Thursday, May 21, 2020

2 Monat, 2 scheiß Tage - alle Flaschen sind am Container


Corona and me – 2 Monat und Tag 2 der Quarantäne

Austria – 16.319 Corona-Infizierte / 14.822 Genesene



Unseren Blog „Corona and me“ wird ab nun ohne der Beifügung „Quarantäne“ weitergeführt.



Es gibt jedoch viel zu tun, auch zu berichten. W. Kühnelt wusste heute über leere Kaffeehäuser in Graz zu berichten, und ich sage Euch, im Citypark waren heute nur die Supermärkte und Drogeriemärkte wirklich gut besucht - es bleibt schwierig. Aber wir haben dort Kaffee getrunken, wir haben eingekauft und auch KEINE ANGST gehabt.

Absatz.

Wie geh es nun auf diesem Blog weiter? Es geht mir nach wie vor, um die kleinen Tagesanschauungen, die verloren gehen würden, wenn man sie nicht niederschreibt. Leere Fußballstadien, dafür gefüllte Container. Und für das braucht man Nachtschreiber wie uns. :)

Tja, manchmal schaut man aus dem Fenster und denkt, es könnte alles „normal“ sein. Aber was ist normal?

Wir bleiben dran, danke für's Lesen

Euer Wa.


Quelle:Statistik Austria

Monday, May 18, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 29 der Quarantäne



Austria – 16.176 Corona-Infizierte / 14.563 Genesene / 1613 akute Fälle

So wie fast jeder Österreicher, der die zivilisierte Gastrokultur als Teil seines Lebens sieht, haben auch wir den ersten Tag der wiedereröffneten Gastro miterlebt. In der Cohibar waren das schöne 1,5 Stunden (die von Riesenohr und Zottel empfohlene 90 Minuten). Es war interessant. Fast schon wie ein Veteranentreffen im Kameradschaftsbund, natürlich nicht so, aber Ihr wisst schon, wie das zu verstehen ist. Es hatte etwas Festliches, man „darf“ wieder. Die Mannschaft hinter der Bar sah jetzt auch nicht unglücklich darüber aus, dass der Laden wieder Fahrt aufnimmt. Die Personen, die sich kannten, die aber jetzt nicht wirklich etwas miteinander zu tun haben, kamen sich nicht zu nahe. Also 1,5 m Abstand wurde gelebt. Die Bar war wie gefordert, nicht besiedelt. Gelegentlich stehen Tische an der Bar, um den Platz im Lokal optimal auszunützen.

Die Wiedereröffnung der Lokale scheint den Österreicher*innen nicht unwesentlicher zu sein, als die Gschroppen wieder in die Schule zu stopfen. 

Es war angenehm und eben nach 1,5 Stunden vorbei. Auf den Plätzen in Graz ging es anders rund, weil dort eher im Herdenverhalten getrunken wird. Dazu sage ich jetzt einmal nichts. Ich mache jetzt eine vorsichtige Prognose: Ich kann mir vorstellen, dass die zunehmende Hitze inkl. UV-Strahlen dem Virus zusetzen und dass auch eine grundsätzliche Vorsicht, ein anerzogenes Distanzverhalten und Hygiene den Virus in Österreich (!) in Grenzen hält. Die Entwicklung im Herbst und Winter wird muss abgewartet werden. Aber das was nun wieder zugelassen wurde, lassen sich die Menschen schwer nehmen. Einkaufen und Saufen. Einkaufen vielleicht noch eher. ;) Na, Spaß bei Seite: Die Wiedereröffnung der Lokale scheint den Österreicher*innen nicht unwesentlicher zu sein, als die Gschroppen wieder in die Schule zu stopfen.

Bleibt’s sauber und auch ein bisserl mutig. Leben ist zu kurz, um öd zu sein,

euer Wa.

Zahlen: Quelle: Republik Österreich, Statistik Austria.

Tuesday, May 12, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 23 der Quarantäne


Austria – 15.874 Corona-Infizierte / 14.061 Genesene

Genau heute wären die Pet Shop Boys in Wien und ich mit meiner Tochter jetzt bald einmal auf den Weg dorthin. Das ist zurzeit auch so einer dieser Standardsätze. Was man heute gemacht hätte, oder was man vor einem Jahr gemacht hat. Mann, das sind jetzt schon absolut 1.Welt Probleme, es ist aber auch eine voll okay Einleitung für einen Blog Beitrag.

Zugegeben, von gestern auf heute hat sich jetzt nichts Wesentliches getan, solange auch Sie und Ihre Nächsten wohlauf sind ist einmal alles im Lot, oder auch nicht. Zeit sich ein bisserl durch die Medien schauen. Als Medium muss man natürlich in dieser Zeit dankbar sein, Inserate zu haben. Aber manchmal muss man sich schon fragen, ob in der COVID-19-Phase nicht auch Geschmack abhandenkam. Im Radio (und TV) wirbt ein Möbelhaus bezüglich der Wiedereröffnung mit dem Slogan: „Endlich wieder Möbel schauen!“ Das singt ein Mädel so auf lustig, jedoch ohne Belange, also eh Werbung. Aber nach sechs Wochen nix tun, „endlich wieder Möbel schauen!“. Dieses „endlich“, diese „große Sehnsucht“. Wenn die mit „6 Wochen Entzug“ daherkommt, würde meine Mutter, die den WK2 durchgemacht hat, ihr glatt eine scheuern. Aber meine Mutter erlebt ja die Welt zurzeit fast ausschließlich durch den Vorhang. „Vuaschrift is Vuaschrift“. Die geht auch nicht Möbel schauen.

Ganz toll auch, dass Booking.com wieder einen NL verschickt. „Reisen kommt bald wieder“, meinen sie. Klar, durch Reisen werden Vorurteile abgebaut, Devisen gebracht, aber wenn es Virenschleudern gibt, von der der Staat, also wir, so ziemlich wenig hat, dann gehören die Billig-Buden-Schnalzer dazu.

Kein KOVID-Anstieg?

Dass dann heute am Morgen die Nachrichten mit der Aussage beginnen, dass es bezüglich des Muttertag-WEs keinen KOVID-19-Anstiegs gibt, frage ich mich schon, ob der Redakteur noch ganz frisch ist: Die Werte des Muttertags-WE bekommen wir frühestens dieses WE präsentiert. Von einer Summen-Rechnung kann man einmal Ende Mai sprechen.

Das nächste ist der zu bemängelnde Zustand unserer Gesellschaft. Betrachte ich heute eine Tageszeitung, fehlt mir etwas wie eine österreichweite Richtung, wohin die Reise gehen soll. Eigentlich ist in den Berichten kaum etwas Gemeinsames zu erkennen, die vielgepriesene Einigkeit, die es in den ersten zwei Wochen gab, ist verschwunden.

Ich bin für die Hammwerfer!

