Tuesday, January 07, 2014

Silvesterlauf Graz: Ahonen musste mal groß und Medaillen gab’s zu wenig!

Wanko und die Monster.              Foto (c) W. Kühnelt
 

Der Silvesterlauf in Graz ist ja immer eine Gaude. Erstens tut man sich selbst da superviel Gutes, weil man nach 10 km Laufen einfach den ganzen Abend lockerer ist. Manche trainieren sich so ein paar Pfunde ab, die sie in den Feiertagen zugelegt haben, aber trotzdem: Bei 1200 Läufern (Teilnehmer-Rekord!) sind echt einige Mozartkugeln, Bierkisten und Sektflöten dabei, die mal fürs erste einen 1000 m (Meter!) Lauf machen sollten. So halten sie halt alles auf. Aber voll wuascht, das Wetter hat gehalten, der Regen kam erst danach. Brav so!


Irgendwie scheint Laufen auch immer mehr eine Familienangelegenheit zu werden. Hans ist zum Bespiel mit dem 9 Monate alten Felix unterwegs gewesen, sportlich mit Kinderwagen. „Zum Graz Marathon hat der Kleine noch nicht mitdürfen!“ Und auch Hunde waren dabei. Ja, warum auch nicht, wenn sie keinem im Weg stehen, denke ich mir. Super war der Retriever „Ahonen“, der während des Laufs eine Runde Scheißen hat müssen und so den Herrl um eine bessere Zeit gebracht hat. Ob der Herrl das Sackerl fürs Gackerl dabei gehabt hat, will ich heute einmal nicht so genau wissen. Egal! Kurios war, dass es dieses Jahr zu wenig Medaillen gab, und manche so ohne Erinnerungsmetall in die Silvesternacht mussten. Dazu Organisator Rudi Hinterleitner: „Es waren einfach zu viele Nachnennungen, tut uns leid! Jeder, der uns ein Mail schickt, bekommt eine nach Hause geschickt.“ Leicht skurril, aber gut, denke ich. Graz entwickelt sich wirklich noch zur Run-City! (die Mail zur Medaille: silvesterlauf@kleinezeitung.at)

 
Wa.

Monday, December 02, 2013

Schon schön schnelle Autoren!


Zwei neue Romane beleuchten bloß einige Stunden.
Douglas Coupland macht es vor: Sein Roman „Spieler Eins“ umfasst eine Zeitspanne von genau fünf Stunden, dann ist Schluss. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn in nur fünf Stunden soll die Erde untergehen. Witzig-knackig fährt er mit „Spieler Eins“ in den Weltuntergang – oder gibt es doch eine Rettung?

 

Retro Cover, und so.


Science-Fiction im Anmarsch

Zum Inhalt: Fünf Personen befinden sich in einer öden Bar in der Nähe eines Flughafens. Alle haben dasselbe Problem: Sie finden ihr Leben zum Wegwerfen und pfuschen daran herum. Natürlich rechnen sie nicht damit, dass sie kurzerhand von der Zukunft überrollt werden. Eine Giftgaswolke ist im Anflug, die Menschen verbarrikadieren sich und ein unorthodoxer Scharfschütze schießt sich langsam auf die fünf Gäste ein. Dieser Roman kann schon was! Er spielt mit dem Sinn des Lebens, driftet aber nicht in die Esoterik-Ecke ab; eher ist er eine intelligente Abhandlung der Realität mit einer Nuance Zukunft. Coupland kokettiert schon länger mit Science-Fiction-Themen, das tut ihm gut. Jedoch ereilt ihn einmal mehr das Schicksal des One-Hit-Wonders: Sein Debüt „Generation X“ bleibt nach wie vor unerreichbar. Und darum wird er sich wohl wieder einmal in den Arsch beißen!

 

Ben Fountain macht schon gut Sache!
 
 Ein bösartiger Cocktail

Der Autor Ben Fountain ist in „Die irre Heldentour des Billy Lynn“ auch nicht länger als einige Stunden am Geschehen dran. Er begleitet die „Bravo-Squad“, acht amerikanische Kriegshelden aus dem Irakkrieg, einen Nachmittag lang. Die acht Soldaten haben ein waghalsiges Manöver mehr durch Glück als durch Verstand gewonnen. Fox-News drehten zufällig mit und binnen Stunden waren Kriegshelden geboren. Als Propaganda-Maßnahme werden die Jungs nun auf eine aberwitzige Blitz-Tour durch die USA getrieben, um danach wieder an die Front zu müssen. Der Autor beschreibt die letzten Stunden vor der Rückkehr in den Irak. Es ist der angebrochene Thanksgiving Day in Dallas, an dem die „Bravo-Squad“ als Stargäste zum Footballspiel der Dallas Cowboys geladen sind.
 
Hammer und bam, bam!

Wir stehen vor einem absolut dichten Roman zwischen Medienkultur, Popkultur, Kriegsbericht, Größenwahn, Familientragödien, Sex, Erniedrigung und tatsächlich Spaß. Das alles auf einmal, und trotzdem in großer Gelassenheit geschildert – ein amerikanischer Albtraum der feinsten Sorte. Im Prinzip ist dieser Roman eine atemberaubende Mischung aus Don DeLillos „Unterwelt“, Bret Easton Ellis „American Psycho“ und von mir aus such Norman Mailers „Die Nackten und die Toten“. Das Aushängende an der „Irren Heldentour“ sind die Normübertretungen. Der Krieg verkommt zur Show, und der Autor mixt daraus einen genial grausamen Cocktail aus Lust, Ekel, Gier und Angst. Ach, so geil! Dabei bin ich mir nicht einmal sicher, ob man in den Staaten die Verrücktheit dieses Romans in seiner Gesamtheit realisiert, ist man doch zu nahe am Geschehen.


Wa

Douglas Coupland: „Stunde Eins“, 246 Seiten, Tropen Verlag

Ben Fountain: „Die irre Heldentour des Billy Lynn“, dtv

Sunday, November 03, 2013

Krimis zwischen Bits, Bytes und Beat!






Dan Jordan ist ein anerkannter Geschäftsmann, der in einer gehypten IT-Firma in Silicon Valley groß abzockt. Aber er hat vom turbulenten Leben die Schnauze voll und sehnt sich nach etwas Ruhe für sich und seine Familie. Er hat auch einen passablen Plan: Nach Ablauf der Sperrfrist will er seine auf einen gigantischen Gewinn angewachsenen Firmenaktien verkaufen. Drei Tage fehlen noch zu seinem Glück, doch dann geht’s Schlag auf Schlag: Gekündigte IT-Spezialisten erpressen ihn, hinzu kommt ein bulliger Glatzkopf, der ihn verfolgt, und schließlich ist da Jordans Frau, die ihn zu einer Sextherapeutin schleift.


Bizarr und skurril

Krimis über wuchtig wachsende Technologiekonzerne gibt es tatsächlich schon einige. Selten sind sie jedoch so temporeich und zugleich mit unvorhersehbaren Wendungen ausgestattet wie „Cash Out“ von Greg Bardsley. Besonders gut gelingt es dem Autor Silicon Valley und die ganze IT-Branche in äußerst schlechtem Licht darzustellen. Es scheint der Ort zu sein, wo ohne jegliche moralische oder ethische Komponente nach Lust und Laune agiert werden kann. An skurrilen Charakteren und bizarren Handlungssträngen mangelt es der Story nicht, einziger Wermutstropfen ist das etwas zu seichte Ende.  Die Abrechnung hätte gewaltiger ausfallen können. Ein paar Tätschen mehr aufs Maul wäre schon gut gewesen. Solche Abrechnungen sind doch fein zu schreiben!
 



Während Greg Bardsley gemäß dem Webzeitalter einen äußerst temporeichen Thriller hinlegte, besann sich William Shaw auf die Tradition des klassischen Krimis, der dadurch sehr gut in das Swinging London der 1960er-Jahre hineinpasst. Aber no Panic, das Ding ist nicht verschnarcht. Kurz zum Inhalt: Ein Mädchen wird in einem Hinterhof tot aufgefunden, keiner kennt dessen Identität, ein Sexualverbrechen wird nicht ausgeschlossen. Detective Breen muss den aussichtslosen Fall übernehmen und seine junge Kollegin Tozer soll ihn dabei unterstützen. Das Verbrechen wurde in der Nähe der berühmten Abbey Road Studios begangen und schon bald findet sich das zu Beginn sehr unglücklich agierende Polizisten-Duo in der Beatles-Szene wieder. Ein pikantes Detail am Rande erschwert die Arbeit: Tozers jüngere Schwester wurde ebenfalls tragisches Opfer eines Sexualdelikts und die Ermittlerin ist darüber noch nicht hinweggekommen.


