Danowski ist Polizist aus Leidenschaft, besser gesagt war er das. Till Raether schickt ihn bereits das sechste Mal ins Rennen, aber es läuft nicht mehr so wirklich rund. Im fünften Fall ging so ziemlich alles schief. Hier war er 24 Stunden in der Gewalt eines entflohenen Straftäters. Der Fall ging nicht ohne Pannen ab und so befindet sich der geschundene Danowskinun auf Reha an der Ostsee. Ganz nebenbei entwickelt der Autor ein Pärchen, welches sich ebenso auf Erholung befindet. Langsam und nüchtern strukturiert, in bester nordischer Qualität, lässt er hier eine ziemlich kaputte Beziehung entstehen, wo am Ende des Tages nur die Frau überbleibt und diese geht nun zu Danowski beichten. Die Kritik meint, Danowski nähme im sechsten Fall relativ spät Fahrt auf. Aber, warum auch nicht? Ein Ermittler darf auch einmal lethargisch sein und der Autor kann diese Zeit literarisch zu Nutze machen. Till Raether schafft das sehr gut. Wer mehr Action haben will, sollte den Vorgänger „Unter Wasser“ lesen.

 

Martin G. Wanko / © Vorarlberger Nachrichten 




Thursday, November 04, 2021

Die Seelenrettung einer Stadt, oder der Reiz abseits des Sandstrandes




Triest kann viel, nur nicht das gewohnte Bild Italiens wiedergeben. Der Reise- und Gourmetjournalist Georges Desrues geht in „Triest für Fortgeschrittene“ durchaus auf Einblick mit Tiefgang.

 

Wer im Schatten von Venedig liegt, tut sich schwer Aufmerksamkeit zu erlangen. So dämmert Triest, seit dem Wachküssen unter Maria Theresia, vor sich hin. Aber es gibt emsige Autoren und auch immer mehr Qualitätstouristen, die sich mit der Stadt behutsam auseinandersetzen. „Triest für Fortgeschrittene“ heißt ein ambitionierter Band mit essayartiger Reiseliteratur, aktuellen Bildern und Stadtpläne, auf denen man die Wege nachwandern kann. So offeriert das Buch mehr als einen Überblick, eher schon den Durchblick. 

 

Buntes Stecktuch 

Georges Desrues bleibt von Anfang an ganz ehrlich: Natürlich ist er vernarrt in diese Stadt, sonst würde er dort die letzten fünf Jahre nicht leben, aber Triest ist jetzt weder das Mekka der Antike noch der Renaissance. Und während der Canal Grande in Venedig ein Prunkstück zum Flanieren und Prominieren wurde, blieb der Canal Grande in Triest ein sehr nutzungsbezogenes Stück Wasser zum Beladen und Entladen der Fracht. Aber Triest war auch für den Norden die Öffnung zum Mittelmeer und nicht zuletzt für das monarchistische Österreich sozusagen das bunte Stecktuch der sonst doch ziemlich biederen Habsburger Monarchie. Mit dem Freihafen schuf man das Tor zur Welt und ließ Menschen aller Herren Länder hinein: Händler, die großzügige Villen bauten, Syrer, Armenier und Briten, die sich ganze Straßen und sogar Vierteln einverleibten. Die Habsburger kreierten mit dem Borgo Teresiano einen ganzen Bezirk nach ihren Vorstellungen und auch den, für Italien, einzigen offenen Hauptplatz zum Meer, die Piazza dell’Unità. Und mit den Investitionen auch Anziehungspunkt für Kultur und Wissenschaft. 

Das Spannende in „Triest für Fortgeschrittene“ ist, dass hier Architektur von einigen Jahrhunderten in einer Art historischen Timeline aufgezogen wurde: Von der Antike über Art-déco-Klassikern bis zu Otto Wagner inspirierten Jugendstilbauten, kommen auch Elemente aus dem Faschismus und eher zweifelhafte Erneuerungen der Stadt nicht zu kurz. Überhaupt sei dem gebürtigen Franzosen gedankt, mit Fakten wie Faschismus und Links- oder Rechtsextremismus sehr nüchtern umzugehen und sie objektiv in die Kapitel einfließen zu lassen. Kulinarisch ist auch einiges da, auch immer gut in Notizen zusammengefasst. Ob es nun die angeleiteten Wege zu den Osmizen am Karstplateau sind, die einem einen entspannenden Blick auf das unorthodoxe Italien geben, zum Beispiel auf das überwältigende Areal des alten Hafens, der zugleich visionäres Industriedenkmal und Hoffnungsträger für ein historisches und modernes Triest ist. Die Stadt trägt noch die Handschrift von Riccardo Illy, zweimaliger Bürgermeister - man sehnt sich nach einem Nachfolger mit ähnlicher Leuchtkraft. Eine Art Guggenheim müsste her, denn wer hatte außerhalb des Fußballs Bilbao jemals auf dem Radar? 

