Friday, September 28, 2012

Michelangelo Pistoletto und die Dosen.

Michelangelo Pistoletto (li) im Gespräch mit Charles Esche. (Foto: Wa.)


Am letzten Tag des Herbst-Camps in der Thalia noch einmal schnell vorbeigeschaut um den guten alten Michelangelo Pistoletto anzugaffen, einer der Hauptbegründer der „Arte Povera“ und zumindest in Italien so etwas wie ein Star. Er wurde im „herbst“ zum Gespräch „Leaving the ghetto of art“ geladen war. Jetzt war ich aber nicht fad und nahm von zu Hause eine von ihm gestaltete illy Dose mit, einige gestaltete er ja für die illy-art-collection, und ließ sie mir signieren. Das Motiv auf der Dose ist übrigens das silberne Mittelmeer mit den angrenzenden Staaten, eh ein Klassiker. Wer Bock auf Pistoletto hat, (und in Graz verweilt), der sollte sich beeilen. Bis zum 14.10. gibt’s ihn in der neuen Galerie zu bewundern, und ab geht die Post:  Michelangelo Pistoletto 
 
Auf gut steirisch: "Dousn" (="Dose" :)
 
Text & Fotos: Wa.

Monday, September 24, 2012

Talking with the haircutter about politics.

Im Radlgeschäft Rebikel improvisiert man: Vorne werden die Haare geschnitten hinten verkauft man Räder.

Ok, also, als ich ein kleiner Junge war, hatte ich nur einen Traum. Nö, nicht so, und vor allem nicht diesen Traum ;), aber vor drei Tagen wollte ich es tatsächlich: Einen „English Haircut“ von  einem English Haircutter verpasst zu bekommen, und das in Graz. (Wir sind ja nicht München, wo das so locker geht).  

Lewis Blissit, Friseur und Koch. Zurück in Großbritannien, steht er wieder hinter den Kochtöpfen.

Geht nämlich jetzt auch in Graz, als Teilprojekt vom „steirischen herbst“-Camp, und kosten tuts auch nix. Wo? Wenn man in die Kosterwiesgasse 5 geht, ins Radlgeschäft Rebikel und Teil des Projekts „The Haircut Before The Party“ (THBTP) sein will. Der Haircut ist übrigens for free. Dort geht man nicht einfach zum Friseur, sondern kommt zum Quatschen über Politik und soziale Themen und das wollte ich. Demzufolge quatschte ich mit Haircutter Lewis Blissit über Politik („Die Rechten haben’s  einfacher, weil die Argumentationen einfacher gestrickt sind!“), über Soziales (Ohne dem geht’s  nicht, das wissen auch die gemäßigten Konservativen!) und eh klar, über Fußball. Lewis ist Sheffield Wednesday Fan, obgleich er in Nottingham aufwuchs. Warum er dann kein Fan von Nottingham Forest (oder Notts County) sei, hat folgenden Grund: „Mein Vater war Shefield Wednesday Fan, also wurde ich es auch. Mit Schal, Trikot und allem Drum und Dran. Wir besuchten auch alle Heimspiele“, so Lewis, „war auch kein Problem, denn Sheffield ist bloß zwei Stunden von Nottingham entfernt.“ Das nenne ich ziemlich anständig.


Wanko! (Noch vor dem haircut - andre Fotos folegen :)



Kurz noch zu meinem Haircut: Meine Wünsche waren ziemlich einfach: „A real English Haircut“. Haircutter Lewis nuschelte etwas über Noel Gallagher, was aber in Anbetracht meiner spärlichen Haar Tracht nicht so einfach zu realisieren war, kurz wurde es aber trotzdem. Den „British Haircut“ gibt’s in der Klosterwiesgasse noch bis Donnerstag ... und zur homepage gehts hier!
 
Wa. (Text & Pictures)

Wednesday, September 05, 2012

Zu Gast bei den Brunettis und Julian Barnes.

Englisches Karo und Canale Grande (Foto: Wa.)

 

Koche können kochen – aber eben nicht nur diese, sondern auch Autoren greifen ganz gerne zum Kochlöffel, wie Julian Barnes, der aktuelle Booker-Preisträger, in seinem ironischen Band „Fein gehackt und grob gewürfelt“ unter Beweis stellt. Jedoch mit dem Kochen ist das nicht so einfach, vor allem wenn man wie Barnes ein Pedant ist.

 

Balsam für den Hobbykoch.

Das Schöne ist, Barnes bekennt sich zum pedantischen Sein und kann über sich selbst lachen. Dabei es ist gar nicht so fasch, als Hobbykoch über den richtigen Umgang mit Kochbüchern zu klagen. „Eine mittlere Zwiebel“, „etwas Mehl“, „eine Prise Salz“. Täte man einen Fahrschüler mit solchen Angaben auf die Straße schicken, „nach Gefühl bremsen“ beispielsweise, würde es oft krachen. Klar lacht hier der Profi, aber wenn Barnes schon mal dabei ist auszuteilen, was in seiner Literatur eher selten vorkommt, dann geht er auch ins Detail. Es werden, ohne sie beim Namen zu nennen, auch hierzulande bekannte Fernsehköche durch den Kakao gezogen, gleich wie echte Starköche und ihre Lokale. Barnes geizt auch nicht mit Hinweisen um Katastrophen zu vermeiden: Der Amateurkoch sollte niemals nach Rezepten mit Fotos kochen, welche meistens gestellt sind und das Desaster des Hobbykochs so richtig sichtbar machen. Das Fazit aus dieser launischen Lektüre, die auch fernab von Moden einen Hauch altenglische Küche mit sich bringt, ist sowohl trefflich als auch tröstlich: Auch ein Desaster am Herd kann fein schmecken!

 

Venedig, des Kochs Dorado.

