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Tom Wolfe machte journalistisch Weltkarriere,
Sylvia Plath starb nach ihrem Debüt
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Flüssiger geht’s kaum
In „Back to Blood“ geht es grundsätzlich um den Alltagsrassismus in den USA, ausgerechnet im Urlaubs- und Rentnerparadies Miami. Ein Polizist mit kubanischen Wurzeln verhaftet einen Flüchtling, der sich auf einem Schiffsmast, kurz vor dem rettenden Ufer, verbarrikadiert hat. Kaum erledigt, beginnt das Problem eigentlich erst. Bei der sehr starken Anti-Castro-Fraktion ist der Junge einmal unten durch, für die Weißen hingegen ein Held, aber deshalb auch nicht einer von ihnen. Und schon wird er wie eine Flipperkugel durch halb Miami geschossen, weil die Wahl vor der Tür steht und der Polizist, der eigentlich nur Polizist sein wollte, nun zum Spielball von Strategen wird. Natürlich, den Roman kann man auf die Hälfte runterschmelzen, oder zu zwei Büchern verarbeiten. Aber Tom Wolfes Sprache dafür nicht! Trotz hohem Alter sprudelt der Herr, dass es nur so eine Freude ist und vor allem, er lernt auch selbst gerne dazu. Man sieht durchaus, wie er den Schmiss der doch jüngeren Krimi-Kollegen wie James Ellroy oder Don Winslow in seinen Stil einfließen lässt. John Updike hin, Philipp Roth her, Tom Wolfe bleibt der bunte Hund im weißen Anzug, der Dandy mit dem genauen Blick, aber vor allem ein Autor, der nie altmodisch erscheint.
Feine Blicke auf New York
Sylvia Plath – ja traurig ist der Leser eigentlich
schon vor Beginn des Buches, denn die Autorin nahm sich 1963, kurz nach dem
Erscheinen ihres Debüts „Die Glasglocke“ das Leben. Dabei hätte sie ähnlich wie
ein Tom Wolfe, eine Susan Sonntag oder auch eine Carson McCullers das Zeug für
viel mehr gehabt.
Plath siedelte ihre „Glasglocke“ im Herzen von New
York an. Ein Duzend Mädchen aus ganz Amerika gewinnt ein Volontariat bei einem Hochglanzmodemagazin.
Während sich ein Großteil der Mädchen freut wie die Mäuschen und naturgemäß
eine Living-is-easy-Stimmung an den Tag legt, kann sich Esther noch nicht so
richtig mit der Situation anfreunden. Kurz gesagt, sie hat einen anderen Blick,
reagiert auf Kleinigkeiten, das Wetter, die Architektur, in Summe wächst in
ihrem Kopf alles zu einem bedrohlichen Dschungel zusammen. Je mehr sich vor ihr
die Welt entfaltet, desto mehr treibt es Esther in eine dunkle Ecke – Dramatisches
folgt. Fazit: Ja die Frau konnte schreiben, sagenhaft. Prägnanter Stil,
großartige Metaphern. Alles gut dosiert. Dem Leser bleibt hier nichts zu
wünschen übrig – außer, aber ich will’s ja gar nicht mehr sagen, schauen Sie
doch mal aus dem Fenster raus …
Wa.
Sylvia Blath: „Die Gasglocke“, 262 Seiten. Suhrkamp Verlag.
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