 

Ein Altmeister in Aktion

Als Zugabe einer der es so richtig kann, und zum Glück auch die nötige Beachtung findet, ist Max Annas, deutscher Kriminalromanautor der ersten Stunde, der sich immer wieder mit Themen seines Landes auseinandersetzt. In seinem aktuellen Roman, „der Hochsitz“, geistert im Jahre 1978 das widerauferstandene RAF-Gespenst durch Deutschland, das auch in einem kleinen Dorf in der Eifel, nicht unweit der Grenze nach Luxemburg, sein Unwesen treibt. Dazu kommen Banküberfälle in sonderbarer Häufung und ein Cadillac, mit Frankfurter Kennzeichen, der auffällig oft durch Dörfer fährt und Landwirten überzogene Kaufofferte für ihre Höfe hinterlässt. Einiges aufzuklären in einem ruhigen Dorf, wo sonst so gar nichts passiert und die Kinder in den Ostertagen eigentlich nur die WM-Kleber für die anstehende Fußball-MM in Argentinien aus den Hanuta-Schnitten-Packungen sammeln wollen und so nebenbei am geheimen Hochsitz den Fall gelöst bekommen. Aber wer glaubt schon den Kindern? Ein meisterlich geschnipseltes Werk mit überraschenden Wendungen, in einem politischen Deutschland der 1970er-Jahre. 

 

(c) Vorarlberger Nachrichten / Martin G. Wanko

 

Georges Desrues: „Triest für Fortgeschrittene“, Styria Verlag, 200 Seiten. 

Max Annas: „Der Hochsitz“, Rowohlt, 270 Seiten. 

Saturday, October 16, 2021

GAK, quo vadis?





Sehr geehrter Vorstand, sehr geehrte sportliche Verantwortliche des GAK,


 

nach der gestrigen 1:6 Schlappe gegen den SKN kann es nicht mehr so weitergehen. Will man nicht die letzten Fans vergraulen, sollte der aktuelle Trainer Gernot Plassnegger beurlaubt werden. Erst gestern meinte Marco Perchtold zurecht, dass wir die beste 2-Liag-Mannschaft haben, seit wir in der Liga sind. Unter diesen Voraussetzungen ist ein Ergebnis schlicht und ergreifend inakzeptabel. 

Es ist alles nicht einfach und den passenden Trainer zu finden, gehört zu den schwierigsten Aufgaben überhaupt, aber dafür seid Ihr auch da. Mehr können die Fans nicht tun, als sie eh schon tun und das seit der 1. Klasse. Sie sind das Rückgrat und die Seele des Vereins. Ohne diesen wäre der GAK nicht dort, wo er heute ist. Dazu haben sie sich bis jetzt nobel zurückgehalten. 

Das sollte jedoch Eure Leistung als Vorstand oder Verantwortlicher nicht mindern. Um weiterhin handlungsfähig zu bleiben, bitte ich Euch den Trainer auszuwechseln. Ich will hier nicht seine Leistung beurteilen, aber nicht nur ich habe das Gefühl, dass er die Mannschaft nicht mehr erreichen kann, das ist jedoch die Basis für ein gutes Spiel. Wenn es um die finanziellen Mitteln geht: Es werden noch mehr den Bach hinuntergehen, wenn so weitergespielt wird, als wenn ein neuer Trainer engagiert wird. Das Irritierende daran ist, dass wir noch immer den 5. Tabellenplatz halten und nach dem Wochenende zumindest noch im Mittelfeld sind. Es ist also noch nicht zu spät! 

 

Freundschaftliche Grüße, Martin G. Wanko


Foto: (c) Wanko

Wednesday, March 31, 2021

Hans-Ulrich Thomale: „Ich bin Trainer - kein Diplomat.“

 

                                    Foto: Hans Ulrich Thomale in seinem Element, beim GAK. (c) Thomale 



Hans-Ulrich Thomale ist Jahrhunderttrainer des GAK. Nicht umsonst, denn unter seiner Regentschaft schafften die Roten in der Saison 1994/95 den Aufstieg von der 2. in die 1. Liga und daraufhin sogleich die Qualifikation zu einem internationalen Bewerb, als 4.-Platzierter. Er formte Spieler wie Ales Ceh, Franz Almer, Gregor Pötscher, Martin Amerhauser und Edi Glieder. Den größten Erfolg hatte er sicher mit dem 1. FC Lokomotive Leipzig, mit dem er das Europacup Finale 1987 gegen Ajax Amsterdam mit 0:1 verlor. Den wahren Segen gab es jedoch 2004, als er mit seiner Frau in Thailand bei der Tsunami-Katastrophe nur knapp dem Tod entging. Im Sommer soll, wenn bezüglich der ganzen Lockdowns alles glatt verläuft, ein Buch über den Trainer herauskommen. Dann gibt es auch eine Lesereise, die ihn auch nach Graz führt. Guter Plan und eine gute Zeit, um jetzt mal kurz zu quatschen.

 

Herr Trainer, wie heißt das Buch und wie kommt es zu dem Buch über Sie. Ist ja doch eine Ehre, oder?

Thomale: Im Dezember 2019 überraschte mich mein ältester Sohn Michael mit dem Wunsch und einer zarten Aufforderung, doch ein Buch über mein Leben schreiben zu lassen. Anfangs war ich von dieser Idee nicht unbedingt angetan. Doch mein Sohn überzeugte mich. Ich hätte doch viel erlebt (Tätigkeit in Ost u. West, im Ausland sowie Ereignisse wie z.B. der Tsunami in Thailand...). Letztlich gab ich ihm Recht. So wurde aus der Idee die Wirklichkeit.

