Sunday, May 27, 2018

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Sunday, October 29, 2017

Vier Mal Frankreich.




Die Welt ist groß, doch Frankreich genügt die Innenansicht, nicht zu Unrecht: Julie Estève, Enfant terrible der Pariser Szene, geht mit ihrer Protagonistin, Lola, auf Männerjagd. Im gleichnamigen Roman erobert sie Männer im Nu, lässt sie jedoch sehr bald wieder fallen. So nebenbei fließt Lolas dramatische Kindheit in den Text ein und macht daraus ein Stück Borderliner-Literatur, inklusive psychologischem Background. Aber das ist nicht alles: Es wurde in der letzten Zeit selten so schonungslos und zugleich amüsant über Männer geschrieben. Sehr dichte, literarisch ansprechende Momente enden gekonnt am Höhepunkt der Geschichten und schauen danach in das dunkle Loch der Depression. Und dann kommt doch einer, der eine, der dem eher anstrengenden Treiben ein Ende setzen könnte, im positiven Sinne.
Keine Provokation

Natürlich hat man jetzt keine neue Jelinek vor sich liegen, weder „die Klavierspielerin“ noch „die Lust“ ist mit „Lola“ zu vergleichen. Bei Julie Estève fehlt das provokante Element, vielleicht auch die ernüchternde Gewalt der Elfriede Jelinek. Alleine der Mädchenname „Lola“ hätte die österreichische Autorin vermutlich zu einem Angriff gegen jegliche Erwartungshaltungen genützt. Julie Estève traut sich hier noch nicht so richtig raus. Vielleicht kommt das noch - „Lola“ ist eine gelungene Verstörung, die den Leser durchaus dranbleiben lässt und auch einen gewissen Unterhaltungswert hat. Abseits der großen Provokation ein wirklich sehr eigener Roman. 
„Balzac, Balzac!“, hört man das gebildete Paris jubilieren, wenn es um Virginie Despentes Roman „Das Leben des Vernon Subutex“ geht. So weit ist es noch nicht, aber Virginie Despentes zeichnet ein sehr präziseres Sittenbild unserer Zeit. Nach einigen Werken über Randgestalten unserer Gesellschaft, ist ihr neuer Roman eine Art Versuch über die Menschheit. Damit kommt sie in der gesellschaftlichen Mitte an und gewinnt so an Bedeutung.


Gesellschaftliches Kaleidoskop
Vernon, ein Schallplattenhändler, verliert seinen Job und schlussendlich seine Wohnung. Er bemüht nun seine gar nicht so knappe Liste an Kontakten, tingelt so von Freund zu Freund und nistet sich für einige Tage ein. Dabei heraus kommt ein Spiegelbild der Menschheit. Besonders gut gelingen Virginie Despentes die Porträts der Pariser Kulturszene, sehr böse und dennoch zum Lachen komisch. Die Autorin macht hier einen gelungen Querschnitt durch die Pariser Gesellschaft, jegliche Tabus sind ihr fremd. Leider fehlt an manchen Stellen die Stringenz, gerade wenn sich die Autorin zu sehr vom Hauptprotagonisten entfernt. Aber der Roman funktioniert und schlussendlich soll er zu einer Trilogie ausgebaut werden. Hoffentlich kann die Spannung gehalten werden.

Sowohl „Lola“ als auch „Das Leben des Vernon Subutex“ zeigen eine gewisse Vormachtstellung der französischen Literatur in Europa. Frankreich nimmt sich gesellschaftlich und kulturell nach wie vor sehr wichtig und dieses Selbstvertrauen ist auch in den Romanen festzustellen und beim Lesen nach wie vor spürbar. Hiermit muss jetzt nicht übertrieben werden, jedoch in einer Welt, die sich permanent versucht gleichzuschalten, kann der eigenständige Weg nur zum Vorteil gereichen.
Gitarre und Paris

In „Vintage“, so der Titel Grégoire Herviers Romans, geht es nicht um Mode oder Möbel, sondern um gebrauchte, edle Gitarren, genauer um E-Gitarren. Gleich zum Inhalt: Der Pariser Thomas Dupré ist vom Beruf her Gitarrenrestaurator und zugleich Liebhaber dieser Instrumente. Im Speziellen sind es E-Gitarren aus den Fifties und Sixties, die es ihm angetan haben. Eines Tages beauftragt ihn sein Chef eine der restaurierten Gitarren persönlich einem gewissen Lord Winsley nach Schottland zu bringen. Angekommen, auf dem ehemaligen Schloss von Led Zeppelin-Gitarristen Jimmy Page, weiht ihn Lord Winsley in ein Geheimnis ein: Ihm sei eine „Gibson Moderne“, eine sagenumwobene Gitarre, von der nur einige Prototypen gebaut wurden, gestohlen worden. Er beauftragt nun Thomas, für ihn die Gitarre zurückzuholen. Dafür bekommt er eine Million Pfund, sowie ein erstklassiges Erlebnis. Das Abenteuer kann also beginnen.

Abenteuerlust

Grégoire Hervier knüpft an große Abenteuerromane an, verfasst in der Tradition eines Jules Vernes, Jack Londons oder Mark Twains. Man kann diesen Roman auch als Krimi lesen: Ein gestohlenes, wertvolles Musikinstrument, ein toter Gitarrenbauer, dazu zaubert der Autor noch einige schräge Vögel auf die Bühne: Verschrobene Sammler, Millionäre mit eigenen Privatmuseen, Händler ohne Skrupel. Falls man ein Freund von Abenteuergeschichten ist, grundsätzlich an Rock-Musik interessiert ist und das Spiel zwischen Faktum und Fiktion liebt, dann ist man bei Grégoire Hervier goldrichtig.

