Saturday, November 03, 2012

Und bis dorthin sind „wir“ jetzt einmal tot.


You Tube GAK-Video (c) M. G. Wanko

Man stirbt nur einmal, das ist dem GAK passiert, am 30. Oktober 2012 war es soweit. Nach 110 Jahren schließt der GAK seine Pforten. Was hast du, Roter, gerade gemacht, als du erfahren hast, dass dein Verein den Bach runtergegangen ist, wird man einmal unter Kumpels fragen. Ich, für meine Wenigkeit hatte einen normalen Arbeitstag am Laufen, es war ja auch ein normaler Montag. Ich hatte eine berufliche Besprechung und bat einen Freund von mir, mich auf dem Laufenden zu halten, falls das Schlimmste eintreten sollte. Es hat ja jeder Fan gewusst, dass es zur Fortführung des insolventen Vereis bis zu Mittag 25.000 Euro brauchen würde. Mein Termin war vorbei und mein Freund schickte mir kein SMS, ich war also guter Dinge, dass „mein“ Verein sich zumindest noch auf der Intensivstation befinden müsste.

 

Ja Pustekuchen, nichts war mehr so, wie noch am Morgen. Rein informativ schaute ich auf Facebook und die erste Nachricht war bereits von Jakob Unt online. „R.I.P. mein über alles geliebter GAK. War eine tolle Zeit mit dir.“ Das war so etwas wie ein Schlag in die Magengrube. Dumpf, aber mit sehr viel Kraft dahinter. Ich spürte, wie sich in mir Tränen sammeln, konnte sie aber nicht ablassen. Anstatt dessen verschickte ich in der Familie ein SMS: „GAK tot“. Sonst nichts. Einige Minuten später rief mich meine Tochter an. Es ginge ihr sehr schlecht. Meine Nachricht macht sie fertig. Ob sie den Nachmittagsunterreicht gehen muss. Nein, musst du nicht, antwortete ich ihr. Sie ging dann trotzdem in den Nachmittagsunterricht, ich wollte aber die Entscheidung ihr selbst überlassen. Ich ging dann schnell einkaufen und fuhr noch am Nachmittag in die Obersteiermark um die Gräber meiner Vorfahren für Allerheiligen zu richten. Während der Autofahrt telefonierte ich mit Freunden, die dasselbe Schicksal mittrugen. Jeder war überrascht, dass es dann doch so schnell gehen kann. Aber auch von ihnen verlor keiner eine Träne, zumindest nicht merklich.

 

Später am Abend saß ich dann in einem Bistro um die Ecke bei mir zuhause, trank ein Glas Wein und sah auf meinem Smartphone die vielen Facebook-Eintragungen. Ja, dachte ich mir, die kriegt auch nicht jeder, da ist nun schon was fertig, aber so richtig spürbar war es für mich nicht. Erleichterung spürte ich aber auch keine. Das einzige was passierte, war, dass mir der österreichische Fußball von einem Moment auf den andere gleichgültig wurde, auch der Stadtrivale verlor plötzlich sehr stark an Wert. Ich wollte mich auch an keine tollen Spiele erinnern, auch nicht an das Lebensgefühl, das meinem Verein innewohnte. In der Fußballlandschaft in meinem Kopf war nichts als ein aussagloses Nichts. Eine Landschaft vor dem Urknall, wenn man so will.

 

Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass der GAK in den letzten Jahren nicht immer durch die reine Liebe zum Verein am Leben gehalten wurde, sondern durch ein Kalkül. Trotz aller Schmerzen, weil ein Verlust war es ja, konnte ich nicht mehr darauf losheulen, sowie in dem Moment als der GAK zum Zwangsabstieg verdonnert wurde, oder der knappe Sieg gegen Blau Weiß Linz vor drei Jahren dennoch nicht zum Meistertitel reichte. Dieses Mal ist der GAK an läppischen 25.000 Euro gescheitert, die als Fortführungskaution hinterlegt werden hätten müssen. Das ist ungefähr ein 500stel von dem Budget, das der GAK zur Verfügung hatte, als er in der Saison 2003/04 österreichischer Fußballmeister und Cupsieger wurde. An 25.000 Euro zu scheitern, das ist einem Verein mit dieser Vergangenheit nicht würdig und trotzdem ist es passiert. Das sind die Ungerechtigkeiten im Leben. Mit einem großen Knall gehen, das wäre es gewesen, am besten am Tag des Meistertitels. Dann wäre der Mythos wohl überlebensgroß gewesen und uns Fans viel Enttäuschung erspart geblieben. Bei so einer unsauberen Verabschiedung und so viel aufgestauter Wut bleibt uns nur eine Möglichkeit: Neugründung im Jahre 2012. 2012 ist eh eine schöne Zahl. Fast so schön wie 1902.

 

Und bis dorthin sind „wir“ jetzt einmal tot.


Live wird der Text am 04. Nov. 2012 um 19:00 in der Literatursendung auf Radio Steiermark/ORF gelesen.
 

Wa.

Wednesday, October 24, 2012

Stronach II: Frank und Peter.

Stronach am Rednerpult. (Foto: Wa.)

Peter Pilz gehört ja zu den Guten, vor allem in der linksliberalen Bloggerszene hat er den Nostalgiebonus, da einer wie Pilz zumindest weiß, dass Trotzkismus nichts mit einer neubegründeten Erkennungstheorie von Trotzhandlungen zu tun hat, sondern eine Variation vom Stalinismus ist. Nö, der „ulkige“ Peter ist ein in die Jahre gekommener Alt68er und sorgt sich in diversen U-Ausschüssen um den Staat. Faymann hat er leider nicht in den „faymannschen U-Ausschuss“ über interessante Inseratenzahlungen  bekommen, dafür will er jetzt, laut derstandard.at, den Stronach mit seinem „Team Stronach“ keinen Clubstatus gönnen, weil sich dann Herr Stronach an den Vorzügen eines Parlamentsclubs (und am Rubel) bedienen kann.

 
Klar, es ist ewig öd, dass man seinerzeit für das Liberale Forum den flotten Weg ins Parlament freigemacht hat, weil sich Heide Schmidt damals mit einigen Leidensgenossen von Jörg Heiders FPÖ losgesagt hat, der hat dann wiederrum nach dem Krach in Knittelfeld die orange Partei gegründet, von denen nun wieder einige zu Frank Stronachs „Bewegung“ kullern. Es bewegt sich also tatsächlich einiges und so kann auch Frank mit einigen österreichischen Journalisten nach Kanada jetten, um ihnen (zum 1000sten Mal) sein Reich zu zeigen.

 
Beim Stronach-Landhaus in Kanada ist ein Stück Wald dran. Vielleicht hat er seinen Journalisten-Freunden auch den Stein in seinem Wald gezeigt, von dem er vor einiger Zeit in einem samstäglichen Ö1-Mittagsjournal berichtet hat: „Da sitz ich dann oft nach dem Mittagessen und dänk nach, gäh?“ Ja was könnte er denn nachgedacht haben, in der letzten Zeit: „How much penuts kostet mich der Wahlkampf, wie bring ich das wieder rein und wie viel muss ich da jedem Abgeordneten in die Hand drücken, dass sich so a Club für mich ausgäht?“ Und in dem Moment wo man alle 5 Überläufer zusammen hat, kommt dieser Peter Pilz und will ihm sein „G’schäft für Österreich“ vermiesen. „Wär is diesär Pilz?“, hört man ihn schon durchs Telefon rufen. „Kann man den nicht auch kaufen?“ Aufpassen Frank, nicht alle Pilze kann man kaufen! Und nach Kanada könntest du ihn auch nicht mitnehmen. Dort werden Fundi-Fuzzis wie Pilz noch immer als Anarchos mit ökoterroristischen Wurzeln gesehen und wahrscheinlich an der Grenze hops genommen. Kann ja sein.

 
Wa.

Sunday, October 21, 2012

Der Tag an dem Niki Lauda starb.