Ungeschöntes London

Shaw scheint die Swinging Sitxies in London zu kennen wie seine Westentasche. Häppchenweise lässt er die wilde Zeit einfließen und spart nicht mit Fakten, beispielsweise der Verhaftung von John Lennon wegen illegalen Drogenbesitzes. Der Autor bleibt jedoch nicht in den pulsierenden Vierteln hängen, sondern zeigt auch den farblosen Osten der Metropole und ihre mürrischen Bewohner in der noch lange nicht verebbten Nachkriegszeit. William Shaw ist ein Meister der Charakterzeichnung, weiß trotz aller Behutsamkeit zu überraschen und schickt die gesamte Hippie-Gesellschaft auf einen sehr lesenswerten Horrortrip.

Wa.

 

Monday, October 07, 2013

Wankos Sponsor: Jobland Steiermark!

Ein Lachen, ein Wanko!



Die einen wollen keinen, die anderen kriegen keinen, andere haben wiederrum sehr viele und ich wollte genau einen und habe nun einen: Einen Sponsor, sozusagen meinen Hauptsponsor. HURRA! Mit meinem Stirnbandsponsor auf dem Schädel werde ich die nächste Zeit den Laufschuh schwingen! Much thanx to Jobland Steiermark. Auf dem Link erfährt ihr mehr. jobland-steiermark.at

Jobland Steiermark – welcome on board!

Wa.


Thursday, September 19, 2013

Der vermisste Fan!

Update!




Zum Stand der Dinge: Fünf Runden gespielt und der GAC ist Tabellenführer. Vor 10 Jahren waren wir das übrigens auch und gelegentlich kommt noch leichte Übelkeit hoch, wenn man diesen oder jenen international oder national tätigen Spieler sieht, aber lassen wir das lieber, bald wird man auch auf diesen Ebenen nichts mehr mitbekommen ;) Das ist aber auch die Chance. Von der absoluten Nicht-Wahrnehmung zurück ins Zentrum zu gelangen. Aber langsam. Nicht nur das zu weite Zurückschauen sorgt für Übelkeit, sondern auch das zu weite Nachvorschauen. Immer schön am Boden bleiben, in der 1. Klasse ist das nicht so schwer ;) und Schritt für Schritt bzw. Liga für Liga zurückkommen. Unmöglich, denkt man sich manchmal, aber einen 3000er erklimmt man auch nur Schritt für Schritt – oder auch nicht. Sonst wäre das Leben nicht interessant und der Fußball schon gar nicht. Frei nur Mut: Tritt eine Katastrophe ein, wird die nächste ausbleiben, wackeln wir halt weiter.
 
 
Stimmig!




Zum Spielerischen: Ja mei, der Wemmer ist der Wemmer und der Micelli ist der Micelli und es ist doch sehr gut, dass wir mit Kreisl einen sehr stabilen Tormann haben. Dass man da oder dort etwas tun wird müssen, weiß auch Herr Plasenegger. (Dass der jemals in den GAK-Gesang aufgenommen wird, hätte er sich vor zehn Jahren auch nicht gedacht, aber vielleicht hat ihm das ja vor vielen Jahren ein Orakel vorhergesagt;) Wir werden da einmal eine Runde mit ihm laufen gehen, dann kann er uns das ja verraten. Ich freue mich aber schon besonders auf die Einsätze von den ÖFB-Spielern Hafner, Rath, Dielacher, Kastner und Co. - das wird sicher im Publikum für Interesse sorgen!

 
The Fan!



Zum Fan: Wir! Waren! Schon! Mehr! Aber waren wir jemals so geil? Ich weiß eh, würde es eine „0. Klasse“ oder „minus 1“ geben, hätten manche auch eine Freude, weil dann wären wir beim Innenhof-Kick mit Balkonlogen. Und mir persönlich reichen ja zwei Spiele im Monat, die Auswärtsspiel streiche ich, so gut will ich die Graz-Umgebung auch nicht kennenlernen. Aber: Wir! Waren! Noch! Nie! Geiler! Die Spreu vom Weizen hat sich getrennt und wäre mehr Publikum erlaubt, es würden auch mehr kommen. Aber jeder hat so einen Fan um den es ihm irgendwie leid tut, dass er nicht mehr zugegen ist, obgleich er eigentlich dorthin gehört: Meiner ist Martin Z. Jeder weiß, um wen es geht. Es gibt wenige, die in der Vergangenheit mehr für den Verein getan haben, das Kurzzeitgedächtnis kann man ja jetzt mal auf allen(!) Seiten ausblenden. Also Martin, Karte kaufen und hingehen, wird schon nix passieren!


Wa.



Wolfgang Kohlfürst: Von Katar nach Graz, zum GAK, wohin auch sonst?
 
 
 


Kabarettisten-Gilde: Pichler, Sick, Lukas … einer ist kein Roter ;)
 

 Fotos und Text: (c) Wa.


Wednesday, September 04, 2013

Donald Ray Pollock: „Knockemstiff“ – der Hawara!



Allein der Name ist schon geil! Donald Ray Pollock. Dass Knockemstiff der Name eines Kaffs ist auch. Aber dazu ein paar Zeilen später. Kurz der Steckbrief zum Dichter: Keine fertige Schulausbildung, Arbeit in einer Fleischfabrik, als Lastwagenfahrer und einige Nebenjobs mehr – so schaut der Haberer auch aus, sag ich jetzt nur so nebenbei. Mit dem Nachholen des Schulabschlusses kam die Lust am Schreiben. Letztes Jahr erschien sein vielbeachteter Roman „Das Handwerk des Teufels“, jetzt wird das eigentliche Debüt des Autors nachgereicht: „Knockemstiff“. Übersetzt heißt das so viel wie „Haut sie alle zusammen“. Der Titel deutet schon stark auf die Inhalte der Kurzgeschichtensammlung hin, aber in Ohio gibt es wirklich einen Ort, der diesen Namen trägt. Absurd: Knockemstiff liegt heute als Geisterstadt brach, das aber nicht erst seit Pollocks Buch.

Ziemlich viele Leichen, und trotzdem: Kein Krimi!

Im Buch ist Knockemstiff ein kleiner Ort im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten, der nicht einmal ein anständiges Restaurant besitzt und dessen Bewohner ein tristes Leben führen. Der schüchterne Bobby muss seinem Vater beweisen, dass er ebenso ein Schläger ist; ein anderer Bobby kämpft bei einem Familienbesuch gegen einen Rückfall in den Alkoholismus an; Hank traut sich die verschärfte Tina nicht anknabbern und hofft schlussendlich auf die Zusendung eines Bildes, das eine Reisefotografin von ihnen macht. Hier sind viele kleine Geschichten zu einem lockeren Konvolut vereint. Es scheint so, als hätte der Autor die Literatur zu alten, traurigen Tom-Waits-Songs verfasst. Er schreibt im Jargon seiner Protagonisten und vermeidet es tunlichst, sich über sie lustig zu machen, dosiert jedoch auch sein Mitgefühl. Auf der Suche nach (gar nicht so) modernen, griffigen Kurzgeschichten sollte man beim alten Pollock mal haltmachen.

Wa.

Donald Ray Pollock: „Knockemstiff“, 255 Seiten, Liebeskind Verlag.


Tuesday, August 06, 2013

Marc Fischer: Die Sache mit dem Ich

Absoluter Chiller, würde man heute sagen.


