Frei nach dem Motto „Der Verein (GAK) ist hinüber, die roten Krätzen
sind geblieben!“ dachten wir im Hause Wa. nach, wie wir ein paar Tausend Grazer
kurz vor Weihnachten am Weltuntergangstag beglücken könnten. Ganz einfach, wir
opfern Herrn Campino, Leadsänger von den Hosen, einen GAK-Liverpool-Schal, der "seinerzeit" als Freundschaftschal zur Champions League. Clarissa warf,
der Wa half ein bisserl mit, und schon traf man Campino damit am Handgelenk. Campino
lief damit eine gute Viertelstunde herum und gab ihn dann gentleman-like der
Tochter persönlich zurück. (Vor allem ein paar Schwarze haben sich über diese
Aktion so gefreut wie wir, hörte ich …). Da es ja Liverpool zurzeit als 10. nicht sehr super geht, wüschen wir dem Herrn (und den Jungs) alles Gute!
Weiter aktionistische Taten sollten folgen, hörte man aus gutinformierten Kreisen. ;)
Mit wesentlich mehr Ereignissen bombardiert einen hingegen
Florian Illies, der mit „1913 Der Sommer des Jahrhunderts“ ein ausgezeichnet
recherchiertes und außerdem literarisch geschriebenes Sachbuch verfasst hat.
Illies kennt man eigentlich aus einer anderen Ecke: Der ehemalige
Kulturjournalist schrieb mit „Generation
Golf“ und „Generation Golf II“ die Fahrkurse für gelangweilte
Wohlstandsjugendliche in der Jahrtausendwende, die gerade einmal das
Zündschloss im Golf fanden. Irgendwie machte das Illies nicht zwingend
sympathisch, und ein bisserl ein Streber ist er ja geblieben, ich würd den gern
mal sehen, wenn er nix tut - aber auch Illies musste erwachsen werden: Nun
setzt er im Jahre 1913 den Sommer eines Jahrhunderts an, also den Höhepunkt des
letzten Jahrhunderts, mit dem Fokus auf Mitteleuropa gerichtet. Knapp vor dem
1. Weltkrieg, in der Blüte des Expressionismus, der Tiefenpsychologie, alles
ist politisch sehr angespannt und riecht schon förmlich nach epochaler Chemie –
und der Autor baut hier ein Mosaik aus kleinen Happen, lässt so ein hundert
Jahre altes Stimmungsbild wieder aufleben.
Die Stimmung vor 100
Jahren.
Ein kleiner Einblick gefällig? Luis Armstrong tauscht im
Jugendheim die Pistole gegen eine Trompete, Franz Kafka schreibt die Verwandlung
und seinen 200stem Brief an Felice Bauer … Lou Andreas-Salome macht in Wien ziemlich
viele Männer verrückt, während in Schönbrunn Stalin und Hitler in den gleichen
Parkanlagen sitzen … Schönberg hasst die Unglückszahl 13, während Thomas Mann
eine Kritik ins Unglück stürzt … Proust erbaut sich seine eigene Schutzkammer auf
der Suche nach der verlorenen Zeit und Gertrude Stein formuliert den berühmten
Satz „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“, während Max Beckmann sein Gemälde
„Der Untergang der Titanic“ abschließt.
Wa.
Florian Illies: „1913 Der Sommer eines Jahrhunderts“, S.
Fischer Verlag, 319 Seiten.
Man stirbt nur einmal, das ist dem GAK passiert, am 30.
Oktober 2012 war es soweit. Nach 110 Jahren schließt der GAK seine Pforten. Was
hast du, Roter, gerade gemacht, als du erfahren hast, dass dein Verein den Bach
runtergegangen ist, wird man einmal unter Kumpels fragen. Ich, für meine
Wenigkeit hatte einen normalen Arbeitstag am Laufen, es war ja auch ein
normaler Montag. Ich hatte eine berufliche Besprechung und bat einen Freund von
mir, mich auf dem Laufenden zu halten, falls das Schlimmste eintreten sollte.
Es hat ja jeder Fan gewusst, dass es zur Fortführung des insolventen Vereis bis
zu Mittag 25.000 Euro brauchen würde. Mein Termin war vorbei und mein Freund
schickte mir kein SMS, ich war also guter Dinge, dass „mein“ Verein sich
zumindest noch auf der Intensivstation befinden müsste.
Ja Pustekuchen, nichts war mehr so, wie noch am Morgen. Rein
informativ schaute ich auf Facebook und die erste Nachricht war bereits von
Jakob Unt online. „R.I.P. mein über alles geliebter GAK. War eine tolle Zeit
mit dir.“ Das war so etwas wie ein Schlag in die Magengrube. Dumpf, aber mit
sehr viel Kraft dahinter. Ich spürte, wie sich in mir Tränen sammeln, konnte
sie aber nicht ablassen. Anstatt dessen verschickte ich in der Familie ein SMS:
„GAK tot“. Sonst nichts. Einige Minuten später rief mich meine Tochter an. Es
ginge ihr sehr schlecht. Meine Nachricht macht sie fertig. Ob sie den
Nachmittagsunterreicht gehen muss. Nein, musst du nicht, antwortete ich ihr. Sie
ging dann trotzdem in den Nachmittagsunterricht, ich wollte aber die
Entscheidung ihr selbst überlassen. Ich ging dann schnell einkaufen und fuhr
noch am Nachmittag in die Obersteiermark um die Gräber meiner Vorfahren für
Allerheiligen zu richten. Während der Autofahrt telefonierte ich mit Freunden,
die dasselbe Schicksal mittrugen. Jeder war überrascht, dass es dann doch so
schnell gehen kann. Aber auch von ihnen verlor keiner eine Träne, zumindest
nicht merklich.
Später am Abend saß ich dann in einem Bistro um die Ecke bei
mir zuhause, trank ein Glas Wein und sah auf meinem Smartphone die vielen
Facebook-Eintragungen. Ja, dachte ich mir, die kriegt auch nicht jeder, da ist
nun schon was fertig, aber so richtig spürbar war es für mich nicht.