Das Buch sollte nicht nur meinen sportlichen Werdegang zeigen, sondern auch andere Lebens-u. Ereignisbereiche (Familie, Leben in beiden Teilen Deutschlands und im Ausland ) skizzieren. Fachleute, die das Manuskript schon gelesen haben, meinen es wäre ein sehr authentisches, ehrliches Buch. Wir werden sehen. Der Titel des Buches sagt schon einiges aus: „Ich bin Trainer - kein Diplomat.“

 

Sehr schön, dann haben wir auch gleich den Titel unseres Gesprächs gefunden. Sie wurden fast Europacupsieger der Meister, waren öfters „im Westen zu Gast“. Gab es da einmal die Überlegung nicht mehr zurück in die DDR zu reisen? (Sie wären ja nicht der einzige gewesen...)

Thomale: In meiner Trainertätigkeit habe ich mit meinen jeweiligen Mannschaften ca. 100 internationale Spiele bestritten. Davon 30% in etwa in westlichen Ländern. Dadurch hatte viele Kontakte, manche Visitenkarte fand den Weg zu mir. Für mich hat sich die Frage nie gestellt - meine Familie (tolle Frau, zwei prachtvolle Jungs!) waren meine wahren Vorteile!

 

Gehen Sie noch auf den Fußballplatz?

Thomale: Natürlich verfolge ich vieles im Fußball. Aber auf Sportplätzen bin ich selten zu sehen. Früher hatte ich durch meinen Job wenig Zeit. Heute hole ich vieles nach, zum Beispiel Urlaub machen ... 

 

Was halten Sie von RB Leipzig?

Thomale: RB Leipzig ist für mich ein Retortenclub, der aber durch gutes Management , entsprechende sportliche Führung natürlich auf der entsprechenden finanziellen Grundlage, seinen Weg in Spitze der Bundesliga geschafft hat. Das sollte man anerkennen.

 

Als Grazer muss man das fragen: Welchen Stellenwert nimmt der GAK 1902 inIhrem Buch ein?

Thomale: Der GAK nimmt einen relativ hohen Stellenwert ein. Schließlich war diese Zeit sportlich sehr erfolgreich und nicht zu vergessen: die Lebensart der Österreicher sowie Mannschaft und Fangemeinde des GAK.

 

Sie haben als Trainer den GAK 1995 raufgebracht. Wann meinen Sie ist es für den Aufstieg in die höchste Spielklasse Zeit?

Thomale: Nachdem sich der GAK stetig nach oben entwickelt hat, gehe ich davon aus, dass  

mit guter Arbeit und dem entsprechenden Glück, in spätestens zwei Jahren der GAK wieder erstklassig wird. Dazu wünsche ich von Herzen gutes Gelingen!  

 

Herr Trainer, danke für das Gespräch, alles Gute für Sie und Ihre Familie und rote Grüße aus Graz!

 

Wa. 

 



Monday, June 22, 2020

Corona and me - Nr. 70

Guten Abend, schönen Tag, da bin ich wieder, seas :)

wie versprochen, melde ich mich gelegentlich zu diesem Thema, "Corona" zurück, und gerade weil es zz gerade sehr würgend ist, keiner will davon noch etwas wissen, umso lieber :) anbei einige Eindrücke der letzten Zeit: 

Was mir ein bisserl auf den Zahn geht, sind die permanenten ORF-ZIB-Meldungen "zur Normalisierung", wenn ein Land die Grenzen aufmacht. Mit Covid-19-Zahlen hat das nix zu tun, die steigen nämlich. Spanien leider nicht normalisiert, aber gerne auf die Touris aus. Ja eh, aber. 

Die Arschkarte haben Kunst und Sport, weil man diese Veranstaltungen anmelden muss, bzw. sie unter gewissen Regeln laufen. Hier gilt das Abstandsmaß von 1,5 m. In den Parkanlagen, oder auf den Plätzen wo Lokale eher auf Standl-Basis sind, scheint das egal zu sein. Zu sehen jeden Tag, wenn gutes Wetter ist und die Menschen Spaß haben. Rock-Festivals gehen halt nicht, weil Anmeldung nötig. 

Aber kein Stress, ich meine, an den ersten Tagen wo die Maskenpflicht am Markt fiel, fragte ich (scheinbare Senioren), warum sie denn die Maske nicht mehr auf haben, die lapidare Antwort war: "Jetzt ist eh alles vorbei, jetzt stoß ma an." Ja, bei der zweiten Welle sollte man dies berücksichtigen. Aber eh, manche Rentner stehen noch vor dem Fenster. Das Leben ist schwierig. 

Ich will jetzt weder auf die Tennis-Adria-Helden, noch auf fragwürdige Tests in fernen Ländern eingehen, weil, leider geil: Sie wollen viele Touristen, dann stirbt ihnen die Tour an Covid. ;))) 
So vorzüglich, wie sich die Community im Fitnesscenter Fitinn (Graz, Jakominiplatz) benimmt, inklusive der gesperrten Geräte, damit der Abstand passt, vorzüglich! 

Wir müssen diese Orte aufsuchen, wo nach Möglichkeit fortgesetzt wird, was vor rund drei Monate begann. Eine Entfernung mit vorsichtiger Annäherung - so zu tun, als ob die letztren Monate nicht gewesen sind, fällt mir ein bisserl schwer, so dicht in der Birn kannst kaum sein,

seas, euer Wa. "Haut's drauf, mit Ziel" ;) 








Thursday, May 21, 2020

2 Monat, 2 scheiß Tage - alle Flaschen sind am Container


Corona and me – 2 Monat und Tag 2 der Quarantäne

Austria – 16.319 Corona-Infizierte / 14.822 Genesene



Unseren Blog „Corona and me“ wird ab nun ohne der Beifügung „Quarantäne“ weitergeführt.