Die am hellsten leuchtenden Magazine sind die, die sich nicht überleben, und nach ihrer Zeit sang- und klanglos untergehen. Das interessanteste Magazin der letzten 30 Jahre, das diesen Weg bestritt, hieß „Tempo“, welches unsinnige Dinge sinnig beschrieb und umgekehrt. Im Nachhinein schauen ja solche Magazine immer ein bisschen peinlich aus, und man geniert sich manchmal, darin geblättert zu haben, aber die Riege der Autoren, die dem Blatt entsprangen, geben der Existenz des Magazins Recht: Christian Kracht, Helge Timmerberg, Rainald Goetz, Moritz von Uslar war einer, und Marc Fischer, um den es heute geht, war im Tempo Reporter und entdeckte die Reportage für sich. Fischer brachte ziemlich viel gekonntes Rauschen und Flattern in den Blätterwald, aber das war einmal, denn Marc Fischer schied 2011 als 40-jähriger freiwillig aus dem Leben. Jetzt sind seine beeindruckenden Reportagen in Buchform erschienen. Titel: „Die Sache mit dem Ich“
 



Die neue Art des Schreibens

 

Zugegeben, das Eis brach der US-Autor Truman Capote schon 1950, als der die damals noch junge und frische amerikanische Rock n‘ Roll und Filmkultur samt ihren Stars zum Thema seiner Kolumnen machte. So locker wie Capote schrieb und schreibt kaum einer: Die Autoren erfanden die Reportage neu, die persönliche Sicht der Dinge vermischte sich mit den Ereignissen, der „New Yournalism“ war geboren. Im deutschsprachigen Raum lange verpönt, war Marc Fischer einer der Eisbrecher für die Erneuerung hierzulande. Liest man nun seine pfeffrigen oder auch feinsinnigen Reportagen, glaubt man bei den Yes Man, David Lynch, Kate Moss und Jennifer Lopez mit am Sofa zu sitzen. Das unheimlich Geschmeidige an den Fischer-Reportagen ist jedoch, man muss die Stars glücklicherweise nicht kennen, und dennoch merkt man um was und vor allem wie sich die Welt in dem Moment dreht. In diese Gespräche schrieb er ein Körnchen Selbsterkenntnis, streute kluge Sätze zwischen manch banale Antwort, damit der Kitt die Reportagen schön zusammenhält. Aber es geht nicht nur um Stars, sondern auch um Gegenden, oder kluge Storys über das Rauchen oder die Liebe. Wer also Reportagen liebt, ist bei Fischer gut aufgehoben. So ganz nebenbei: Es passt im Bücherregal sehr gut zu Moriz von Uslars „100 Fragen“.

 

Marc Fischer: „Die Sache mit dem Ich“ (288 Seiten, Kiwi)

 

Wa. (Blog 5)


Monday, July 29, 2013

Hi Stirnband-Sponsor!




Schön, dass wir uns auf diesem Wege kennen lernen. Ich bin begeistert, dass du dich entschlossen hast, mich zu sponsern. O.k., ich gebe schon zu, es gibt esprirtreduziertere Breitensport-Wahnsinnige, die ihre Kilometer runterspulen, da hast Du schon Recht. Sicher hast du auch mein FB-Profil Wanko on FB betrachtet, kommt doch gut, oder? So bist du dann recht schön platziert auf meiner Birne. Darauf wäre ich gleich stolz wie du, in echt! Dazu kann man Dir nur gratulieren! Kann schon sein, dass einige deiner Friends darüber rätseln, warum Du Dir den Scheiß mit mir antust, aber dann hast Du eigentlich schon gewonnen, denn Rätseln hat mit Denken zu tun und schon denken deine Haberer wieder über Dich und deine Firma nach, und schon bist du wieder auf der Überholspur.






Ich finde Dich mutig! Nicht jeder hätte sich für mich entschieden. Da sieht man wieder einmal, dass du ebenfalls ein Freigeist bist und anständig Feuer im Arsch hast! So gesehen passen wir ausgezeichnet zusammen. Aber im Grunde kannst Du entspannt bleiben, ich heize weder deine Firma ab, noch erscheine ich unangemeldet auf deinen Dinnerpartys, dreh mit deinen Kids keine Tüten und erzähle deinem Partner keine allzu dreckigen Witze, außer dich schärft das. ;)







Wir haben einfach eine coole Geschäftsbeziehung. Ich laufe und du zahlst. Du erzeugst lässige Produkte und ich pusche dich! Am besten meldest du Dich unter meiner E-Mail (martin.wankoÄTinode.at), dann können wir das Restliche bei einem Kaffee bequatschen. Oder drehen wir doch eine Runde! Nö, nicht mit Deinem Porsche, wir machen das hübsch mit unseren Haxen. Da kommen uns sicher noch gute Ideen! Ich glaube wir werden noch viel Spaß miteinander haben, fad wird uns auf alle Fälle nicht werden und unsere Zukunft wird grandios! Ähm ... falls Du es doch nicht so gut findest, mein Sponsor zu sein, macht das auch nix! Wir machen Anti-Sponsoring: Du rückst die Kohle raus und ich mach einen großen Bogen um dein Unternehmen, schon gell?
 
Wa.

Sunday, July 28, 2013

GAC: Die neue Braut in alten Kleidern.

GAC/GAK Foto: Wa.


Es gibt „etwas“ nicht mehr, aber es gibt „es“ doch. Klingt wie ein Stephen King Roman, die Rede ist jedoch vom GAK / GAC, in den letzten Jahren eh auch eine kleine Horrorgeschichte, doch mit der Vergangenheit muss sich „aktiv“ nicht der GAC herumschlagen, das kann ein Vorteil sein.

Gestern, erste Runde, im sogenannten Steirercup. Der Gewinner erhält die Einladung zum ÖFB-Cup im darauffolgenden Jahr. Der GAC könnte das gebrauchen, ist er ja in die letzte Klasse abgesackt, die trügerisch 1. Klasse heißt. Vor fast genau 10 Jahren spielten „wir“ um den Einzug in die CL gegen Ajax Amsterdam, sag ich einfach so dazu, ganz wertungsfrei.

Gestern gewannen wir gegen TuS Raiffeisen Rein, gegen eine höher-ligrig spielende Mannschaft mit 1:0. Das Tor schoss unser Italo-Legionär Marco Micelli. Nein, von Italien kommt er doch nicht, Micelli ist ein waschechter Steirer mit Regionalligaerfahrung. Italo-Legionär klingt aber gut, ein bisserl glitzern wird man wohl noch dürfen, auch in der 1. Klasse.

Wie war das also gestern, so von Fan zu Fan? Super, viele bekannte Gesichter wieder gesehen zu haben, und einige Freunde kommen im Herbst sicher noch dazu, die Hammer-Hitze um 16:30 war jetzt nicht gerade einladend und und und … . Ganz originell ist, dass nun tatsächlich die „internen Lieblingsfreunde“, die SPS (Sitzplatzschweine) und die SPS (Stehplatzschweine) nichts mehr mit einander zu tun haben, da sie durch separierte Eingänge voneinander getrennt sind. Wenn jetzt tatsächlich noch VIP-Stehplätze kommen, so wie es kolportiert wird, hätte das auch schon wieder was.

Aber wie war das gestern so von Fan zu Fan so in echt? So ganz ehrlich? Es war befremdend, aber nicht scheiße. Befremdend ist, dass das TZ nicht Liebenau ist, ein Neuanfang nun mal ein Neuanfang ist und der Kader sich erst mal einen Namen machen muss. Ein bisserl eine neue Braut ist es halt dann doch, da kann noch so viel GA“K“ gesungen werden. Die Situation selber ist auszuhalten und schlussendlich zu akzeptieren. Haberer Michael Papsch hat es auf den Punkt gebracht: „Es wird wieder gespielt.“ Das ist schon sehr viel, für einen Verein, den es gar nicht mehr gibt und nun doch wieder gibt.

 

Wa.

Saturday, July 13, 2013

Dringende Leseempfehlung!






David Vann hat mit „Dreck“ einen der härtesten aber zugleich auch eindringlichsten und wahrscheinlich wichtigsten Romane der letzten Zeit geschrieben. Irgendwo in Kalifornien, ein Nest, eine übergroße Wahlnussplantage, eine abgewrackte Villa, die große Vergangenheit der Familie ist nicht einmal mehr ansatzweise spürbar. Der junge Galen ist 22, sehr unselbständig, sehr sonderbar und so nebenbei spirituell veranlagt. Er lebt mit seiner Mutter in der klapprigen Villa, genaugenommen von einem Fonds, der der Aufrechterhaltung des Hauses dienen soll. Die beiden werden von der Tante und der aufreizenden Cousine besucht und langsam wird klar, dass die Besucher eine Rechnung mit ihnen offen haben. Ein Ausflug zum familieneigenen Ferienhäuschen lässt die Situation entgleiten.