Erleichterung spürte ich aber auch keine. Das einzige was passierte, war, dass
mir der österreichische Fußball von einem Moment auf den andere gleichgültig
wurde, auch der Stadtrivale verlor plötzlich sehr stark an Wert. Ich wollte
mich auch an keine tollen Spiele erinnern, auch nicht an das Lebensgefühl, das
meinem Verein innewohnte. In der Fußballlandschaft in meinem Kopf war nichts
als ein aussagloses Nichts. Eine Landschaft vor dem Urknall, wenn man so will.
Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass der GAK in den
letzten Jahren nicht immer durch die reine Liebe zum Verein am Leben gehalten
wurde, sondern durch ein Kalkül. Trotz aller Schmerzen, weil ein Verlust war es
ja, konnte ich nicht mehr darauf losheulen, sowie in dem Moment als der GAK zum
Zwangsabstieg verdonnert wurde, oder der knappe Sieg gegen Blau Weiß Linz vor
drei Jahren dennoch nicht zum Meistertitel reichte. Dieses Mal ist der GAK an
läppischen 25.000 Euro gescheitert, die als Fortführungskaution hinterlegt
werden hätten müssen. Das ist ungefähr ein 500stel von dem Budget, das der GAK
zur Verfügung hatte, als er in der Saison 2003/04 österreichischer
Fußballmeister und Cupsieger wurde. An 25.000 Euro zu scheitern, das ist einem
Verein mit dieser Vergangenheit nicht würdig und trotzdem ist es passiert. Das sind
die Ungerechtigkeiten im Leben. Mit einem großen Knall gehen, das wäre es
gewesen, am besten am Tag des Meistertitels. Dann wäre der Mythos wohl
überlebensgroß gewesen und uns Fans viel Enttäuschung erspart geblieben. Bei so
einer unsauberen Verabschiedung und so viel aufgestauter Wut bleibt uns nur
eine Möglichkeit: Neugründung im Jahre 2012. 2012 ist eh eine schöne Zahl. Fast
so schön wie 1902.
Und bis dorthin sind „wir“ jetzt einmal tot.
Live wird der Text am 04. Nov. 2012 um 19:00 in der Literatursendung auf Radio Steiermark/ORF gelesen.
Peter Pilz gehört ja zu den Guten, vor allem in der
linksliberalen Bloggerszene hat er den Nostalgiebonus, da einer wie Pilz
zumindest weiß, dass Trotzkismus nichts mit einer neubegründeten
Erkennungstheorie von Trotzhandlungen zu tun hat, sondern eine Variation vom
Stalinismus ist. Nö, der „ulkige“ Peter ist ein in die Jahre gekommener Alt68er
und sorgt sich in diversen U-Ausschüssen um den Staat. Faymann hat er leider
nicht in den „faymannschen U-Ausschuss“ über interessante
Inseratenzahlungenbekommen, dafür will
er jetzt, laut derstandard.at, den Stronach mit seinem „Team Stronach“ keinen
Clubstatus gönnen, weil sich dann Herr Stronach an den Vorzügen eines
Parlamentsclubs (und am Rubel) bedienen kann.
Klar, es ist ewig öd, dass man seinerzeit für das Liberale
Forum den flotten Weg ins Parlament freigemacht hat, weil sich Heide Schmidt
damals mit einigen Leidensgenossen von Jörg Heiders FPÖ losgesagt hat, der hat
dann wiederrum nach dem Krach in Knittelfeld die orange Partei gegründet, von
denen nun wieder einige zu Frank Stronachs „Bewegung“ kullern. Es bewegt sich
also tatsächlich einiges und so kann auch Frank mit einigen österreichischen
Journalisten nach Kanada jetten, um ihnen (zum 1000sten Mal) sein Reich zu
zeigen.
Beim Stronach-Landhaus in Kanada ist ein Stück Wald dran. Vielleicht
hat er seinen Journalisten-Freunden auch den Stein in seinem Wald gezeigt, von
dem er vor einiger Zeit in einem samstäglichen Ö1-Mittagsjournal berichtet hat:
„Da sitz ich dann oft nach dem Mittagessen und dänk nach, gäh?“ Ja was könnte
er denn nachgedacht haben, in der letzten Zeit: „How much penuts kostet mich
der Wahlkampf, wie bring ich das wieder rein und wie viel muss ich da jedem Abgeordneten
in die Hand drücken, dass sich so a Club für mich ausgäht?“ Und in dem Moment
wo man alle 5 Überläufer zusammen hat, kommt dieser Peter Pilz und will ihm
sein „G’schäft für Österreich“ vermiesen. „Wär is diesär Pilz?“, hört man ihn
schon durchs Telefon rufen. „Kann man den nicht auch kaufen?“ Aufpassen Frank,
nicht alle Pilze kann man kaufen! Und nach Kanada könntest du ihn auch nicht
mitnehmen. Dort werden Fundi-Fuzzis wie Pilz noch immer als Anarchos mit
ökoterroristischen Wurzeln gesehen und wahrscheinlich an der Grenze hops
genommen. Kann ja sein.