Ob man Donna Leons Krimis mag bleibt Geschmackssache, ihre Aufzeichnungen über Venedig, zum Beispiel „Kurioses aus Venedig“, sind auf alle Fälle sehr fundiert. Auch nicht von schlechten Eltern ist ihr neu aufgelegtes Buch „Bei den Brunettis zu Gast“. Hier wird in knappen Romanauszügen daran erinnert, welche Speisen Commissario Brunetti gerne isst. Zum anderen porträtiert die Autorin Venedig, gar nicht so unkritisch, von der kulinarischen Seite und stellt dabei auch einige Venezianer vor. Aber wenn es ums Kochen geht, ist die Autorin nicht eitel und überlässt es der Venezianerin Roberta Pianaro. Und die kann traditionell kochen, sage ich jetzt einmal.
Schön werden hier alle Gänge durchgekocht, auch getrennt nach Fleisch, Fisch, oder vegetarisch kann man kochen und das ohne sich jetzt einem hohen Schwierigkeitsgrad auszusetzen. Natürlich kann diese literarisch angereicherte Rezeptsammlung auch im Kontext der Geschichte Venedigs gelesen werden: Das Buch spiegelt so nebenbei Venedigs Reichtümer der alten Zeit wieder. Als Handelsstadt war ja Venedig seit jeher mit allen nur erdenklichen Speisen und Gewürzen in Kontakt, dementsprechend vielseitig sind die Gerichte. Getestet haben wir sie auch: Donna Leons Leibgericht zum Beispiel, das Kürbisrisotto. Benissimo! Also, um dieses Buch zu schätzen, muss man Brunetti nicht heißlieben. Könnte einem fasst die Idee kommen, Brunetti literarisch, also rein fiktiv, aus dem Leben zu ballern ;-).


Scotch Bonnet red, so schön, so scharf, mit Whisky hat er aber nix zu tun. (Foto: Wa.)


Ohne Cilli geht nix mehr.

 Ok, ich geb’s zu, Marillenpalatschinken mit Cilli habe ich noch nicht versucht, wäre aber auch eine Versuchung wert. Diese schönen Exponate hier am Bild habe ich vom Kollegen und Kumpel Mike Markart geschenkt bekommen – Scotch Bonnet Red. Ursprünglich aus der Karibik und echt wow. In der Scoville-Skala befinden sie sich nicht zu Unrecht im oberen Drittel und der Gaumen reagiert zu Beginn „überrascht“, springt wie eine Flipperkugel durch sämtliche Galaxien und dann meint er einfach: Hey Alter, ziemlich hot!

Und hier gehts übrigens zu Mike.


wa.

Saturday, September 01, 2012

Die Baumpflege und der Jakominiplatz.

Baumpflege ist nützlich, aber Vorsicht, auch Ö. Horvath wurde vom Ast erschlagen ... (Foto Wa.)

Der Herbst kommt und die Bäume werden kürzer, nicht nur in Graz. Ich dachte mir insgeheim immer wieder, da sind die Baum-Sadisten unterwegs, weil die Bäume nach dem Stutzen erbärmlich ausschauen, als ob sie dem Touristen die Urlaubsfotos verderben wollten. Stimmt natürlich nicht: Kluge Menschen haben errechnet, dass die Baumkronen gestutzt werden müssen, weil sie sonst unter ihrer eigenen Last zusammenbrechen würden. Zum Verständnis: Das ist irgendwie so, als ob dem Menschen die Haare geschnitten werden müssen, damit er nicht unter dieser Last zusammenbricht. Natürlich geht es hier um nicht mehr ganz stabile Bäume wie die Rosskastanie. Und trotzdem müssen auf Grund des Denkmalschutzes in Parkanalgen wieder Kastanien nachgepflanzt werden. Verstehe ich nicht. Vor 200 Jahren hätte man da vermutlich gscheiter reagiert: Kastanie geht nicht mehr, zu viel Autostinke und depperte Milben, also weg damit. Pflanzen wir halt Birken oder so.
 

Der Jakominiplatz, immer Problemaplatz.

 




Ein paar Schritte weiter befindet man sich am Jakominiplatz. Ich habe schon immer gesagt, der Jakominiplatz in Graz hat ein hässliches Gesicht, zumindest seit der Nachkriegszeit. Daran konnte bis heute niemand etwas ändern. Seit jeher ist er ein Dorado für junge und nicht mehr so junge Rohrkrepierer. Eine Ansammlung von Fastfood-Ketten macht dieses Problem jetzt gerade nicht einfacher. Bis jetzt hatte man von gewissen Jugendlichen zumindest in den Geschäften im Steirerhof halbwegs eine Ruhe. Klar, die Jungs müssen wo hin, man kann sie ja nicht zu Hause verstecken: Klar, müssen die wo hin: Beispielsweise in eine Hacke und sei es Sozialarbeit – gerade im Sozialbereich kann man Jobs finden, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht. Die Jungs launisch durch die letzten Geschäfte am Platz spazieren zu lassen, alles angreifen und blöde Witze machen lassen? Ja sicher, aber nicht im Steirerhof am Jakominiplatz in Graz. Der liegt immerhin im 1. Bezirk (in Graz) und nicht im 12. Bezirk (in Wien). Die Verkäuferinnen fühlen sich überfordert und auch desillusioniert. Und unten schlurfen die Parkwächter und schauen ob der böse Autofahrer nicht eine Minute über die Zeit steht. So wird man das Problem nicht lösen und die Innenstadt nicht wieder beleben können.


Wa.

Friday, August 24, 2012

GAK Fan ist, der bleibt.




Man kann keine Saison (kaum) besser spielen als die letzte – trotzdem sind wir nicht aufgestiegen.

 

Man kann keine blödere „Tanzeinlage“ hinlegen, wie die gegen Hartberg – trotzdem werden wir unsere Farben nie verstecken.