Der absolute Hammer

Mord und Totschlag gleich von der ersten Seite weg. Kälte, Inzest, Habgier, Missgunst, Betrug, Gewallt – die Liste könnte unendlich sein: Aus diesen Ingredienzien formt der US-Autor David Vann eine Geschichte, eine magische Geschichte über eine Familie, die in den letzten Zügen liegt. Ein großer Vorteil dieses Romans ist, dass der Autor nicht erklärend auf den Leser einwirkt, sondern die Dinge so beschreibt, wie sie nun mal sind. Er lässt der Geschichte in aller Brutalität aber auch in aller Sensibilität freien Lauf. Die Sprache ist den Situationen angepasst, mitunter auch ein Härtefall, das kann man jetzt mögen oder nicht, aber 2013 muss es einfach möglich sein, sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen. „Dreck“ ist hiermit eine dringliche Leseaufforderung.

Wa.

David Vann: „Dreck“ 297 Seiten, Suhrkamp Verlag. 



Sunday, June 16, 2013

Das wilde Land Amerika wird neu erforscht

Die Großstadtsümpfe und wahre Sümpfe - zwei Autoren suchen sie auf.




Die Großstadtsümpfe und wahre Sümpfe - zwei Autoren suchen sie auf.

 

Joe R. Lansdale begibt sich in das Hinterland von Texas, weit vor unserer Zeit. In der atemberaubenden Geschichte „Dunkle Gewässer“ erzählt er über das Schicksal einer kleinen Bande, die aus einem Dorf Reißaus nimmt. Am Anfang steht hier ein Mord an der hübschen aber ärmlichen May Lynn, die grausam massakriert im ortsnahen Fluss versenkt wurde. Ihre Freundin Sue Ellen und zwei Kumpels finden, dass May Lynns Traum nach Hollywood zu gehen, wenigstens nach ihrem Tod in Erfüllung gehen sollte, indem sie ihre Asche in die Stadt der Träume bringen wollen. Ein kühnes Vorhaben, ist man doch wirklich im letzten Nest, in den Sümpfen von Texas beheimatet. Plötzlich finden sie in May Lynns Tagebuch eine Schatzkarte, und eine abenteuerliche Reise durch ein raues Land beginnt.

 

Abenteuer und Soap gemischt

Auf den ersten Seiten des Buches fühlt man sich in einen Roman von Donald Ray Pollock hineinversetzt, dem neuen Star der ungeschönten historischen Darstellung der Vereinigten Staaten. Äußerst präzise wird hier von der Ich-Erzählerin, der jungen Sue Ellen, geschildert, welche Gegebenheiten es mit dem Ort und den ansässigen Familien auf sich hat. Würde es nicht die junge kraftvolle Stimme Sue Ellens erzählen, die viel Wind und auch Komik in die detailverliebten Grausamkeiten bringt, müsste man wohl einige Male schlucken. Doch Mord und Totschlag verlieren sich immer mehr, übrig bleibt eine nicht unsympathische Geschichte über einige Ausreißer. Der Autor bleibt hier sehr gut in der Zeit der Industrialisierung, schreibt die Story aber in Form einer modernen Abenteuergeschichte, mit viel Augenzwinkern. Er entdeckt für sich die Kraft des Trivialen, der Soap, des Kitsches. Das mischt er geschickt in die Geschichte hinein, es nimmt ihr dadurch den bitteren Beigeschmack einer literarischen Sozialstudie und macht sie so geschmeidiger und die Charaktere vor allem menschlicher. Auf den Punkt gebracht, ist „Dunkle Gewässer“ eine Parabel des Verzeihens, ohne aber zu sehr wie ein Lehrstück zu klingen.

 

Paul Austers lässt grüßen

E. L. Doctorow ist hier wohl schon abgebrühter. Er zählt zu den großen amerikanischen Autoren und bringt mit „Alle Zeit der Welt“ ein Buch mit Kurzgeschichten heraus. Im Fokus stehen die Großstadtsümpfe und ihre Skurrilität. Ein Mann verduftet aus seiner Familie, beobachtet einige Zeit ihr Treiben, um schlussendlich doch wieder aufzutauchen; ein Amerikaner ohne nennenswertes Einkommen ehelicht eine Immigrantin, um zu Geld zu kommen und verliebt sich in sie; der Autor lässt den Leser auch in die nicht minder interessante Welt eines geistig Abnormen hinein – vielleicht liegt es daran, dass manche Storys schon etwas abgewetzt sind, denn schlussendlich kommt man dem Autor zu schnell auf die Schliche und hat eine Ahnung wie die Geschichten ausgehen. Das ist jetzt nichts Schlechtes, schmälert jedoch die Freude am Lesen. Trotzdem: Der Freund an soliden amerikanischen Kurzgeschichten, die eine Spur nach Paul Austers früheren Werken klingen, sollte sich E. L. Doctorow nicht nehmen lassen.

 

Martin G. Wanko

 

Joe R. Lansdale: „Dunkle Gewässer“, 320 Seiten, Tropen Verlag.

 
E. L. Doctorow: „Alle Zeit der Welt“, 348 Seiten, Kiepenheuer & Witsch

Sunday, May 19, 2013

The Living Desert – two American novels.


Gleich zwei Autoren haben ihre Romane in der Wüste angesiedelt.



Dave Eggers ist so etwas wie ein großer Abenteuerliterat in der Neuzeit. Seine Geschichten umspannen oft den ganzen Globus. Dieses Mal landet er an der Küste von Saudi-Arabien, wo mithilfe der neuesten IT-Technik aus den USA für den amtierenden König eine moderne Metropole aus der unendlichen Wüste gestampft werden soll. „King Abdulah Economic City“, so der protzige Name, doch außer ein schmächtiger Büroturm und ein moderneres Beduinenzelt steht noch nichts, weit und breit, als die vier Amerikaner ankommen. In dem Zelt müssen nun der 54 jährige Geschäftsmann Alan Clay und seine drei jungen Kollegen aus der IT-Branche warten, bis hier etwas passiert. Wacklige Internetverbindungen, überhitze Luft und ein König, der auf sich warten lässt: Schlechte Aussichten für Alan, der diesen Mega-Deal sehr dringend benötigt, denn zu Hause kann er sich nicht einmal die Universitätsgebühren für seine Tochter leisten – ein Mann am Abgrund.
 Vom Fahrrad in die Wüste
Wie kaum ein anderer zeitgenössischer Autor schafft es Dave Eggers in „Ein Hologramm für den König“ aus dem Vollen zu schöpfen, also auch heutzutage noch ein Werk zu schreiben, das die große amerikanische Erzähltradition in sich birgt und das literarisch eher spröde Thema „Wirtschaft“ zum Leben erweckt. Herauskommt eine packende Globalisierungsgeschichte, die den Verlauf der amerikanischen und auch europäischen Wirtschaft anhand vom Schicksal des Romanhelden erzählt: Alan Clay war ein guter Verkäufer, er hatte auch das Gespür für den Menschen, bis er mit Produktionsdeals in Osteuropa und China seine Fahrradfabrik in einer irritierenden Freiwilligkeit an die Wand fuhr. Und nun ist er sprichwörtlich im Treibsand angelangt, den Arabern mit ihrer traditionellen Gelassenheit und auch Willkürlichkeit ausgeliefert. Der Druck wächst, auch von seinen mitgereisten jungen Kollegen, denn schlussendlich ist er für den Deal verantwortlich. In der vielen Zeit die ihm bleibt, die Zeit in der Wüste muss man einmal totschlagen können, erzählt er mosaikartig, wie er in diese schier ausweglose Situation geschlittert ist. Und hier entpuppt sich der Autor als herangereifter Erzähler, der den Leser mit einer beträchtlichen Zufriedenheit zurücklässt.
 Blühende Bäume und hässliche Granaten
Liest man Dave Eggers Geschichte doch mit der Lust einen fiktiven Roman in den Händen zu halten, ist Kevin Powers Werk „Die Sonne war der ganze Himmel“ dem Genre Kriegsrealismus zuzuordnen, trotz der präzisen literarisch hochwertigen Landschaftsbeschreibungen, der Wüste im Irak, sowie des aufkeimenden Frühlings. Es ist ein authentischer Erfahrungsbericht eines jener jungen Soldaten, die man vor rund zehn Jahren in das Verderben schickte. Eine Gesichte zwischen Schuld und Unschuld, zwischen Wahrheit und Lüge, sehr gut aufgeteilt in elf zu unterschiedlichen Zeiten spielenden Kapiteln.
Kevin Powers, selber als Soldat im Irakkrieg, schreibt sich die Geschehnisse von der Seele, eine Stimme also aus der letzten „Lost Generation“, der zu wenig Gehör geschenkt wird. Es geht hier um die tragische Freundschaft zwischen den Soldaten John Bartle und Daniel Murphy. Der schrille Ton der Mörsergranaten, der Geruch vom verbrannte Fleisch gefallener Soldaten und dazu als Kontrastbild die im Frühling blühenden Bäume, Bilder die man aus vielen Antikriegsromanen kennt. Aber dennoch ist die Intensität seiner Sprache erfrischend, die Mischung aus Abgebrühtheit und literarischem Feinschliff.
Wa.  
 