Brutale Realitäten

Bei Édouard Louis hat die Fiktion nur begrenzt Platz. Nach seinem autobiographischen Debüt „Das Ende von Eddy“, in dem er seine Jugend als homosexueller Außenseiter bezüglich seiner intoleranten Familie und dem problematischen Umfeld seiner Schulzeit aufarbeitet, legt er nun einen zweiten Roman, „Im Herzen der Gewalt“, vor, ebenfalls autobiographisch. Dieses Detail wird hier wesentlich, wenn man den Inhalt des Buches in Betracht zieht. Hier wird der Ich-Erzähler von einem Mann vergewaltigt und mit dem Tode bedroht. Geschickt wird die Situation gezeichnet: Fiktiv lässt der Autor auch andere Personen zu Wort kommen, die dieser Geschichte unterschiedliche Perspektiven verleihen. Dazu ist das Grundthema des Autors allgegenwärtig: Eine eindringliche Stimme, die wieder und wieder feststellt, es bis hierher nach Paris, in die gesittete Welt, in die intellektuelle Schichte geschafft zu haben - und dann dies: Missbrauch und Morddrohung.

Sofern man sich diesem Roman öffnen kann, ist er wirklich sehr feinsinnig und feingliedrig und tatsächlich ein ausgezeichnetes Stück Literatur. Dass der Inhalt auch außerhalb des Feuilletons für Diskussionen sorgte, liegt vor allem daran, dass der Vergewaltiger laut Autor ein Schwarzer ist, der diese Tat bis heute bestreitet. Dennoch geht es hier nicht um Schuldzuweisungen, sondern um einen literarischen Achtungserfolg, dem man auch den zum Teil doch sehr pathetischen Stil verzeihen kann.

Martin G. Wanko (Vorarlberger Nachrichten)

 Julie Estève: „Lola“, 160 Seiten, Rowohlt
Virginie Despentes: „Das Leben des Vernon Subutex“, 398 Seiten, Kiwi

Grégoire Hervier: „Vintage“, 389 Seiten, Diogenes

Édouard Louis: „Im Herzen der Gewalt“, 216 Seiten, S. Fischer

Monday, September 18, 2017

15 Konzerte in 30 Zeilen.

That's me und die Stones am Becher.


Nach wie vor bekomme ich vor Konzerten das Kribbeln. Obwohl dieses Gefühl jetzt nicht  zwingend vom Zuschauerstrom und von der Bekanntheit der Band abhängig ist. Das Ding muss für einen passen und sonst gar nix. Passiert mir übrigens beim Fußball auch, aber das ist dann wieder eine andere Story. Samstags gastierten die Rolling Stones am Red Bull Ring in Spielberg. Da konnte alles zusammenpassen: Band, Ort und Größe der Veranstaltung. Oder eben nicht: Weder Band, noch Ort, noch Größe, kann ja alles scheitern und schon beginnt man zum Nachdenken. Wie waren die letzten 50 Konzerte, die wir* so sahen.

The WHO in der Stadthalle waren großartig, einzig das klassische Gitarrenzertrümmern blieb aus, in einigen Jahren eine Angelegenheit für das Konzerthaus, jetzt im positiven Sinne. Red Hot Chili Peppers auf Nova waren hingegen eine Enttäuschung, zu wabbelig war der Sound und eine gewisse Textsicherheit wäre tatsächlich a Traum gewesen. Sehr erfreut hat hingegen Nick Cave auf Frequency im Jahre 2013, eine irre australische Predigt im weißen Licht. Fast schon kindliche Freude traf uns bei Blink 182, in der Originalbesetzung. In Graz sehr lustig und erfrischend K.I.Z. (das Konzert, in dem das Rauchverbot im PPC für die Jollies war). AnnenMayKantereit, (das Konzert, in dem 16-jährige Mädchen die Nichtraucherzone im PPC eisern verteidigten), woher May diese kräftige Stimme hat, weiß kein Mensch. Alligatoah mit Animator eh sehr okay.

Frittenbude, die Jungs aus Berlin waren wirklich wild und geil, irgendwie Rap, Punk, das sind Menschen mit Anstand & Meinung. Iggy Pop in der Arena, Wien (100 Leute mit Iggy auf der Bühne und Iggy bei strömenden Regen im Publikum). Kraftklub KK, (leider nur das letzte Lied, durch viel Blödheit im eigenen Schädel den Rest nicht gesehen), Tocotronic, trotz Grazer Soziologen und Psychologen-Publikums okay, vor allem auf den Zuruf „Hamburger Schule“, den er als „Hamburger Sonderschule“ quittierte. Deichkind eigentlich immer großartig, nie vergessen werden wir die „Yippie Yippie Yeah“-Tournee, zwei Mal Bilderbuch, zurzeit von „Maschin“ (klingt fast kärntnerisch „ma scheeen“), noch im Glauben, dass Bilderbuch die besseren Wanda wären, was sie aber nicht sind. Wanda, bei denen wir uns nachträglich für den J&B in der ersten Reihe links bedanken wollen. 


 
That's Mick, ohne Becher, dafür mit Gitarre.
 

Und dann war da der letzte Samstag, der 16.09.2017, und wir im Bus von Graz nach Spielfeld. Neben mir ein eh ganz cooler aber doch leicht angespannter Typ, weißes Haar und so, wo ich vom Gefühl her nicht so genau wusste, ob ich ihn jetzt duzen kann, oder ob das nicht mehr geht, hinter mir Jeansjacken-Prolls, die sich einen Deut zu laut über ihre „Erfolge“ im Golfsport unterhielten. Dazu nimmt der Regen minütig zu und ich denke an die Gatsch Partie in Woodstock, die ich nie erlebt habe, an die gute alte Zeit, die nie so gut war, wie wir sie uns vorgaukeln und will einfach nur eines haben: Ein verdammt geiles Konzert, das keine Wünsche offenlässt, anders ausgedrückt: Die Möglichkeit einer gelungenen Veranstaltung mit fast 100.000 Besuchern.