 

Man kein weiteres Jahr in der Affen-Liga (3. Liga) verbringen – trotzdem kann man nie sicher sein, ob nicht noch eines folgt.

 

Man will sich nicht jedes Jahr 10 neue Namen merken – immerhin bleibt und der Präsident erhalten.

 

Und übrigens: Der letzte Fan dreht das Licht aus und der erste macht es wieder an. Frei nach Friedrich Torberg: GAK-Fan ist, der bleibt!

 

In dem Sinne: Sempre avanti, sempre rosso!


Monday, August 20, 2012

„Frequency“: Fein, aber nicht mehr ganz jung.

Der Bursch zeigt die Zunge, sehr frech halt. Mädel neben ihm: Unbeeindruckt.

Klar, es gab auch jüngere Bands wie Kraftklub, The XX, oder Frittenbude aber trotzdem, eher ältere Semester wie The Cure, Tocotronic und Bob Mould dominierten die vier Tage Frequency vergangener Woche.
„Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“, der epochale Tocotronic-Hit, der sich auf ihrer ersten CD „Digital ist besser“ aus dem Jahr 1995 befindet, war schon immer eher mit Augenzwinkern zu verstehen, aber trotzdem: Die Herrn von Tocotronic hatten auf Frequency 2012 schon weißes Haar angesetzt, grau meliert, wie es höflich heißt, und das Publikum auch: Ältere Buben mit seltsamen Pagenköpfen und ältere Mädchen mit nach wie vor ungesunder Gesichtsfarbe stiegen so von einem Bein auf das andere oder wippten mit - so war das halt noch im letzten Jahrtausend üblich. Und die Musik, abseits der Hitparadenverblödung, verbreitete damals sehr oft eine Art unterschwellige Skepsis, schön, diese Nostalgie noch einmal live erleben zu dürfen. Dazu passten auch Noel Gallagher’s High Flying Birds, die leider nur mit Noels alten Oasis-Hits punkten konnten, sowie die Düsterromantiker Placebo, die, als Hauptact am Donnerstag, bereits nach einer Nummer abbrechen mussten. Der Lead-Sänger fühlte sich nicht wohl, oder ähnliches.

Keine Sorge, kein Flashback, oder so: Die Star-Wars Mannen waren leibhaftig. Tochter gesellte sich zu ihnen.

Aber dennoch und zum Glück handelt Frequency mit gemischter Kost. Jan Delay & Disko Nr.1 gaben heuer das, was Seeed letztes Jahr taten, sie machten große Stimmung mit Soul aus allen Jahrzehnten, da lachte das Publikum von einem Ohr zum anderen. Und klar, Frittenbude, die Krawallpoeten, die trotz scheinbar fortgeschrittenem Alkoholkonsums punktgenaue Sätze inklusive Genetiv zusammenbrachten, St. Etienne, für mich die ultimativen Blondie-Nachfolger und interessanter Weise weniger The XX, die bei ihrer Österreich-Premiere ihren Keyboard-Pop nicht ganz ausbreiten konnten. Dafür überraschten auf einer Nebenbühne die japanischen Techno-Performer Siro-A, die sehr schön das Zusammenlaufen von Visuals, Samples und Live-Performances verstanden. Gut so! Wer braucht dann noch die altehrwürdigen Begründer des „schönen Leidens“, The Cure, Helden des 80er-Jahre-Gothic-Rocks? Die Jugend nicht, sie verdünnisierte sich tröpfchenweise – auf, auf zur flotten DJ-Line in den Nightpark!


Text: Martin G. Wanko (Vorarlberger Nachrichten, 20. Aug. 2012) Alle Fotos: (c) M.G. Wanko



Die Everglades aus Niederösterreich in St. Pölten an der Traisenau. Ohne Krokos, dafür mit joggendem Wa. - Gruselig genug ;-)

Thursday, August 09, 2012

Ich weiß, was ich diesen Sommer tat – Autos angaffen.

Füße aus dem Kofferraum hängend, selten ein gutes Zeichen für den Fußträger ...


Nein, das Auto wo die Füße aus dem Kofferraum heraushängen, gehört nicht mir und es gehörte auch nie mir und liegt jetzt auch nicht sehr zufällig am Grunde der Mur.
Das Auto (und die Füße) gehörte zur Grazer La Strada Produktion „Land’s End“ der belgischen Formation „Berlin“. War ein schön-schauriger Theaterabend im Reinighausareal, was sich übrigens wunderbar für Kunst- und Kulturveranstaltungen eignet.


Dodge 426. Vermutlich aus den 1970er-Jahren, oder noch älter...



Eine der größten Irrtümer junger Menschen ist, dass Auto fahren ein ganzes Leben lang läsig sein wird. Auto fahren ist ja als erwachsener Mensch schrecklich fad. Erträglicher wird es, wenn man während der Fahrt fotografiert. Wahrscheinlich gibt’s darauf auch eine Strafe, ähnlich dem Telefonieren mit dem Mobiltelefon. Egal, der Dodge 426 musste einfach auf der Heimfahrt von Bregenz nach Graz in München festgehalten werden. Klasse Gangster-Kübel!





Bei dieser Fahrt trafen wir auch einige Boliden, die an der englischen Crumball Rally teilnahmen, die im weiteren Verlauf auch auf den Kontinent führt. Die Crumball Rally ist eine Rally für private Freaks, die ihre Boliden nach Autos in berühmten Filmen, oder sonst wie herrichten. Warum ausgerechnet die Briten einen Golf fahren müssen, weiß kein Mensch, vielleicht weil der Mini auch schon zu BMW gehört, aber trotzdem: ein Golf voll mit einer Grasmatte verkleidet, das muss man erst einmal haben. Wahrscheinlich aber nicht in Graz, weil wenn da nächtens Betrunkene vorbeigehen, kann das Auto leicht als Wischel-Wiese verwechselt werden …



Wa.