Keine Sorge: Niki is still alive. (Foto: Wa.)

Also, jetzt wird’s ernst! Traf man ja letzten Samstag in der Wiener City Herrn Niki Lauda. Erstens wollte ich mal machen ein Foto (weil Herr Lauda so viel Zeit hat), dann mal checken ein Autogramm für meine nicht mehr ganz so junge Tochter (weil Herr Lauda sicher gerne Autogramme unterzeichnet) und dann musste ich ihm die Frohbotschaft verkunden, dass ich einen Text „Der Tag an dem Niki Lauda starb“ verfasste und veröffentlichte. Dann hat mich Herr Lauda erstaunt angeschaut und den Satz wiederholt. Könnte ja sein, dass er sich verhört hat, hat er aber nicht. „Mhm“, sagte ich. „Und um was geht’s in den Text?“, wollte er wissen. „Die Leute sind traurig und Blumen gibt’s auch“, antwortete ich den Dingen entsprechend. „Das ist aber sicher nicht alles“, fragte er nach und ich gab ihm Recht. „Stimmt! Etwas mehr Inhalt haben wir schon!“ Na ja, jetzt geht am Montag das Büchl an den Herrn Lauda und schauen wir mal, ob der den Tag seiner Himmelfahrt ähnlich sieht wie wir ihn sehen – kann ja sein! Aber prinzipiell wollte man ja nix verheimlichen, denn auf seiner eigenen Wiki-Seite ist das Buch unter „Literatur“ zu finden. Hat er halt bis heute nicht ganz genau studiert, seine Wiki-Page, da Herr Lauda.

 
Veröffentlicht wurde der Text übrigens 2008. Zuerst im Magazin Fleisch und danach in der edition keiper. Und wer sich über Nikis Himmelfahrt überzeugen will, der geht am besten auf die Seite der edition keiper und liest sich mal über Text ein. Viel Spaß. Niki!

 

Wa.

Tuesday, October 16, 2012

Warum die Euphorie zu früh war – der GAK wird’s wahrscheinlich nicht schaffen.

Der Anfang vom Ende: GAK-Chaos Spiel um den Aufstieg in Hartberg. (Foto: Wanko)

In Weinzödl am nördlichsten Zipfel von Graz erzählt man sich vor rund 10 Jahren schöne Geschichten, da fuhren die Bagger auf um ein Trainingszentrum für den GAK hinzustellen. Heute, im Regen, zeugen zwar die Bilder im „Vereinslokal“ noch von der glorreichen Zeit, immerhin holte der GAK in der Saison 03/04 das Double. Doch heute, an einem regnerischen 16. Oktober sind die Geschichten mitunter auch nicht so schöne – traurig sei es um den GAK bestellt, das pfeifen sogar die Spatzen von den Dächern. Ein sechsstelliger Eurobetrag soll offen sein, eine Mixtur aus Personalgeldern, Steuer- und Pflichtversicherungsabgaben. Heute kommen (laut Bittmanns Rechnung) wieder 80.000 Euro hinzu und Einnahmen sind jetzt vor der Winterpause keine großen mehr zu erwarten. Also wird Präsident Benni Bittmann tun, was jeder „vernünftige“ Geschäftsmann in seiner Situation tun würde: Er läuft zum Konkursrichter, immerhin haftet er auch als Präsident mit. Hier wird nicht lange gefackelt werden, da kommt auch die gestern bei der Generalversammlung schnell geschmiedete Erste-Hilfe-Gruppe zu spät. Um jetzt nach den Ursachen zu suchen ist mühsam und Menschen anzuprangern, die sehr viel für den Verein getan haben, zahlt sich nicht aus. Tatsache bleibt, dass der GAK einmal mehr nicht mit der Krise nach dem Fast-Aufstieg (und dem Chaos-Kick in Hartberg) umgehen hat können.
Ganz unvorbereitet dürfte es für die Fans nicht kommen, denn es soll schon einen Verein GAK-Neu geben, der zumindest auf dem Papier besteht und prinzipiell als Auffanglager für Jungkicker dienen könnte. In der untersten Spielklasse wäre laut Verband für ihn Platz. - Um den GAK noch zu retten, würde man mit Sicherheit Sofortmitteln von rund 300.000 Euro brauchen und doch einiges an Mitteln im Hintergrund haben müssen, weil halt Fußball immer mehr kostet als man glaubt und halt auch unliebsame Überraschungen mit sich bringt. Und ja, die Sponsoren sollten dann auch ihre Versprechen einhalten. Laut Bittmann habe erst einer bezahlt. Ein Verein in den letzten Zuckungen hat eben keine Freunde.

 
Wa.

Thursday, October 04, 2012

Zu den wichtigsten Nebensächlichkeiten, seit 1902.



O.k., ich sage das einfach mal so voraus: Der GAK wird am 15. Oktober bei der Generalversammlung nicht „eingerext“ werden. Es werden alle Schulden von den Verursachern beglichen werden. Es sollten auch Zahlen daliegen, die belegen, wie viel das letzte Jahr gekostet hat und wie sich die weitere Saison gestalten wird. „Ausfinanziert“ heißt das im Klartext, ein Wort, das dem GAK-Fan in den letzten Jahren immer leichte Herzbeschwerden mit sich brachte. (Für Thomas Murg soll der GAK einen sechsstelligen Euro-Betrag erhalten haben. Das Geld wird wohlweislich gut investiert worden sein.)
Wenn hier Gewissheit herrscht, dass keine Altlasten mehr auftauchen können, die rein rechtlich an die Adresse in Weinzödl geschickt werden können, muss es ja möglich sein, den Verein zu finanzieren. Ich weiß, das waren viele Konjunktive, aber es hilft halt nix. Wie viele Sportvereine in der Steiermark gibt es, zu dem über 2000 Menschen pro Veranstaltung freiwillig hingehen? Na eben. Ein gewisser Werbewert und auch ein Image, dass man net ganz „deppert“ ist, wären also gesichert. Also, wenn ein Herr, eine Frau wäre auch einmal spannend, also wenn ein Mensch ein wenig in der Öffentlichkeit stehen will, gewisse Qualitäten im Management hat und halt auch Cash mitbringt, oder auftreibt, und sich auch gerne als Präsident oder Präsidentin ansprechen lassen will, dann soll er oder sie sich bitte beim GAK melden. In Weinzödl wird man nicht abgeneigt sein, ihm Gehör zu schenken. Und noch einmal, für die, die es nicht begreifen wollen: In der Steiermark (und nicht nur dort) ist genug Geld in sehr kurzer Zeit aufzustellen, ansonsten hätte beispielsweise der NHL-Star Thomas Vanek auch nicht zu den 99ers geholt werden können.

 

Wa.

Wednesday, October 03, 2012

Er ist wieder da.


Es musste ja sein, einmal kommt er zurück, zumindest literarisch.

Mit dem Titel „Er ist wieder da“ kann auch im Anbetracht des Covers nur einer gemeint sein: Adolf Hitler. Nun, der deutsche Autor Timur Vermes lässt Hitler nach einem äußerst langen Schlaf – seit 1945 bis heute – wieder erwachen. Hitler schaut noch ganz gut erhalten aus und hat, sofern das möglich ist, noch nicht den Verstand verloren. Das macht ihn nach wie vor gefährlich.

 
Der Unsägliche kehrt zurück.