Und? Es war so. Geiler Gig!

 Wa.
 

*Wir: Tochter & ich


 

 

Thursday, January 19, 2017

Die Hölle!



Violetta Schuralow und Stefan Ruzowitzky  bei der Soundportal Premiere ...

Die Hölle ist ein ungemütlicher aber interessanter Ort und seit kurzem auch Titel eines Action-Films aus Österreich. Stefan Ruzowitzky hat ihn in Szene gesetzt – und wie. Ein Psychopath treibt sein Unwesen, ein Frauenmörder. Eigentlich in Afrika „tätig“, hat nun in Wien sein erstes Opfer, eine muslimische Sexarbeiterin, in den Himmel befördert. Violetta Schuralow (Özge) hat ihn dabei von Fenster zu Fenster knapp nach der Tat beobachtet, und er sie. Sie ist daraufhin die Gehetzte, macht aber einen auf Nikita und ist schon sehr wehrhaft. Als Kommissar engagierte Ruzowitzky Tobias Moretti, der auch mit seinem Alter Ego seinen gewissen Spaß hat, sein altersschwacher Schäferhund ist schon sehr okay.  

im Cineplexxx in Graz ...

„Die Hölle“ ist ein klassischer Actionfilm, in der Machart von Luc Besson. Action, dazu viel Film Noir und ein Fokus auf das ungeschönte Wien von heute. Hier wird das heiße Thema Migration angepackt, jedoch ohne eine eindeutige Position zu beziehen, sondern um einen coolen Film zu machen, der seine Erwartungen übertrifft. „Die Hölle“ ist nicht peinlich, sondern fährt auf einem High Label - deshalb angemerkt, da das Genre Actionfilm im deutschen Sprachraum oft aufgrund mangelnder finanzieller Möglichkeiten und ästhetischer Fehlentscheidungen ein bisserl lächerlich ausschaut und eher an beliebige Sokos erinnern. Wenn es in „der Hölle“ kracht, kracht, kracht es, wenn gejagt wird, wird gejagt und wenn das Blut spritzt, spritzt das Blut. Das ist sehr fein anzuschauen, natürlich auch mit wunderbaren stimmigen und traurigen Momenten, die nötige Formung und Weiterentwicklung der Charaktere sorgt.

Hund is cool - Violetta.


Natürlich kann man meckern, dass der Moretti schon wieder spielt, oder es scheinbar am Palfrader kein Vorbeikommen gibt. Ja eh, aber scheiß drauf, weil Violetta Schuralow eine großartige Schauspielerin ist, die alles überstrahlt, dem Ruzowitzky  ein geiler Film gelungen, dem das noch viele neidisch sein werden, weil man Wien „von unten“ sieht, ohne daraus ein Sozialdrama zu machen und weil der Film ganz einfach klasse ist und darum viele, viele Besucher braucht. In Österreich ohne der klassischen Komödie oder dem Arthouse-Film geiles Zeug zu machen, ist verdammt schwierig, eine Genre Erweiterung „Österreichischer Action-Film“ wäre sinnvoll.

Wa.

Vielen Dank für die Einladung an das Radio Soundportal sowie das Cineplexxx in Graz. (Fotos 1, 2, Wa. Foto 3: Allegro Film).  


Monday, October 17, 2016

Das Glacis und der Lauf.




 
Die Stadt ist wie ein pulsierender Organismus und jeder Organismus hat ein Gebiss. Die vorderste Zahnreihe ist meist die, die am schönsten poliert wird, soll ja etwas hermachen, unsere Stadt. Da ich jeden Tag am Glasics zur Arbeit gehe, sehe ich den langsamen Niedergang dieser einstigen Prachtstraße. Antiquariate sperren zu, Lokale machen nicht auf, kleine, an die Universität gebundene Betriebe geben w.o. So manch Oase versiegt und wird anderenorts wieder gesichtet, zum Beispiel die Pastaria. Dazu verdreckt das Glacis zusehends. Da mag man doch nicht einmal mehr mit dem Fahrrad unterwegs sein. Vielleicht doch die Sperrstunde nach Hinten verlegen? Das könnten sich Lokale wieder rentieren und vom Glacis könnte der Schall in Richtung Stadtpark verlaufen, das wäre auch für die Anrainer gut.


Und überhaupt: Außerhalb von Graz wird man gerne gefragt: Und was wird nun als Nächstes bei euch verboten? Also, Leute im kreativen Umfeld wollen in so eine Stadt nicht kommen, Verbote kommen ihnen zu creepy vor. Die sind aber der Humus für die Zukunft. Künstler und Kreative, die machen’s aus. Blöd aber, weil die halt immer die Goschen offen haben und eifrig meckern. Früher sind die wenigstens „nur“ im Wirtshaus gesessen, haben Dinge ausgeheckt, die sogar „die Zeit“ daraufhin abgedruckt hat. Heute gehen die Herrschaften zwar auch ins Wirtshaus aber mitunter laufen sie auch oder halten sich sonst wie fit. Und so kommt es, dass ich gestern, Sonntag, am 16.10. laufen war. Der Oleander blüht, die Oliven stehen noch im Freien, in der Sporgasse machen Eishändler noch gute Umsätze. Und so verlässlich wir jetzt bereits seit Jahren keinen Frost mehr im Oktober haben, werden nach wie vor die Trinkbrunnen der Stadt Graz zugesperrt, wie jedes Jahr, Mitte Oktober.
Fotos & Text: Wa.

Das Glacis und der Lauf.