Thursday, June 21, 2012

Graz: Tennis von unten.

Pastis-Wirt Klaus wie ihn nicht viele kennen. (Foto:Wa)

Das Pastis in der Leonhardstraße in Graz ist mein Stammlokal. Mit guter französischer und mediterraner Küche verwöhnen der Wirt Klaus Hofer und sein Team meinen Gaumen, und ja, verdurstet bin ich dort auch noch nie. Letztens ging der Kellner Jürgen mit strahlenden Augen auf mich zu: „Ich habe gestern mein erstes Tennismatch gewonnen!“ Ich gratuliere, dachte mir aber noch nichts dabei, doch im Laufe des Abends begann ich mich doch zu informieren: Früher war Klaus im Ausdauersport unterwegs. Er hat etliche Marathons hinter sich und schaffte zwei Mal den Iron Man in Klagenfurt: „Ich wollte einmal einen anderen Sport betreiben und habe vor zwei Jahren zum Tennisspielen begonnen.“ Trainiert wird er übrigens vom ehemaligen Tennisprofi Oliver Fuchs.

Um dem Ganzen einen gewissen Ernst zu verleihen, gründete er mit seinem Team und einigen Stammgästen den TC Pastis und bestreitet nun in der untersten steirischen Tennis Liga, der 4. Klasse (Herren 4. Klasse KL4 D), die steirische Mannschaftsmeisterschaft 2012. Hier stellt sich in sieben Begegnungen heraus, wer nun dem steirischen Tenniskeller entschlüpfen darf und wer unten bleibt. Um eine eigene Lizenz wollte man noch nicht ansuchen, sie kostet immerhin 700 Euro, also tritt der TC Pastis unter den Fahnen des noblen TC „Das Belvedere“ an. Eine gute Adresse übrigens, denn im Belvedere bereitete sich Thomas Muster auf sein letztes Comeback vor. Am Samstag wurde es dann ernst, es stand die Begegnung gegen den SV Don Bosco bevor, ein Spiel auf höchster Ebene sozusagen, denn die Jungs vom Pastis sowie die Don Boscos haben beide ihre ersten vier Begegnungen gewonnen und rittern um die Tabellenführung. An so einem Tennisnachmittag sieht man neun Begegnungen, davon sechs Einzel und drei Doppel, jedes Spiel auf zwei gewonnene Sätze. Schiedsrichter braucht es dazu keinen, man einigt sich gütig.

Der Platz bei den Don Boscos. Nicht unlustig.


Samstagnachmittag, die Sonne gleißt und auf dem Autoblech hätte man durchaus Spiegeleier braten können. Langsam nähere ich mich dem Jugendzentrum Don Bosco, am Ausläufer der Südbahnstraße im Westen von Graz. Es riecht nach Gegrilltem und einige nicht mehr ganz so junge Herren stehen mit Bier herum und rauchen. Ich frage nach den Tennisanlagen. „Da hinten!“ meint einer und weist mir den Weg. Im rückwärtigen Bereich des Jugendzentrums ist eine kleine Tennisanlage mit zwei Plätzen. Spielt man die Bälle zu hoch, rollen sie auf die vielbefahrene Alte Poststraße. Acht Stahlstühle sind am Rand der Plätze aufgestellt, aber außer einer alten Dame, die sich bald zurückzieht, will sich das keiner antun, es ist, wie gesagt, viel zu heiß.

Rechts im Eck hinter dem vorderen Platz sitzt ein kleines Grüppchen, ich erkenne bereits Jürgen und Klaus, hinter ihnen sitzen auf Holzbänken und Tischen die engsten Fans der Don Boscos, sie haben Jause dabei und trinken Cola, Bier oder Rotwein aus Plastikbechern. Auch Klaus hat sich bereits eine Zigarre angeraucht und hält ein kühles Blondes in seiner Rechten. Aber der Schein trügt. „Das schaut jetzt vielleicht ganz locker aus, aber sportlich werden die Begegnungen durchaus ernstgenommen, da kommt keiner angetschechert auf den Platz.“ Es herrschen auch wie im großen Tennis Benimmregeln: „Da gibt es kein Fluchen und kein Spucken.“ Gerade jetzt haben die Don Boscos wieder ein Spiel gewonnen. Vom Jausentisch der Don Boscos kommt ein lautes, aber doch nebensächliches „Bravo!“ und schon wird weitergetratscht. Ich frage Klaus nach dem Spielstand. „Heute schaut’s nicht gut aus“, meint Klaus, „bei uns fehlen zu viele Stammspieler.“ Klaus und Jürgen bereiten sich auf ihren Einsatz vor. Doppel ist angesagt. Jürgen und Klaus rackern, obgleich sie schon wissen, dass heute der TC Pastis kein Leiberl mehr hat. Doch alles Bemühen wird nicht belohnt. Aber Klaus wird nicht aufgeben, er hat ein hehres Ziel: „Ich muss mein erstes Match erst gewinnen!“

Wa.

Pastis Graz.


Thursday, April 19, 2012

Der Tag an dem der Euro starb!

Kropsch in Sorge, Walluschek-Wallfeld besorgt ;-) Foto: MG. Wanko
Stirbt schon net da Bua, er tut nur so! ;-))) Foto: M.G. Wanko


Theater Quadrat präsentiert: „Der Tag an dem der Euro starb“, von Martin G. Wanko.
Welturaufführung.
Premiere: Sa. 28. April 2012 um 20:00 Uhr.
Ort: Lazarettgürtel 60 (Gegenüber vom Citypark)

„Der Tag an dem der Euro starb“ ist die 16. Uraufführung eines Stücks von Martin G. Wanko. Mehr über Wanko erfahren Sie unter: www.m-wanko.at Inhalt: Auf einer Jägerhütte der Frau Minister in den idyllischen Bergen treffen sich ein Sekretär aus dem Finanzministerium, sowie eine Psychologin und ihre Assistentin. Ein verlängertes Wochenende mit allem was dazugehört ist geplant. Ein Deal muss gefeiert werden. Doch im Tal geschehen merkwürdige, beunruhigende Dinge. Die alte Ordnung scheint sich aufzuheben, die Jägerhütte der Ministerin entpuppt sich als Gefängnis.