Der Autor lässt Hitler in Berlin in der Nähe des ehemaligen Führerpunkers erwachen und führt ihn zu einem Kiosk, wo er einmal mit dem Nötigsten versorgt wird. Hitler handelt sich weiter, von Station zu Station, bis er in einer Talkshow landet und macht dort die Quote. Plötzlich steht auch eine neuerliche Parteigründung im Hause. Natürlich geht man als Leser mit Vorbehalt an die Sache ran. Immerhin ist Deutschland ein Staat mit einer Verfassung und Gesetzen die besagen, was zu tun ist, taucht ein Kriegsverbrecher aus dem 3. Reich wieder auf. Mitunter gibt es auch die EU die einschreiten würde. So viel einmal zur Realität. Ansonsten lässt sich der Autor zu einem „interessanten“ Experiment hinreißen: So lange jeder Mensch glaubt, es handle sich um einen Hitler-Imitator, funktioniert das Spiel auf der Bühne wie im Leben, sofern die Hitler-Masche als Kunst gewertet wird. Soll man nun dieses Buch lesen? Ich glaube schon, da es ganz einfach offenlegt, wie schlimm es um unsere Gesellschaft steht, dass der wohl bestialischste Diktator des 20. Jahrhunderts auch nur eine Minute frei herumlaufen könnte und auch um zu sehen, wie schlüpfrig und nach Quoten heischend unsere Medien heutzutage arbeiten. Manchmal muss man auch lachen, nicht weil Hitler witzig ist, sondern weil der Autor Sinn für Humor besitzt. Tatsächlich ist „Er ist wieder da“ eine Absage auf die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten 25 Jahre.
 
Werner Spies und die Kunst des 20. Jahrhunderts
Dagegen liest sich „Mein Glück“ von Werner Spies wie Labsal auf offene Wunden. Werner Spies lehrte in der Düsseldorfer Kunstakademie, war Direktor des Museums für Moderne Kunst in Paris und war über 30 Jahre Paris-Korrespondent und Autor der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er lernte auf sehr sympathische Art die Großen seiner Zeit kennen. Max Ernst, Samuel Becket, Pablo Picasso und viele mehr. Aus Werner Spies sprudeln Namen und Wissen wie aus einem niemals versiegenden Quell. Spies brucht keine Absätze, er reiht Sätze aneinander, und wird trotzdem nie einfältig: Sein subtiler Blick zurück in die 60er-Jahre, von Eugène Ionesco über Nathalie Sarraute bis zu Jeanne-Claude und Christo, seine Berichterstattungen darüber sind Meilensteine im Deutschen Feuilleton. Durch seine sehr eigene Betrachtung der Kunst gab er dem Künstler und auch dem Leser seit jeher viel zurück. Aber natürlich, viele Weggefährten Spies‘ haben bereits das Zeitliche gesegnet, doch auch hier hält der Autor Contenance:  Sein ungeschönter Blick in den Tod ist weder lustig noch traurig, sondern stimmig und wie Spies‘ ganzes Leben, nicht ohne Neugier.
 
Wa.
 
Timur Vermes: „Er ist wieder da“ 396 Seiten, Eichborn Verlag
 
Werner Spies: „Mein Glück“, 605 Seiten, Hanser Verlag.

Tuesday, October 02, 2012

Berühmte Österreicher.

Im März, noch vor der Parteigründung, Frank Stronak auf der KFU in Graz. (Foto: Wa.)

Otto Barić dürfte dem Großteil meiner Blogleser bekannt sein. Er war oftmals in Österreich Trainer, unter anderem Meistermacher von Austria Salzburg und Wacker Innsbruck. Fast noch bekannter machte ihn seine sehr eigene Anwendung der deutschen Sprache, was ihm den Spitznamen „Otto-Maximale“ einbrachte, im O-Ton: „Wir missen spielen immer maximale“. Der ehemalige ORF-Sportreporter Werner Sabath erzählte mir einmal, dass  Barić längst ziemlich gut österreichisch sprechen konnte, nur wandte er es nicht an da sein Markenzeichen, das perfekte Jugo-Deutsch, längst zu seiner CI gehörte. Barić wurde auch vom breitenwirksamen Kabarett gerne imitiert, ähnliches passiert gerade dem Austro-Kanadier Frank Stronach. Er macht es der Szene auch nicht gerade schwer, alleine die Ansage, wo er sich bei seinem Haus in Kanada im Wald auf einen Stein setzt und meint, dass es das Leben gut mit ihm gemeint hat. (Ö1 Mittagsjournal, Sa. 29.09.12)

Aber Stronach ist jetzt kein Fußballtrainer, sondern ist Industrieller der ins Parlament will und so wie sich zurzeit die Parteien auf Bundesebene präsentieren, ist das gar nicht so unrealistisch. Irgendwie passt das zu Österreich und wird die Meinung, Österreich sei eine Jugo-Republik, im Ausland stärken. In keiner gestandenen Demokratie, wo auch ein gesunder Patriotismus Platz haben muss, könnte ein „dahergelaufener“ Onkel aus Kanada so schnell an Macht kommen und Einfluss gewinnen. Bleibt zu hoffen, dass Stronach wenigstens hinter verschlossenen Türen ein vernünftiges Deutsch pflegt und einen kühlen Kopf bewahrt.

Das wird aber der Außensicht von Österreich nix bringen, denn in gut einer Woche werden im Kärntner Köttmannsdorf, und nicht nur dort, fürn Jörgerl wieder Kerzerln angezündet. Positiv, wenns nicht gerade um Fußball geht, bleibt Dietrich Mateschitz. Im heutigen „Red Bulletin“, das zu seinem Medienimperium gehört, werden die „20 hellsten Köpfe unseres Planaten“ vorgestellt. Mateschitz ist nicht dabei – bei Stronach wäre ich mir hier nicht so sicher, ob er sich nicht selber ins eigene Blatt hineinreklamiert hätte.

 
Wa.

Friday, September 28, 2012

Michelangelo Pistoletto und die Dosen.

Michelangelo Pistoletto (li) im Gespräch mit Charles Esche. (Foto: Wa.)


Am letzten Tag des Herbst-Camps in der Thalia noch einmal schnell vorbeigeschaut um den guten alten Michelangelo Pistoletto anzugaffen, einer der Hauptbegründer der „Arte Povera“ und zumindest in Italien so etwas wie ein Star. Er wurde im „herbst“ zum Gespräch „Leaving the ghetto of art“ geladen war. Jetzt war ich aber nicht fad und nahm von zu Hause eine von ihm gestaltete illy Dose mit, einige gestaltete er ja für die illy-art-collection, und ließ sie mir signieren. Das Motiv auf der Dose ist übrigens das silberne Mittelmeer mit den angrenzenden Staaten, eh ein Klassiker. Wer Bock auf Pistoletto hat, (und in Graz verweilt), der sollte sich beeilen. Bis zum 14.10. gibt’s ihn in der neuen Galerie zu bewundern, und ab geht die Post:  Michelangelo Pistoletto 
 
Auf gut steirisch: "Dousn" (="Dose" :)
 
Text & Fotos: Wa.

Monday, September 24, 2012

Talking with the haircutter about politics.

Im Radlgeschäft Rebikel improvisiert man: Vorne werden die Haare geschnitten hinten verkauft man Räder.

Ok, also, als ich ein kleiner Junge war, hatte ich nur einen Traum. Nö, nicht so, und vor allem nicht diesen Traum ;), aber vor drei Tagen wollte ich es tatsächlich: Einen „English Haircut“ von  einem English Haircutter verpasst zu bekommen, und das in Graz. (Wir sind ja nicht München, wo das so locker geht).  

Lewis Blissit, Friseur und Koch. Zurück in Großbritannien, steht er wieder hinter den Kochtöpfen.

Geht nämlich jetzt auch in Graz, als Teilprojekt vom „steirischen herbst“-Camp, und kosten tuts auch nix. Wo? Wenn man in die Kosterwiesgasse 5 geht, ins Radlgeschäft Rebikel und Teil des Projekts „The Haircut Before The Party“ (THBTP) sein will. Der Haircut ist übrigens for free. Dort geht man nicht einfach zum Friseur, sondern kommt zum Quatschen über Politik und soziale Themen und das wollte ich. Demzufolge quatschte ich mit Haircutter Lewis Blissit über Politik („Die Rechten haben’s  einfacher, weil die Argumentationen einfacher gestrickt sind!“), über Soziales (Ohne dem geht’s  nicht, das wissen auch die gemäßigten Konservativen!) und eh klar, über Fußball. Lewis ist Sheffield Wednesday Fan, obgleich er in Nottingham aufwuchs. Warum er dann kein Fan von Nottingham Forest (oder Notts County) sei, hat folgenden Grund: „Mein Vater war Shefield Wednesday Fan, also wurde ich es auch. Mit Schal, Trikot und allem Drum und Dran. Wir besuchten auch alle Heimspiele“, so Lewis, „war auch kein Problem, denn Sheffield ist bloß zwei Stunden von Nottingham entfernt.“ Das nenne ich ziemlich anständig.