 
Die Stadt ist wie ein pulsierender Organismus und jeder Organismus hat ein Gebiss. Die vorderste Zahnreihe ist meist die, die am schönsten poliert wird, soll ja etwas hermachen, unsere Stadt. Da ich jeden Tag am Glasics zur Arbeit gehe, sehe ich den langsamen Niedergang dieser einstigen Prachtstraße. Antiquariate sperren zu, Lokale machen nicht auf, kleine, an die Universität gebundene Betriebe geben w.o. So manch Oase versiegt und wird anderenorts wieder gesichtet, zum Beispiel die Pastaria. Dazu verdreckt das Glacis zusehends. Da mag man doch nicht einmal mehr mit dem Fahrrad unterwegs sein. Vielleicht doch die Sperrstunde nach Hinten verlegen? Das könnten sich Lokale wieder rentieren und vom Glacis könnte der Schall in Richtung Stadtpark verlaufen, das wäre auch für die Anrainer gut.


Und überhaupt: Außerhalb von Graz wird man gerne gefragt: Und was wird nun als Nächstes bei euch verboten? Also, Leute im kreativen Umfeld wollen in so eine Stadt nicht kommen, Verbote kommen ihnen zu creepy vor. Die sind aber der Humus für die Zukunft. Künstler und Kreative, die machen’s aus. Blöd aber, weil die halt immer die Goschen offen haben und eifrig meckern. Früher sind die wenigstens „nur“ im Wirtshaus gesessen, haben Dinge ausgeheckt, die sogar „die Zeit“ daraufhin abgedruckt hat. Heute gehen die Herrschaften zwar auch ins Wirtshaus aber mitunter laufen sie auch oder halten sich sonst wie fit. Und so kommt es, dass ich gestern, Sonntag, am 16.10. laufen war. Der Oleander blüht, die Oliven stehen noch im Freien, in der Sporgasse machen Eishändler noch gute Umsätze. Und so verlässlich wir jetzt bereits seit Jahren keinen Frost mehr im Oktober haben, werden nach wie vor die Trinkbrunnen der Stadt Graz zugesperrt, wie jedes Jahr, Mitte Oktober.
Fotos & Text: Wa.

Sunday, June 12, 2016

Warum ich den Vatertag ablehne.


Zusammen in Italien, jung waren wir!
 

Ich bin Vater einer 21-jährigen Tochter und alles ist gut, soviel einmal für Leser, die mich nicht so gut kennen. Der Vatertag ist für mich dennoch eine sonderbare Angelegenheit, um ehrlich zu sein, finde ich ihn entbehrlich.

Darum lese ich auch heute keine Zeitung, außerhalb des Sportteils. Finde es aber schon lustig, dass die beiden auflagenstärksten Zeitungen das gleiche Titelbild eines Fotodienstes gewählt haben. Es zahlt sich halt doch aus, einen Gerry Wolf oder einen Christian Jungwirth für ein Exklusivfoto zu verpflichten, das nur kurz zum Thema Austauschbarkeit unserer Medien. Das Bild ist aber sehr nett, ein Kind liegt mit dem Vater in der Wiese und das kleine Kind packt den Vater an der Nase, beide lachen dabei. Alles eitle Wonne. Schön so.
Zusammen auf dem letzten Spring Festival
 

Ich bin Autor, war zur Zeit als unsere Tochter klein war, Ende der 1990er-Jahre,  als Freischaffender logisch, viel mit unserer Tochter unterwegs. Jetzt lache ich darüber, damals war das alles nicht so witzig.

An den öffentlichen Spielplätzen zum Beispiel, schauten mich die Mütter misstrauisch an, manche kamen auch auf mich zu und fragten, was ich denn hier auf der Bank so sitzend und die Kinder beobachtend, mache. Als Antwort rief ich dann nach meiner Tochter, die zu mir gelaufen kam. Den Müttern war das ziemlich peinlich und sie entschuldigten sich auch, aber die Sache war klar, sie verdächtigten mich als Kinderverzahrer.

Auf der fahrt nach Wien. Gas geben!
 

Unsere Kinderärztin wiederrum sagte mir Jahre später, als ich sie auf einer Vernissage traf, dass ich der erste Vater war, der prinzipiell mit seinem Kind die üblichen Termine machte. Immerhin brauchte sie damals am Abend einen Cognac, und spürte, dass eine neue Zeit angebrochen war.

Besonders nett waren die Menschen, die nach dem dritten Bier meinten, und bei euch macht also deine Frau Karriere, während du auf die Tochter „schaust“. Das impliziert nämlich gleichzeitig den Gedanken, dass eine Mutter, die „ihren Pflichten“ „anständig“ nachkommt, keine Karriere machen kann, oder darf. Meine Frau spürte das übrigens auch gelegentlich, dass eine Beziehung, wo sich eben beide um den Nachwuchs kümmern, mit Neid bedacht wurde.

Besuche am Fußballplatz mit meinem Freund Wolfgang waren auch immer interessant, weil wir unsere Mäderln dabei hatten. Ja, sollten wir sie zu Hause sitzen lassen oder was? Das sind jetzt alles nur Momente, die ich beschreibe und nichts mit Jammern zu haben, bitte mich hier nicht falsch zu verstehen und wenn schon, dann bitte jetzt einmal ein Hoch auf alle alleinerziehende Männer, denen gar nichts anderes übrig bleibt, als den Part beider Elternteile einzunehmen. Ich bedanke mich mit diesen Zeilen bei meiner großartigen Tochter, mit der ich nach wie vor eine großartige Zeit verbringe und auch bei meiner Frau, die mir diese so wichtige Zeit ermöglichte, die Dinge anders zu machen, als sie damals übrig waren.