Also, jetzt wird’s ernst! Traf man ja letzten Samstag in der
Wiener City Herrn Niki Lauda. Erstens wollte ich mal machen ein Foto (weil Herr
Lauda so viel Zeit hat), dann mal checken ein Autogramm für meine nicht mehr ganz
so junge Tochter (weil Herr Lauda sicher gerne Autogramme unterzeichnet) und
dann musste ich ihm die Frohbotschaft verkunden, dass ich einen Text „Der Tag
an dem Niki Lauda starb“ verfasste und veröffentlichte. Dann hat mich Herr
Lauda erstaunt angeschaut und den Satz wiederholt. Könnte ja sein, dass er sich
verhört hat, hat er aber nicht. „Mhm“, sagte ich. „Und um was geht’s in den
Text?“, wollte er wissen. „Die Leute sind traurig und Blumen gibt’s auch“, antwortete
ich den Dingen entsprechend. „Das ist aber sicher nicht alles“, fragte er nach
und ich gab ihm Recht. „Stimmt! Etwas mehr Inhalt haben wir schon!“ Na ja,
jetzt geht am Montag das Büchl an den Herrn Lauda und schauen wir mal, ob der
den Tag seiner Himmelfahrt ähnlich sieht wie wir ihn sehen – kann ja sein! Aber
prinzipiell wollte man ja nix verheimlichen, denn auf seiner eigenen Wiki-Seite
ist das Buch unter „Literatur“ zu finden. Hat er halt bis heute nicht ganz
genau studiert, seine Wiki-Page, da Herr Lauda.
Veröffentlicht wurde der Text übrigens 2008. Zuerst im Magazin
Fleisch und danach in der edition keiper. Und wer sich über Nikis Himmelfahrt
überzeugen will, der geht am besten auf die Seite der edition keiper und liest
sich mal über Text ein. Viel Spaß. Niki!
Der Anfang vom Ende: GAK-Chaos Spiel um den Aufstieg in Hartberg. (Foto: Wanko)
In Weinzödl am nördlichsten Zipfel von Graz erzählt man sich
vor rund 10 Jahren schöne Geschichten, da fuhren die Bagger auf um ein
Trainingszentrum für den GAK hinzustellen. Heute, im Regen, zeugen zwar die
Bilder im „Vereinslokal“ noch von der glorreichen Zeit, immerhin holte der GAK
in der Saison 03/04 das Double. Doch heute, an einem regnerischen 16. Oktober sind
die Geschichten mitunter auch nicht so schöne – traurig sei es um den GAK
bestellt, das pfeifen sogar die Spatzen von den Dächern. Ein sechsstelliger
Eurobetrag soll offen sein, eine Mixtur aus Personalgeldern, Steuer- und
Pflichtversicherungsabgaben. Heute kommen (laut Bittmanns Rechnung) wieder
80.000 Euro hinzu und Einnahmen sind jetzt vor der Winterpause keine großen
mehr zu erwarten. Also wird Präsident Benni Bittmann tun, was jeder „vernünftige“
Geschäftsmann in seiner Situation tun würde: Er läuft zum Konkursrichter,
immerhin haftet er auch als Präsident mit. Hier wird nicht lange gefackelt
werden, da kommt auch die gestern bei der Generalversammlung schnell
geschmiedete Erste-Hilfe-Gruppe zu spät. Um jetzt nach den Ursachen zu suchen
ist mühsam und Menschen anzuprangern, die sehr viel für den Verein getan haben,
zahlt sich nicht aus. Tatsache bleibt, dass der GAK einmal mehr nicht mit der
Krise nach dem Fast-Aufstieg (und dem Chaos-Kick in Hartberg) umgehen hat
können.
Ganz unvorbereitet dürfte es für die Fans nicht kommen, denn
es soll schon einen Verein GAK-Neu geben, der zumindest auf dem Papier besteht
und prinzipiell als Auffanglager für Jungkicker dienen könnte. In der untersten
Spielklasse wäre laut Verband für ihn Platz. - Um den GAK noch zu retten, würde
man mit Sicherheit Sofortmitteln von rund 300.000 Euro brauchen und doch
einiges an Mitteln im Hintergrund haben müssen, weil halt Fußball immer mehr
kostet als man glaubt und halt auch unliebsame Überraschungen mit sich bringt. Und
ja, die Sponsoren sollten dann auch ihre Versprechen einhalten. Laut Bittmann
habe erst einer bezahlt. Ein Verein in den letzten Zuckungen hat eben keine
Freunde.
O.k., ich sage das einfach mal so voraus: Der GAK wird am 15.
Oktober bei der Generalversammlung nicht „eingerext“ werden. Es werden alle
Schulden von den Verursachern beglichen werden. Es sollten auch Zahlen daliegen,
die belegen, wie viel das letzte Jahr gekostet hat und wie sich die weitere
Saison gestalten wird. „Ausfinanziert“ heißt das im Klartext, ein Wort, das dem
GAK-Fan in den letzten Jahren immer leichte Herzbeschwerden mit sich brachte. (Für Thomas Murg soll der GAK einen sechsstelligen Euro-Betrag erhalten haben. Das Geld wird wohlweislich gut investiert worden sein.)
Wenn hier Gewissheit herrscht, dass keine Altlasten mehr
auftauchen können, die rein rechtlich an die Adresse in Weinzödl geschickt
werden können, muss es ja möglich sein, den Verein zu finanzieren. Ich weiß,
das waren viele Konjunktive, aber es hilft halt nix. Wie viele Sportvereine in
der Steiermark gibt es, zu dem über 2000 Menschen pro Veranstaltung freiwillig
hingehen? Na eben. Ein gewisser Werbewert und auch ein Image, dass man net ganz
„deppert“ ist, wären also gesichert. Also, wenn ein Herr, eine Frau wäre auch
einmal spannend, also wenn ein Mensch ein wenig in der Öffentlichkeit stehen
will, gewisse Qualitäten im Management hat und halt auch Cash mitbringt, oder
auftreibt, und sich auch gerne als Präsident oder Präsidentin ansprechen lassen
will, dann soll er oder sie sich bitte beim GAK melden. In Weinzödl wird man
nicht abgeneigt sein, ihm Gehör zu schenken. Und noch einmal, für die, die es
nicht begreifen wollen: In der Steiermark (und nicht nur dort) ist genug Geld
in sehr kurzer Zeit aufzustellen, ansonsten hätte beispielsweise der NHL-Star
Thomas Vanek auch nicht zu den 99ers geholt werden können.
Es musste ja sein, einmal kommt er zurück, zumindest
literarisch.