Wanko! (Noch vor dem haircut - andre Fotos folegen :)



Kurz noch zu meinem Haircut: Meine Wünsche waren ziemlich einfach: „A real English Haircut“. Haircutter Lewis nuschelte etwas über Noel Gallagher, was aber in Anbetracht meiner spärlichen Haar Tracht nicht so einfach zu realisieren war, kurz wurde es aber trotzdem. Den „British Haircut“ gibt’s in der Klosterwiesgasse noch bis Donnerstag ... und zur homepage gehts hier!
 
Wa. (Text & Pictures)

Wednesday, September 05, 2012

Zu Gast bei den Brunettis und Julian Barnes.

Englisches Karo und Canale Grande (Foto: Wa.)

 

Koche können kochen – aber eben nicht nur diese, sondern auch Autoren greifen ganz gerne zum Kochlöffel, wie Julian Barnes, der aktuelle Booker-Preisträger, in seinem ironischen Band „Fein gehackt und grob gewürfelt“ unter Beweis stellt. Jedoch mit dem Kochen ist das nicht so einfach, vor allem wenn man wie Barnes ein Pedant ist.

 

Balsam für den Hobbykoch.

Das Schöne ist, Barnes bekennt sich zum pedantischen Sein und kann über sich selbst lachen. Dabei es ist gar nicht so fasch, als Hobbykoch über den richtigen Umgang mit Kochbüchern zu klagen. „Eine mittlere Zwiebel“, „etwas Mehl“, „eine Prise Salz“. Täte man einen Fahrschüler mit solchen Angaben auf die Straße schicken, „nach Gefühl bremsen“ beispielsweise, würde es oft krachen. Klar lacht hier der Profi, aber wenn Barnes schon mal dabei ist auszuteilen, was in seiner Literatur eher selten vorkommt, dann geht er auch ins Detail. Es werden, ohne sie beim Namen zu nennen, auch hierzulande bekannte Fernsehköche durch den Kakao gezogen, gleich wie echte Starköche und ihre Lokale. Barnes geizt auch nicht mit Hinweisen um Katastrophen zu vermeiden: Der Amateurkoch sollte niemals nach Rezepten mit Fotos kochen, welche meistens gestellt sind und das Desaster des Hobbykochs so richtig sichtbar machen. Das Fazit aus dieser launischen Lektüre, die auch fernab von Moden einen Hauch altenglische Küche mit sich bringt, ist sowohl trefflich als auch tröstlich: Auch ein Desaster am Herd kann fein schmecken!

 

Venedig, des Kochs Dorado.

Ob man Donna Leons Krimis mag bleibt Geschmackssache, ihre Aufzeichnungen über Venedig, zum Beispiel „Kurioses aus Venedig“, sind auf alle Fälle sehr fundiert. Auch nicht von schlechten Eltern ist ihr neu aufgelegtes Buch „Bei den Brunettis zu Gast“. Hier wird in knappen Romanauszügen daran erinnert, welche Speisen Commissario Brunetti gerne isst. Zum anderen porträtiert die Autorin Venedig, gar nicht so unkritisch, von der kulinarischen Seite und stellt dabei auch einige Venezianer vor. Aber wenn es ums Kochen geht, ist die Autorin nicht eitel und überlässt es der Venezianerin Roberta Pianaro. Und die kann traditionell kochen, sage ich jetzt einmal.
Schön werden hier alle Gänge durchgekocht, auch getrennt nach Fleisch, Fisch, oder vegetarisch kann man kochen und das ohne sich jetzt einem hohen Schwierigkeitsgrad auszusetzen. Natürlich kann diese literarisch angereicherte Rezeptsammlung auch im Kontext der Geschichte Venedigs gelesen werden: Das Buch spiegelt so nebenbei Venedigs Reichtümer der alten Zeit wieder. Als Handelsstadt war ja Venedig seit jeher mit allen nur erdenklichen Speisen und Gewürzen in Kontakt, dementsprechend vielseitig sind die Gerichte. Getestet haben wir sie auch: Donna Leons Leibgericht zum Beispiel, das Kürbisrisotto. Benissimo! Also, um dieses Buch zu schätzen, muss man Brunetti nicht heißlieben. Könnte einem fasst die Idee kommen, Brunetti literarisch, also rein fiktiv, aus dem Leben zu ballern ;-).


Scotch Bonnet red, so schön, so scharf, mit Whisky hat er aber nix zu tun. (Foto: Wa.)


Ohne Cilli geht nix mehr.

 Ok, ich geb’s zu, Marillenpalatschinken mit Cilli habe ich noch nicht versucht, wäre aber auch eine Versuchung wert. Diese schönen Exponate hier am Bild habe ich vom Kollegen und Kumpel Mike Markart geschenkt bekommen – Scotch Bonnet Red. Ursprünglich aus der Karibik und echt wow. In der Scoville-Skala befinden sie sich nicht zu Unrecht im oberen Drittel und der Gaumen reagiert zu Beginn „überrascht“, springt wie eine Flipperkugel durch sämtliche Galaxien und dann meint er einfach: Hey Alter, ziemlich hot!

Und hier gehts übrigens zu Mike.


wa.

Saturday, September 01, 2012

Die Baumpflege und der Jakominiplatz.

Baumpflege ist nützlich, aber Vorsicht, auch Ö. Horvath wurde vom Ast erschlagen ... (Foto Wa.)

Der Herbst kommt und die Bäume werden kürzer, nicht nur in Graz. Ich dachte mir insgeheim immer wieder, da sind die Baum-Sadisten unterwegs, weil die Bäume nach dem Stutzen erbärmlich ausschauen, als ob sie dem Touristen die Urlaubsfotos verderben wollten. Stimmt natürlich nicht: Kluge Menschen haben errechnet, dass die Baumkronen gestutzt werden müssen, weil sie sonst unter ihrer eigenen Last zusammenbrechen würden. Zum Verständnis: Das ist irgendwie so, als ob dem Menschen die Haare geschnitten werden müssen, damit er nicht unter dieser Last zusammenbricht. Natürlich geht es hier um nicht mehr ganz stabile Bäume wie die Rosskastanie. Und trotzdem müssen auf Grund des Denkmalschutzes in Parkanalgen wieder Kastanien nachgepflanzt werden. Verstehe ich nicht. Vor 200 Jahren hätte man da vermutlich gscheiter reagiert: Kastanie geht nicht mehr, zu viel Autostinke und depperte Milben, also weg damit. Pflanzen wir halt Birken oder so.
 

Der Jakominiplatz, immer Problemaplatz.

 




Ein paar Schritte weiter befindet man sich am Jakominiplatz. Ich habe schon immer gesagt, der Jakominiplatz in Graz hat ein hässliches Gesicht, zumindest seit der Nachkriegszeit. Daran konnte bis heute niemand etwas ändern. Seit jeher ist er ein Dorado für junge und nicht mehr so junge Rohrkrepierer. Eine Ansammlung von Fastfood-Ketten macht dieses Problem jetzt gerade nicht einfacher. Bis jetzt hatte man von gewissen Jugendlichen zumindest in den Geschäften im Steirerhof halbwegs eine Ruhe. Klar, die Jungs müssen wo hin, man kann sie ja nicht zu Hause verstecken: Klar, müssen die wo hin: Beispielsweise in eine Hacke und sei es Sozialarbeit – gerade im Sozialbereich kann man Jobs finden, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht. Die Jungs launisch durch die letzten Geschäfte am Platz spazieren zu lassen, alles angreifen und blöde Witze machen lassen? Ja sicher, aber nicht im Steirerhof am Jakominiplatz in Graz. Der liegt immerhin im 1. Bezirk (in Graz) und nicht im 12. Bezirk (in Wien). Die Verkäuferinnen fühlen sich überfordert und auch desillusioniert. Und unten schlurfen die Parkwächter und schauen ob der böse Autofahrer nicht eine Minute über die Zeit steht. So wird man das Problem nicht lösen und die Innenstadt nicht wieder beleben können.