Die Berichterstattung scheint oft auf die Bedürfnisse von Interessensvertretungen reduziert. Ich verstehe hier so ziemlich alle Vertretungen. Jeder will haben, dass es bei ihm so wie vorher wird, oder noch ein bisserl besser. Je größer die Lobby einer Interessensvertretung ist, desto eher zahlt die Regierung eine COVID-Entschädigung. Beim Sport ist es relativ einfach zu sehen. Um die Volleyballer kümmert sich fast niemand, bei den Tischtennisspielern schaut es auch nicht gut aus, aber so richtig zach wird es bei Hammerwerfern oder Speerwerfern. Dabei würde ich unsere 10-Kämpfer nicht links liegen lassen. Man stelle sich vor, ein Hammer fliegt gegen die Regierungsbank oder ein Speer landet im Herzen eines Nationalradabgeordneten. Eigentlich eine schöne Filmidee, die Zehnkämpfer*innen eines unterfinanzierten Leistungszentrums knöpft sich die Regierung vor. Und ausgerechnet jetzt darf gefilmt auch nicht werden. Ja, das Leben ist oft hart und härter. Auf dass sich jetzt einmal alle eine Runde zerfleischen ;)

Bleibts tapfer und zu Hause,

Euer Wa.

Zahlen: Quelle: Republik Österreich, Sozialministerium.

Sunday, May 10, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 22 der Quarantäne

Austria – 15.735 Corona-Infizierte / 13.928 Genesene


Am Freitag waren wir am frühen Abend im Grazer Stadtpark, um das ganze Treiben zu beobachten. Rechts neben uns saß ein Mädchen an einem Baum gelehnt, die dudelte auf einer Altflöte entspannende Musik, andere gingen mit Sechserträgern Bier spazieren, geraucht wurde überhaupt viel. Viele Menschen waren unterwegs. Es war ein ständiges Kommen und Gehen.
Es hatte etwas von Woodstock ohne Konzerte, initiiert von einer Generation, die oft nicht mehr weiß, was Woodstock war. Zugegeben, im Grazer Stadtpark hat da die Jugend noch eher eine Ahnung, als andernorts und vielleicht war es auch eher Nova, ohne Bands und Caravan. Es war auf alle Fälle „ohne“ Kultur, dafür mit viel Lebenskultur und sagen wir einmal, ohne großer Kontaktprobleme. Die Lebenskultur durfte ja am Muttertags-WE zurückkommen. Wenn jetzt wenigstens die Zahlen in einer Woche noch stimmen würden, wäre das jetzt eine Gschicht! Und noch eine Gschicht: Wenn die Schulen wieder aufsperren, sollte die Kultur auch wiederkommen dürfen. Es muss ja keiner hingehen, der nicht will.

Bleibt sauber.

Euer Wa.

Zahlen, Quelle: Profil

Saturday, May 02, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 14 der Quarantäne

Austria – 15.369 Corona-Infizierte / 12.779 Genesene


2. Mai und hinein ins Vergnügen – also allen Unkenrufen zum Trotz sind Clarissa und ich heute in die Stadt. Und ein Wahnsinn, ich sag’s euch! Ein Waaahhhnsinn! Ein Getrample, ein Gehupe, eine Schreierei bis zum End! Ah geh, alles nur ein Witz. Es war echt angenehm. Also nicht überlaufen, wie am Morgen so manch Shopping-Center, Citypark machten wir entspannt am Nachmittag und es ging auch. Die City war wie ein Vormittag in den Ferien, wie Urlaub. Kastner Sport Haus, kein Stress. Infected, in Zeiten wie diesen, goiler Name übrigens ;)) Die Rolltreppen funktionieren auch ziemlich gut, ohne dass sich da jemand dastesst. Schon was los, aber auch gut vorbereitet. Jetzt kann man natürlich sagen, um Gotteswillen, wenn da heute nicht alles überrannt wurde, ist es eh schon zu spät. Ganz und gar nicht. Es war qualitativ entspannt. Einige Bekannte getroffen, alle ohne Husten, dafür mit Maske und gut drauf. Wenn ich jetzt einmal von den Bürgern spreche, die zwischen Landplatz und Kaiser Joseph Patz heute unterwegs waren, hat mich das positiv gestimmt. Auch eine GAK Maske hat gewisse Vorteile für den Wiedererkennungsfaktor, ich sag ja nur. Die City zu besuchen ist durchaus positiv durchaus zu empfehlen, und von den Märkten so und so.

Graz, our Town

Ah ja und so nebenbei: Nein, mein Blog ist unabhängig. Ich mache mir eben in Zeiten wie diesen meine Gedanken über uns und den Ort, in dem wir leben, und den Verein den wir … ;) Mir würd’s einfach um meine Stadt leidtun, wenn sie nur noch zweitklassigen Polterclubs, Wettcafés und schwindligen Modeketten ausgeliefert ist. Die finden auch statt, aber es gibt ein gewisses Mehr, es geht um das was über dem steht, was angeboten wird, und dieses Mehr wird von der Bevölkerung generiert. Ob Venedig, Florenz, Triest oder Graz. Das ist in einer Stadt eben mehr und in der anderen eben weniger. Obgleich manchmal weniger mehr ist, aber nicht sehr oft. Aber im Detail muss es funktionieren, das ist im besten Falle das Fluidum einer Stadt, das schwebt über den ganzen überflüssigen Dreck, der überall stattfindet. Diese Stadt wird dann selbstredend besucht wird, ohne pausenlos mit der Glocke zu läuten. Das schaff ma.

FB, a hard place 

Eigentlich fehlt es mir schon bald an der Lust, aber gerade in Zeiten wie diesen, sind die Sozialen Medien ein wichtiges Kommunikationsmittel, sonst würde ich auch diesen Blog nicht drüberspielen. Nur fällt mir auf, dass die Kombi (zu) viel Zeit zu haben, dazu keine offenen Geschäfte vorzufinden, verbunden mit geschlossenen Lokalen die Menschen dann in den Netzwerken ein bisserl aggro macht. Da wird diskutiert wegen jedem Scheiß und da fliegen auch schon mal die Fetzen. Also ein bisserl entspannen, bisserl ein Wein trinken, gut kochen und denken. Das kann ja nicht so schwer sein. Sport geht jetzt auch wieder und einkaufen auch.

Bleibt zu hoffen viel.

Jetzt hoffen wir einmal, dass die Zahlen halbwegs am Boden bleiben. Sonst kommt der böse Hammer, mit der großen Depri und mit der ganzen Weinerei. Ein Lesetipp zum WE: Während Camus  zur Zeit ganz oben ist, sollte man sich bei regnerischem Wetter dem Edgar Allan Poe widmen. Der tragischen und doch schillern literarischen Person der Industrialisierung. "Die Maske des Roten Todes" ist nicht so unpassend.


Graz, bleib auf der Oberfläche und ein bisserl (un)anständig, so wird das Leben gut sein,

Euer Wa.