Mit dem Titel „Er ist wieder da“ kann auch im Anbetracht des
Covers nur einer gemeint sein: Adolf Hitler. Nun, der deutsche Autor Timur
Vermes lässt Hitler nach einem äußerst langen Schlaf – seit 1945 bis heute –
wieder erwachen. Hitler schaut noch ganz gut erhalten aus und hat, sofern das
möglich ist, noch nicht den Verstand verloren. Das macht ihn nach wie vor
gefährlich.
Der Unsägliche kehrt
zurück.
Der Autor lässt Hitler in Berlin in der Nähe des ehemaligen
Führerpunkers erwachen und führt ihn zu einem Kiosk, wo er einmal mit dem
Nötigsten versorgt wird. Hitler handelt sich weiter, von Station zu Station,
bis er in einer Talkshow landet und macht dort die Quote. Plötzlich steht auch
eine neuerliche Parteigründung im Hause. Natürlich geht man als Leser mit
Vorbehalt an die Sache ran. Immerhin ist Deutschland ein Staat mit einer
Verfassung und Gesetzen die besagen, was zu tun ist, taucht ein Kriegsverbrecher
aus dem 3. Reich wieder auf. Mitunter gibt es auch die EU die einschreiten
würde. So viel einmal zur Realität. Ansonsten lässt sich der Autor zu einem
„interessanten“ Experiment hinreißen: So lange jeder Mensch glaubt, es handle
sich um einen Hitler-Imitator, funktioniert das Spiel auf der Bühne wie im Leben,
sofern die Hitler-Masche als Kunst gewertet wird. Soll man nun dieses Buch
lesen? Ich glaube schon, da es ganz einfach offenlegt, wie schlimm es um unsere
Gesellschaft steht, dass der wohl bestialischste Diktator des 20. Jahrhunderts
auch nur eine Minute frei herumlaufen könnte und auch um zu sehen, wie
schlüpfrig und nach Quoten heischend unsere Medien heutzutage arbeiten. Manchmal
muss man auch lachen, nicht weil Hitler witzig ist, sondern weil der Autor Sinn
für Humor besitzt. Tatsächlich ist „Er ist wieder da“ eine Absage auf die
gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten 25 Jahre.
Werner Spies und die
Kunst des 20. Jahrhunderts
Dagegen liest sich „Mein Glück“ von Werner Spies wie Labsal
auf offene Wunden. Werner Spies lehrte in der Düsseldorfer Kunstakademie, war
Direktor des Museums für Moderne Kunst in Paris und war über 30 Jahre Paris-Korrespondent
und Autor der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er lernte auf sehr sympathische
Art die Großen seiner Zeit kennen. Max Ernst, Samuel Becket, Pablo Picasso und
viele mehr. Aus Werner Spies sprudeln Namen und Wissen wie aus einem niemals
versiegenden Quell. Spies brucht keine Absätze, er reiht Sätze aneinander, und
wird trotzdem nie einfältig: Sein subtiler Blick zurück in die 60er-Jahre, von
Eugène Ionesco über Nathalie Sarraute bis zu Jeanne-Claude und Christo, seine
Berichterstattungen darüber sind Meilensteine im Deutschen Feuilleton. Durch
seine sehr eigene Betrachtung der Kunst gab er dem Künstler und auch dem Leser
seit jeher viel zurück. Aber natürlich, viele Weggefährten Spies‘ haben bereits
das Zeitliche gesegnet, doch auch hier hält der Autor Contenance:Sein ungeschönter Blick in den Tod ist weder
lustig noch traurig, sondern stimmig und wie Spies‘ ganzes Leben, nicht ohne
Neugier.
Wa.
Timur Vermes: „Er ist wieder da“ 396 Seiten, Eichborn Verlag
Werner Spies: „Mein Glück“, 605 Seiten, Hanser Verlag.
Im März, noch vor der Parteigründung, Frank Stronak auf der KFU in Graz. (Foto: Wa.)
Otto Barić dürfte dem Großteil meiner Blogleser bekannt
sein. Er war oftmals in Österreich Trainer, unter anderem Meistermacher von Austria
Salzburg und Wacker Innsbruck. Fast noch bekannter machte ihn seine sehr eigene
Anwendung der deutschen Sprache, was ihm den Spitznamen „Otto-Maximale“
einbrachte, im O-Ton: „Wir missen spielen immer maximale“. Der ehemalige ORF-Sportreporter
Werner Sabath erzählte mir einmal, dass Barić
längst ziemlich gut österreichisch sprechen konnte, nur wandte er es nicht an
da sein Markenzeichen, das perfekte Jugo-Deutsch, längst zu seiner CI gehörte. Barić
wurde auch vom breitenwirksamen Kabarett gerne imitiert, ähnliches passiert
gerade dem Austro-Kanadier Frank Stronach. Er macht es der Szene auch nicht gerade schwer, alleine die Ansage, wo er sich bei seinem Haus in Kanada im Wald auf einen Stein setzt und meint, dass es das Leben gut mit ihm gemeint hat. (Ö1 Mittagsjournal, Sa. 29.09.12)
Aber Stronach ist jetzt kein Fußballtrainer, sondern ist Industrieller
der ins Parlament will und so wie sich zurzeit die Parteien auf Bundesebene
präsentieren, ist das gar nicht so unrealistisch. Irgendwie passt das zu
Österreich und wird die Meinung, Österreich sei eine Jugo-Republik, im Ausland
stärken. In keiner gestandenen Demokratie, wo auch ein gesunder Patriotismus
Platz haben muss, könnte ein „dahergelaufener“ Onkel aus Kanada so schnell an
Macht kommen und Einfluss gewinnen. Bleibt zu hoffen, dass Stronach wenigstens hinter
verschlossenen Türen ein vernünftiges Deutsch pflegt und einen kühlen Kopf bewahrt.