Premiere: 28.04.2012 um 20:00 Uhr.
02. 05. 2012 um 20:00 Uhr
04. 05. 2012 um 20:00 Uhr
05. 05. 2012 um 20:00 Uhr
11. 05. 2012 um 20:00 Uhr
12. 05. 2012 um 20:00 Uhr
13. 05. 2012 um 20:00 Uhr
18. 05. 2012 um 20:00 Uhr
19. 05. 2012 um 20:00 Uhr
20. 05. 2012 um 20:00 Uhr

Regie: Werner Halbedl. Mit: Alexander Kropsch, Paula Perschke, Ute Walluschek-Wallfeld. Karten & Infos: 0681-101130006 sowie unter theater-quadrat.at

Sunday, April 08, 2012

Sick, Sick, Gernot Sick!

Mit Gernot Sick im - wo ist das bloß, hm?

Drei Fragen an Gernot Sick:

Was ist geiler, Fußball oder Kabarett spielen: Beides gleich, solange man nicht davon leben muss.

Wie ist das, wenn man plötzlich für immer aufhört zum Kicken?: Vollbremsung, von 100 auf null. In deinem vorigen Job haben dich 100 % Leute gekannt, in deinem jetzigen nur 5%.

Was ist ein Tag ohne Fleisch?: Ein verlorener.

Und ob der GAK (endlich) Meister wird, erfahren Sie auf: http://www.blogfive.at/


Be Grü

Wa.

Friday, March 30, 2012

Der Blog 5 ist da!



Wertes Publikum, der Wa. erlaubt sich blogmäßig Zuwachs bekanntzugeben. Keine Sorge, "Wankos Blog" wird's immer geben, aber zusammen sind wir mehr :-)

Und hier gehts zu Blogfive!

Euer Wa.

Sunday, March 18, 2012

Mein lieber SK Sturm Graz Freund!

Des Wankos Namensschild an der Gegensprechanlage wurde überstrichen ...

... neben der Gegensprechanlage wurde die Hauswand verschandelt ...


Vielleicht magst du meine Tochter oder mich nicht sehr,
unser Hang zum GAK fällt dir aber sicher schwer.

Darum hast du auch beschmiert unsere Wände,
mit deinen krummen Narrenhände.

Bei Zeiten komm doch mal wieder vorbei,
 und putz weg, die Schweinerei :-)

Dein roter Bruder, Wa.

Monday, February 27, 2012

Wien Splitter, oder was von der Woche übrigblieb.

Il Professore Tone Fink mit Bregenzer-Wälder-Haube und Landeskulturabteilungsleiter Werner Grabher auf der Afterparty. (Foto MG. Wanko)
Also, da hätten wir einmal den zum Professor ernannten Vorarlberger Künstler Tone Fink. Aktionen, malen, Film und Wortdichtung, das alles in einem Sack. Wir sagen juhu! Und Tone Fink pfeift uns was und sagt daraufhin „määähh sagt das Schaf“ oder so ähnlich. Auf alle Fälle, bravo Tone! Und Kinkkunst!


Zimmer Küche Kabinett, in Patzaks Villa lebt sich’s nett! (Foto: M.G. Wanko)

Hier Peter Patzak, der in Graz am 1. März im ORF-Landestudio eine Ausstellung hat. Der Regisseur als Maler, sehr sehenswert! Er lebt seit 27 Jahren übrigens in einer wunderbaren und mir scheint produktivitätssteigernden Villa am Rande von Klosterneuburg. Der Erbauer war Eduard Voitus Van Hamme 1856 - 1921 Tänzer, Schauspieler, Pädagoge, vor allem aber Kaiser Franz Josephs Ballettmeister Also fegte auch schon Sissi übers Parkett, was der Villa den Denkmalschutz einbrachte. (Herr Patzak: „Ich will eh nix umbauen.“) Weiters lebte der Erfinder Gustav Tauschek in diesem Haus. Er hatte hier die Idee zum Computer und verkaufte sie und 169 andere Patente an IBM. „Manchmal kommen Computerfreaks vorbei und fragen, ob von Tauschek wenigstens wo eine Schraube geblieben ist.“ Leider nicht, aber jetzt stelle ich mir grad vor, dass Sissi, Franz Joseph und der Erfinder Gustav bei Herrn Patzak auf eine Folge „Kottan ermittelt“ vorbeischauen. Was die sich von unserer Welt durch die Augen von Patzak wohl denken, frage ich mich. Die wären wohl mehr als staunen, vor allem weil sie eine Welt ohne Inspektor sehen.



Bekomme ich da jetzt eine ACTA-Klage? :-) (Foto: Profil, abfotografiert: Wanko)
Und ich nehme das Foto jetzt als Medienzitat. „Profil“ ist nicht nur das beste Magazin Österreichs, es verfolgt auch die beste Werbelinie. Prost!


Wa. (jetzt wieder in Grrraz!)


Sunday, February 26, 2012

Italien im Echt-Film. Ein Roman.


Da kracht die 45er Singel - aber keine Sorge, Paolo Sorrentino bringt eh genung Musik in seine Texte.