02.05.20


Wednesday, April 29, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 11 der Quarantäne


Austria – 15.323 Corona-Infizierte / 12.580 Genesene 


Wo warst du am 15.05. am Abend, wird eine der Fragen für die zukünftige Generation sein. Nein, es ist der JFK nicht wiederauferstanden, auch der Unsägliche liegt nach wie vor in Kärnten begraben, obwohl der zurzeit sicher unterhaltend wäre. Es ist auch keiner gestorben, wo man den Ort des persönlichen Aufenthalts wissen müsste. Lou Reed wäre vielleicht in Zeiten wie diesen an der COVID-19 Erkrankung gestorben, aber ich höre schon auf zum Witzeln. Also: So wie heute in Sidney die Jugend wieder an den Strand rennt, sperren bei uns am 15.05. wieder die Wirten auf. Dann ist in Österreich der Ausnahmezustand beendet. 

Egal wie schlimm das Virus danach wüten wird und vielleicht wieder die fast jungfräuliche Freiheit auf Vollgas zementiert, dezimiert und betoniert, die Möglichkeit ab den 15.05. mit allen Einschränkungen total legal mit anderen Menschen wieder "den Alk dupfen gehen zu dürfen", wollen sich die ÖsterreicherInnen nicht nehmen lassen. Da zahlt sich dann auch wieder ein neu gekaufter Fetzen aus, vielleicht ja auch in den Tagen zuvor in Graz live gekauft und dazu die passende Gesichtsmaske. Wäre ja eine Möglichkeit. Und nicht vergessen: So we in NYC Platz reservieren. Also, wo samma am 15. Mai. 2020? Meine Wenigkeit hat sich mit Clarissa einen Platz um die Ecke reservieren lassen. 19:00 Cohi Bar. Wer Lust hat, soll dazustoßen.

Bleibt tapfer!

Graz, 29. April 2020

Monday, April 27, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 9 der Quarantäne

Austria – 15.190 Corona-Infizierte / 12.362 Genesene 


Mittlerweile hab wir das vielprolongierte Party-Video mit dem hohen Mitarbeiter aus dem Gesundheitsressort bereits zweimal zugeschickt bekommen. Auf diesem Video geht es wie hinlänglich in den Tageszeitungen berichtet, um eine Party zur fortgeschrittenen Stunde von typischen Schnauzbart-Trägern, mit recht viel Alkohol und auch Frauen an Bord. Eine grausige Landpartie aus Allerheiligen. Jetzt will ich weder die Schnauzer, noch die Menschen vom Land beleidigen, aber es schaut halt so aus, was soll man machen.

Party 2

Dazu fuhr ich mit meinem Tretroller am Freitagnachmittag durch die Stadt, da war ein Modegeschäft halb verdunkelt, man spielte aufgemotzten 70er-Jahr-Disco-Sound trank dazu Bier und rauchte auch, zumindest vor dem Laden. Im Laden stand man auf eineinhalb Meter Abstand und tanzte. Die Menschen hatten dabei ein panisches Lachen im Gesicht, fernab von einer herkömmlichen Ausgelassenheit. Vielleicht wurden die Wochenumsätze gezählt, oder einfach der Hut darauf geworfen.

Party 3

Am Sonntag waren wir auf einem Spaziergang auf der Platte in Graz deutlich gesellschaftlicher Lärm zu hören. Vor der Einfahrt stand eine Limousine. Hinter der Hecke wurde nobel getafelt. Die Passanten gingen vorbei und taten, als ob sie nichts hören würden. Und ja eh, das Zusammentreffen wird wohl auch einen Grund gegeben haben. Jetzt ist es nicht nur der Gemeindebau und der Stadtparkbrunnen, wo es unruhig wird, sondern die Menschen sehnen auch in den „besseren“ Gegenden eine Normalität zurück. Aber macht es wirklich Spaß? (Sehr lustig wäre gewesen, mit einem Selfie-Stick über die Hecke zu schauen und die Menschen zu fotografieren. Ob die sich beobachtet vorgekommen wären ;)))

Ich habe heute mit meiner Ärztin gesprochen, ob die Rückkehr in die Schule zu früh sei. Sie meinte, man wisse es ganz einfach nicht. Es kann genauso gut funktionieren.

Also, im Unwissenden tapfer bleiben,

euer Wa.

27.04.20

Saturday, April 25, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 7 der Quarantäne

Austria – 14.987 Corona-Infizierte / 11.872 Genesene 


Der Dobler & die Stones 

Ein bisserl ein Bildungsauftrag kann nie schaden – es wird gelesen! Beispielsweise Franz Dobler, ewig im Geschäft, seine Robert-Faller-Krimis genießen schon Kult-Status.

In den Jahren, als der deutsche Krimi eher eine Ausrede war, Ulf Miehe und Jörg Fauser waren tot, musste Franz Dobler den Karren über weite Strecken alleine ziehen. Er schuf sich dabei ein Biotop. Eine Art Rock’n’Roll- oder Beat-Krimi-Elaborat, abseits vom Pilzkopf, jetzt eher ein Beat mit lärmenden Gitarren, schwarzgefärbtem Haar, spitzem Schuhwerk und das verpackt als Literatur. Tatsächlich veröffentlichte er einige Rock’n’Roll-Compilations und nicht zufällig auch die Johnny-Cash-Biographie „The Beast in me“. Mit Robert Fallner entwarf Franz Dobler einen Polizisten, den er nun bereits mit „Ein Schuss ins Blaue“ das dritte Mal ins Rennen schickt.

Das andere München

Robert Fallner ist in die Jahre gekommen. Um die 60, die Knochen sind schon zu spüren und den Job als Inspektor hängte er auch an den Nagel. Zum Glück gibt’s den Bruder, der ihn in seinem Ermittlungsbüro engagiert. Ein Laden voller Ex-Polizisten, die hier in München ihr Dasein fristen. Diesmal scheint es pikant zu werden: Er soll einen islamistischen Terroristen aufspüren, auf den zwei Millionen Kopfgeld ausgesetzt sind. Dazu nahmen seine Frau und er ein vierzehnjähriges Mädchen auf, das aus desolaten Verhältnissen flüchtete und Fallners Frau, ebenfalls Polizistin, als ihr Vorbild herauspickte. Ein gutes Rahmenprogramm sozusagen, um den Anti-Ermittler Fallner, dem es immer eher um eine nebenherlaufende Ermittlung geht, schauen zu lassen, wie es um sein artifizielles München so steht.
Manche Dialoge müssen jetzt nicht sein und immer, um den heißen Brei herumzureden, bringt auch nichts. Natürlich ist Franz Dobler ein Säulenheiliger, dessen subversives München jetzt gar nicht viel anders ist, als jenes der eingangs zitierter Autoren. Gnade vor Recht: „Ein Schuss ins Blaue“ geht als Genre-Erweiterung durch, dem Ermittler Robert Fallner könnte man demnächst eine Auszeit gönnen.