Das wird aber der Außensicht von Österreich nix bringen, denn
in gut einer Woche werden im Kärntner Köttmannsdorf, und nicht nur dort, fürn
Jörgerl wieder Kerzerln angezündet. Positiv, wenns nicht gerade um Fußball
geht, bleibt Dietrich Mateschitz. Im heutigen „Red Bulletin“, das zu seinem Medienimperium
gehört, werden die „20 hellsten Köpfe unseres Planaten“ vorgestellt. Mateschitz
ist nicht dabei – bei Stronach wäre ich mir hier nicht so sicher, ob er sich
nicht selber ins eigene Blatt hineinreklamiert hätte.
Michelangelo Pistoletto (li) im Gespräch mit Charles Esche. (Foto: Wa.)
Am letzten Tag des Herbst-Camps in der Thalia noch einmal
schnell vorbeigeschaut um den guten alten Michelangelo Pistoletto anzugaffen, einer
der Hauptbegründer der „Arte Povera“ und zumindest in Italien so etwas wie ein
Star. Er wurde im „herbst“ zum Gespräch „Leaving the ghetto of art“ geladen
war. Jetzt war ich aber nicht fad und nahm von zu Hause eine von ihm gestaltete
illy Dose mit, einige gestaltete er ja für die illy-art-collection, und ließ sie mir signieren. Das Motiv auf der Dose ist übrigens das
silberne Mittelmeer mit den angrenzenden Staaten, eh ein Klassiker. Wer Bock
auf Pistoletto hat, (und in Graz verweilt), der sollte sich beeilen. Bis zum
14.10. gibt’s ihn in der neuen Galerie zu bewundern, und ab geht die Post: Michelangelo Pistoletto
Im Radlgeschäft Rebikel improvisiert man: Vorne werden die Haare
geschnitten hinten verkauft man Räder.
Ok, also, als ich ein kleiner Junge war, hatte ich nur einen
Traum. Nö, nicht so, und vor allem nicht diesen Traum ;), aber vor drei Tagen
wollte ich es tatsächlich: Einen „English Haircut“ von einem English Haircutter verpasst zu bekommen,
und das in Graz. (Wir sind ja nicht München, wo das so locker geht).
Lewis Blissit, Friseur und Koch. Zurück in Großbritannien,
steht er wieder hinter den Kochtöpfen.
Geht nämlich jetzt auch in Graz, als Teilprojekt vom „steirischen
herbst“-Camp, und kosten tuts auch nix. Wo? Wenn man in die Kosterwiesgasse 5 geht, ins Radlgeschäft Rebikel und
Teil des Projekts „The Haircut Before The Party“ (THBTP) sein will. Der Haircut
ist übrigens for free. Dort geht man nicht einfach zum Friseur, sondern kommt
zum Quatschen über Politik und soziale Themen und das wollte ich. Demzufolge
quatschte ich mit Haircutter Lewis Blissit über Politik („Die Rechten haben’s einfacher, weil die Argumentationen einfacher
gestrickt sind!“), über Soziales (Ohne dem geht’s nicht, das wissen auch die gemäßigten Konservativen!)
und eh klar, über Fußball. Lewis ist Sheffield Wednesday Fan, obgleich er in Nottingham
aufwuchs. Warum er dann kein Fan von Nottingham Forest (oder Notts County) sei,
hat folgenden Grund: „Mein Vater war Shefield Wednesday Fan, also wurde ich es
auch. Mit Schal, Trikot und allem Drum und Dran. Wir besuchten auch alle
Heimspiele“, so Lewis, „war auch kein Problem, denn Sheffield ist bloß zwei
Stunden von Nottingham entfernt.“ Das nenne ich ziemlich anständig.
Wanko! (Noch vor dem haircut - andre Fotos folegen :)
Kurz noch zu meinem Haircut: Meine Wünsche waren ziemlich
einfach: „A real English Haircut“. Haircutter Lewis nuschelte etwas über Noel
Gallagher, was aber in Anbetracht meiner spärlichen Haar Tracht nicht so
einfach zu realisieren war, kurz wurde es aber trotzdem. Den „British Haircut“
gibt’s in der Klosterwiesgasse noch bis Donnerstag ... und zur homepage gehts hier!
Koche können kochen – aber eben nicht nur diese, sondern
auch Autoren greifen ganz gerne zum Kochlöffel, wie Julian Barnes, der aktuelle
Booker-Preisträger, in seinem ironischen Band „Fein gehackt und grob gewürfelt“
unter Beweis stellt. Jedoch mit dem Kochen ist das nicht so einfach, vor allem
wenn man wie Barnes ein Pedant ist.
Balsam für den
Hobbykoch.
Das Schöne ist, Barnes bekennt sich zum pedantischen Sein
und kann über sich selbst lachen. Dabei es ist gar nicht so fasch, als
Hobbykoch über den richtigen Umgang mit Kochbüchern zu klagen. „Eine mittlere
Zwiebel“, „etwas Mehl“, „eine Prise Salz“. Täte man einen Fahrschüler mit
solchen Angaben auf die Straße schicken, „nach Gefühl bremsen“ beispielsweise,
würde es oft krachen. Klar lacht hier der Profi, aber wenn Barnes schon mal
dabei ist auszuteilen, was in seiner Literatur eher selten vorkommt, dann geht
er auch ins Detail. Es werden, ohne sie beim Namen zu nennen, auch hierzulande
bekannte Fernsehköche durch den Kakao gezogen, gleich wie echte Starköche und
ihre Lokale. Barnes geizt auch nicht mit Hinweisen um Katastrophen zu
vermeiden: Der Amateurkoch sollte niemals nach Rezepten mit Fotos kochen,
welche meistens gestellt sind und das Desaster des Hobbykochs so richtig sichtbar
machen. Das Fazit aus dieser launischen Lektüre, die auch fernab von Moden einen
Hauch altenglische Küche mit sich bringt, ist sowohl trefflich als auch
tröstlich: Auch ein Desaster am Herd kann fein schmecken!
Venedig, des Kochs
Dorado.