Zusammen auf dem GAK Platz. An was ich da wieder denke ;)
 
Die Zeit mit meiner Tochter, die wir zusammen verbringen, findet übrigens noch immer ihre Fortsetzung. Es gibt keinen Menschen, mit dem ich auf mehr Fußballspielen war als mit meiner Tochter (und Haberer Wolfgang K.) und tatsächlich gibt es keinen Menschen, mit dem ich häufiger im Theater und auf Konzerten war und bin als mit meiner Tochter Clarissa. Ich finde dieses Zusammenwachsen von Generationen so kostbar, sodass wir wieeeder eine Bewegung sind. Heute übrigens, fährt der alte Knacker Wanko nach auf Nova Rock, die Red Hot Cilli Peppers habe ich noch nie live gesehen. Meine Tochter erwartet mich schon. Wird sicher eine große Sache, ganz ohne Vatertag. Den kann man übrigens abschaffen, gleich wie den Muttertag, der von der Nazi Propaganda erfunden wurde. Und wenn schon: Vatertag ist jeder Tag, Muttertag auch und Kindertag so und so.

 
Als wir Campino von den Toten Hosen einen GAK-Schal überreichten. Er war naturgemäß begeistert.

Wa.
(Alle Fotos (c) Wanko / Berner)


Monday, May 30, 2016

Philip Kerr - Wolfgang Kühnelt 1:3




Pünktlich zur Fußball-EM erscheinen naturgemäß massenhaft Kicker-Bücher Wolfgang Kühnelt nimmt hierbei Österreich unter die Lupe, Philip Kerr marschiert nach Griechenland.
Philip Kerr ist kein Unbekannter mehr. Mit „Game Over“ brachte der überzeugte Arsenal- Fan vor zwei Jahren seinen ersten Fußball-Krimi heraus, mit „Die Hand Gottes“ legt er nun nach. Spielt sein erster Roman zur Weihnachtszeit, in der in England der Fußball Hochbetrieb hat, ist der Handlungsschauplatz seines neuesten Werks interessanterweise Griechenland.

Der Co-Trainer als Schnüffler

Im Champions-League-Spiel Olympiakos Piräus gegen London City stirbt während des Spiels der russische Spielmacher der Londoner am Sekundentod, einem plötzlichen Herzstillstand. In der Nacht darauf wird aus dem Hafenbecken von Piräus eine Dame gefischt, die die letzten Stunden ihres Lebens mit dem toten Fußballer verbrachte. Die mögliche Verwicklung in diesen Todesfall ist nun der Grund, warum die Mannschaft nicht aus Griechenland abfahren darf. Um die Zeit totzuschlagen, beginnt der Co-Trainer des fiktiven Fußballclubs, Scott Manson, wie bereits im ersten Roman, als Hobbydetektiv zu ermitteln.

Prinzipiell ist Philip Kerr fein zu lesen. Der Mann hat wirklich eine Ahnung vom Fußball und auch wie die Dinge im Hintergrund laufen. Seine direkte Ausdruckweise, er nimmt sich nur selten ein Blatt vor den Mund, erinnert sehr stark an die Spielart des englischen Fußballs. Den Trip nach Griechenland hätte er sich dennoch sparen können. Seine Erkenntnis bringt keinen Mehrgehalt, zumal auch der saloppe Stil des Autors in diesem Falle eher beleidigend wirkt. Bleibt zu hoffen, dass Philip Kerr seinen nächsten Fußball-Thriller wieder in England spielen lässt, oder eine wirklich ausgefallene Destination findet.

Die österreichische Seele

Hier tut sich der Autor Wolfgang Kühnelt etwas leichter. Er bleibt mit seiner Streitschrift „Nachspielzeit“ in Österreich. Der Untertitel „Die sieben Todsünden des österreichischen Fußballs“ sagt eigentlich schon alles aus und zugleich ist es doch anders als es scheint: Kühnelt zeichnet mit Hilfe des Fußballs ein äußerst gelungenes Porträt über unser Land. Österreich als ängstliches Land, welches an einer verschwommenen Selbstwahrnehmung laboriert und sich im Grunde selbst nicht leiden kann.

Aber diese Streitschrift ist mehr als ein launisches Dribbling. Sie behandelt sowohl die Einstellung des Durchschnittsösterreichers zu Einwanderern, bis hin zur berühmten Missgunst gegenüber seinen Nachbarn. Cordoba oder der Sieg über Deutschland wird dementsprechend nochmals beleuchtet. Fazit: Wir sind die Neidrepublik und Kühnelt ein genauer Beobachter. Zu lernen würde es viel geben, die erste Hürde könnte bereits nach der Fußball-EM kommen: Wenn es mit den Resultaten nicht so klappt, schickt man den zurzeit hochgejubelten Teamchef Marcel Koller wieder in die Wüste? Zuzutrauen wäre es dem Österreicher. Ist er doch nach wie vor seines Unglücks bester Schmied.

Fazit: Der Österreicher Wolfgang Kühnelt gewinnt das Ländermatch gegen den Engländer Philip Kerr eindeutig mit 3:1.


Vorarlberger Nachrichten, Martin G. Wanko

 
Philip Kerr: „Die Hand Gottes“, 396 Seiten, Tropen Verlag

Wolfgang Kühnelt: „Nachspielzeit“, 67 Seiten Leykam Verlag



Wednesday, May 11, 2016

Laufen oder klatschen!



Meine Laufsaison ist zu Ende, nein, nicht ganz, es gab aber bereits die beiden größten Highlights: Den Vienna City Marathon (VCM) und den Wings for Life. Der VCM ist wohl der renommierteste Lauf in Österreich, mit über 100 Nationen zu Gast und rund 42.000 Läufern. Sehr super. Gut organisiert, und überhaupt: Da wurde in den letzten Jahren auch investiert und nicht nur verdient. Der Lauf war trotz Sauwetter geil, weil man halt gerne in Wien ist und das etwas gleich schaut, wenn man am Naschmarkt läuft. Ein bisserl auch staatstragend, so mit Bundeshymne, Walzer, weiß Gottt alles, Land of Hope and Glory habe ich strange gefunden. Ich sah nirgends die Brits aus glorreichen Kriegen heimkehren. ;)

Auch sonst: Anständig Verpflegung bis zum Schluss, Erdinger-Cheerleader-Paraden die etwas hergeben, auf alle Fälle wenig Quatsch. Auch war zu sehen, dass das Merchandising funktioniert. Die Läufer legen sich gerne als „verwendbares Andenken) ein Qualitätstrikot des Laufs zu, auch wenn das dann mit der Startgebühr über 100 EUR ausmacht. Zu mir: Sehr wenig Schlaf, mäßiges Training und eine kleine Party davor, daraus  resultiert eine oage Zeit, für den Halben ca. 1:37, wo ich aber zum nächsten Punkt komme: Man macht es ja, damit man es macht, den olympischen Gedanken, den gibt’s ja noch. Der erste „Halbe“ dieses Jahr ist also Geschichte.