Bei Keith in der Karibik 

Wie Franz Dobler wurde Linus Reichlin ebenfalls mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet, das war 2009. Jetzt legt er keinen Krimi vor, sondern mit „Keiths Probleme mit dem Jenseits“, einen Roman, in dem der Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards nach einem sehr kurzen Besuch im Jenseits wieder unter den Lebenden weilen sollte. Einer seiner Leibärzte muss nun um sein Wohl sorgen und dieser holt seinen Jugendfreund Fred Hundt zu sich in die Karibik, einen deutschen Wissenschaftler für die Wahrscheinlichkeitslehre. Natürlich stellen sich hier die Frage, ob Keith wirklich Keith ist und auch, wie der gute Mann abgeschirmt seinen Unterhalt verdienen kann, wenn er nicht als Auferstandener vor die Welt treten will. Um dem zu entgehen, schicken sie Fred auf eine Nachbarsinsel, zu Keiths Kumpel Johnny Depp. Es soll hier eine vage Abmachung aus dem vorigen Leben gegeben haben, den ominösen Totenkopfring des Gitarristen an den Filmschauspieler verkaufen zu können. Funktioniert nicht ganz, doch wie in einem Abenteuer geht es munter weiter.

Romane über Stars, die literarisch wiederbelebt werden, siehe John Lennon oder Elvis Presley, gibt es einige, meistens verpufft jedoch der Spaß nach einigen Seiten. Linus Reichlin hält hier bis zum Ende durch, auch weil er sich nicht alleine auf Keith Richards verlässt, sondern seinen Hauptprotagonisten ganz schön in die Mangel nimmt. Unterhaltend, aber mit Tiefgang.

(c) Vorarlberger Nachrichten - Martin G. Wanko

Franz Dobler: „Ein Schuss ins Blaue“ 282 Seiten, Tropen Verlag
Linus Reichlin: „Keiths Probleme mit dem Jenseits“, 253 Seiten, Galiani Berlin

Und immer wieder tapfer bleiben!

euer Wa!

25.04.20

Thursday, April 23, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 6 der Quarantäne

Corona and me – 1 Monat und Tag 6 der Quarantäne

Austria – 15.002 Corona-Infizierte / 11.700 Genesene


Christian Fuchs von FM4 war’s, der (sich) auf FB gefragt hat, in welcheb gegenwartsbezogenen Filmen/Serien die Corona-Krise ein Teil davon wird, und welcher Künstler darüber hinwegsieht. Die Frage habe ich mir schon vor einigen Tagen gestellt, da ich abends, anstatt auf ein Bier in der Cohi zu heben und die 1909er zu ärgern, am Nachdenken für meine Sitcom for next year bin. Yea! Und ja, Corona wird eine Rolle spielen, da mein Hauptcharakter Samy alias Fred vom Jahre 1982 in unsere Gegenwart „fliegen“ wird. Und er hat von unseren derzeitigen Sitten echt keine Ahnung. Mehr davon in Zukunft.

Natürlich kann man in Erwägung ziehen, dass 2021 nichts mehr inaktueller sein kann, als die gestern noch aktuelle Gegenwart. Möglich, aber den Moment derVerdrängung sollte die Kunst ein bisserl scheißen. Corona wird uns noch ziemlich lange durch den Kopf gehen, folglich sollte es behandelt werden und aus. Und wer weiß, wie lange das Szenario wirklich anhält, Angela M. aus Deutschland hat heute darüber gesprochen und ernstere Töne angeschlagen, als unser dynamisches Duo. (Obwohl die beiden ziemlich gut wissen, wie der Österreicher zu füttern ist. Da tut sich die Opposition schwer.)

Wie schnell eine Reaktion in der Pop-Musik passieren kann, zeigen Thomas Spitzer und die EAV in ihrem umgedichteten 1980er-Jahre Klassiker „Küss die Hand, schöne Frau“ in „Küss die Hand, Pandemie“, aufgenommen in der derzeitigen Spitzer-Bleibe in Feldbach, laut GPS-Koordinaten. Dazu ein schönes Home-made-Video. Würde mich nicht wundern, wenn das in den Charts nach oben schnellt. Oida, da schaun die technikversierten Jung-Popper ziemlich alt aus.

Spitzer - EAV

tapfer bleiben mit Riesenohr und Zottel ;)

Graz, 23.04.20

Wednesday, April 22, 2020

Corona and me – 1 Monat und Tag 5 der Quarantäne



Austria – 14.873 Corona-Infizierte / 10.971 Genesene 

„Die neue Wirklichkeit ist für jeden erträglich, vor allem für die, die die alte nicht kannten.“ So kann man es auf den Punkt bringen, denkt man negativ. Dem gegenüber steht der menschliche Gedanke des Wurschtels und Überlebens: „Es wird schon wieder einmal passen. Bis dorthin trinken wir einmal was.“ Schlussendlich putzen wir unseren Anzug ab, schauen a bisserl darennt aus, aber es läuft wieder. 

Das, was wir in dieser Zeit verloren haben werden, ist das Gefühl von „Euphorie & Ekstase, verbunden mit Masse“. Das hat jetzt altersgemäß viel Gutes: Ich bin jetzt nicht sonderlich traurig, dass gewisse Dumpfhammer-Sommer-Remixes wie das Remake von Captain Sensilbles „What“ wohl auf keiner Beachparty oder aus keiner Prolo-Winden zu hören sein werden. Weil diese Massenveranstaltungen und auch Winden jetzt einmal abgestellt sein werden, solange es kein Spritzerl für die gewesene Normalität geben wird. Dass dazu aber leider auch zukünftige Konzerte wie das der Strokes fallen werden, steht auf einem anderen Blatt Papier. (Von was die Bands jetzt leben, will ich erst gar nicht wissen.) Was für den einen eine volle Oper ist, ist für den anderen ein knallvolles Oval. Da wird es viele Freiplätze geben müssen. Die Kurven auf den Fußballplätzen dürften wohl auch interessant ausschauen. Aber vieles wird machbar bleiben. 

Und in Lokalen wird es die neue Plexiglas-Idylle geben. Hat den Vorteil, dass man sich wieder mehr sagen kann, da der Nachbarstisch nicht mithört. Auch wird es spannend sein, sich einen Platz zu ergattern, die Reservierung wird auch in der Bar ein Faktor werden, und da ja bekanntlich die Hormone nicht abgestellt sind, wird es eine neue hormon-gesellschaftliche Situation geben, die durchaus in die Film- und Literaturwelt Einzug finden wird: „Mit Maske und durch die Plexiglaswand schauen er/sie wirklich spannend aus. "Hoffentlich hält das Gesicht, was die Augen versprechen." Es bleibt also spannend. 

Bliebt tapfer und maskiert, 

euer Wa.