Ob man Donna Leons Krimis mag bleibt Geschmackssache, ihre
Aufzeichnungen über Venedig, zum Beispiel „Kurioses aus Venedig“, sind auf alle
Fälle sehr fundiert. Auch nicht von schlechten Eltern ist ihr neu aufgelegtes Buch
„Bei den Brunettis zu Gast“. Hier wird in knappen Romanauszügen daran erinnert,
welche Speisen Commissario Brunetti gerne isst. Zum anderen porträtiert die
Autorin Venedig, gar nicht so unkritisch, von der kulinarischen Seite und
stellt dabei auch einige Venezianer vor. Aber wenn es ums Kochen geht, ist die
Autorin nicht eitel und überlässt es der Venezianerin Roberta Pianaro. Und die
kann traditionell kochen, sage ich jetzt einmal.
Schön werden hier alle Gänge durchgekocht, auch getrennt
nach Fleisch, Fisch, oder vegetarisch kann man kochen und das ohne sich jetzt
einem hohen Schwierigkeitsgrad auszusetzen. Natürlich kann diese literarisch
angereicherte Rezeptsammlung auch im Kontext der Geschichte Venedigs gelesen
werden: Das Buch spiegelt so nebenbei Venedigs Reichtümer der alten Zeit
wieder. Als Handelsstadt war ja Venedig seit jeher mit allen nur erdenklichen
Speisen und Gewürzen in Kontakt, dementsprechend vielseitig sind die Gerichte.
Getestet haben wir sie auch: Donna Leons Leibgericht zum Beispiel, das
Kürbisrisotto. Benissimo! Also, um dieses Buch zu schätzen, muss man Brunetti
nicht heißlieben. Könnte einem fasst die Idee kommen, Brunetti literarisch,
also rein fiktiv, aus dem Leben zu ballern ;-).
Scotch Bonnet red, so schön, so scharf, mit Whisky hat er aber nix zu tun. (Foto: Wa.)
Ohne Cilli geht nix mehr.
Ok, ich geb’s zu, Marillenpalatschinken mit Cilli habe ich
noch nicht versucht, wäre aber auch eine Versuchung wert. Diese schönen
Exponate hier am Bild habe ich vom Kollegen und Kumpel Mike Markart geschenkt
bekommen – Scotch Bonnet Red. Ursprünglich aus der Karibik und echt wow. In der
Scoville-Skala befinden sie sich nicht zu Unrecht im oberen Drittel und der
Gaumen reagiert zu Beginn „überrascht“, springt wie eine Flipperkugel durch
sämtliche Galaxien und dann meint er einfach: Hey Alter, ziemlich hot!
Baumpflege ist nützlich, aber Vorsicht, auch Ö. Horvath wurde vom Ast erschlagen ... (Foto Wa.)
Der Herbst kommt und die Bäume werden kürzer, nicht nur in
Graz. Ich dachte mir insgeheim immer wieder, da sind die Baum-Sadisten
unterwegs, weil die Bäume nach dem Stutzen erbärmlich ausschauen, als ob sie dem
Touristen die Urlaubsfotos verderben wollten. Stimmt natürlich nicht: Kluge
Menschen haben errechnet, dass die Baumkronen gestutzt werden müssen, weil sie
sonst unter ihrer eigenen Last zusammenbrechen würden. Zum Verständnis: Das ist
irgendwie so, als ob dem Menschen die Haare geschnitten werden müssen, damit er
nicht unter dieser Last zusammenbricht. Natürlich geht es hier um nicht mehr
ganz stabile Bäume wie die Rosskastanie. Und trotzdem müssen auf Grund des
Denkmalschutzes in Parkanalgen wieder Kastanien nachgepflanzt werden. Verstehe
ich nicht. Vor 200 Jahren hätte man da vermutlich gscheiter reagiert: Kastanie
geht nicht mehr, zu viel Autostinke und depperte Milben, also weg damit.
Pflanzen wir halt Birken oder so.
Der Jakominiplatz, immer Problemaplatz.
Ein paar Schritte weiter befindet man sich am Jakominiplatz.
Ich habe schon immer gesagt, der Jakominiplatz in Graz hat ein hässliches
Gesicht, zumindest seit der Nachkriegszeit. Daran konnte bis heute niemand
etwas ändern. Seit jeher ist er ein Dorado für junge und nicht mehr so junge
Rohrkrepierer. Eine Ansammlung von Fastfood-Ketten macht dieses Problem jetzt gerade
nicht einfacher. Bis jetzt hatte man von gewissen Jugendlichen zumindest in den
Geschäften im Steirerhof halbwegs eine Ruhe. Klar, die Jungs müssen wo hin, man
kann sie ja nicht zu Hause verstecken: Klar, müssen die wo hin: Beispielsweise
in eine Hacke und sei es Sozialarbeit – gerade im Sozialbereich kann man Jobs
finden, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht. Die Jungs launisch durch die
letzten Geschäfte am Platz spazieren zu lassen, alles angreifen und blöde Witze
machen lassen? Ja sicher, aber nicht im Steirerhof am Jakominiplatz in Graz.
Der liegt immerhin im 1. Bezirk (in Graz) und nicht im 12. Bezirk (in Wien). Die
Verkäuferinnen fühlen sich überfordert und auch desillusioniert. Und unten schlurfen
die Parkwächter und schauen ob der böse Autofahrer nicht eine Minute über die
Zeit steht. So wird man das Problem nicht lösen und die Innenstadt nicht wieder
beleben können.
Der Bursch zeigt die Zunge, sehr frech halt. Mädel neben ihm:
Unbeeindruckt.
Klar, es gab auch jüngere Bands wie Kraftklub, The XX, oder
Frittenbude aber trotzdem, eher ältere Semester wie The Cure, Tocotronic und
Bob Mould dominierten die vier Tage Frequency vergangener Woche.
„Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“, der epochale
Tocotronic-Hit, der sich auf ihrer ersten CD „Digital ist besser“ aus dem Jahr
1995 befindet, war schon immer eher mit Augenzwinkern zu verstehen, aber
trotzdem: Die Herrn von Tocotronic hatten auf Frequency 2012 schon weißes Haar
angesetzt, grau meliert, wie es höflich heißt, und das Publikum auch: Ältere
Buben mit seltsamen Pagenköpfen und ältere Mädchen mit nach wie vor ungesunder
Gesichtsfarbe stiegen so von einem Bein auf das andere oder wippten mit - so
war das halt noch im letzten Jahrtausend üblich. Und die Musik, abseits der
Hitparadenverblödung, verbreitete damals sehr oft eine Art unterschwellige
Skepsis, schön, diese Nostalgie noch einmal live erleben zu dürfen. Dazu passten
auch Noel Gallagher’s High Flying Birds, die leider nur mit Noels alten Oasis-Hits
punkten konnten, sowie die Düsterromantiker Placebo, die, als Hauptact am
Donnerstag, bereits nach einer Nummer abbrechen mussten. Der Lead-Sänger fühlte
sich nicht wohl, oder ähnliches.
Keine Sorge, kein Flashback, oder so: Die Star-Wars Mannen waren
leibhaftig. Tochter gesellte sich zu ihnen.
Aber dennoch und zum Glück handelt Frequency mit gemischter
Kost. Jan Delay & Disko Nr.1 gaben heuer das, was Seeed letztes Jahr taten,
sie machten große Stimmung mit Soul aus allen Jahrzehnten, da lachte das
Publikum von einem Ohr zum anderen. Und klar, Frittenbude, die Krawallpoeten,
die trotz scheinbar fortgeschrittenem Alkoholkonsums punktgenaue Sätze
inklusive Genetiv zusammenbrachten, St. Etienne, für mich die ultimativen
Blondie-Nachfolger und interessanter Weise weniger The XX, die bei ihrer
Österreich-Premiere ihren Keyboard-Pop nicht ganz ausbreiten konnten. Dafür
überraschten auf einer Nebenbühne die japanischen Techno-Performer Siro-A, die
sehr schön das Zusammenlaufen von Visuals, Samples und Live-Performances verstanden.
Gut so! Wer braucht dann noch die altehrwürdigen Begründer des „schönen
Leidens“, The Cure, Helden des 80er-Jahre-Gothic-Rocks? Die Jugend nicht, sie
verdünnisierte sich tröpfchenweise – auf, auf zur flotten DJ-Line in den Nightpark!
Text: Martin G. Wanko (Vorarlberger Nachrichten, 20. Aug. 2012) Alle Fotos: (c) M.G. Wanko
Die Everglades aus Niederösterreich in St. Pölten an der
Traisenau. Ohne Krokos, dafür mit joggendem Wa. - Gruselig genug ;-)
Füße aus dem Kofferraum hängend, selten ein gutes Zeichen für den Fußträger ...
Nein, das Auto wo die Füße aus dem Kofferraum heraushängen,
gehört nicht mir und es gehörte auch nie mir und liegt jetzt auch nicht sehr
zufällig am Grunde der Mur.
Das Auto (und die Füße) gehörte zur Grazer La Strada Produktion
„Land’s End“ der belgischen Formation „Berlin“. War ein schön-schauriger
Theaterabend im Reinighausareal, was sich übrigens wunderbar für Kunst- und
Kulturveranstaltungen eignet.
Dodge 426. Vermutlich aus den 1970er-Jahren, oder noch älter...
Eine der größten Irrtümer junger Menschen ist, dass Auto fahren ein ganzes Leben lang läsig sein wird. Auto fahren ist ja als erwachsener Mensch schrecklich fad.
Erträglicher wird es, wenn man während der Fahrt fotografiert. Wahrscheinlich gibt’s
darauf auch eine Strafe, ähnlich dem Telefonieren mit dem Mobiltelefon. Egal,
der Dodge 426 musste einfach auf der Heimfahrt von Bregenz nach Graz in München
festgehalten werden. Klasse Gangster-Kübel!
Bei dieser Fahrt trafen wir auch einige Boliden, die an der englischen
Crumball Rally teilnahmen, die im weiteren Verlauf auch auf den Kontinent führt.
Die Crumball Rally ist eine Rally für private Freaks, die ihre Boliden nach
Autos in berühmten Filmen, oder sonst wie herrichten. Warum ausgerechnet die
Briten einen Golf fahren müssen, weiß kein Mensch, vielleicht weil der Mini
auch schon zu BMW gehört, aber trotzdem: ein Golf voll mit einer Grasmatte
verkleidet, das muss man erst einmal haben. Wahrscheinlich aber nicht in Graz, weil
wenn da nächtens Betrunkene vorbeigehen, kann das Auto leicht als Wischel-Wiese
verwechselt werden …
Pastis-Wirt Klaus wie ihn nicht viele kennen. (Foto:Wa)
Das Pastis in der Leonhardstraße in Graz ist mein
Stammlokal. Mit guter französischer und mediterraner Küche verwöhnen der Wirt
Klaus Hofer und sein Team meinen Gaumen, und ja, verdurstet bin ich dort auch
noch nie. Letztens ging der Kellner Jürgen mit strahlenden Augen auf mich zu:
„Ich habe gestern mein erstes Tennismatch gewonnen!“ Ich gratuliere, dachte mir
aber noch nichts dabei, doch im Laufe des Abends begann ich mich doch zu
informieren: Früher war Klaus im Ausdauersport unterwegs. Er hat etliche
Marathons hinter sich und schaffte zwei Mal den Iron Man in Klagenfurt: „Ich
wollte einmal einen anderen Sport betreiben und habe vor zwei Jahren zum
Tennisspielen begonnen.“ Trainiert wird er übrigens vom ehemaligen Tennisprofi
Oliver Fuchs.