In den letzten Jahren  war die Teilnahme am Wings for Life für mich nicht möglich. Heuer war ich also erstmals am Lauf dabei, der von Red Bull weltweit veranstaltet wird. In einem Satz erklärt: Weltweit laufen die Mädels und Jungs zeitgleich weg. Nach dreißig Minuten setzt sich ein Catcher Car in Bewegung und schnappt alle Läufer auf. Gewonnen hat, der weltweit als letztes geschnappt wurde. Okay, mich erwischte es nach rund 8 km, wäre auch so mehr drinnen gewesen, standen doch viele Pfosten am Weg herum, aber deshalb macht man’s ja nicht.

Der Event war steil, so viele LäuferInnen zu sehen, die irgendwie schwer nach Nachtlokal und Disko ausgeschaut haben, die vermutlich noch selten in Laufschuhe schlüpften, war außergewöhnlich, aber richtungsweisend. Neben den Ausdauersportlern macht sich nun eine zweite Bewegung bemerkbar, die Youngsters, die sich ganz gerne bewegen und ein anderes Ding suchen, als Volksläufe: Mit dem Catcher Car, Hubschrauberflug, den RB-Sportlern und dem Drumherum war wirklich viel los und es zeigte auch die Möglichkeiten auf, dass eine eigentlich unspektakuläre Sportart zumindest auffällig gezeigt werden kann und sich dieses Gefühl auf die Teilnehmer überträgt.



Der Gedanke, dass dieser Lauf den Menschen gewidmet ist, die nicht mehr laufen können, ist voll okay und geht auch auf. Hier sieht man dann bei Steigungen, wie LäuferInnen RollstahlfahrerInnen antauchen und ein Stück mitnehmen, ohne jetzt auf ihre Zeit zu schauen und so weiter. Dass das natürlich wieder eine Werbung für Red Bull ist, ja mei. Andere verdienen auch Millionen und machen nix. Dass es an den Labstationen Red Bull gibt, finde ich irgendwie witzig, Coca Cola gibt’s in den anderen Läufen auch. Nächstes Mal werde ich im Team Betriebsrat antreten, wie schon GAK-Haberer Hofer sehr treffend bemerkte, vielleicht löst sich dann der Lauf auf ;) Eines noch, das Publikum hat’s ganz gerne, wenn es von Läufern angebrüllt wird und folgt dann zugleich: Klatschen oder laufen!

Wa. (Fotos: Wa.)


Monday, March 07, 2016

Heinz Strunk, einer von uns.




Heinz Strunk ist ein Tausendsassa: Er ist Schauspieler, Moderator, Lebemensch, Freak, Kritiker und zum Glück auch Autor. Er ist der Mann fürs Grobe, der fast gegensätzlich, mit viel Feingefühl, unappetitliche Wahrheiten auf den Tisch bringt. Seine Qualitäten haben sich mittlerweile auch bei den Entscheidungsträgern herumgesprochen, so wurde der Hamburger mit seinem neuen Roman „Der goldene Handschuh“ für den Preis der Leipziger Buchmesse vorgeschlagen.
Die Vorhölle des Deliriums

Die Nominierung überrascht dennoch, da „Der goldene Handschuh“ ein schonungsloser Lokalaugenschein im Hamburg der 1970er-Jahre ist und jetzt nicht vordergründig literarisch wirkt. Strunk macht sich im Hinterhof der Reeperbahn auf die Spuren des Frauenmörders Fritz „Fiete“ Hanka, lotet sein Umfeld aus, beleuchtet die Destillen und wirft einen Blick auf Opfer und Täter. Gelegentlich springt der Autor in die bessere, scheinbar heile Welt, die der Reedereien und des großen Kapitals, aber auch hier nichts als Verderben unter der glänzenden Oberfläche. Der Autor zeigt mit der Hamburger Hafenspelunke „Der goldene Handschuh“ eine Art Vorhölle der Gescheiterten und Unglücklichen, der Geächteten und Geschändeten. Gelegentlich verliert er sich, abseits des berüchtigten Mörders, zu sehr in Details. Das tut aber der inneren Spannung keinen Abbruch. Literarisch einwandfrei, schuf er einen Recherche-Roman aller erster Güte. Die Bestürzung über menschenunwürdiges Leben in unseren Breiten hallt beim Leser noch lange nach.

Wa.

Saturday, January 09, 2016

To all Runners a happy new year and let’s go for it!

Marten G. Wanko is on the run - good morning Austria!



Run, bros run!


Martin G. Wanko, 2016-01-09, Graz, Austria, Europe

Tuesday, December 29, 2015

Wankos Jahresrückblick 2015 – kreuz und quer.




Drei Mal Pop, drei Mal GAK: Wanko - Berner - Kühnelt.  


Fußball!