Wa.

Friday, August 24, 2012

GAK Fan ist, der bleibt.




Man kann keine Saison (kaum) besser spielen als die letzte – trotzdem sind wir nicht aufgestiegen.

 

Man kann keine blödere „Tanzeinlage“ hinlegen, wie die gegen Hartberg – trotzdem werden wir unsere Farben nie verstecken.

 

Man kein weiteres Jahr in der Affen-Liga (3. Liga) verbringen – trotzdem kann man nie sicher sein, ob nicht noch eines folgt.

 

Man will sich nicht jedes Jahr 10 neue Namen merken – immerhin bleibt und der Präsident erhalten.

 

Und übrigens: Der letzte Fan dreht das Licht aus und der erste macht es wieder an. Frei nach Friedrich Torberg: GAK-Fan ist, der bleibt!

 

In dem Sinne: Sempre avanti, sempre rosso!


Monday, August 20, 2012

„Frequency“: Fein, aber nicht mehr ganz jung.

Der Bursch zeigt die Zunge, sehr frech halt. Mädel neben ihm: Unbeeindruckt.

Klar, es gab auch jüngere Bands wie Kraftklub, The XX, oder Frittenbude aber trotzdem, eher ältere Semester wie The Cure, Tocotronic und Bob Mould dominierten die vier Tage Frequency vergangener Woche.
„Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“, der epochale Tocotronic-Hit, der sich auf ihrer ersten CD „Digital ist besser“ aus dem Jahr 1995 befindet, war schon immer eher mit Augenzwinkern zu verstehen, aber trotzdem: Die Herrn von Tocotronic hatten auf Frequency 2012 schon weißes Haar angesetzt, grau meliert, wie es höflich heißt, und das Publikum auch: Ältere Buben mit seltsamen Pagenköpfen und ältere Mädchen mit nach wie vor ungesunder Gesichtsfarbe stiegen so von einem Bein auf das andere oder wippten mit - so war das halt noch im letzten Jahrtausend üblich. Und die Musik, abseits der Hitparadenverblödung, verbreitete damals sehr oft eine Art unterschwellige Skepsis, schön, diese Nostalgie noch einmal live erleben zu dürfen. Dazu passten auch Noel Gallagher’s High Flying Birds, die leider nur mit Noels alten Oasis-Hits punkten konnten, sowie die Düsterromantiker Placebo, die, als Hauptact am Donnerstag, bereits nach einer Nummer abbrechen mussten. Der Lead-Sänger fühlte sich nicht wohl, oder ähnliches.

Keine Sorge, kein Flashback, oder so: Die Star-Wars Mannen waren leibhaftig. Tochter gesellte sich zu ihnen.

Aber dennoch und zum Glück handelt Frequency mit gemischter Kost. Jan Delay & Disko Nr.1 gaben heuer das, was Seeed letztes Jahr taten, sie machten große Stimmung mit Soul aus allen Jahrzehnten, da lachte das Publikum von einem Ohr zum anderen. Und klar, Frittenbude, die Krawallpoeten, die trotz scheinbar fortgeschrittenem Alkoholkonsums punktgenaue Sätze inklusive Genetiv zusammenbrachten, St. Etienne, für mich die ultimativen Blondie-Nachfolger und interessanter Weise weniger The XX, die bei ihrer Österreich-Premiere ihren Keyboard-Pop nicht ganz ausbreiten konnten. Dafür überraschten auf einer Nebenbühne die japanischen Techno-Performer Siro-A, die sehr schön das Zusammenlaufen von Visuals, Samples und Live-Performances verstanden. Gut so! Wer braucht dann noch die altehrwürdigen Begründer des „schönen Leidens“, The Cure, Helden des 80er-Jahre-Gothic-Rocks? Die Jugend nicht, sie verdünnisierte sich tröpfchenweise – auf, auf zur flotten DJ-Line in den Nightpark!


Text: Martin G. Wanko (Vorarlberger Nachrichten, 20. Aug. 2012) Alle Fotos: (c) M.G. Wanko



Die Everglades aus Niederösterreich in St. Pölten an der Traisenau. Ohne Krokos, dafür mit joggendem Wa. - Gruselig genug ;-)

Thursday, August 09, 2012

Ich weiß, was ich diesen Sommer tat – Autos angaffen.

Füße aus dem Kofferraum hängend, selten ein gutes Zeichen für den Fußträger ...


Nein, das Auto wo die Füße aus dem Kofferraum heraushängen, gehört nicht mir und es gehörte auch nie mir und liegt jetzt auch nicht sehr zufällig am Grunde der Mur.
Das Auto (und die Füße) gehörte zur Grazer La Strada Produktion „Land’s End“ der belgischen Formation „Berlin“. War ein schön-schauriger Theaterabend im Reinighausareal, was sich übrigens wunderbar für Kunst- und Kulturveranstaltungen eignet.


Dodge 426. Vermutlich aus den 1970er-Jahren, oder noch älter...



Eine der größten Irrtümer junger Menschen ist, dass Auto fahren ein ganzes Leben lang läsig sein wird. Auto fahren ist ja als erwachsener Mensch schrecklich fad. Erträglicher wird es, wenn man während der Fahrt fotografiert. Wahrscheinlich gibt’s darauf auch eine Strafe, ähnlich dem Telefonieren mit dem Mobiltelefon. Egal, der Dodge 426 musste einfach auf der Heimfahrt von Bregenz nach Graz in München festgehalten werden. Klasse Gangster-Kübel!





Bei dieser Fahrt trafen wir auch einige Boliden, die an der englischen Crumball Rally teilnahmen, die im weiteren Verlauf auch auf den Kontinent führt. Die Crumball Rally ist eine Rally für private Freaks, die ihre Boliden nach Autos in berühmten Filmen, oder sonst wie herrichten. Warum ausgerechnet die Briten einen Golf fahren müssen, weiß kein Mensch, vielleicht weil der Mini auch schon zu BMW gehört, aber trotzdem: ein Golf voll mit einer Grasmatte verkleidet, das muss man erst einmal haben. Wahrscheinlich aber nicht in Graz, weil wenn da nächtens Betrunkene vorbeigehen, kann das Auto leicht als Wischel-Wiese verwechselt werden …



Wa.




Thursday, June 21, 2012

Graz: Tennis von unten.

Pastis-Wirt Klaus wie ihn nicht viele kennen. (Foto:Wa)

Das Pastis in der Leonhardstraße in Graz ist mein Stammlokal. Mit guter französischer und mediterraner Küche verwöhnen der Wirt Klaus Hofer und sein Team meinen Gaumen, und ja, verdurstet bin ich dort auch noch nie. Letztens ging der Kellner Jürgen mit strahlenden Augen auf mich zu: „Ich habe gestern mein erstes Tennismatch gewonnen!“ Ich gratuliere, dachte mir aber noch nichts dabei, doch im Laufe des Abends begann ich mich doch zu informieren: Früher war Klaus im Ausdauersport unterwegs. Er hat etliche Marathons hinter sich und schaffte zwei Mal den Iron Man in Klagenfurt: „Ich wollte einmal einen anderen Sport betreiben und habe vor zwei Jahren zum Tennisspielen begonnen.“ Trainiert wird er übrigens vom ehemaligen Tennisprofi Oliver Fuchs.