Dave Eggers: „Ein Hologramm für den König“, 348 Seiten, Kiepenheuer & Witsch
Kevin Powers: „Die Sonne war der ganze Himmel“, 239 Seiten, S. Fischer
 







Thursday, May 02, 2013

Unglaubliche Geschichten und andere Wahrheiten





Absurdes Moldawien

 „Zuckerleben“ von Pyotr Magnus Nedov spielt im skandalgeplagtem Berlusconi-Italien der letzten Jahre, dort  ist der Moldawier Tolyan Andreewitsch mit seinem Kleinbus auf der Autostrada unterwegs, hat viele Träume im Kopf, ist sich nie sicher, ob er nun hier auf Erden ist, oder im Universum und plötzlich sieht er vor ihm zwei Personen auf der Autobahn liegen. Wagemutig bremst er ab - so beginnt die verrückte Gesichte über 40 Tonnen zu Schnaps verarbeiteten Zucker, die den Leser auf geradem Weg in den Zerfall der Sowjetunion bringt. Aber es geht jetzt nicht um schon oft geschriebene Metropolen-Storys, sondern der Autor wühlt in der Hinterwelt des ehemaligen Imperiums: In Moldawien. Fazit: Durch Nedovs Roman kann man nochmals dieses unglaublich spannungsgeladene Chaos in der Zeit des Umbruchs nachvollziehen und das lässt die EU-Krise angesichts dessen fast schon als lächerliche Kleinkrämerei verkommen. Die Krise als Permanentzustand sozusagen, die der Autor ausgezeichnet ins neue Jahrtausend zu übertragen weiß. Eine harte Story mit Biss und Herz!

 Hamburg von außen

Einmal im Leben muss man ein Buch von Heinz Strunk in die Hand genommen haben. Heinz Strunk gehört zu den guten Seelen in Deutschland, die schon absolut auf Freak sind - Musik machen, Schauspielen, moderieren und schreiben - aber das mit großer Konsequenz und Leidenschaft. Strunk ist tatsächlich ein leidenschaftlicher Mensch, seine Lesungen seien besser als seine Bücher, meinen böse Zungen. Sein größter literarischer Hit war bis heute das autobiographisch angehauchte Buch „Fleisch ist mein Gemüse“. Ebenfalls hitverdächtig ist sein neuerster Roman „Junge rettet Freund aus Teich“.
Es geht um die Kindheit und die Jugend von Mathias Halfpape, so auch der bürgerliche Name von Heinz Strunk, am unscheinbaren Rande von Hamburg. In einem Satz: Grausam schön und ganz und gar ohne Mitleid geschrieben. Eine deutsche Jugend in den 60ern, sage ich einmal, wo Fußball im Hinterhof, Schwimmen im Freibad und Kriegsgeschichten vom Opa die großen Highlights sind. Der Leser weiß natürlich, dass die Idylle nur trügt und eine Lawine namens Leben im Laufe des Buches über sie hinwegfegen wird. Das macht aber zugleich den Reiz des Romans aus, indem Heinz Strunks Romanheld Mathias natürlich nichts über den nächsten Morgen weiß. Es passiert also den ganzen Roman so ziemlich wenig. Alltägliches eben und der Autor hat auch diese bestimmte Qualität, einen Hauch von der gestrigen Welt einzufangen. Ob das nun wirklich ein absolut tragfähiges Konzept für einen ganzen Roman ist, sei dahingestellt, der Autor wollte es nicht anders und dieses Statement hat eigentlich auch schon wieder etwas an sich.
 
 Wa.

Pyotr Magnus Nedov: „Zuckerleben“ 368 Seiten. DuMont.
Heinz Strunk: „Junge rettet Freund aus Teich“ 282 Seiten. Rowohlt.

Friday, April 26, 2013

Bruno Wildbach: coast

Hier Bruno Wildbach (li) bei seiner Vernissage mit Künstlerkollegen und Freund Markus Wilfling. (Foto: Wa.) 


Den Maler Bruno Wildbach sollten Sie kennen. Wenn schon nicht persönlich, dann erlaube ich mir dringlichst, Sie darauf hinzuweißen, in der Galerie Artepari vorbeizuschauen, um Wildbachs Bilder zu bewundern. Bis zum 25. Mai haben Sie noch Zeit.


Galerie Artepari

Sunday, March 31, 2013

14 km/h ist ja nix!



Weil unsere Silvesterläufe (Wanko Und der Wolf) so lustig waren und noch zum vielzitierten Wetter passen, hier nochmals der Link! 14 kmh ist ja nix!



Wa.

Saturday, March 30, 2013

Über Stars und Wiederentdeckungen.

Tom Wolfe machte journalistisch Weltkarriere, Sylvia Plath starb nach ihrem Debüt
Von mir aus soll es auch nur ein Marketingstreich gewesen sein, aber ein bisschen Wahrheit klebt bekanntlich an jeder griffig heruntergebrochenen Idee. Zusammen mit Norman Mailer, Hunter S. Thompson und Truman Capote war er das Flaggschiff im New Journalism der 1960er-Jahre, der vom strengen Reportagestil abdriftete und mehr schriftstellerische und emotionelle Elemente in die Storys hineinbrachte. War aber so, und war zumindest eine gute Schule für den eigenen Stil. Es dauerte bis 1987, als Tom Wolfe endlich sein erstes fiktives Werk herausbrachte, „Fegefeuer der Eitelkeiten“, in dem er die damalige Yuppie-Generation unter Lupe nahm. Acht Jahre ließ er sich für seinen aktuellen Roman „Back to Blood“ Zeit, so gesehen sind 767 Seiten auch kein Wunder.

Flüssiger geht’s kaum

In „Back to Blood“ geht es grundsätzlich um den Alltagsrassismus in den USA, ausgerechnet im Urlaubs- und Rentnerparadies Miami. Ein Polizist mit kubanischen Wurzeln verhaftet einen Flüchtling, der sich auf einem Schiffsmast, kurz vor dem rettenden Ufer, verbarrikadiert hat. Kaum erledigt, beginnt das Problem eigentlich erst. Bei der sehr starken Anti-Castro-Fraktion ist der Junge einmal unten durch, für die Weißen hingegen ein Held, aber deshalb auch nicht einer von ihnen. Und schon wird er wie eine Flipperkugel durch halb Miami geschossen, weil die Wahl vor der Tür steht und der Polizist, der eigentlich nur Polizist sein wollte, nun zum Spielball von Strategen wird. Natürlich, den Roman kann man auf die Hälfte runterschmelzen, oder zu zwei Büchern verarbeiten. Aber Tom Wolfes Sprache dafür nicht! Trotz hohem Alter sprudelt der Herr, dass es nur so eine Freude ist und vor allem, er lernt auch selbst gerne dazu. Man sieht durchaus, wie er den Schmiss der doch jüngeren Krimi-Kollegen wie James Ellroy oder Don Winslow in seinen Stil einfließen lässt. John Updike hin, Philipp Roth her, Tom Wolfe bleibt der bunte Hund im weißen Anzug, der Dandy mit dem genauen Blick, aber vor allem ein Autor, der nie altmodisch erscheint.