Kennen tut man Paolo Sorrentino als Filmemacher, „This must be the Place“ war letztes Jahr sein großer Durchbruch, einem KZ-Drama mit Sean Penn in der Hauptrolle. Nun begibt er sich mit „Ragazzi, was habe ich verpasst?“ unter die Romanciers. Und es ist ein toller Wurf, das darf man schon vorab verraten. Tony Pagoda, ein Chanson-Star in den 1970er-Jahren, ist auf dem Olymp seiner Erfolge gelandet: Er feiert ein ausverkauftes Konzert in New York,  Frank Sinatra zollt Beifall und daneben erlebt er dazu die typischen Tiefen im Showbiz. Silvesterfeiern auf unsäglichen Autobahnraststätten, trostlose Nächte im winterlichen Italien, eine nie in Erfüllung gegangene Liebe in Capri und eine Schießerei im Drogenmilieu, in die der Sänger nicht ganz unschuldig hineinrutschte. Wie im guten Film, denkt man sich als Leser, und Sorrentino kann wirklich visuelle Bilder in Worte fassen.
Paolo Sorrentino bleibt rau, schont den Leser nicht, sein Ahnherr im Film wäre zweifelsohne Martin Scorsese, nichts also für zart besaitete Geschöpfe. Er kristallisiert aus dem Leben seine eigenen Weisheiten, aber eben anders, essayartig, nachdenklich, und treibt dann doch den Inhalt wieder weiter. Das Buch ist insofern ein Glücksfall, weil hier keiner Abstriche noch Zugeständnisse macht, also sich im oberen Niveau der Literatur wiederfindet, ohne zu vergessen, dass ein Schuss Handlung den Leser am Roman bleiben lässt. Und natürlich lacht man auch auf, nicht zuletzt durch die wahrhaften, temperamentvollen Dialoge, die schon wieder als Parodie auf den Italo-Macho gelesen werden können.

Wa.

Saturday, February 18, 2012

Didi Dorner – für Graz ein Glücksfall.


Graz hat ein Lokal, in dem noch nicht jeder war, psssst! (Foto: MG Wanko)

Rein optisch gesehen könnte Didi Dorner vieles sein: Er würde eine ziemlich gute Figur bei mir im Eso-Laden um die Ecke abgeben, ich kann ihn mir auch gut als Lehrer asiatischer Kampfsportarten vorstellen, mir würde er auch als Lotus-Mechaniker im grünen Blaumann mit Union Jack Ellbogen-Schoner gefallen – diese drei Beschreibungen untertreiben maßlos, aber ich will ja weiterhin von Herrn Dorner bekocht werden.

Sie haben richtig gehört: Didi Dorner, nicht zu verwechseln mit dem ehemaligen ORF-Radiomann,  eigenewilliger Spitzenkoch, der seine eigene Rille und auch sein Credo gefunden hat: „Lieber will ich den Schwierigkeiten des Lebens entgegentreten, als einen gesicherten Köche-Alltag führen“, xteht neben anderen Sätzen auf der Außenwand seines Kokals geschrieben. Der Gast soll wissen wohin er geht, und der Koch soll sich immer wieder besinnen, für was er lebt.

Und überhaupt: Erst vor kurzem ist Dorner aus Stainach weg und nach Graz gekommen. Ein wahrer Glücksfall für die Stadt Graz, die ja von Spitzenköchen nicht im Übermaß gesegnet ist.  Aber es gibt eben Hoffnung: Um in der Steiermark fein gespeist zu haben, muss man bei Dorner gewesen sein. Und ich meine da jetzt nicht den Mittagstisch, sondern das feine Abendmenü. Sein Ei mit Trüffelcreme und Forellenkaviar kennst man schon fast weltweit, der Kabeljau mit Curry-Sauce und Beluga Linsen ist ein Traum, und die Crème brûlée schmeckt eben wie eine die Crème brûlée und jetzt nicht wie ein Pudding mit einer Plombenzieherkruste oben drauf. Das nächste Mal werde ich schauen, einen Schokodome zu bekommen, von dem erzählt man sich ja auch nur die besten Geschichten. Auch Tochter C. war sehr happy und ihr Hawi J. hat auch alles ziemlich cool gefunden.

Didi Dorner ist mit dem gleichnamigen Lokal am Grazer Karmeliterplatz beheimatet, Voranmeldung zahlt sich aus, weil die Tischzahl limitiert ist. Homepage gibt’s keine. „Für was denn?“, meint dazu Didi, „Jetzt probieren wir da einmal herum und dann schauen wir, wie das so ist.“ Der Koch verlässt sich also auf seinen Ruf, das ist gut so und mutig auch. Im Internet ist noch immer die Pleite-Seite von Stainach abrufbar. Dorner ist’s egal. Wer niemals im Leben mit einer Idee pleite gemacht hat, der hat auch noch nie gelebt, könnte man frei nach Dorner denken.


Abendessen gibt’s von Mittwoch bis Samstag und am besten unter dieser Nummer: 0316-607449065.


Und wer so nen ungeschönten Blick auf die steirische Gastroszene haben will, der macht sich hier schlau:  Haubentauchers Beisl Blog



Wa.

Saturday, February 11, 2012

Die besten Cartoons die der New Yorker nie druckte.

Schöne, böse Zeichnungen in Schwarzweiß. Ein Must für Fans der schnellen Striche.