Um dem Ganzen einen gewissen Ernst zu verleihen, gründete er mit seinem Team und einigen Stammgästen den TC Pastis und bestreitet nun in der untersten steirischen Tennis Liga, der 4. Klasse (Herren 4. Klasse KL4 D), die steirische Mannschaftsmeisterschaft 2012. Hier stellt sich in sieben Begegnungen heraus, wer nun dem steirischen Tenniskeller entschlüpfen darf und wer unten bleibt. Um eine eigene Lizenz wollte man noch nicht ansuchen, sie kostet immerhin 700 Euro, also tritt der TC Pastis unter den Fahnen des noblen TC „Das Belvedere“ an. Eine gute Adresse übrigens, denn im Belvedere bereitete sich Thomas Muster auf sein letztes Comeback vor. Am Samstag wurde es dann ernst, es stand die Begegnung gegen den SV Don Bosco bevor, ein Spiel auf höchster Ebene sozusagen, denn die Jungs vom Pastis sowie die Don Boscos haben beide ihre ersten vier Begegnungen gewonnen und rittern um die Tabellenführung. An so einem Tennisnachmittag sieht man neun Begegnungen, davon sechs Einzel und drei Doppel, jedes Spiel auf zwei gewonnene Sätze. Schiedsrichter braucht es dazu keinen, man einigt sich gütig.

Der Platz bei den Don Boscos. Nicht unlustig.


Samstagnachmittag, die Sonne gleißt und auf dem Autoblech hätte man durchaus Spiegeleier braten können. Langsam nähere ich mich dem Jugendzentrum Don Bosco, am Ausläufer der Südbahnstraße im Westen von Graz. Es riecht nach Gegrilltem und einige nicht mehr ganz so junge Herren stehen mit Bier herum und rauchen. Ich frage nach den Tennisanlagen. „Da hinten!“ meint einer und weist mir den Weg. Im rückwärtigen Bereich des Jugendzentrums ist eine kleine Tennisanlage mit zwei Plätzen. Spielt man die Bälle zu hoch, rollen sie auf die vielbefahrene Alte Poststraße. Acht Stahlstühle sind am Rand der Plätze aufgestellt, aber außer einer alten Dame, die sich bald zurückzieht, will sich das keiner antun, es ist, wie gesagt, viel zu heiß.

Rechts im Eck hinter dem vorderen Platz sitzt ein kleines Grüppchen, ich erkenne bereits Jürgen und Klaus, hinter ihnen sitzen auf Holzbänken und Tischen die engsten Fans der Don Boscos, sie haben Jause dabei und trinken Cola, Bier oder Rotwein aus Plastikbechern. Auch Klaus hat sich bereits eine Zigarre angeraucht und hält ein kühles Blondes in seiner Rechten. Aber der Schein trügt. „Das schaut jetzt vielleicht ganz locker aus, aber sportlich werden die Begegnungen durchaus ernstgenommen, da kommt keiner angetschechert auf den Platz.“ Es herrschen auch wie im großen Tennis Benimmregeln: „Da gibt es kein Fluchen und kein Spucken.“ Gerade jetzt haben die Don Boscos wieder ein Spiel gewonnen. Vom Jausentisch der Don Boscos kommt ein lautes, aber doch nebensächliches „Bravo!“ und schon wird weitergetratscht. Ich frage Klaus nach dem Spielstand. „Heute schaut’s nicht gut aus“, meint Klaus, „bei uns fehlen zu viele Stammspieler.“ Klaus und Jürgen bereiten sich auf ihren Einsatz vor. Doppel ist angesagt. Jürgen und Klaus rackern, obgleich sie schon wissen, dass heute der TC Pastis kein Leiberl mehr hat. Doch alles Bemühen wird nicht belohnt. Aber Klaus wird nicht aufgeben, er hat ein hehres Ziel: „Ich muss mein erstes Match erst gewinnen!“

Wa.

Pastis Graz.


Thursday, April 19, 2012

Der Tag an dem der Euro starb!

Kropsch in Sorge, Walluschek-Wallfeld besorgt ;-) Foto: MG. Wanko
Stirbt schon net da Bua, er tut nur so! ;-))) Foto: M.G. Wanko


Theater Quadrat präsentiert: „Der Tag an dem der Euro starb“, von Martin G. Wanko.
Welturaufführung.
Premiere: Sa. 28. April 2012 um 20:00 Uhr.
Ort: Lazarettgürtel 60 (Gegenüber vom Citypark)

„Der Tag an dem der Euro starb“ ist die 16. Uraufführung eines Stücks von Martin G. Wanko. Mehr über Wanko erfahren Sie unter: www.m-wanko.at Inhalt: Auf einer Jägerhütte der Frau Minister in den idyllischen Bergen treffen sich ein Sekretär aus dem Finanzministerium, sowie eine Psychologin und ihre Assistentin. Ein verlängertes Wochenende mit allem was dazugehört ist geplant. Ein Deal muss gefeiert werden. Doch im Tal geschehen merkwürdige, beunruhigende Dinge. Die alte Ordnung scheint sich aufzuheben, die Jägerhütte der Ministerin entpuppt sich als Gefängnis.

Premiere: 28.04.2012 um 20:00 Uhr.
02. 05. 2012 um 20:00 Uhr
04. 05. 2012 um 20:00 Uhr
05. 05. 2012 um 20:00 Uhr
11. 05. 2012 um 20:00 Uhr
12. 05. 2012 um 20:00 Uhr
13. 05. 2012 um 20:00 Uhr
18. 05. 2012 um 20:00 Uhr
19. 05. 2012 um 20:00 Uhr
20. 05. 2012 um 20:00 Uhr

Regie: Werner Halbedl. Mit: Alexander Kropsch, Paula Perschke, Ute Walluschek-Wallfeld. Karten & Infos: 0681-101130006 sowie unter theater-quadrat.at

Sunday, April 08, 2012

Sick, Sick, Gernot Sick!

Mit Gernot Sick im - wo ist das bloß, hm?

Drei Fragen an Gernot Sick:

Was ist geiler, Fußball oder Kabarett spielen: Beides gleich, solange man nicht davon leben muss.

Wie ist das, wenn man plötzlich für immer aufhört zum Kicken?: Vollbremsung, von 100 auf null. In deinem vorigen Job haben dich 100 % Leute gekannt, in deinem jetzigen nur 5%.

Was ist ein Tag ohne Fleisch?: Ein verlorener.

Und ob der GAK (endlich) Meister wird, erfahren Sie auf: http://www.blogfive.at/


Be Grü

Wa.

Friday, March 30, 2012

Der Blog 5 ist da!



Wertes Publikum, der Wa. erlaubt sich blogmäßig Zuwachs bekanntzugeben. Keine Sorge, "Wankos Blog" wird's immer geben, aber zusammen sind wir mehr :-)

Und hier gehts zu Blogfive!

Euer Wa.

Sunday, March 18, 2012

Mein lieber SK Sturm Graz Freund!

Des Wankos Namensschild an der Gegensprechanlage wurde überstrichen ...

... neben der Gegensprechanlage wurde die Hauswand verschandelt ...


Vielleicht magst du meine Tochter oder mich nicht sehr,
unser Hang zum GAK fällt dir aber sicher schwer.

Darum hast du auch beschmiert unsere Wände,
mit deinen krummen Narrenhände.

Bei Zeiten komm doch mal wieder vorbei,
 und putz weg, die Schweinerei :-)

Dein roter Bruder, Wa.

Monday, February 27, 2012

Wien Splitter, oder was von der Woche übrigblieb.

Il Professore Tone Fink mit Bregenzer-Wälder-Haube und Landeskulturabteilungsleiter Werner Grabher auf der Afterparty. (Foto MG. Wanko)
Also, da hätten wir einmal den zum Professor ernannten Vorarlberger Künstler Tone Fink. Aktionen, malen, Film und Wortdichtung, das alles in einem Sack. Wir sagen juhu! Und Tone Fink pfeift uns was und sagt daraufhin „määähh sagt das Schaf“ oder so ähnlich. Auf alle Fälle, bravo Tone! Und Kinkkunst!