22. 04.20

Sunday, April 19, 2020

Corona and me – 1 Monat und 3 Tage in der Quarantäne


Austria – 14.637 Corona-Infizierte

Sonntag, 7 Uhr. Zugegeben, ich stehe gerne früh auf und mir gefällt die Sommerzeit sehr gut, weil es dann nicht so sonderbar ausschaut, wen ich um 5 Uhr morgens aufstehe. Das hat nichts mit altersbedingter Bettflucht zu tun, sondern dass ich gerne den Tagesanbruch erlebe. Das hat etwas mit zu sich kommen zu tun. Demgegenüber bin ich bei Konzerten oder beim Kick gerne danach auch ein bisserl unterwegs. Das Schöne ist, dass man nicht muss. Das sieht man nach einem Monat Quarantäne. Es macht einen auf eine nicht unangenehme Weise entspannt. Eine ähnliche Situation wird in meinem Umfeld wahrgenommen: Warum soll man sich (online) Fetzten kaufen, wenn man sie nicht ausführen kann. Aber auch hier erkennen Mann und Frau, dass eine Saison ohne „neiche Fetzen“ keine verlorene Saison ist.

Wie weit muss man abkühlen, damit alles anders gut wird? Das ist für mich die Frage des Tages. Gefühlt durchleben wir eine Periode, wo wir die Chance wahrnehmen können, kollektiv zu uns zu kommen. Obwohl das eine Gratwanderung ist: Sekten zum Beispiel kommen permanent zu sich. Die sind dann halt „hirnlasch“. Abgesehen davon, dieses Abkühlen, diese Demut, ist wichtig und sollte in einer gewissen Form jährlich stattfinden. Das moderne Fasten ist nichts anderes, als ein Rückzug aus der Gesellschaft um Kraft zu tanken, alleine im Kloster oder so. Natürlich ohne Lockdown und ohne Runterfahren der gesamten Wirtschaft.

Vielleicht sollte nach der Periode C „etwas“ Positives in uns zurückbleiben. Sich auf das Wesentliche zu fokussieren wird sinnvoll sein. Keine Gürteltiere fressen ist wichtig. Nicht zu jedem scheiß Event gehen auch und nicht jeden Fetzen kaufen so und so. Weniger ist mehr. Die Reduktion auf Qualität wird das Zauberwort der Stunde sein.

Bleibt tapfer,

euer Wa. 19.04.20

Thursday, April 16, 2020

Corona and me – 1 Monat und zwei Tage der Quarantäne

Austria – 14.459 Corona-Infizierte


Mädels und Buben, wir haben einen Monat in der Quarantäne überstanden. Dazu die erste wirklich gute Nachricht: Der GAK bleibt in der 2. Liga, weil es auch keine Aufsteiger gibt. Das wurde jetzt vor einigen Minuten von den Liga-Verantwortlichen beschlossen. Man könnte hier noch ein wenig lamentieren, warum eigentlich? Die längste Zeit in der Saison waren die Roten in sicheren Bereichen, also passt der Beschluss so. Schade für mögliche Aufsteiger, aber sonst tut es ja niemandem weh und Buli-Beschluss ist Buli-Beschluss. Warum ich hier so ausschweifend agiere? Natürlich, weil wir Rote sind aber noch natürlicher: Bitte freuts euch! Auch in Zeiten des Virus oder gerade deshalb: Freits eich. :) Auch über einen jeden kleinen Dreck! Es macht das Ding nicht besser, wenn wir jeden Tag wie grenzfrustriert durch die Gegend wackeln oder beknackt aus dem Fester schauen. Freit seich anfach amal.

Wer Spaß hat, hat mehr vom Leben,

seit’s tapfer,

euer Wa.

PS: Forza GAK! 

Wednesday, April 15, 2020

Corona and me – Tag 30 der Quarantäne


Austria – 14.159 Corona-Infizierte

Ein guter Bekannter von mir, im Westen von Österreich, fährt einmal im Monat zum Kick nach Deutschland, einmal monatlich fährt er Rettung. Beim Kick beschäftigt er dann und wann die Rettung, gegensätzlich dazu bringt er regelmäßig etwas ein. Er nennt das „ausgleichende Gerechtigkeit“.

Jetzt hat’s ihn erwischt. Er hat Covid-19. Ich würde es nicht wissen, würde er diesem Blog nicht sporadisch folgen. Er wurde getestet, weil eine Person, die er ins Spital fuhr, als Virusträger erkannt wurde. Bei ihm ist das Syndrom ein trockener Husten. Hätte schlimmer kommen können, aber die ganze Prozedur, die nun folgt, ist halt auch ein bisserl anstrengend: Er ist nun zwei Wochen in „Einzelhaft“ und der Mann hat ja Familie, das macht das Leben für keinem in diesen Haushalt einfacher.
Neben dem ganzen Desinfektionsszenario muss jeder von seinen Mitbewohnern jetzt einmal eine Runde zu Hause bleiben. Die Einkäufe bringt die Oma vorbei und stellt sie vor die Wohnungstüre. Nach Abklingen der Krankheit muss jeder selber schauen, ob er in den nächsten zwei Wochen Syndrom-Träger wird, oder nicht. Was ich damit sagen will: Ich kenne ihn und Sie kennen (vermutlich) mich. So kennen Sie auch über drei Ecken einen Virusträger. Das geht sehr schnell.

Jeder zweite den ich kenne, hat mittlerweile die letzten zwei Monate einen "unerklärlichen Schnupfen" oder "sonderbares Fieber" gehabt. Ein Teil davon wird tatsächlich vom Virus befallen worden sein. Der Rest sind Virus-Adabeis ;) Das Virus ist überall und nirgends. Das macht ja alles so schwierig.

Euer Wa. – bliebt tapfer!

PS.: Gestern kurz in der Stadt gewesen, auch Kohle liegengelassen, aber alles noch verhalten, außer ein paar Maskenträger. Schauen wir, wie es am WE wird. Doch die Frage muss gestellt werden dürfen: Was wäre Graz ohne seine Tschecherln?

Monday, April 13, 2020

Corona and me – Tag 28 der Quarantäne


Austria – 13.942 Corona-Infizierte

Ich sitze am Balkon und schreibe meine Notizen nieder. Dieser kleine metallene Tisch ist überhaupt ein Kleinod an Glückseligkeit. Was sind auf diesem nicht schon Stunden gedacht, geschrieben und gefeiert worden. So nebenbei zerzaust der Wind die Sonnenschirme, die Feige, extra vor Ostern noch auf den Balkon gestellt, erlebt ihren dritten Frühling und hat bereits wunderschöne grüne Blätter. Es schaut alles so gottverdammt normal aus, wie jedes Jahr. Der Ostersamstag war auch wie jedes Jahr. Als ich an die Herrn Gott und Jesus dachte, konnte ich nicht anders, als einen Rotwein zu trinken und nahm an dem kleinen Tisch am Balkon Platz. Da die beiden Herrn unerbittlich waren, musste noch der Gin aus Berlin angetestet werden, gekreuzt mit einem fruchtigen spanischen Tonic. Das hatte dann doch eine Geschmacksexplosion zur Folge, aber was macht man nicht alles für die beiden Herrn. Da war im Innenhof dann eine Art heilige Ruhe, da die meisten Studenten entweder schliefen oder schon längst zu Hause sind. Also so richtig entspannend - aber wenn morgen die kleineren Geschäfte wieder geöffnet haben, kann man nicht von einer Normalität sprechen, da wir uns ja alle mit Gesichtsmasken gegenüberstehen, als hätten wir die Seuche. Haben wir irgendwie eh, weil sonst würde das ganze Affentheater nicht aufgeführt werden.