Es gibt jedoch viel zu tun, auch zu berichten. W. Kühnelt wusste heute über leere Kaffeehäuser in Graz zu berichten, und ich sage Euch, im Citypark waren heute nur die Supermärkte und Drogeriemärkte wirklich gut besucht - es bleibt schwierig. Aber wir haben dort Kaffee getrunken, wir haben eingekauft und auch KEINE ANGST gehabt.

Absatz.

Wie geh es nun auf diesem Blog weiter? Es geht mir nach wie vor, um die kleinen Tagesanschauungen, die verloren gehen würden, wenn man sie nicht niederschreibt. Leere Fußballstadien, dafür gefüllte Container. Und für das braucht man Nachtschreiber wie uns. :)

Tja, manchmal schaut man aus dem Fenster und denkt, es könnte alles „normal“ sein. Aber was ist normal?

Wir bleiben dran, danke für's Lesen

Euer Wa.


Quelle:Statistik Austria

Monday, May 18, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 29 der Quarantäne



Austria – 16.176 Corona-Infizierte / 14.563 Genesene / 1613 akute Fälle

So wie fast jeder Österreicher, der die zivilisierte Gastrokultur als Teil seines Lebens sieht, haben auch wir den ersten Tag der wiedereröffneten Gastro miterlebt. In der Cohibar waren das schöne 1,5 Stunden (die von Riesenohr und Zottel empfohlene 90 Minuten). Es war interessant. Fast schon wie ein Veteranentreffen im Kameradschaftsbund, natürlich nicht so, aber Ihr wisst schon, wie das zu verstehen ist. Es hatte etwas Festliches, man „darf“ wieder. Die Mannschaft hinter der Bar sah jetzt auch nicht unglücklich darüber aus, dass der Laden wieder Fahrt aufnimmt. Die Personen, die sich kannten, die aber jetzt nicht wirklich etwas miteinander zu tun haben, kamen sich nicht zu nahe. Also 1,5 m Abstand wurde gelebt. Die Bar war wie gefordert, nicht besiedelt. Gelegentlich stehen Tische an der Bar, um den Platz im Lokal optimal auszunützen.

Die Wiedereröffnung der Lokale scheint den Österreicher*innen nicht unwesentlicher zu sein, als die Gschroppen wieder in die Schule zu stopfen. 

Es war angenehm und eben nach 1,5 Stunden vorbei. Auf den Plätzen in Graz ging es anders rund, weil dort eher im Herdenverhalten getrunken wird. Dazu sage ich jetzt einmal nichts. Ich mache jetzt eine vorsichtige Prognose: Ich kann mir vorstellen, dass die zunehmende Hitze inkl. UV-Strahlen dem Virus zusetzen und dass auch eine grundsätzliche Vorsicht, ein anerzogenes Distanzverhalten und Hygiene den Virus in Österreich (!) in Grenzen hält. Die Entwicklung im Herbst und Winter wird muss abgewartet werden. Aber das was nun wieder zugelassen wurde, lassen sich die Menschen schwer nehmen. Einkaufen und Saufen. Einkaufen vielleicht noch eher. ;) Na, Spaß bei Seite: Die Wiedereröffnung der Lokale scheint den Österreicher*innen nicht unwesentlicher zu sein, als die Gschroppen wieder in die Schule zu stopfen.

Bleibt’s sauber und auch ein bisserl mutig. Leben ist zu kurz, um öd zu sein,

euer Wa.

Zahlen: Quelle: Republik Österreich, Statistik Austria.

Tuesday, May 12, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 23 der Quarantäne


Austria – 15.874 Corona-Infizierte / 14.061 Genesene

Genau heute wären die Pet Shop Boys in Wien und ich mit meiner Tochter jetzt bald einmal auf den Weg dorthin. Das ist zurzeit auch so einer dieser Standardsätze. Was man heute gemacht hätte, oder was man vor einem Jahr gemacht hat. Mann, das sind jetzt schon absolut 1.Welt Probleme, es ist aber auch eine voll okay Einleitung für einen Blog Beitrag.

Zugegeben, von gestern auf heute hat sich jetzt nichts Wesentliches getan, solange auch Sie und Ihre Nächsten wohlauf sind ist einmal alles im Lot, oder auch nicht. Zeit sich ein bisserl durch die Medien schauen. Als Medium muss man natürlich in dieser Zeit dankbar sein, Inserate zu haben. Aber manchmal muss man sich schon fragen, ob in der COVID-19-Phase nicht auch Geschmack abhandenkam. Im Radio (und TV) wirbt ein Möbelhaus bezüglich der Wiedereröffnung mit dem Slogan: „Endlich wieder Möbel schauen!“ Das singt ein Mädel so auf lustig, jedoch ohne Belange, also eh Werbung. Aber nach sechs Wochen nix tun, „endlich wieder Möbel schauen!“. Dieses „endlich“, diese „große Sehnsucht“. Wenn die mit „6 Wochen Entzug“ daherkommt, würde meine Mutter, die den WK2 durchgemacht hat, ihr glatt eine scheuern. Aber meine Mutter erlebt ja die Welt zurzeit fast ausschließlich durch den Vorhang. „Vuaschrift is Vuaschrift“. Die geht auch nicht Möbel schauen.

Ganz toll auch, dass Booking.com wieder einen NL verschickt. „Reisen kommt bald wieder“, meinen sie. Klar, durch Reisen werden Vorurteile abgebaut, Devisen gebracht, aber wenn es Virenschleudern gibt, von der der Staat, also wir, so ziemlich wenig hat, dann gehören die Billig-Buden-Schnalzer dazu.