Zimmer Küche Kabinett, in Patzaks Villa lebt sich’s nett! (Foto: M.G. Wanko)

Hier Peter Patzak, der in Graz am 1. März im ORF-Landestudio eine Ausstellung hat. Der Regisseur als Maler, sehr sehenswert! Er lebt seit 27 Jahren übrigens in einer wunderbaren und mir scheint produktivitätssteigernden Villa am Rande von Klosterneuburg. Der Erbauer war Eduard Voitus Van Hamme 1856 - 1921 Tänzer, Schauspieler, Pädagoge, vor allem aber Kaiser Franz Josephs Ballettmeister Also fegte auch schon Sissi übers Parkett, was der Villa den Denkmalschutz einbrachte. (Herr Patzak: „Ich will eh nix umbauen.“) Weiters lebte der Erfinder Gustav Tauschek in diesem Haus. Er hatte hier die Idee zum Computer und verkaufte sie und 169 andere Patente an IBM. „Manchmal kommen Computerfreaks vorbei und fragen, ob von Tauschek wenigstens wo eine Schraube geblieben ist.“ Leider nicht, aber jetzt stelle ich mir grad vor, dass Sissi, Franz Joseph und der Erfinder Gustav bei Herrn Patzak auf eine Folge „Kottan ermittelt“ vorbeischauen. Was die sich von unserer Welt durch die Augen von Patzak wohl denken, frage ich mich. Die wären wohl mehr als staunen, vor allem weil sie eine Welt ohne Inspektor sehen.



Bekomme ich da jetzt eine ACTA-Klage? :-) (Foto: Profil, abfotografiert: Wanko)
Und ich nehme das Foto jetzt als Medienzitat. „Profil“ ist nicht nur das beste Magazin Österreichs, es verfolgt auch die beste Werbelinie. Prost!


Wa. (jetzt wieder in Grrraz!)


Sunday, February 26, 2012

Italien im Echt-Film. Ein Roman.


Da kracht die 45er Singel - aber keine Sorge, Paolo Sorrentino bringt eh genung Musik in seine Texte.

Kennen tut man Paolo Sorrentino als Filmemacher, „This must be the Place“ war letztes Jahr sein großer Durchbruch, einem KZ-Drama mit Sean Penn in der Hauptrolle. Nun begibt er sich mit „Ragazzi, was habe ich verpasst?“ unter die Romanciers. Und es ist ein toller Wurf, das darf man schon vorab verraten. Tony Pagoda, ein Chanson-Star in den 1970er-Jahren, ist auf dem Olymp seiner Erfolge gelandet: Er feiert ein ausverkauftes Konzert in New York,  Frank Sinatra zollt Beifall und daneben erlebt er dazu die typischen Tiefen im Showbiz. Silvesterfeiern auf unsäglichen Autobahnraststätten, trostlose Nächte im winterlichen Italien, eine nie in Erfüllung gegangene Liebe in Capri und eine Schießerei im Drogenmilieu, in die der Sänger nicht ganz unschuldig hineinrutschte. Wie im guten Film, denkt man sich als Leser, und Sorrentino kann wirklich visuelle Bilder in Worte fassen.
Paolo Sorrentino bleibt rau, schont den Leser nicht, sein Ahnherr im Film wäre zweifelsohne Martin Scorsese, nichts also für zart besaitete Geschöpfe. Er kristallisiert aus dem Leben seine eigenen Weisheiten, aber eben anders, essayartig, nachdenklich, und treibt dann doch den Inhalt wieder weiter. Das Buch ist insofern ein Glücksfall, weil hier keiner Abstriche noch Zugeständnisse macht, also sich im oberen Niveau der Literatur wiederfindet, ohne zu vergessen, dass ein Schuss Handlung den Leser am Roman bleiben lässt. Und natürlich lacht man auch auf, nicht zuletzt durch die wahrhaften, temperamentvollen Dialoge, die schon wieder als Parodie auf den Italo-Macho gelesen werden können.

Wa.

Saturday, February 18, 2012

Didi Dorner – für Graz ein Glücksfall.


Graz hat ein Lokal, in dem noch nicht jeder war, psssst! (Foto: MG Wanko)

Rein optisch gesehen könnte Didi Dorner vieles sein: Er würde eine ziemlich gute Figur bei mir im Eso-Laden um die Ecke abgeben, ich kann ihn mir auch gut als Lehrer asiatischer Kampfsportarten vorstellen, mir würde er auch als Lotus-Mechaniker im grünen Blaumann mit Union Jack Ellbogen-Schoner gefallen – diese drei Beschreibungen untertreiben maßlos, aber ich will ja weiterhin von Herrn Dorner bekocht werden.

Sie haben richtig gehört: Didi Dorner, nicht zu verwechseln mit dem ehemaligen ORF-Radiomann,  eigenewilliger Spitzenkoch, der seine eigene Rille und auch sein Credo gefunden hat: „Lieber will ich den Schwierigkeiten des Lebens entgegentreten, als einen gesicherten Köche-Alltag führen“, xteht neben anderen Sätzen auf der Außenwand seines Kokals geschrieben. Der Gast soll wissen wohin er geht, und der Koch soll sich immer wieder besinnen, für was er lebt.

Und überhaupt: Erst vor kurzem ist Dorner aus Stainach weg und nach Graz gekommen. Ein wahrer Glücksfall für die Stadt Graz, die ja von Spitzenköchen nicht im Übermaß gesegnet ist.  Aber es gibt eben Hoffnung: Um in der Steiermark fein gespeist zu haben, muss man bei Dorner gewesen sein. Und ich meine da jetzt nicht den Mittagstisch, sondern das feine Abendmenü. Sein Ei mit Trüffelcreme und Forellenkaviar kennst man schon fast weltweit, der Kabeljau mit Curry-Sauce und Beluga Linsen ist ein Traum, und die Crème brûlée schmeckt eben wie eine die Crème brûlée und jetzt nicht wie ein Pudding mit einer Plombenzieherkruste oben drauf. Das nächste Mal werde ich schauen, einen Schokodome zu bekommen, von dem erzählt man sich ja auch nur die besten Geschichten. Auch Tochter C. war sehr happy und ihr Hawi J. hat auch alles ziemlich cool gefunden.

Didi Dorner ist mit dem gleichnamigen Lokal am Grazer Karmeliterplatz beheimatet, Voranmeldung zahlt sich aus, weil die Tischzahl limitiert ist. Homepage gibt’s keine. „Für was denn?“, meint dazu Didi, „Jetzt probieren wir da einmal herum und dann schauen wir, wie das so ist.“ Der Koch verlässt sich also auf seinen Ruf, das ist gut so und mutig auch. Im Internet ist noch immer die Pleite-Seite von Stainach abrufbar. Dorner ist’s egal. Wer niemals im Leben mit einer Idee pleite gemacht hat, der hat auch noch nie gelebt, könnte man frei nach Dorner denken.


Abendessen gibt’s von Mittwoch bis Samstag und am besten unter dieser Nummer: 0316-607449065.


Und wer so nen ungeschönten Blick auf die steirische Gastroszene haben will, der macht sich hier schlau:  Haubentauchers Beisl Blog



Wa.

Saturday, February 11, 2012

Die besten Cartoons die der New Yorker nie druckte.

Schöne, böse Zeichnungen in Schwarzweiß. Ein Must für Fans der schnellen Striche.