Gestern machten die Fürstin Frühling und ich einen Ausflug auf die Ruine Gösting. Es war phantastisch zu sehen, wie Jugendliche über die Hügel gehen und ihre Blicke nicht vom Handy lassen. Abgesehen davon, dass so ein Verhalten tatsächlich Gefahren in sich birgt, für was sind die dann überhaupt unterwegs? Dann waren hier noch die zwei Familien, die als eine unterwegs waren, also zu zehnt, mit zwei Müttern und zwei Vätern. Mir taten die Kinder leid, wo deutlich zu sehen war, dass sich die Eltern all dem widersetzen, worauf es nun ankommt.
Dazu kommen noch die Herrschaften, die einem entgegenkommen und sich nicht hintereinander einordnen, damit der nötige Abstand gewahrt bleibt. Heute wiederum ist bei meinem kurzen Auslauf „gefühlt“ alles gutgegangen. Wenn es jetzt keine prinzipielle Verweigerungshaltung ist, ist es in Österreich eine Sache der Bildung, ob die Maßnahmen nun ernstgenommen werden, oder nicht. Daran will ich nicht zweifeln. Morgen geht es wieder mit den Masken auf die Straße. Mal schauen, wie sich die Situation in den kleinen Läden wirklich darstellt.

Ostermontag,

Wa.

13.04.2020

Saturday, April 11, 2020

Corona and me – Tag 26 der Quarantäne



Austria – 13.672 Corona-Infizierte


Jetzt gerade auf Insta. Daniele de Rossi versenkt einen seiner seltenen aber um so sehenswertere Hämmer aus rund 16 Meter und zieht triumphierend zu seiner Ultra Curva Sud ab. Alles jubelt, Alkohol wird getrunken, Küsse werden verteilt, ihr Daniele, von einigen noch vor Francesco eingestuft, hat’s gerichtet - viva la Roma, la dolce vita, fuck Lazio oder was auch immer, der zieht in die Kurve, lässt sich bis nach dem Match feiern, und in Trastevere würden sie ihren Daniele noch immer feiern, wenn … . So wie es aussieht, wird sich das lange nicht mehr abspielen. Länger als wir es glauben wollen.

Okay, Freunde, sind wir uns ehrlich. Den Weg, den wir bestreiten, ist kein Schlechter, eigentlich der Beste, den es gibt. Wir kommen langsam runter. Österreich kühlt sich ab und die Salami-Taktik der Verantwortlichen funktioniert so richtig gut. Bei meinen Laufruten durch Graz habe ich selten soviel Jungs und Mädels gesehen, die da plötzlich beim Laufen mitmachen, oder die mit 2 Sixpacks vom Supermarkt heimgehen. Es geht ja eh. Prost.

Was ich meine ist, wir bekommen die verpflichtende CoronaApp. Ich meine ernsthaft: Wenn der Staat (oder sonst wer) will, bin ich durch das Smartphone so und so schon gläsern. Die CoronaApp wird dann zum Einsatz kommen, wenn wir wieder ins tägliche Berufsleben einsteigen – wahrscheinlich auch, wenn wir wieder auf ein Bier oder ins Theater gehen wollen. Solche Apps entwickeln sich rasant weiter. Natürlich will weder App noch Corona keiner haben, aber wenn ich Corona habe, will ich niemand anderen damit schädigen. Und ich will mich auch sehr gerne mit Menschen treffen, die nicht investiert sind. Bereits jetzt kann ich mir die ersten Filme damit vorstellen. Ein Klick und alles geht. Schwieriges kann auch zur Normalisierung beitragen.

Wie lange sich Riesenohr und Zottel (Kanzler und Vize) sich hier politische Glückswünsche zurufen, ist jetzt zweitrangig. Hauptsache das Ding funktioniert, die Zahlen beweisen das. Zu lachen gibt es immer viel:  Die nächsten Dienstreisen mit den Meetings von großen Unternehmen finden ausnahmslos auf nationaler Ebene in Bruck, Bischofshofen oder Lustenau statt. Vielleicht will dann der eine oder andere Teilnehmer doch lieber eine Video Conference?

Wir bleiben tapfer, Zottel und Riesenohr auch :)

Ostersamstag: Auf uns und den Herrn Jesus!

Wa. 11. April.

PS: und alle mal herhören! Wer nicht wirbt, der stirbt. Gerade jetzt! Darum geht es hier zur Madison :(da hat’s meine Texte und a geile Grafik und überhaupt!)

Friday, April 10, 2020

Corona and me – Tag 25 der Quarantäne

Austria – 13.237 Corona-Infizierte

Okay, okay, ich bin schon wieder zurück. Wollte mal einen Tag nicht bloggen, ich muss wirklich auch andere Sachen schreiben, aber danke der Nachfrage, ich bin wieder hier und noch hat’s mich net darennt!  Danke, Freunde!
Also, wie schauen wir am 25. Tag der Quarantäne aus? Nicht anders als am 23. Tag der Quarantäne. Das ist aber auch das Problem. Die Zahl der Infizierten geht langsam hinunter, parallel dazu kommt die Party nicht zurück. Das irritiert uns, weil wenn etwas runtergeht, muss etwas anderes raufgehen. Party ist hier sinngemäß, die Kultur, die Wirtschaft, der Sport - der Mensch, vielleicht einmal so ausgedrückt, der Mensch will wieder sehr gerne zurück zum gewesenen Zustand, ohne mit der Schattseite konfrontiert zu werden. Dabei hängt so vieles einfach nur von der Bildung ab. Die letzten Krisen haben sehr mit einem Bildungsdefizit zu tun. Der Islamismus ist jetzt nicht weit weg von Aberglauben befallene Menschen, die Wildtiere essen. Ich meine jetzt natürlich die Gürteltierfresser oder die Affenfresser und nicht die Reh- oder die Wildschweinfresser. Ihr wisst schon wie ich das meine.
Themen, die ich jetzt nicht wirklich ansprechen mag und dennoch machen muss: 800 Mille für die AUA, einfach so? Eine Luftlinie unter staatlicher Führung hat selten etwas Gutes gebracht, eine Standortgarantie hingegen schon. Lustig ist, dass die Grünen in der Regierung die AUA mitsponsern. Das hätten sich die Mädels und Jungs in Grün vor einem halben Jahr noch nicht träumen lassen. Erbschaftssteuer? Ja mit der VP wird das nicht gehen. Abgesehen davon, die Supermillionäre halten sich in den Spenden für die Forschung gegen das Virus ziemlich zurück. Auch eine Erkenntnis.