Werte Leser,

nein, es ist nicht so, dass ich den ganzen Feber bis jetzt verpennt habe, aber es gab vieles anderen zu tun, als zu bloggen. Zum Beispiel Jahresabrechnungen zu machen, die letzten Ansuchen abzuschicken, alles Dinge, die erledigt werden müssen, damit voll durchgestartet werden kann. Und zu Beginn vielleicht eines der wichtigsten Bücher, die letztes Jahre herausgekommen sind und einfach noch nicht auf diesem Blog waren: „Die besten Cartoons die der New Yorker nie druckte.“ Der umtriebige Matthew Diffee hat bei seinen Kollegen die besten Zeichnungen gesammelt, die beim New Yorker nie publiziert werden haben dürfen: Weil sie politisch inkorrekt, gemein, versponnen, idiotisch oder einfach böse sind. „Die schönsten Misserfolge, wie es Diffee nennt. Herausgeber Robert Mankoff ist hier eine kleine Wenigkeit direkter: „Bevor Sie sich diese Cartoons anschauen, fragen Sie ihren Arzt, ob Übelkeit, Brechreiz und Ohnmachtsanfälle gut für Sie sind.“

Also, Diffees Einleitung sollte man sich unbedingt geben, bringt einen witzigen Arbeitseinblick eines fast berühmten Zeichners in Amerika, aber Bilder sollen nicht beschrieben werden, die sind zum Angucken da, also worauf warten Sie noch? Die besten Cartoons ...

Wa.

Saturday, January 28, 2012

Für immer jung.

Hakon Hirzenberger: Drehbuch, Regie und sonst noch einen Haufen Arbeit. (Foto: MG Wanko)


Für immer jung? Aber neeeiiin, weder das André Heller Wolfgang Ambros Gegrunze, noch das amerikanische Original. „Alte Meister – Für immer jung“  nennt sich ein Film vom Wahltiroler Filme- und Theatermacher Hakon Hirzenberger. Er porträtierte zwei schon sehr alte Künstler, die selber auch noch ein wenig Kunst machen, aber in ihrer Hauptbeschäftigung ihr Wissen an junge Talente weitergeben. Die Rede ist von der Wiener Theaterlehrerin Elfride Ott und dem Bukarester Klavierlehrer Johnny Raducanu. Ott kommt wie immer sehr ottig daher und Raducanu ist einfach ein cooler Hawi aus der Old School. Der Dokumentarfilm ist gut anzuschauen. Er ist kurios, er geht ins Herz und er zeigt ziemlich viel über das Leben an sich und die Unterschiede zwischen Wien und Bukarest. Aber natürlich geht’s auch ums Unterrichten, und Kunst unterrichten ist ja selten eine angenehme Aufgabe, weder für den Lehrer, noch für den Schüler: „Schüler werden zerstört, um danach geformt und neu erschaffen zu werden“, so Hakon Hirzenberger. Auf alle Fälle anschauen: Der Film läuft noch bis Anfang Februar im Grazer Rechbauerkino und dann und wann noch in ganz Österreich.


Tom Divan, mit viel Vinyl am Plattenteller. (Foto: MG Wanko)


David Watts und Tom Divans „Smart Club“ war gestern Nacht in der Grazer Kombüse zu Gast. Klasse Sound zwischen Ska, Northern Soul, Soul und Rocksteady, also wirklich gelungene Tanz- und Tratschmusik. Good Feeling auf einem anständigen Level für Menschen über 20, das gibt’s ja net so oft in Graz und so war es auch gut, dass hübsch was los war. Viel Vinyl und coole Menschen bis 4 in der Früh, was ja in unserem Alter echt eine Leistung ist. Gut so, auf bald mal wieder und Head on!

p.s.: und so nebenbei: Graz is ja doch a Wödstadt! (cosmopolitan city)

Wa.

Friday, January 13, 2012

Wie man alt wird.

Pongratz: Die Selbstgedrehte hinters Ohr geklemmt. Foto: M.G. Wanko


„Ich rauche am Tag meine 25 Zigaretten“, meint der 72 jährige Maler Peter Pongratz, gestern, nach seiner Vernissage in der Grazer Galerie Leonhard auf die Frage, wie man fit bleibe. „Und dazu noch regelmäßig Sex“, die Betonung legte Pongratz ganz bewusst auf regelmäßi., Außerdem war er die letzen 50 Jahre auch nie im Spital und vertraut nur seinem Leibarzt. Ja, frisch sieht er aus, auch geistig topfit. Und sonst? Im gehe Graz ab, „bin immer wieder gerne hier und würde auch lieber in Graz als in Wien wohnen, aber ich muss ja von etwas Leben!“, spricht der Maler und denkt dabei an den Bilderverkauf, der halt in Wien besser funktioniert, als in Graz. Zu sehen sind die farbenfrohen Bilder bis zum 4. Feber.  

wa.

Monday, January 02, 2012

Das Abenteuer ist nicht nur im Kopf.

Autoren auf Reisen - der Neid könnt einen fressen!

Ein Deutscher und ein Pole wollen einen Oligarchen aus dem Hinterland von Sibirien retten, der im letzten Gefängnis vor der chinesischen Grenze sein Dasein fristet. Der Oligarch Chodorkowskij erinnert sehr an den inhaftierten Michail Chodorkowski und auch den Russland-Trip den die beiden hinlegen, ist sehr fundiert.

Bis ans Ende der Welt.
Olaf Kühl schrieb mit „Tote Tiere“ einen klassischen Abenteuerroman, der neben der Spannung, die zum Teil schon in den Thriller hineinreicht, viel mehr zu bieten hat, als diesen anschwellenden Nervenkitzel. In Fahrten mit Boot, Bahn, Bus oder maroden Taxis lernen sie Russland von unten kennen. Es sind Städte wie Irkutsk oder Tschita, Orte wo die wahre russische Seele beheimatet ist, Orte die man wahrscheinlich nie persönlich kennen lernen wird, doch diese spannende Fremdheit macht diesen Roman zu einer wirklich sehr lesenswerten Fokussierung auf das neue Russland.
Der Trip bis ans Ende der Welt soll dazu dienen den Oligarchen Michail Chodorkowskij aus dem Gefängnis zu befreien, der zumindest in der westlichen Welt zu den Guten gezählt wird. Doch die Unterwelt, auch die Regierung und die Geheimdienste, scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein. Man weiß über sie überall Bescheid, nur selten erfahren sie ganze Wahrheiten, ein jeder scheint hier sein eigenes Süppchen zu kochen. Dazu gibt es jede Menge russischen Alltag, interessante Menschen und ein bisschen Liebe. Die zwei Freunde kratzen immer nur knapp die Kurve und zerbrechen doch irgendwie an der Weite des Landes und am Widerstand des Systems. Dieser Roman ist kein Märchen, sondern eine gut dossierte Abenteuergeschichte mit Mehrwert. Und Olaf Kühl ist ein Autor mit großem Herz: In ihm haben Russland, Polen und Deutschland Platz.