Um dem Ganzen einen gewissen Ernst zu verleihen, gründete er
mit seinem Team und einigen Stammgästen den TC Pastis und bestreitet nun in der
untersten steirischen Tennis Liga, der 4. Klasse (Herren 4. Klasse KL4 D), die
steirische Mannschaftsmeisterschaft 2012. Hier stellt sich in sieben
Begegnungen heraus, wer nun dem steirischen Tenniskeller entschlüpfen darf und
wer unten bleibt. Um eine eigene Lizenz wollte man noch nicht ansuchen, sie
kostet immerhin 700 Euro, also tritt der TC Pastis unter den Fahnen des noblen
TC „Das Belvedere“ an. Eine gute Adresse übrigens, denn im Belvedere bereitete
sich Thomas Muster auf sein letztes Comeback vor. Am Samstag wurde es dann
ernst, es stand die Begegnung gegen den SV Don Bosco bevor, ein Spiel auf
höchster Ebene sozusagen, denn die Jungs vom Pastis sowie die Don Boscos haben
beide ihre ersten vier Begegnungen gewonnen und rittern um die Tabellenführung.
An so einem Tennisnachmittag sieht man neun Begegnungen, davon sechs Einzel und
drei Doppel, jedes Spiel auf zwei gewonnene Sätze. Schiedsrichter braucht es
dazu keinen, man einigt sich gütig.
Der Platz bei den Don Boscos. Nicht unlustig.
Samstagnachmittag, die Sonne gleißt und auf dem Autoblech
hätte man durchaus Spiegeleier braten können. Langsam nähere ich mich dem
Jugendzentrum Don Bosco, am Ausläufer der Südbahnstraße im Westen von Graz. Es
riecht nach Gegrilltem und einige nicht mehr ganz so junge Herren stehen mit
Bier herum und rauchen. Ich frage nach den Tennisanlagen. „Da hinten!“ meint
einer und weist mir den Weg. Im rückwärtigen Bereich des Jugendzentrums ist
eine kleine Tennisanlage mit zwei Plätzen. Spielt man die Bälle zu hoch, rollen
sie auf die vielbefahrene Alte Poststraße. Acht Stahlstühle sind am Rand der
Plätze aufgestellt, aber außer einer alten Dame, die sich bald zurückzieht,
will sich das keiner antun, es ist, wie gesagt, viel zu heiß.
Rechts im Eck hinter
dem vorderen Platz sitzt ein kleines Grüppchen, ich erkenne bereits Jürgen und
Klaus, hinter ihnen sitzen auf Holzbänken und Tischen die engsten Fans der Don
Boscos, sie haben Jause dabei und trinken Cola, Bier oder Rotwein aus
Plastikbechern. Auch Klaus hat sich bereits eine Zigarre angeraucht und hält
ein kühles Blondes in seiner Rechten. Aber der Schein trügt. „Das schaut jetzt
vielleicht ganz locker aus, aber sportlich werden die Begegnungen durchaus
ernstgenommen, da kommt keiner angetschechert auf den Platz.“ Es herrschen auch
wie im großen Tennis Benimmregeln: „Da gibt es kein Fluchen und kein Spucken.“
Gerade jetzt haben die Don Boscos wieder ein Spiel gewonnen. Vom Jausentisch
der Don Boscos kommt ein lautes, aber doch nebensächliches „Bravo!“ und schon
wird weitergetratscht. Ich frage Klaus nach dem Spielstand. „Heute schaut’s
nicht gut aus“, meint Klaus, „bei uns fehlen zu viele Stammspieler.“ Klaus und
Jürgen bereiten sich auf ihren Einsatz vor. Doppel ist angesagt. Jürgen und
Klaus rackern, obgleich sie schon wissen, dass heute der TC Pastis kein Leiberl
mehr hat. Doch alles Bemühen wird nicht belohnt. Aber Klaus wird nicht
aufgeben, er hat ein hehres Ziel: „Ich muss mein erstes Match erst gewinnen!“
Kropsch in Sorge, Walluschek-Wallfeld besorgt ;-) Foto: MG. Wanko
Stirbt schon net da Bua, er tut nur so! ;-))) Foto: M.G. Wanko
Theater Quadrat präsentiert: „Der Tag an dem der Euro starb“, von Martin G. Wanko.
Welturaufführung.
Premiere: Sa. 28. April 2012 um 20:00 Uhr.
Ort: Lazarettgürtel 60 (Gegenüber vom Citypark)
„Der Tag an dem der Euro starb“ ist die 16. Uraufführung eines Stücks von Martin G. Wanko. Mehr über Wanko erfahren Sie unter: www.m-wanko.at
Inhalt: Auf einer Jägerhütte der Frau Minister in den idyllischen Bergen treffen sich ein Sekretär aus dem Finanzministerium, sowie eine Psychologin und ihre Assistentin. Ein verlängertes Wochenende mit allem was dazugehört ist geplant. Ein Deal muss gefeiert werden. Doch im Tal geschehen merkwürdige, beunruhigende Dinge. Die alte Ordnung scheint sich aufzuheben, die Jägerhütte der Ministerin entpuppt sich als Gefängnis.
Premiere: 28.04.2012 um 20:00 Uhr.
02. 05. 2012 um 20:00 Uhr
04. 05. 2012 um 20:00 Uhr
05. 05. 2012 um 20:00 Uhr
11. 05. 2012 um 20:00 Uhr
12. 05. 2012 um 20:00 Uhr
13. 05. 2012 um 20:00 Uhr
18. 05. 2012 um 20:00 Uhr
19. 05. 2012 um 20:00 Uhr
20. 05. 2012 um 20:00 Uhr
Regie: Werner Halbedl.
Mit: Alexander Kropsch, Paula Perschke, Ute Walluschek-Wallfeld.
Karten & Infos: 0681-101130006 sowie unter
theater-quadrat.at
Was ist geiler, Fußball oder Kabarett spielen: Beides gleich, solange man nicht davon leben muss.
Wie ist das, wenn man plötzlich für immer aufhört zum Kicken?: Vollbremsung, von 100 auf null. In deinem vorigen Job haben dich 100 % Leute gekannt, in deinem jetzigen nur 5%.