Am Ende zu Trivialem: der Aperol ist dieses Wochenende sehr günstig. Fällt unter Nachbarschaftshilfe. Aber damit finanziert man schon wieder einen Multi. Schmeckt mit Eis und einer dicken Olive am besten. So wie in Venedig. Dort sollen gerade die Delphine tanzen. Wenigstens irgendwer. Leben ist manchmal schwierig.

Cheers, auf’n Luther Buam!

Wa.

Freitag, 10. 04.2020

Wednesday, April 08, 2020

Corona and me – Tag 23 der Quarantäne



Austria – 12.519 Corona-Infizierte: (Zahlen identisch mit gestern) 

Also noch einmal, damit es auch gelebt wird: Design und Kleinigkeiten kauft man in der MuR in der Engen Gasse um die Ecke vom Frankowitsch. Dort kann man sich dann noch einen lustigen Spumante bestellen, ein bisserl Grazer angaffen oder doch auf einen Vino zum Gerry in die Bürgergasse gehen. Dort kann man kurz in die Galerie Kunst & Handel schauen, die haben auch wunderbare Zeichnungen, Kunst muss gefallen, nicht immer teuer sein.

Von dort könnte man kurz zum Ferl auf ein Gulasch schauen, ein kleines Bier dazu, oder auch zwei. Gerne weiter zur Buchhandlung Moser, Herrn André fragen, was es Neues gibt, er ist nämlich der Spezialist für Hard-Boiled-Crime. Zu Angelika in die Bücherstube auch noch, eine neue Frisur im Zeitgeist, die schaffen das auch noch bei drei Haaren, Vinyl im Inandout-Records.

Dann in den Benetton an der Ecke Hans-Sachs-Gasse, der ist in Italien pleite gegangen, hat jedoch die letzte Dependance weltweit (in Graz) nicht geschlossen, weil sie nicht wussten, dass Graz noch existiert. So konnten wir heimlich das Benetton Museum eröffnen, als Direktor mit Herrn Toscani, der sich in unserer Stadt eh wohl fühlt. Sie können heute in den Benetton gehen und glauben, dass Sie noch immer noch bedient werden, ein großes Schauspiel, legen Sie nach der Vorführung ein Trinkgeld an die Kassa, bedanken Sie sich für das gute Theater  – und überhaupt, ihr Pfosten, würde es keinen Benetton mehr geben, würdet Ihr es nicht wissen. Weil ihr zu selten hier seid. (Aber jetzt, ohne reisen ;)))

Freunde, so wie jetzt oft regional und lokal bestellt wird, zumindest vorgegeben wird, so oft würde man den Grazer gerne wieder in seiner Stadt sehen, aber nicht nur an der Tschepper-Nuss-Spritzer-Budel ab 22 Uhr. Denn dann würde die Grazer Tschepper-Nuss natürlich wissen, dass es den Benetton noch gibt, und dass es sogar in der Annenstraße mit Van den Berg einen coolen Gewürz-Laden gibt. Und nein, der Gründer ist nicht aus den Niederlanden nach Graz eingewandert, weil wir in Graz so klasse Menschen sind, sondern der kommt echt aus Graz, hat halt ein gutes Werbekonzept. Was ich meine ist, dass es Corona braucht, um den Grazer wieder in Graz einkaufen zu schicken – zumindest online. Und am besten online bleibt. Muss ja niemand zwingend rein, in our town. Draußen bleiben, Briefe schreiben und bestellen, wir feiern auch so.

Nur so nebenbei: Schreibt eine FB Userin: Wann öffnet eigentlich wieder der Sturmplatz? Ich dachte mir, vielleicht nie wieder? Ich las dann ein zweites Mal: Sie meinte den Sturzplatz. Also, der hat zur Sicherheit zu, der Sturzplatz. Ws sonst wieder aufsperrt, werden wir bald sehen. So oder so.

Und ganz Graz sage ich: Der Motor springt an, oder der Motor springt an. So oder so.

bleibt's tapfer, bald gibt's Eier, meine Damen.

Wa. :)

P.s.: Van den Berg gibt's nur noch im Netz - dafür mit Haubenqualität, so behaupten Sie es und der Haubentaucher-Kühnelt stimmt dem zu. Dem kann man glauben.

Tuesday, April 07, 2020

Corona and me – Tag 22 der Quarantäne


Austria – 12.519 Corona-Infizierte: 

So, jetzt wäre ich fast nicht mehr zum Schreiben gekommen. Blöd, oder? Eben. Ich sage Ihnen auch warum: Ich war heute so um 18 Uhr laufen. Ich hatte gleich ein gutes Gefühl, weil das Essen schon länger hinter mir lag, also machte ich den ersten 10er diese Saison, die ja noch relativ kurz ist. Da habe ich beobachtet, dass die Menschen relativ gesittet sind. Natürlich, an neuralgischen Plätzen wird es kritischer, aber jetzt nix für die Gummiwurst oder so. (Schlagstock der Exekutive). Funktioniert eigentlich.

Sonntag am Morgen habe ich - wie vor Corona - so eine einzige echte Pizza an der Hausecke gesehen, wo ich wohne. Da hat sich wirklich einer ausgekotzt, vermutlich aus Frust, weil nix los war. Ich nenne das jetzt einmal „Sehnsuchtskotze nach einer anderen Zeit.“ Jetzt schaut aber die Studentenviertel-Gastro ziemlich alt aus. Ich weiß, das ist jetzt schon ganz gemein, weil die Wirte verdienen jetzt nichts, und müssen schon die Partner hackeln schicken, aber: Graz ist sauber, keine kaputten Autospiegeln mehr, und kein Grölen und Kotzen mehr zwischen Mittwoch und Sonntag. Wer hätte das gedacht. Das bitte ich auch bei den nächsten Rathaus-Umfragen zu bedenken. Wer Lärm und Dreck macht, haben wir nun schwarz auf weiß, das sind Besoffene aus den Abendlokalen.

Ah ja, eines noch, weil ja jetzt so viele mit der Maske herumlaufen. Wenn Ihr einkaufen geht, sprecht laut und deutlich. Die VerkäuferInnen sehen Eure Mimik nicht, und die Glasschutzwände sind jetzt auch nicht wirklich für die Akustik förderlich. Ich habe hier schon lustige Szenen erlebt. Zetteln würden zur Kommunikation auch gehen. Auf denen steht dann zum Beispiel „DAS IST EIN ÜBERFALL!“ Weil es wäre ja blöd, wenn man das nicht verstehen würde.

So, jetzt bin ich müde und wünsche noch euch allen eine gute Nacht,

bleibts tapfer!

Wa.