Eine intelligente Liebeserklärung
In Olaf Kühls Abenteuerroman ist Berlin der Wohnort der beiden Freunde. Von JM Stim ist Berlin der Ort seiner Seele, so einen herzerfrischenden und klugen Essay hat der österreichische in New York lebende Autor über die Hauptstadt Deutschlands geschrieben. „Hier ist Berlin“, heißt sein munteres Gedankenelaborat, und wenn es eine definitive Schrift über das Berlin der Jahre nach dem Mauerfall geben soll, dann ist Stims Essay unbedingt in die engere Auswahl mit hineinzunehmen. Kein Tourismus-Berlin, sondern er beschreibt die Stadt als lebende Substanz, als Enfant terrible unter den deutschen Städten, als ewigen Jungbrunnen, der sich nach der Wende neu erfinden musste und gut daran tat, zuerst einmal auf die Selbstsuche zu gehen. Stim stimmt ein Hohelied auf die freie Szene und die neue Toleranz an. Berlin erfüllt sich den Traum, den jeder Jugendliche träumt: „Zu sein, ohne etwas werden zu wollen … eine Erzählung ohne Plot, mit einem Anfang, aber ohne Ende.“ Den Roman dazu gibt’s übrigens auch, den hat Tino Hanekamp geschrieben und heißt „So was von da.“

Von Martin Wanko

Olaf Kühl: „Tote Tiere“, 285 Seiten, Rowohlt Berlin.

JM Stim: „Hier ist Berlin“, 56 Seiten, Rokko’s Adventures.

Monday, December 26, 2011

Seit dem 6. Lebensjahr im Automobil-Club.

Der Brief und die dazugehörende Mitgliedskarte.

Betreff: Ihre Automobilclub-Mitgliedskarte für unsere Tochter Clarissa Berner. Mitgliedsnummer 34 007 427 AUTO.

Sehr geehrter Sachbearbeiter;

Sehr aufmerksam, dass Sie unserer Tochter Clarissa Berner eine Clubkarte zukommen haben lassen. Immerhin, mit 17 Jahren kann man das brauchen, da haben Sie Recht! Nur blöd, dass Clarissa noch keinen Führerschein geschweige denn ein Auto hat.

Seit dem 6. Lebensjahr Mitglied.

Betrachte ich die Clubkarte genauer, steht oben, dass Clarissa schon seit 2001 Mitglied bei Euch ist, also seit dem sechsten Lebensjahr bereits im Club dabei ist. Da hat man dann gute Chancen auf die „Golden Card“ oder als alter Chiller bekommt man mal ein Foto mit ihrem Marketingleiter in die Mitgliederzeitung: „Frau Clarissa B. 106 Jahre alt, seit 100 Jahren im Club!“ Ist doch so, oder? Aber das brauchen wir nicht zwingend, wir sind schon Mitglied bei einem Grazer Fußballverein, nein, nicht Sturw Graz, sondern wir sind bei dem Club dabei, der 1902 gegründet wurde und den Ausgleich nicht nur am grünen Rasen beherrscht, wie kaum ein anderer (österreichische) Verein. Ich glaube also, dass prinzipiell eine Mitgliedschaft reichen muss.

24 Stunden Rechtshilfe, auch für Hools?

Langsam dämmert es mir, warum unsere Tochter zu Eurem Mitglied wurde: Irgendwie hat’s dadurch eine kostenlose Schulweg- oder Radfahrversicherung gegeben, gelle? Jetzt weiß ich nicht so genau, was ich machen soll, weil bis zum 19. Geburtstag ist die Mitgliedschaft ja kostenlos. Ich kann das Ding also ruhig schleifen lassen, und vielleicht sollte ich das auch. Sie bieten uns ja auch „24 Stunden Rechtshilfe“. Wir stehen ja gelegentlich am Fußballplatz in der Kurve oder gleich daneben, und auch bei Rockkonzerten kann’s eng werden. Kann man da mal den Haken ausfahren lassen, dass man etwas mehr Platz hat? Also, für den Fall der Fälle kann ja eine 24-Stunden Rechtshilfe nicht falsch sein – oder gilt die nur, wenn etwas im Zusammenhang mit unserem Auto „passiert“? Also, wenn man so einen gegnerischen Fan leicht touchiert, bin ich dann bei Ihnen richtig?

Herr Clarissa.

Aber so ganz gefällt mir das nicht, denn plötzlich vergesse ich unsere Tochter bei Euch abzumelden, und dann haben wir den Salat! Wie sehen denn Sie das, sehr geehrter Sachbearbeiter? Ich glaube ich sollte Clarissa abmelden, weil irgendwie seid Ihr in Wien Rüpeln, denn der Brief ist auf „Herrn Clarissa Berner“ adressiert, aber wie ein Herr schaut unsere Tochter wirklich nicht aus. Sie heißt ja jetzt auch nicht Clarissus oder so, sondern Clarissaaa! Also, ich bin für die Abmeldung, außer Sie schieben mir mal ein paar Super-Argumente rüber, warum unsere Tochter Mitglied bleiben soll?

Mit freundlichen Grüßen,

Martin G. Wanko, Graz 2.