Kein KOVID-Anstieg?

Dass dann heute am Morgen die Nachrichten mit der Aussage beginnen, dass es bezüglich des Muttertag-WEs keinen KOVID-19-Anstiegs gibt, frage ich mich schon, ob der Redakteur noch ganz frisch ist: Die Werte des Muttertags-WE bekommen wir frühestens dieses WE präsentiert. Von einer Summen-Rechnung kann man einmal Ende Mai sprechen.

Das nächste ist der zu bemängelnde Zustand unserer Gesellschaft. Betrachte ich heute eine Tageszeitung, fehlt mir etwas wie eine österreichweite Richtung, wohin die Reise gehen soll. Eigentlich ist in den Berichten kaum etwas Gemeinsames zu erkennen, die vielgepriesene Einigkeit, die es in den ersten zwei Wochen gab, ist verschwunden.

Ich bin für die Hammwerfer!

Die Berichterstattung scheint oft auf die Bedürfnisse von Interessensvertretungen reduziert. Ich verstehe hier so ziemlich alle Vertretungen. Jeder will haben, dass es bei ihm so wie vorher wird, oder noch ein bisserl besser. Je größer die Lobby einer Interessensvertretung ist, desto eher zahlt die Regierung eine COVID-Entschädigung. Beim Sport ist es relativ einfach zu sehen. Um die Volleyballer kümmert sich fast niemand, bei den Tischtennisspielern schaut es auch nicht gut aus, aber so richtig zach wird es bei Hammerwerfern oder Speerwerfern. Dabei würde ich unsere 10-Kämpfer nicht links liegen lassen. Man stelle sich vor, ein Hammer fliegt gegen die Regierungsbank oder ein Speer landet im Herzen eines Nationalradabgeordneten. Eigentlich eine schöne Filmidee, die Zehnkämpfer*innen eines unterfinanzierten Leistungszentrums knöpft sich die Regierung vor. Und ausgerechnet jetzt darf gefilmt auch nicht werden. Ja, das Leben ist oft hart und härter. Auf dass sich jetzt einmal alle eine Runde zerfleischen ;)

Bleibts tapfer und zu Hause,

Euer Wa.

Zahlen: Quelle: Republik Österreich, Sozialministerium.

Sunday, May 10, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 22 der Quarantäne

Austria – 15.735 Corona-Infizierte / 13.928 Genesene


Am Freitag waren wir am frühen Abend im Grazer Stadtpark, um das ganze Treiben zu beobachten. Rechts neben uns saß ein Mädchen an einem Baum gelehnt, die dudelte auf einer Altflöte entspannende Musik, andere gingen mit Sechserträgern Bier spazieren, geraucht wurde überhaupt viel. Viele Menschen waren unterwegs. Es war ein ständiges Kommen und Gehen.
Es hatte etwas von Woodstock ohne Konzerte, initiiert von einer Generation, die oft nicht mehr weiß, was Woodstock war. Zugegeben, im Grazer Stadtpark hat da die Jugend noch eher eine Ahnung, als andernorts und vielleicht war es auch eher Nova, ohne Bands und Caravan. Es war auf alle Fälle „ohne“ Kultur, dafür mit viel Lebenskultur und sagen wir einmal, ohne großer Kontaktprobleme. Die Lebenskultur durfte ja am Muttertags-WE zurückkommen. Wenn jetzt wenigstens die Zahlen in einer Woche noch stimmen würden, wäre das jetzt eine Gschicht! Und noch eine Gschicht: Wenn die Schulen wieder aufsperren, sollte die Kultur auch wiederkommen dürfen. Es muss ja keiner hingehen, der nicht will.

Bleibt sauber.

Euer Wa.

Zahlen, Quelle: Profil

Saturday, May 02, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 14 der Quarantäne

Austria – 15.369 Corona-Infizierte / 12.779 Genesene


2. Mai und hinein ins Vergnügen – also allen Unkenrufen zum Trotz sind Clarissa und ich heute in die Stadt. Und ein Wahnsinn, ich sag’s euch! Ein Waaahhhnsinn! Ein Getrample, ein Gehupe, eine Schreierei bis zum End! Ah geh, alles nur ein Witz. Es war echt angenehm. Also nicht überlaufen, wie am Morgen so manch Shopping-Center, Citypark machten wir entspannt am Nachmittag und es ging auch. Die City war wie ein Vormittag in den Ferien, wie Urlaub. Kastner Sport Haus, kein Stress. Infected, in Zeiten wie diesen, goiler Name übrigens ;)) Die Rolltreppen funktionieren auch ziemlich gut, ohne dass sich da jemand dastesst. Schon was los, aber auch gut vorbereitet. Jetzt kann man natürlich sagen, um Gotteswillen, wenn da heute nicht alles überrannt wurde, ist es eh schon zu spät. Ganz und gar nicht. Es war qualitativ entspannt. Einige Bekannte getroffen, alle ohne Husten, dafür mit Maske und gut drauf. Wenn ich jetzt einmal von den Bürgern spreche, die zwischen Landplatz und Kaiser Joseph Patz heute unterwegs waren, hat mich das positiv gestimmt. Auch eine GAK Maske hat gewisse Vorteile für den Wiedererkennungsfaktor, ich sag ja nur. Die City zu besuchen ist durchaus positiv durchaus zu empfehlen, und von den Märkten so und so.