Feine Blicke auf New York

Sylvia Plath – ja traurig ist der Leser eigentlich schon vor Beginn des Buches, denn die Autorin nahm sich 1963, kurz nach dem Erscheinen ihres Debüts „Die Glasglocke“ das Leben. Dabei hätte sie ähnlich wie ein Tom Wolfe, eine Susan Sonntag oder auch eine Carson McCullers das Zeug für viel mehr gehabt.
Plath siedelte ihre „Glasglocke“ im Herzen von New York an. Ein Duzend Mädchen aus ganz Amerika gewinnt ein Volontariat bei einem Hochglanzmodemagazin. Während sich ein Großteil der Mädchen freut wie die Mäuschen und naturgemäß eine Living-is-easy-Stimmung an den Tag legt, kann sich Esther noch nicht so richtig mit der Situation anfreunden. Kurz gesagt, sie hat einen anderen Blick, reagiert auf Kleinigkeiten, das Wetter, die Architektur, in Summe wächst in ihrem Kopf alles zu einem bedrohlichen Dschungel zusammen. Je mehr sich vor ihr die Welt entfaltet, desto mehr treibt es Esther in eine dunkle Ecke – Dramatisches folgt. Fazit: Ja die Frau konnte schreiben, sagenhaft. Prägnanter Stil, großartige Metaphern. Alles gut dosiert. Dem Leser bleibt hier nichts zu wünschen übrig – außer, aber ich will’s ja gar nicht mehr sagen, schauen Sie doch mal aus dem Fenster raus …
Wa.

 
Tom Wolfe: „Back to Blood“, 767 Seiten. Blessing Verlag.

Sylvia Blath: „Die Gasglocke“, 262 Seiten. Suhrkamp Verlag.



Friday, March 08, 2013

Sick, Sick, Gernot Sick!

Der (Fußball)Krabarettschaftsbund: Hannes Toth, Gernot Zenz und Gernot Sick Foto: (KB)



Es ist immer wieder erstaunlich, wohin sich Menschen entwickeln. Vom Kicker zum Künstler ist so ein Beispiel. (Abgesehen von Eric Cantona kenne ich niemanden, der diesen Weg einschlug, gibt’s aba sicher noch einige, blah, blah …) Meistens enden beim Kicker die künstlerischen Ambitionen bei der Autobiographie, ist vielleicht auch besser so, die sind ja net Kicker geworden, um danach eine Karriere als Künstler einzuschlagen. Trotzdem, einen hat’s ins Kabarett getrieben, Gernot Sick (35), seines Zeichens jahrelanger GAK-Mittelfeldspieler, Meister-Kicker, Cup-Winner und zweifacher Nationalteamspieler, gegen Nordirland und England: „Ich bin einer der wenigen Kicker, die im Nationalteam eine positive Bilanz hinbringen“, sagte er dem Wa. mal lustig, launisch im Gespräch. So ist es auch nicht so weit hergeholt, dass der Autor Gernot Sick nach dem ersten Kabarett „Die runde Wahrheit“, im zweiten Kabarett mit „Immer wieder Österreich“ auf Fußball setzte.
Zur Premiere war auch einige Prominenz zu Gast. Z.B.: Ex-Sturm-Kicker Mario Haas, heute im Management-Bereich des Vereins tätig, weiß schon um was es hierbei geht: Er grüßt alle, die auch nur eine Sekunde in seinen Blickfang geraten. Das war auch nicht so schwer, weil Haas kommt ja nicht, er versucht trotz aller Zurückhaltung, zu erscheinen. (Übrigens, nicht so ganz unähnlich einem gewissen Toni Ehmann.) Joachim Standfest war auch dort, der grüßte aber fast niemanden, hätte jedoch alle Möglichkeiten dazu, weil mit seinen Vereinen GAK-Austria-Sturm-Kapfenberg  ist Standfest schwer segmentabdeckend. Aber egal, der Abend konnte beginnen und die Spielbude im Cafe Stockwerk war übervoll.

„Immer wieder Österreich“ - um die Nationalmannschaft ging’s also. Mit auf der Bühne Hannes Toth (spielt den Kicker. So gut Kicker-Lachen kann sonst niemand auf Österreichs Bühnen) sowie Gernot Zenz (auch ohne Vorkenntnisse kann man ins Kickkabarett einsteigen). Am besten funktioniert es jedoch, wenn Geront Sick singt. Irgendwie steht dem Herrn noch eine Karriere bei der österreichischen „Bloudhound Gang“ ins Haus. So ein ganz trockenes „Fire Water Burn“ würde Sick schon hinkriegen. Zurück zum Kabarett: Die Story in einem Satz: Am Anfang gewinnt das Österreichische Nationalteam, dann verliert es und das mündet in persönliche Tragödien. Das kennen wir ja von irgendwo, oder? Daneben schöne Geschichten: Hübsche Wortspiele wie „Zutritt verboten“ (zu dritt verboten). Das kann schon was, in aller Härte. Bravo! In Summe muss man sagen, dass die Truppe den Kick in Halbzeit eins für sich entschieden hat und in Halbzeit zwei nach Hause gespielt hat, nicht ohne die Bänder, also die Stimmbänder zu schonen.

Schneller Blick in die Zukunft: Wie könnte es nun in Teil 3 weitergehen? Also, bleiben die Herren dem Fußball treu, würden mich die privat-beruflichen Kickergeschichten von Herrn Toth und Sick interessieren. Vielleicht gibt’s hier noch ein paar nette „Underdog-Storys“ von Kollegen dazu, also weit weg vom (scheinbaren) Glanz und plötzlich ist man dann in einer Sache drin, die sich zwischen Schauspiel und Kabarett, zwischen Anmut und Brutalität einpendelt.  Aber bis es so weit ist, spreche ich die dringliche Empfehlung aus, den Kabarttschaftsbund in Sachen Fußball zu besuchen. Und hier geht’s zu den Terminen: Link. Kabarettschaftsbund - Termine

Wa.

Monday, February 11, 2013

Jakob Arjouni 1964-2013


Signierstunde bei seinem Graz-Auftritt.
 
 
Jakob Arjouni verstarb vor einigen Tagen an Krebs. Sein Krimiheld lebt weiter.
Mitten in den 1980er-Jahren veröffentlichte Jakob Arjouni seinen wahrscheinlich wichtigsten Roman, einen Krimi mit dem treffenden Titel „Happy Birthday, Türke!“ Der Titel verspricht schon viel, was den Roman ausmacht. Der Privatdetektiv Kemal Kayankaya ist osmanischer Abstammung, wurde jedoch von deutschen Pflegeeltern in Frankfurt adoptiert. Kayankaya kann kein Wort türkisch, seine Emotionen sind jedoch sehr südländisch und von der Frankfurter Gesellschaft wird er oft als vermeintlicher Ausländer von oben herab behandelt. Eine schwierige Ausgangslage also, die jedoch für Kayankaya-Romane ein solides Fundament bietet. Fünf Krimis mit dem schwierigen Helden sind es geworden, die Vergleiche mit Chandler und Hammnett waren ausnahmsweise nicht gedankenlos dahingesagte Floskeln, sondern stimmten. Das alles in einer Zeit, wo „Türken-Krimis“ noch nicht en vogue waren. Nebstbei: Sein erster Kommissar hieß Futt, ihm gefiel das irgendwie, in Österreich, erzählte er mir bei seinem Graz Auftritt - vielleicht nicht ganz passend zu seiner Würdigung, aber es war halt so.

2001 erschien mit „Kismet“ sein bis dorthin letzter Kayankaya-Krimi, der Autor wollte sich nicht pausenlos auf das Fach Kriminalliteratur reduzieren lassen. Er verließ das hartgesottene Frankfurter Milieu und landete mitunter in Paris, wo er mit Chez Max einen futuristischen Geheimdienstroman, oder im deutschen Mittelstand, wo er mit „Hausaufgaben“ wohl einen der trockensten Romane über Macht und Machtmissbrauch schrieb. Seine Stimme war eindringlich, da kritisierte einer, aber eben nicht mit dem Zeigefinger und ohne geheuchelte Moral. Mit „Bruder Kemal“ kehrte er 2012 zu seinem Alter Ego zurück. Aber der vormals rüde Privatdetektiv wirkte ausgeglichener, hatte so etwas wie einen Lebensplan und sah die Unterwelt nicht mehr als sein Wohnzimmer. Rückblickend ist verständlich, warum der Autor nochmals bei „seinem“ Detektiven vorbeischaute: Der Autor verstarb mit 48 Jahren in Berlin.


Wa.

Alle Romane mit größerer Auflage erschienen im Zürcher Diogenes Verlag.

Wednesday, February 06, 2013

9 Fragen an Elli.


Elli Andersen & David Watts on Turntables. Foto: Stefan Lozar.


Elli kommt aus Graz. Sie ist so etwas wie die Mutter der Szene. Elli, alias Selecta Lady D oder Mama Feelgood - wenn Elli auflegt, wird einem nie fad, getraut sich der Wa. zu beurteilen. Wer sich davon überzeugen will, sollte am 08.02. in der Kombüse bei der Erzherzog-Johann-Allee vorbeischauen, dort legt Elli mit David Watts und Colonel Jah Tuffy unter dem Titel „200 % Dynamite“ auf. Wird mal Zeit, der guten Elli ein paar Fragen zu stellen.