Monday, April 06, 2020

Corona and me – Tag 20 der Quarantäne



Austria – 11.920 Corona-Infizierte: 

Was nicht vorwärts geht, muss zurückgehen, alte physikalische Weisheit. So schaut es auch mit unseren Corona-Infizierten aus. Jetzt hat Österreich – das patriotische „wir“ will mir hier nicht so ganz über die Lippen kommen – sogar die Schweiz hinter sich gelassen, die zum Beispiel Massenveranstaltungen schon vor Österreich absagten. Ich freue mich schon auf die nächsten Headlines im Boulevard-Format: „Österreich biegt Virus!“ … „Kurz: Wie wir das Virus besiegten.“ …  „Die ganze Welt folgt jetzt dem österreichischen Beispiel!“ …  „Kogler: Das Virus war aristokratisch, königlich. Wir mussten es ausrotten.“ Jo mei, würde man im Bayern sagen, es könnte ja Schlimmeres passieren. 

Eigentlich sonderbar, dass alle Corona-Tagebücher von Nicht-Infizierten geschrieben werden. Abgesehen davon kommt vielleicht von Mr. Boris Johnson noch eines. Es bleibt jedoch ein gewisses Unbehagen zurück, solange es kein Gegenmittel gibt. So lange werden die Grenzen dicht bleiben. Das hat zur Folge, dass ganz Österreich den Sommerurlaub in Österreich verbringen muss. Ich weiß nicht, ob ich das auch so entspannend finden sollte, wie die Tatsache, dass „wir“ das Virus „besiegten“. Da der Tourismus kein Personal aus anderen Ländern holen kann, wird unser Land auch arbeitstechnisch ausgelastet sein. Es wird der Sommer der grantigen Kellner und frustrierten Kellnerinnen. Aber immerhin, Österreicher bewirten Österreicher. Bleibt der Einreisestopp, dürfte auch kein internationales Publikum zu unseren Festspielen. Ob die dann überhaupt stattfinden? Schwierig wird es auf alle Fälle. 

Also, weiter brav sein, ich bin’s auch,

euer Wa. 

Graz, 6. April 2020

Sunday, April 05, 2020

Corona and me – Tag 19 der Quarantäne


Austria – 11.907 Corona-Infizierte: 

Geh na! Jetzt habe ich mich schon gefreut. Die Ankündigung zu Ostern darf man zu fünft Eierbecken gehen, ließ die Dollar-Zeichen in meinen Augen aufleuchten. Ich dachte sofort auf eine Umsetzung als Theaterstück. „Party for five“, wo eben dann anständig was passiert. Die Linke in den sozialen Netzwerken hat sich schon gefreut und den Oster-Katholen-VP-Hammer ausgebackt und wollten schon zuschlagen. Anschober hat jedoch gleich korrigieret: Er falsch verstanden worden. Er wollte so nur der Bullerei den Weg in die privaten Gemächer ebnen, falls dort Oster-Partys stattfinden. Masseneierbecken, oder so. Also wird nix aus dem Theaterstück und die Linke kann ihren Hammer gleich wieder einbacken. Für die Regierung ist die Corona-Krise nicht so schlecht. Der Kanzler bestimmt gerne und der Vize verteilt gerne Geld. Diese Krise ließ die Patchwork-Regierung zusammenwachsen. Die Migration hätte sie eher getrennt.

Ah ja, Bildung geht uns alle an, hier hätte ich zwei Buch-Vorschläge:

Katastrophen gibt es nicht erst seit heute, wissen zwei Autoren zu berichten

Unbegreifliches begreiflich zu machen, ist eine Aufgabe in der Literatur. Noch immer nicht ganz verstanden wurde der 9/11, wie denn auch, es waren hier Terroristen am Werk, die nicht rational dachten, als sie mit zwei Flugzeugen aus der zivilen Luftfahrt das World Trade Center in New York in Schutt und Asche legten und zudem noch das Weiße Haus in Washington attackierten. Mitchell Zuckoff verfasste die Chronologie des 11. Septembers 2001 anhand der Ereignisse unter dem Titel 9/11 Der Tag, an dem die Welt stehen blieb.

9/11 im Detail 
Wahrscheinlich ist es die erste punktgenaue Recherche über den Ablauf der Ereignisse, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Mitchell Zuckoff befüllt die Ereignisse mit Leben. Er erzählt anhand der Tagesabläufe von Opfern und Tätern die Katastrophe nochmals nach, ohne das oberste Gebot der Objektivität außer Acht zu lassen. So mangelt es auch nicht an Kritik, wenn es um die laxen Sicherheitsvorkehrungen im eigenen Land geht, als die Tragödie über die Vereinigten Staaten hereinbrach.
Natürlich ist der Journalist Mitchell Zuckoff dementsprechend lange im Geschäft, um zu wissen, wie er diese Non-Fiction-Reportage angeht, ohne dass er seine Leser verliert. Bei über 700 Seiten eine gar nicht so einfache Aufgabe, zudem dem Leser der Ausgang der Tragödie bewusst ist. So füllte er das Buch mit Schicksalen an. Fazit: Ein dramatisches Buch über Ereignisse, die man glaubt, schon zu kennen und erneut zum Leben erwachen. Das Leben in dieser überlangen Reportage entsteht durch die Liebe zum Detail und auch im Wissen des amerikanischen Alptraums.

Die Ahnherrinnen 
„Der freie Hund“, so nennt sich der neue Krimi von Wolfgang Schorlau. Bekannt wurde er durch seine „Dengler-Krimis“. Ein Markenzeichen des Autors ist eine gewisse Reiselust, so ließ er auch schon in Portugal ermitteln. Und jetzt ausgerechnet Venedig. Ob das gutgehen kann, fragt man sich als Leser, denn Venedig ist ja die Krimihochburg, die mit Patricia Highsmith und Donna Leone zwei unterschiedliche, aber nicht zu unterschätzende Ahnherrinnen der Krimi-Literatur beherbergt.

Wolfgang Schorlau hat sich jedoch seine Sporen schon verdient und weiß in welche ausgetretenen Pfade er nicht marschieren soll. Zum Inhalt: Eine Gruppe von Studenten will verhindern, dass weiterhin Kreuzfahrtschiffe vor dem Markusplatz anlegen, da sie mit der damit verbunden Erosion des Bodenmaterials und der Wasserverschmutzung durch den Treibstoff zu einem wesentlichen Teil verantwortlich sind, dass Venedig einmal untergehen wird. Plötzlich wird der Anführer der Studenten ermordet aufgefunden. Mit Claudio Caiolo hat sich Schorlau einen italienischen Co-Autor an Bord geholt, dadurch hat der Krimi italienisches Blut in sich. Ob sich Commissario Morello in Venedig durchsetzen kann, bleibt offen. Die Ahnherrinnen des Venedig-Krimis und ihre Fans sind unerbittlich.

Mitchell Zuckoff: „9/11 Der Tag, an dem die Welt stehen blieb“ 701 Seiten, Fischer Verlag
Wolfgang Schorlau: „Der freie Hund“ 325 Seiten, Kiepenheuer & Witsch

© Vorarlberger Nachrichten / Martin G. Wanko