Werte Leser,

nein, es ist nicht so, dass ich den ganzen Feber bis jetzt verpennt habe, aber es gab vieles anderen zu tun, als zu bloggen. Zum Beispiel Jahresabrechnungen zu machen, die letzten Ansuchen abzuschicken, alles Dinge, die erledigt werden müssen, damit voll durchgestartet werden kann. Und zu Beginn vielleicht eines der wichtigsten Bücher, die letztes Jahre herausgekommen sind und einfach noch nicht auf diesem Blog waren: „Die besten Cartoons die der New Yorker nie druckte.“ Der umtriebige Matthew Diffee hat bei seinen Kollegen die besten Zeichnungen gesammelt, die beim New Yorker nie publiziert werden haben dürfen: Weil sie politisch inkorrekt, gemein, versponnen, idiotisch oder einfach böse sind. „Die schönsten Misserfolge, wie es Diffee nennt. Herausgeber Robert Mankoff ist hier eine kleine Wenigkeit direkter: „Bevor Sie sich diese Cartoons anschauen, fragen Sie ihren Arzt, ob Übelkeit, Brechreiz und Ohnmachtsanfälle gut für Sie sind.“

Also, Diffees Einleitung sollte man sich unbedingt geben, bringt einen witzigen Arbeitseinblick eines fast berühmten Zeichners in Amerika, aber Bilder sollen nicht beschrieben werden, die sind zum Angucken da, also worauf warten Sie noch? Die besten Cartoons ...

Wa.

Saturday, January 28, 2012

Für immer jung.

Hakon Hirzenberger: Drehbuch, Regie und sonst noch einen Haufen Arbeit. (Foto: MG Wanko)


Für immer jung? Aber neeeiiin, weder das André Heller Wolfgang Ambros Gegrunze, noch das amerikanische Original. „Alte Meister – Für immer jung“  nennt sich ein Film vom Wahltiroler Filme- und Theatermacher Hakon Hirzenberger. Er porträtierte zwei schon sehr alte Künstler, die selber auch noch ein wenig Kunst machen, aber in ihrer Hauptbeschäftigung ihr Wissen an junge Talente weitergeben. Die Rede ist von der Wiener Theaterlehrerin Elfride Ott und dem Bukarester Klavierlehrer Johnny Raducanu. Ott kommt wie immer sehr ottig daher und Raducanu ist einfach ein cooler Hawi aus der Old School. Der Dokumentarfilm ist gut anzuschauen. Er ist kurios, er geht ins Herz und er zeigt ziemlich viel über das Leben an sich und die Unterschiede zwischen Wien und Bukarest. Aber natürlich geht’s auch ums Unterrichten, und Kunst unterrichten ist ja selten eine angenehme Aufgabe, weder für den Lehrer, noch für den Schüler: „Schüler werden zerstört, um danach geformt und neu erschaffen zu werden“, so Hakon Hirzenberger. Auf alle Fälle anschauen: Der Film läuft noch bis Anfang Februar im Grazer Rechbauerkino und dann und wann noch in ganz Österreich.


Tom Divan, mit viel Vinyl am Plattenteller. (Foto: MG Wanko)


David Watts und Tom Divans „Smart Club“ war gestern Nacht in der Grazer Kombüse zu Gast. Klasse Sound zwischen Ska, Northern Soul, Soul und Rocksteady, also wirklich gelungene Tanz- und Tratschmusik. Good Feeling auf einem anständigen Level für Menschen über 20, das gibt’s ja net so oft in Graz und so war es auch gut, dass hübsch was los war. Viel Vinyl und coole Menschen bis 4 in der Früh, was ja in unserem Alter echt eine Leistung ist. Gut so, auf bald mal wieder und Head on!

p.s.: und so nebenbei: Graz is ja doch a Wödstadt! (cosmopolitan city)

Wa.

Friday, January 13, 2012

Wie man alt wird.

Pongratz: Die Selbstgedrehte hinters Ohr geklemmt. Foto: M.G. Wanko


„Ich rauche am Tag meine 25 Zigaretten“, meint der 72 jährige Maler Peter Pongratz, gestern, nach seiner Vernissage in der Grazer Galerie Leonhard auf die Frage, wie man fit bleibe. „Und dazu noch regelmäßig Sex“, die Betonung legte Pongratz ganz bewusst auf regelmäßi., Außerdem war er die letzen 50 Jahre auch nie im Spital und vertraut nur seinem Leibarzt. Ja, frisch sieht er aus, auch geistig topfit. Und sonst? Im gehe Graz ab, „bin immer wieder gerne hier und würde auch lieber in Graz als in Wien wohnen, aber ich muss ja von etwas Leben!“, spricht der Maler und denkt dabei an den Bilderverkauf, der halt in Wien besser funktioniert, als in Graz. Zu sehen sind die farbenfrohen Bilder bis zum 4. Feber.  

wa.

Monday, January 02, 2012

Das Abenteuer ist nicht nur im Kopf.

Autoren auf Reisen - der Neid könnt einen fressen!

Ein Deutscher und ein Pole wollen einen Oligarchen aus dem Hinterland von Sibirien retten, der im letzten Gefängnis vor der chinesischen Grenze sein Dasein fristet. Der Oligarch Chodorkowskij erinnert sehr an den inhaftierten Michail Chodorkowski und auch den Russland-Trip den die beiden hinlegen, ist sehr fundiert.

Bis ans Ende der Welt.
Olaf Kühl schrieb mit „Tote Tiere“ einen klassischen Abenteuerroman, der neben der Spannung, die zum Teil schon in den Thriller hineinreicht, viel mehr zu bieten hat, als diesen anschwellenden Nervenkitzel. In Fahrten mit Boot, Bahn, Bus oder maroden Taxis lernen sie Russland von unten kennen. Es sind Städte wie Irkutsk oder Tschita, Orte wo die wahre russische Seele beheimatet ist, Orte die man wahrscheinlich nie persönlich kennen lernen wird, doch diese spannende Fremdheit macht diesen Roman zu einer wirklich sehr lesenswerten Fokussierung auf das neue Russland.
Der Trip bis ans Ende der Welt soll dazu dienen den Oligarchen Michail Chodorkowskij aus dem Gefängnis zu befreien, der zumindest in der westlichen Welt zu den Guten gezählt wird. Doch die Unterwelt, auch die Regierung und die Geheimdienste, scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein. Man weiß über sie überall Bescheid, nur selten erfahren sie ganze Wahrheiten, ein jeder scheint hier sein eigenes Süppchen zu kochen. Dazu gibt es jede Menge russischen Alltag, interessante Menschen und ein bisschen Liebe. Die zwei Freunde kratzen immer nur knapp die Kurve und zerbrechen doch irgendwie an der Weite des Landes und am Widerstand des Systems. Dieser Roman ist kein Märchen, sondern eine gut dossierte Abenteuergeschichte mit Mehrwert. Und Olaf Kühl ist ein Autor mit großem Herz: In ihm haben Russland, Polen und Deutschland Platz.

Eine intelligente Liebeserklärung
In Olaf Kühls Abenteuerroman ist Berlin der Wohnort der beiden Freunde. Von JM Stim ist Berlin der Ort seiner Seele, so einen herzerfrischenden und klugen Essay hat der österreichische in New York lebende Autor über die Hauptstadt Deutschlands geschrieben. „Hier ist Berlin“, heißt sein munteres Gedankenelaborat, und wenn es eine definitive Schrift über das Berlin der Jahre nach dem Mauerfall geben soll, dann ist Stims Essay unbedingt in die engere Auswahl mit hineinzunehmen. Kein Tourismus-Berlin, sondern er beschreibt die Stadt als lebende Substanz, als Enfant terrible unter den deutschen Städten, als ewigen Jungbrunnen, der sich nach der Wende neu erfinden musste und gut daran tat, zuerst einmal auf die Selbstsuche zu gehen. Stim stimmt ein Hohelied auf die freie Szene und die neue Toleranz an. Berlin erfüllt sich den Traum, den jeder Jugendliche träumt: „Zu sein, ohne etwas werden zu wollen … eine Erzählung ohne Plot, mit einem Anfang, aber ohne Ende.“ Den Roman dazu gibt’s übrigens auch, den hat Tino Hanekamp geschrieben und heißt „So was von da.“

Von Martin Wanko

Olaf Kühl: „Tote Tiere“, 285 Seiten, Rowohlt Berlin.

JM Stim: „Hier ist Berlin“, 56 Seiten, Rokko’s Adventures.