Der GAK wurde erneut Meister – und hätte mich vor 20 Jahren ein Dschinn aus der Flasche gefragt, ob ich den GAK als Serienmeister haben will, hätte ich sicher eingeschlagen, natürlich nicht informiert, dass der Geist die Unterligen mit ihren Kartoffelackern meint. Und trotzdem, unten kickt sich’s auch gut, Hut ab vor den Mitkonkurrenten, die hier seit Jahren die Fahnen hochhalten. Meister werden wir werden, und für die Oberliga prognostiziere ich einen Anstieg der Ticketpreise, sofern die Verantwortlichen keinen großen Sponsor an Land ziehen. 5 Euro auf jede Karte und einen 50er auf die Saisonkarte – Herrschaften, das geht sich aus! Fans, Freunde! Zwei Bier weniger in der Woche, oder eine Schachtel Tschick, dafür, dass unser Verein realistische Chancen hat, weiterzukommen. Geht schon, gell?! (Apropos steirischer Fußball, Pop sind wir und Ende der Durchsage.)
 
Wien Marathon und die Uno schaut zu ;)
 

Privat!

Was war sonst noch? Wien Halbmarathon super, da weiß man für was man zahlt. Römerlauf in Leibniz, der schönste Abendlauf den ich kenne. Dazu noch zum Drüberstreuen die Stafel beim Graz Marathon. Meine Zeiten waren überall ziemlich grausig, die ich gelaufen habe, aber egal. Keine Verletzungen und keine Ausreden. Dennoch, über 1000 km muss man im Jahr einmal laufen, ich lade gerne jeden dazu ein, es ist ein Erlebnis. Das Schöne daran: Man kann dabei nachdenken, muss aber nicht. Nächstes Jahr: Wien ist gebucht, Römerlauf wird es auch wieder geben, Run for Wings auch. Römerlauf schauen wir mal, dann hätte ich heuer gerne den Bodensee HM im Herbst. Das werden sicher wieder Arsch-Zeiten aber das ist mir so etwas von egal. Ich will einfach das High Feeling in der Birne und einen gewissen olympischen Gedanken. Obgleich, vielleicht vorher schnell mal nach Kenia fliegen, dann läuft der Wa wie ein Wunderwutzi.

Hut ab hier übrigens vor Wolfgang Kühnelt, der heuer neun Halbe in neun Bundesländer lief, Georg Michl, dem Extremisten unter den mir bekannten Läufern und Robert-Ernst Kaiser, weil der auch voll arg und außerdem ein AS Roma Fan ist. Run, Boys, run!

Regional!

Dann war die Amokfahrt in Graz über die ich noch immer nicht schreiben kann und will. Interessanter Nebenaspekt jedoch: Laut sozialen Netzwerken waren an diesem Samstag unheimlich viele Menschen in der Grazer Innenstadt. Würden die sich auch nur ein Zuckerl in der City kaufen, hätten die Händler dort geringere Probleme. In Sachen Amokfahrt in Graz wäre die Kunst gefragt eine Annäherung auf Fragen zu suchen, die im Raum stehen.

National!

Unsere Bundesregierung wurstelt. Eine Steuerreform gibt es trotzdem. Immerhin. Frage: Welche Regierung wurstelte in den letzten 30 Jahren nicht? Andere Frage: Welches Medium wurstelt nicht seit 30 Jahren? Gibt es hier Zusammenhänge?

International!

Nicht falsch verstehen, aber wenn ich auch mit Entsetzen auf Paris schaue, sind die meisten Attentäter Franzosen mit Immigrationshintergrund. Scheinen auch hier in Europa einige Aufgaben nicht gelöst worden zu sein. Dazu muss gesagt werden, dass „der Westen“ sehr gerne Städte bzw. Länder unter Beschuss nimmt, die er vor Jahrzehnten kolonialisiert hat. Scheinbar hat sich hier in den Gedanken nicht viel geändert. So nebenbei: Wo ist eigentlich die Friedensbewegung hin, die die Waffen abschaffen wollte? Heute wird wieder pulverisiert, wo es geht, die Kritik hält sich in Grenzen. Ein Geschenk für die Waffenlobby allemal.
Bilderbuch - Maurice im Orpheum (Foto: Wa.)
 
Musik!

Sehr in, Musik aus Österreich. Bilderbuch wunderbar, zwei Auftritte heuer in Graz gesehen. Ausverkauftes Orpheum und Nuke Festival. Dort mit Leadsänger Maurice gesprochen. An einen Kicker von früher kann er sich noch gut erinnern: Didi Ramusch. Leider geil, oder zum Glück geil. -- Bilderbuch sind ja eher die Künstler, Wanda eher die Rocker. Also Austrokunst vs. Austrorock. Wanda zerstören Musikinstrumente, sehr fein, aber eher vorsichtig. Kurz mal „The Kids are allright“ von The Who studieren, wäre angesagt. Wenn kaputt machen, dann ganz. So ein Gedanke … der Suizid ist in Österreich ein allgegenwertiges Thema: Ich glaube Marco Michale Wanda würde den Weg von Kurt Cobain wählen und Maurice Ernst stelle ich mir in einer goldenen Wanne mit warmen Wasser und die goldenen Pulsadern vor.

Abgesehen davon: In Österreich werden meistens nur drei Bands genannt, die gerade mal was drauf haben. Wie wäre es zum Beispiel mit das trojanische pferd mit: „Staub“ oder „STIMMT“ (trotz gaga-Soli gut). Aus dem Kommerz gibt es also immer einen Ausweg und das ist nicht nur gut so, sondern das muss so sein. Esgibt noch Vieles zu entdecken!

Literatur!

Leset Günter Eichberger, Wilhelm Hengstler, oder Mike Markar!. Zumindest kaufen sollt ihr ihre Bücher. Dringliche Empfehlung: Günter Eichbergers „Trockenpflanzen“ im TiK. Auch cool: Il Carsa ...

Und sonst?

2016 wird kommen und wir werden das rocken, viel Erfolg meinen treuen Lesern, etwas mehr Erfolg als meinen Nicht-Lesern, obgleich es denen auch gut gehen soll, aber nicht so gut wie uns ;)

Wa.
Text und Fotos: Wa.