Elli, hier regiert der GAK, oder?
Eigentlich der SCR, aber sonst natürlich nur der GAK, sempre rosso, eh kloa!

DJ, oder DJane?
DJ. Bei dem Wort DJane rollt’s mir die Zehennägel auf! Erstens sieht man ja, dass ich kein Hawi bin, das muss ich ja nicht dazuschreiben! Und zweitens, wieso muss man das überhaupt dazuschreiben, scheiß Genderschaß!

Und seit wann legst du „regelmäßig“ auf?

Seit Juli 2012.

Was legst du auf?
Nur Lieblingslieder, davon habe ich zum Glück sehr viele in sehr vielen Genres. Soul, Funk, Disco, Boogie, Reggae, Ska, Dub, bißl Dancehall, New Wave, 80s Soul, Hip Hop. Kaum neues. Und nur Vinyl. Manchmal solo, manchmal b2b mit einem Freund (David Watts), manchmal gemeinsam mit anderen Freunden (Klestijl, Colonel Jah Tuffy)

Warum tust du dir das „noch“ an?
Weil ich 16 again bin wie die Buzzcocks, weil’s unheimlich Spaß macht, weil ich noch zu jung bin, um schon auf die Pension zu warten und weil es so viel Musik gibt, die öfter gespielt werden sollte.

Elli bei der Foodline im Grazer Designmonat, die sie organisierte. Foto: Wa.
  



Dein „perfekter Song“?
Allein beim Gedanken daran krieg ich Ganslhaut, kann mich nicht aufs Gespräch konzentrieren, will zu allen um mich herum ‘pscht’ sagen! Ich muss mich dazu bewegen!


Bist du bestechlich? How much?

The Pop Group haben schon 1979 „We Are All Prostitutes“ gesungen.

 
Ab welchem Alter „darf“ man nicht mehr auflegen?
Wenn das Publikum an einem das Interesse verliert, das ist aber altersunabhängig. Wenn’s gut läuft, kann man zur Not jemanden engagieren, der auflegt und steht selbst nur daneben und ist der Selecta ;)


Deine Bude brennt. Was rettest du, deinen Freund oder deine Plattensammlung?
Da mein Freund in Wales lebt, fällt mir die Antwort leicht: Die Platten! (Die gehören zum Teil auch noch meinem ex-Freund, dem würd das auch net taugen, wenn die alle verschmurgeln würden. Nach unserer Trennung vor 13 Jahren konnten wir uns nicht entscheiden, wer welche Platten aus unserer gemeinsamen Zeit nehmen sollte, deshalb sind diese für immer „unsere“ - funktioniert tipptopp!)


Wa.

Termintipp: Kombüse Graz, "200 % Dynamite" 08.02.2013 ab 22:00 Uhr bis zum Schluss.
Es legt die bewährte Runde auf:
Selecta Lady D (Champion Sound)Colonel Jah Tuffy (CoG - Sektion Rockers)
Junior Watts (Champion Sound)

200 % Dynamite

Sunday, February 03, 2013

World's End in Graz :)

Graz, Liebenau, nahe der Seifenfabrik, Nacht. Dort sagen sich Fuchs und Hase "Drah di' ham!" (c) MG Wanko.

Das Laufen hat so seine Vorteile. Man kommt zu Uhrzeiten in Gegenden, wo man sonst nicht hinkommt. Kann ein hübsches Foto ergeben. Vorne: Festinstalliertem Tischtennistisch am Ende einer Wohnanlage, im Hintergrund die Kasernsiedlung.

Wa.

Wednesday, January 23, 2013

Mensch Martin!

Hier "Wanko (links) und der Wolf", die ja seit neuestem fürs "Sport aktiv" laufen. Schön war's!
 


Trallala, laufen ist sehr wunderbar – vor allem wenn's einem beim Marathon-Start gleich auf die Schnauze hut, so passiert dem Wa. Und wer mehr wissen will, zur Story geht’s hier!  hier auf Sport 10.at und überhaupt PENG!
 
Wa.
 


Friday, January 11, 2013

Big in Japan.


SALLLIIIIIS!


In Japan gibt ein Mord Rätsel auf, in Amerika agiert man undercover.

 
Der Japaner Heigo Higashino ist einer der bekanntesten Autoren im asiatischen Raum, der nun auch in Europa Fuß fassen will. Mit seinem Krimi „Verdächtige Geliebte“ hat er den ersten wesentlichen Schritt dazu gesetzt. Der Inhalt ist schnell erzählt: Yasuko hat ihren gewalttätigen Ex-Mann im Affekt ermordet, da er ihrem kleinen Familienglück zu zerstören drohte. Ihre Tochter half tatkräftig mit. Die Sympathien liegen also von Anbeginn an auf der Seite der Täterinnen. Damit etwas Leben ins Spiel kommt, schenkt ihr der zutrauliche Nachbar ein glattes Alibi, als großer logischer Denker und Mathematiker fällt ihm das auch nicht schwer. Spannung kommt auf, als sich ein Physiker in den Dienst der Polizei gesellt, der noch eine Rechnung mit dem Mathematiker offen hat. Der Rest ist ein nobler Showdown.

 
Ein Schachspiel mit asiatischer Aura.

Schon auf den ersten Seiten wird das Schachspiel zelebriert. Dementsprechend ist der Krimi auch aufgebaut. Die Beteiligten kommen einem wie Brettspielfiguren vor und das Spielfeld von Heigo Higashino ist wahrlich groß. Natürlich läuft er dann und wann Gefahr den Fall zu technokratisch abhandeln, um dies zu verhindern, bringt er die emotionellen Möglichkeiten von Yasuko ins Spiel. Zum einen liest man das Buch flott und es ist entspannend, nicht vor einem weiteren Sushi-Krimi zu sitzen, hier wurde schon viel nachgedacht, zum anderen ist es aber kein Murakami-Roman, obgleich die begnadete Murakami-Übersetzerin Ursula Gräfe auch in der „Verdächtigen Geliebten“ eine grundsolide Arbeit hinlegte und die asiatische Aura richtig temperiert einfließen ließ.

Während Heigo Higashino bei allen Verdüsterungen eigentlich einen lichten Roman schrieb, ziehen in Amerika schwerbeladene Wolken auf, wenn James Sallis, der Altmeister der amerikanischen Noir-Krimis, am Werk ist. Mit seinem Vorgänger „Driver“ legte er in den letzten Jahren wahrscheinlich das brillanteste Werk über das Agentendasein nach dem Kalten Krieg hin. „Driver“ wurde mit Erfolg verfilmt, wahrscheinlich auch deshalb die nun doch sehr rasche Nachreichung von „Driver 2“.

 
Manche Lichter leuchten dunkel.

Driver ist ein junger Agent, den es mangels Aufträge in einer neuen Weltordnung und einer frischen Liebe in den Frühruhestand versetzte. Aus dem Nichts tauchen Auftragskiller auf und in einem Schusswechsel stirbt seine Frau Elsa. Die Kopfgeldjäger haben es auf ihn jedoch weiter abgesehen und in einem furiosen, sehr fein dosierten Thrill, dringt er immer näher zu den Mächten vor, die ihm diese unruhige Zeit bescheren. Im Hintergrund der bewusst brüchigen Handlung ragen düstere Modells, schlecht beleuchtete Autowerkstätten, billige Restaurants, poröse Straßen aufgemotzte Autos und zugleich sehr hellen Blitze empor, die eine sehr kräftige barocke Klangfarbe aufleuchten lassen, vielleicht auch eine Nuance heller als bei seinem letzten Werk. Bliebe mir noch ein Neujahrswunsch offen, würde ich James Sallis mit einem James-Bond-Drehbuch beauftragen: Daniel Craig hätte endlich eine Rolle und der Mainstream hätte unendliche  Möglichkeiten das Genre neu entdecken.

Saturday, December 22, 2012

Hosen-Campino mit GAK-Liverpool Schal und 12.000 Fans.

Campino mit GAK-Liverpool-Schal, Clarissa 1. Reihe, Wanko 2. Reihe. Heiß wars!