Graz, our Town

Ah ja und so nebenbei: Nein, mein Blog ist unabhängig. Ich mache mir eben in Zeiten wie diesen meine Gedanken über uns und den Ort, in dem wir leben, und den Verein den wir … ;) Mir würd’s einfach um meine Stadt leidtun, wenn sie nur noch zweitklassigen Polterclubs, Wettcafés und schwindligen Modeketten ausgeliefert ist. Die finden auch statt, aber es gibt ein gewisses Mehr, es geht um das was über dem steht, was angeboten wird, und dieses Mehr wird von der Bevölkerung generiert. Ob Venedig, Florenz, Triest oder Graz. Das ist in einer Stadt eben mehr und in der anderen eben weniger. Obgleich manchmal weniger mehr ist, aber nicht sehr oft. Aber im Detail muss es funktionieren, das ist im besten Falle das Fluidum einer Stadt, das schwebt über den ganzen überflüssigen Dreck, der überall stattfindet. Diese Stadt wird dann selbstredend besucht wird, ohne pausenlos mit der Glocke zu läuten. Das schaff ma.

FB, a hard place 

Eigentlich fehlt es mir schon bald an der Lust, aber gerade in Zeiten wie diesen, sind die Sozialen Medien ein wichtiges Kommunikationsmittel, sonst würde ich auch diesen Blog nicht drüberspielen. Nur fällt mir auf, dass die Kombi (zu) viel Zeit zu haben, dazu keine offenen Geschäfte vorzufinden, verbunden mit geschlossenen Lokalen die Menschen dann in den Netzwerken ein bisserl aggro macht. Da wird diskutiert wegen jedem Scheiß und da fliegen auch schon mal die Fetzen. Also ein bisserl entspannen, bisserl ein Wein trinken, gut kochen und denken. Das kann ja nicht so schwer sein. Sport geht jetzt auch wieder und einkaufen auch.

Bleibt zu hoffen viel.

Jetzt hoffen wir einmal, dass die Zahlen halbwegs am Boden bleiben. Sonst kommt der böse Hammer, mit der großen Depri und mit der ganzen Weinerei. Ein Lesetipp zum WE: Während Camus  zur Zeit ganz oben ist, sollte man sich bei regnerischem Wetter dem Edgar Allan Poe widmen. Der tragischen und doch schillern literarischen Person der Industrialisierung. "Die Maske des Roten Todes" ist nicht so unpassend.


Graz, bleib auf der Oberfläche und ein bisserl (un)anständig, so wird das Leben gut sein,

Euer Wa.

02.05.20


Wednesday, April 29, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 11 der Quarantäne


Austria – 15.323 Corona-Infizierte / 12.580 Genesene 


Wo warst du am 15.05. am Abend, wird eine der Fragen für die zukünftige Generation sein. Nein, es ist der JFK nicht wiederauferstanden, auch der Unsägliche liegt nach wie vor in Kärnten begraben, obwohl der zurzeit sicher unterhaltend wäre. Es ist auch keiner gestorben, wo man den Ort des persönlichen Aufenthalts wissen müsste. Lou Reed wäre vielleicht in Zeiten wie diesen an der COVID-19 Erkrankung gestorben, aber ich höre schon auf zum Witzeln. Also: So wie heute in Sidney die Jugend wieder an den Strand rennt, sperren bei uns am 15.05. wieder die Wirten auf. Dann ist in Österreich der Ausnahmezustand beendet. 

Egal wie schlimm das Virus danach wüten wird und vielleicht wieder die fast jungfräuliche Freiheit auf Vollgas zementiert, dezimiert und betoniert, die Möglichkeit ab den 15.05. mit allen Einschränkungen total legal mit anderen Menschen wieder "den Alk dupfen gehen zu dürfen", wollen sich die ÖsterreicherInnen nicht nehmen lassen. Da zahlt sich dann auch wieder ein neu gekaufter Fetzen aus, vielleicht ja auch in den Tagen zuvor in Graz live gekauft und dazu die passende Gesichtsmaske. Wäre ja eine Möglichkeit. Und nicht vergessen: So we in NYC Platz reservieren. Also, wo samma am 15. Mai. 2020? Meine Wenigkeit hat sich mit Clarissa einen Platz um die Ecke reservieren lassen. 19:00 Cohi Bar. Wer Lust hat, soll dazustoßen.

Bleibt tapfer!

Graz, 29. April 2020

Monday, April 27, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 9 der Quarantäne

Austria – 15.190 Corona-Infizierte / 12.362 Genesene 


Mittlerweile hab wir das vielprolongierte Party-Video mit dem hohen Mitarbeiter aus dem Gesundheitsressort bereits zweimal zugeschickt bekommen. Auf diesem Video geht es wie hinlänglich in den Tageszeitungen berichtet, um eine Party zur fortgeschrittenen Stunde von typischen Schnauzbart-Trägern, mit recht viel Alkohol und auch Frauen an Bord. Eine grausige Landpartie aus Allerheiligen. Jetzt will ich weder die Schnauzer, noch die Menschen vom Land beleidigen, aber es schaut halt so aus, was soll man machen.

Party 2

Dazu fuhr ich mit meinem Tretroller am Freitagnachmittag durch die Stadt, da war ein Modegeschäft halb verdunkelt, man spielte aufgemotzten 70er-Jahr-Disco-Sound trank dazu Bier und rauchte auch, zumindest vor dem Laden. Im Laden stand man auf eineinhalb Meter Abstand und tanzte. Die Menschen hatten dabei ein panisches Lachen im Gesicht, fernab von einer herkömmlichen Ausgelassenheit. Vielleicht wurden die Wochenumsätze gezählt, oder einfach der Hut darauf geworfen.

Party 3

Am Sonntag waren wir auf einem Spaziergang auf der Platte in Graz deutlich gesellschaftlicher Lärm zu hören. Vor der Einfahrt stand eine Limousine. Hinter der Hecke wurde nobel getafelt. Die Passanten gingen vorbei und taten, als ob sie nichts hören würden. Und ja eh, das Zusammentreffen wird wohl auch einen Grund gegeben haben. Jetzt ist es nicht nur der Gemeindebau und der Stadtparkbrunnen, wo es unruhig wird, sondern die Menschen sehnen auch in den „besseren“ Gegenden eine Normalität zurück. Aber macht es wirklich Spaß? (Sehr lustig wäre gewesen, mit einem Selfie-Stick über die Hecke zu schauen und die Menschen zu fotografieren. Ob die sich beobachtet vorgekommen wären ;)))

Ich habe heute mit meiner Ärztin gesprochen, ob die Rückkehr in die Schule zu früh sei. Sie meinte, man wisse es ganz einfach nicht. Es kann genauso gut funktionieren.

Also, im Unwissenden tapfer bleiben,

euer Wa.

27.04.20

Saturday, April 25, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 7 der Quarantäne

Austria – 14.987 Corona-Infizierte / 11.872 Genesene 


Der Dobler & die Stones 

Ein bisserl ein Bildungsauftrag kann nie schaden – es wird gelesen! Beispielsweise Franz Dobler, ewig im Geschäft, seine Robert-Faller-Krimis genießen schon Kult-Status.

In den Jahren, als der deutsche Krimi eher eine Ausrede war, Ulf Miehe und Jörg Fauser waren tot, musste Franz Dobler den Karren über weite Strecken alleine ziehen. Er schuf sich dabei ein Biotop. Eine Art Rock’n’Roll- oder Beat-Krimi-Elaborat, abseits vom Pilzkopf, jetzt eher ein Beat mit lärmenden Gitarren, schwarzgefärbtem Haar, spitzem Schuhwerk und das verpackt als Literatur. Tatsächlich veröffentlichte er einige Rock’n’Roll-Compilations und nicht zufällig auch die Johnny-Cash-Biographie „The Beast in me“. Mit Robert Fallner entwarf Franz Dobler einen Polizisten, den er nun bereits mit „Ein Schuss ins Blaue“ das dritte Mal ins Rennen schickt.

Das andere München

Robert Fallner ist in die Jahre gekommen. Um die 60, die Knochen sind schon zu spüren und den Job als Inspektor hängte er auch an den Nagel. Zum Glück gibt’s den Bruder, der ihn in seinem Ermittlungsbüro engagiert. Ein Laden voller Ex-Polizisten, die hier in München ihr Dasein fristen. Diesmal scheint es pikant zu werden: Er soll einen islamistischen Terroristen aufspüren, auf den zwei Millionen Kopfgeld ausgesetzt sind. Dazu nahmen seine Frau und er ein vierzehnjähriges Mädchen auf, das aus desolaten Verhältnissen flüchtete und Fallners Frau, ebenfalls Polizistin, als ihr Vorbild herauspickte. Ein gutes Rahmenprogramm sozusagen, um den Anti-Ermittler Fallner, dem es immer eher um eine nebenherlaufende Ermittlung geht, schauen zu lassen, wie es um sein artifizielles München so steht.
Manche Dialoge müssen jetzt nicht sein und immer, um den heißen Brei herumzureden, bringt auch nichts. Natürlich ist Franz Dobler ein Säulenheiliger, dessen subversives München jetzt gar nicht viel anders ist, als jenes der eingangs zitierter Autoren. Gnade vor Recht: „Ein Schuss ins Blaue“ geht als Genre-Erweiterung durch, dem Ermittler Robert Fallner könnte man demnächst eine Auszeit gönnen.

Bei Keith in der Karibik 

Wie Franz Dobler wurde Linus Reichlin ebenfalls mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet, das war 2009. Jetzt legt er keinen Krimi vor, sondern mit „Keiths Probleme mit dem Jenseits“, einen Roman, in dem der Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards nach einem sehr kurzen Besuch im Jenseits wieder unter den Lebenden weilen sollte. Einer seiner Leibärzte muss nun um sein Wohl sorgen und dieser holt seinen Jugendfreund Fred Hundt zu sich in die Karibik, einen deutschen Wissenschaftler für die Wahrscheinlichkeitslehre. Natürlich stellen sich hier die Frage, ob Keith wirklich Keith ist und auch, wie der gute Mann abgeschirmt seinen Unterhalt verdienen kann, wenn er nicht als Auferstandener vor die Welt treten will. Um dem zu entgehen, schicken sie Fred auf eine Nachbarsinsel, zu Keiths Kumpel Johnny Depp. Es soll hier eine vage Abmachung aus dem vorigen Leben gegeben haben, den ominösen Totenkopfring des Gitarristen an den Filmschauspieler verkaufen zu können. Funktioniert nicht ganz, doch wie in einem Abenteuer geht es munter weiter.