Betreff: GAK-Aktionismus. - 1. Aktion 21.12.2012

 

Frei nach dem Motto „Der Verein (GAK) ist hinüber, die roten Krätzen sind geblieben!“ dachten wir im Hause Wa. nach, wie wir ein paar Tausend Grazer kurz vor Weihnachten am Weltuntergangstag beglücken könnten. Ganz einfach, wir opfern Herrn Campino, Leadsänger von den Hosen, einen GAK-Liverpool-Schal, der "seinerzeit" als Freundschaftschal zur Champions League. Clarissa warf, der Wa half ein bisserl mit, und schon traf man Campino damit am Handgelenk. Campino lief damit eine gute Viertelstunde herum und gab ihn dann gentleman-like der Tochter persönlich zurück. (Vor allem ein paar Schwarze haben sich über diese Aktion so gefreut wie wir, hörte ich …). Da es ja Liverpool zurzeit als 10. nicht sehr super geht,  wüschen wir dem Herrn (und den Jungs) alles Gute!

 Weiter aktionistische Taten sollten folgen, hörte man aus gutinformierten Kreisen. ;)

Wa.

Monday, November 05, 2012

Illies!

1913 - das goldene Jahr.
 


Mit wesentlich mehr Ereignissen bombardiert einen hingegen Florian Illies, der mit „1913 Der Sommer des Jahrhunderts“ ein ausgezeichnet recherchiertes und außerdem literarisch geschriebenes Sachbuch verfasst hat. Illies kennt man eigentlich aus einer anderen Ecke: Der ehemalige Kulturjournalist  schrieb mit „Generation Golf“ und „Generation Golf II“ die Fahrkurse für gelangweilte Wohlstandsjugendliche in der Jahrtausendwende, die gerade einmal das Zündschloss im Golf fanden. Irgendwie machte das Illies nicht zwingend sympathisch, und ein bisserl ein Streber ist er ja geblieben, ich würd den gern mal sehen, wenn er nix tut - aber auch Illies musste erwachsen werden: Nun setzt er im Jahre 1913 den Sommer eines Jahrhunderts an, also den Höhepunkt des letzten Jahrhunderts, mit dem Fokus auf Mitteleuropa gerichtet. Knapp vor dem 1. Weltkrieg, in der Blüte des Expressionismus, der Tiefenpsychologie, alles ist politisch sehr angespannt und riecht schon förmlich nach epochaler Chemie – und der Autor baut hier ein Mosaik aus kleinen Happen, lässt so ein hundert Jahre altes Stimmungsbild wieder aufleben.

 
Die Stimmung vor 100 Jahren.

 
Ein kleiner Einblick gefällig? Luis Armstrong tauscht im Jugendheim die Pistole gegen eine Trompete, Franz Kafka schreibt die Verwandlung und seinen 200stem Brief an Felice Bauer … Lou Andreas-Salome macht in Wien ziemlich viele Männer verrückt, während in Schönbrunn Stalin und Hitler in den gleichen Parkanlagen sitzen … Schönberg hasst die Unglückszahl 13, während Thomas Mann eine Kritik ins Unglück stürzt … Proust erbaut sich seine eigene Schutzkammer auf der Suche nach der verlorenen Zeit und Gertrude Stein formuliert den berühmten Satz „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“, während Max Beckmann sein Gemälde „Der Untergang der Titanic“ abschließt.

 
Wa.

Florian Illies: „1913 Der Sommer eines Jahrhunderts“, S. Fischer Verlag, 319 Seiten.

 


Wanko läuft!






... und schreibt darüber im Magazin Sport Aktiv. Wanko läuft!


Wa.

Saturday, November 03, 2012

Und bis dorthin sind „wir“ jetzt einmal tot.


You Tube GAK-Video (c) M. G. Wanko

Man stirbt nur einmal, das ist dem GAK passiert, am 30. Oktober 2012 war es soweit. Nach 110 Jahren schließt der GAK seine Pforten. Was hast du, Roter, gerade gemacht, als du erfahren hast, dass dein Verein den Bach runtergegangen ist, wird man einmal unter Kumpels fragen. Ich, für meine Wenigkeit hatte einen normalen Arbeitstag am Laufen, es war ja auch ein normaler Montag. Ich hatte eine berufliche Besprechung und bat einen Freund von mir, mich auf dem Laufenden zu halten, falls das Schlimmste eintreten sollte. Es hat ja jeder Fan gewusst, dass es zur Fortführung des insolventen Vereis bis zu Mittag 25.000 Euro brauchen würde. Mein Termin war vorbei und mein Freund schickte mir kein SMS, ich war also guter Dinge, dass „mein“ Verein sich zumindest noch auf der Intensivstation befinden müsste.

 

Ja Pustekuchen, nichts war mehr so, wie noch am Morgen. Rein informativ schaute ich auf Facebook und die erste Nachricht war bereits von Jakob Unt online. „R.I.P. mein über alles geliebter GAK. War eine tolle Zeit mit dir.“ Das war so etwas wie ein Schlag in die Magengrube. Dumpf, aber mit sehr viel Kraft dahinter. Ich spürte, wie sich in mir Tränen sammeln, konnte sie aber nicht ablassen. Anstatt dessen verschickte ich in der Familie ein SMS: „GAK tot“. Sonst nichts. Einige Minuten später rief mich meine Tochter an. Es ginge ihr sehr schlecht. Meine Nachricht macht sie fertig. Ob sie den Nachmittagsunterreicht gehen muss. Nein, musst du nicht, antwortete ich ihr. Sie ging dann trotzdem in den Nachmittagsunterricht, ich wollte aber die Entscheidung ihr selbst überlassen. Ich ging dann schnell einkaufen und fuhr noch am Nachmittag in die Obersteiermark um die Gräber meiner Vorfahren für Allerheiligen zu richten. Während der Autofahrt telefonierte ich mit Freunden, die dasselbe Schicksal mittrugen. Jeder war überrascht, dass es dann doch so schnell gehen kann. Aber auch von ihnen verlor keiner eine Träne, zumindest nicht merklich.

 

Später am Abend saß ich dann in einem Bistro um die Ecke bei mir zuhause, trank ein Glas Wein und sah auf meinem Smartphone die vielen Facebook-Eintragungen. Ja, dachte ich mir, die kriegt auch nicht jeder, da ist nun schon was fertig, aber so richtig spürbar war es für mich nicht. Erleichterung spürte ich aber auch keine. Das einzige was passierte, war, dass mir der österreichische Fußball von einem Moment auf den andere gleichgültig wurde, auch der Stadtrivale verlor plötzlich sehr stark an Wert. Ich wollte mich auch an keine tollen Spiele erinnern, auch nicht an das Lebensgefühl, das meinem Verein innewohnte. In der Fußballlandschaft in meinem Kopf war nichts als ein aussagloses Nichts. Eine Landschaft vor dem Urknall, wenn man so will.

 

Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass der GAK in den letzten Jahren nicht immer durch die reine Liebe zum Verein am Leben gehalten wurde, sondern durch ein Kalkül. Trotz aller Schmerzen, weil ein Verlust war es ja, konnte ich nicht mehr darauf losheulen, sowie in dem Moment als der GAK zum Zwangsabstieg verdonnert wurde, oder der knappe Sieg gegen Blau Weiß Linz vor drei Jahren dennoch nicht zum Meistertitel reichte. Dieses Mal ist der GAK an läppischen 25.000 Euro gescheitert, die als Fortführungskaution hinterlegt werden hätten müssen. Das ist ungefähr ein 500stel von dem Budget, das der GAK zur Verfügung hatte, als er in der Saison 2003/04 österreichischer Fußballmeister und Cupsieger wurde. An 25.000 Euro zu scheitern, das ist einem Verein mit dieser Vergangenheit nicht würdig und trotzdem ist es passiert. Das sind die Ungerechtigkeiten im Leben. Mit einem großen Knall gehen, das wäre es gewesen, am besten am Tag des Meistertitels. Dann wäre der Mythos wohl überlebensgroß gewesen und uns Fans viel Enttäuschung erspart geblieben. Bei so einer unsauberen Verabschiedung und so viel aufgestauter Wut bleibt uns nur eine Möglichkeit: Neugründung im Jahre 2012. 2012 ist eh eine schöne Zahl. Fast so schön wie 1902.

 

Und bis dorthin sind „wir“ jetzt einmal tot.


Live wird der Text am 04. Nov. 2012 um 19:00 in der Literatursendung auf Radio Steiermark/ORF gelesen.
 

Wa.