Romane über Stars, die literarisch wiederbelebt werden, siehe John Lennon oder Elvis Presley, gibt es einige, meistens verpufft jedoch der Spaß nach einigen Seiten. Linus Reichlin hält hier bis zum Ende durch, auch weil er sich nicht alleine auf Keith Richards verlässt, sondern seinen Hauptprotagonisten ganz schön in die Mangel nimmt. Unterhaltend, aber mit Tiefgang.

(c) Vorarlberger Nachrichten - Martin G. Wanko

Franz Dobler: „Ein Schuss ins Blaue“ 282 Seiten, Tropen Verlag
Linus Reichlin: „Keiths Probleme mit dem Jenseits“, 253 Seiten, Galiani Berlin

Und immer wieder tapfer bleiben!

euer Wa!

25.04.20

Thursday, April 23, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 6 der Quarantäne

Corona and me – 1 Monat und Tag 6 der Quarantäne

Austria – 15.002 Corona-Infizierte / 11.700 Genesene


Christian Fuchs von FM4 war’s, der (sich) auf FB gefragt hat, in welcheb gegenwartsbezogenen Filmen/Serien die Corona-Krise ein Teil davon wird, und welcher Künstler darüber hinwegsieht. Die Frage habe ich mir schon vor einigen Tagen gestellt, da ich abends, anstatt auf ein Bier in der Cohi zu heben und die 1909er zu ärgern, am Nachdenken für meine Sitcom for next year bin. Yea! Und ja, Corona wird eine Rolle spielen, da mein Hauptcharakter Samy alias Fred vom Jahre 1982 in unsere Gegenwart „fliegen“ wird. Und er hat von unseren derzeitigen Sitten echt keine Ahnung. Mehr davon in Zukunft.

Natürlich kann man in Erwägung ziehen, dass 2021 nichts mehr inaktueller sein kann, als die gestern noch aktuelle Gegenwart. Möglich, aber den Moment derVerdrängung sollte die Kunst ein bisserl scheißen. Corona wird uns noch ziemlich lange durch den Kopf gehen, folglich sollte es behandelt werden und aus. Und wer weiß, wie lange das Szenario wirklich anhält, Angela M. aus Deutschland hat heute darüber gesprochen und ernstere Töne angeschlagen, als unser dynamisches Duo. (Obwohl die beiden ziemlich gut wissen, wie der Österreicher zu füttern ist. Da tut sich die Opposition schwer.)

Wie schnell eine Reaktion in der Pop-Musik passieren kann, zeigen Thomas Spitzer und die EAV in ihrem umgedichteten 1980er-Jahre Klassiker „Küss die Hand, schöne Frau“ in „Küss die Hand, Pandemie“, aufgenommen in der derzeitigen Spitzer-Bleibe in Feldbach, laut GPS-Koordinaten. Dazu ein schönes Home-made-Video. Würde mich nicht wundern, wenn das in den Charts nach oben schnellt. Oida, da schaun die technikversierten Jung-Popper ziemlich alt aus.

Spitzer - EAV

tapfer bleiben mit Riesenohr und Zottel ;)

Graz, 23.04.20

Wednesday, April 22, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 5 der Quarantäne



Austria – 14.873 Corona-Infizierte / 10.971 Genesene 

„Die neue Wirklichkeit ist für jeden erträglich, vor allem für die, die die alte nicht kannten.“ So kann man es auf den Punkt bringen, denkt man negativ. Dem gegenüber steht der menschliche Gedanke des Wurschtels und Überlebens: „Es wird schon wieder einmal passen. Bis dorthin trinken wir einmal was.“ Schlussendlich putzen wir unseren Anzug ab, schauen a bisserl darennt aus, aber es läuft wieder. 

Das, was wir in dieser Zeit verloren haben werden, ist das Gefühl von „Euphorie & Ekstase, verbunden mit Masse“. Das hat jetzt altersgemäß viel Gutes: Ich bin jetzt nicht sonderlich traurig, dass gewisse Dumpfhammer-Sommer-Remixes wie das Remake von Captain Sensilbles „What“ wohl auf keiner Beachparty oder aus keiner Prolo-Winden zu hören sein werden. Weil diese Massenveranstaltungen und auch Winden jetzt einmal abgestellt sein werden, solange es kein Spritzerl für die gewesene Normalität geben wird. Dass dazu aber leider auch zukünftige Konzerte wie das der Strokes fallen werden, steht auf einem anderen Blatt Papier. (Von was die Bands jetzt leben, will ich erst gar nicht wissen.) Was für den einen eine volle Oper ist, ist für den anderen ein knallvolles Oval. Da wird es viele Freiplätze geben müssen. Die Kurven auf den Fußballplätzen dürften wohl auch interessant ausschauen. Aber vieles wird machbar bleiben. 

Und in Lokalen wird es die neue Plexiglas-Idylle geben. Hat den Vorteil, dass man sich wieder mehr sagen kann, da der Nachbarstisch nicht mithört. Auch wird es spannend sein, sich einen Platz zu ergattern, die Reservierung wird auch in der Bar ein Faktor werden, und da ja bekanntlich die Hormone nicht abgestellt sind, wird es eine neue hormon-gesellschaftliche Situation geben, die durchaus in die Film- und Literaturwelt Einzug finden wird: „Mit Maske und durch die Plexiglaswand schauen er/sie wirklich spannend aus. "Hoffentlich hält das Gesicht, was die Augen versprechen." Es bleibt also spannend. 

Bliebt tapfer und maskiert, 

euer Wa.

22. 04.20