 

Friday, December 11, 2015

James Bond 007 Spectre, Oida!





Oida! Echt der beste Bond, den es jemals gab, alleine die schauspielerischen Qualitäten des Herrn Daniel Craig genügen aus um dies sagen zu können! Stimmt natürlich nicht, alles ein Schmarren. Das Drehbuch war von der Sorte „das hatten wir ja alles schon mal“ – das wird vermutlich auch der nüchterne Auftrag gewesen sein – ist problematisch. Vier anerkannte Drehbuchautoren und die bringen nichts weiter, bzw. dürfen nichts weiterbringen. Gegenüber den letzten Bonds mit Craig hat sich hier einiges zurückentwickelt. Alles sehr konstruiert und Craig scheint die Rolle satt zu haben, hier war kaum Freude spürbar. Kommen wir zum eigentlich wichtigsten Element in den Bond Filmen: Der Gegenspieler. Das macht ein gewisser Herr Christoph Waltz. Super und böser war bis jetzt keiner. Stimmt jetzt leider auch nicht. Waltz war jetzt nicht böse, noch tuntig, sondern er war einfach da  und hat böses gemacht. Gerne hätte man sich hier Skyfall-Bösewicht Javier Bardem zurückgewünscht. Die Locations waren leider auch öd – wie viele Bonds hat man bereits mit Geheimlabors in Wüsten oder Urwälder gesehen? Natürlich kann man sagen, dies ist ein Kniefall vor der alten Zeit oder sonst etwas. Aber was! Wenn ich die alte Zeit sehen will, dann schaue ich mir halt die alte Zeit an. Aber dafür riss Bond Girl Léa Seydoux alles heraus, was es nur zum Herausreißen gibt. Stimmt halt auch nicht, die Blonde blieb blass wie ihr Haar.

Monica!



Aber doch!

Dafür spielte Monica Bellucci als Witwe mit und war darin ziemlich gut. Stimmt! Die Italienerin durfte Italienerin sein und war bei ihren spärlichen Auftritten wirklich eine Erscheinung und Schauspielen kann sie auch. Großartig und für das zahlt sich der Film doch aus, ihn zu sehen, Altaussee war in Ton und Bild vorhanden und wurde zwei Mal genannt. Ischgl, oder was auch immer, ging leer aus. Immerhin! Ich will jetzt nicht blöd sein, Bond funktioniert und ihn soll es immer geben. Egal ob schwul, lesbisch, Frau oder Mann, Bond soll er heißen und aus. Auch super, dass nach zwei Wochen noch die Kinos gut gefüllt sind, passt auch! Aber das nächste Mal hätte die Redaktion gerne das Wort mit den acht Buchstaben gespürt: Spannung!

Wa.

Die Redaktion bedankt sich beim Cineplexx Graz für die Kinokarten und dem netten Abend im Cineplexx-Areal. (Fotos: MGM)



Sunday, November 08, 2015

Facebook: Warum minus 30 Prozent Friends guttun.

Ja, sicher ;)
 


FB Friends scheinen in Summe eine Art Freund zu sein, ein einzelner Typ mit dem man zu tun hat, der jedoch in Wirklichkeit nicht existent ist. Eine virtuelle Gestalt aus allen Freunden zusammen, die einen mit Infos füttern und mit denen man sich unterhält. Irgendwie wurde mir das unheimlich. Zeit dem Freund ein verfeinertes Gesicht zu geben.

Anfangs war nur die Idee da, Menschen mit denen man nichts persönlich zu tun hat, von Facebook zu löschen. Von knapp 1000 Friends geht es so mal locker auf 900 runter, ohne viel Aufwand. Ein paar Bekannte sind dabei, aber im Grunde nicht so schlimm. Bis heute hat sich kein Entfreundeter bei mir gemeldet, werde ihnen also nicht aufgefallen sein. Macht  ja auch nix. Ich bin ja auch nur ein Läufer ein Kickplatzgeher und ein Habi, der gelegentlich auf FB etwas reinschreibt. Das war Anfang Oktober. Interessant wurde es, dies zu posten.

Der erste Rauswurf

„So, 100 Friends rausgeschmissen, habt’s ein Glück gehabt“ war mein lapidares Statement zu meinen übriggebliebenen Freunden. Diese freuten sich, zumindest bekam ich überdurchschnittlich viel Aufmerksamkeit (Likes), über 60, dazu noch 17 Kommentare. In den nächsten drei Wochen wiederholte ich die Übung. Jedes Mal löschte ich 100 FB Friends, was mir jedoch zunehmend schwieriger fiel. Die FB-Friends mit denen man selten bis nie in Interaktion tritt sind auf FB so flüchtig wie Flöhe im Hundefäll, denn größtenteils zeigt FB Freunde an, mit denen die Interaktion stimmt - Egal, es wird natürlich schwieriger, weil man ab einer gewissen Zahl Friends löscht, die man persönlich kennt. Da überlegt man dann genauer, aber es hilft nix, minus 100 sind minus 100. Das war mit mir so ausgemacht.

Die Reaktionen

Spannend an der Übung war eigentlich der dramaturgische Hintergrund: Blitzschnell verstand jeder (jede) Interessierte, was mein Spiel soll. Dazu fühlte er sich auch noch angesprochen, weil ihm „es“ ja auch passieren könnte.  Dies bedeutet, dass die am leichtesten verständliche Dramaturgie zugleich die eindringlichste ist. Sollte sich jeder Autor und Filmemacher hinter die Ohren schreiben. Die simple Dramaturgie trieb jedoch sehr schöne Blüten, denn die Antworten waren oft nicht schlecht: Rolf zum Beispiel schickt mir zum Dank fürs Nicht-Entliken ein Foto meines Vaters zu. Martin meinte zum Beispiel, dass am nächsten Freitag die 100 Entfremdeten zu mir nach Hause kommen würden, um mich zu „begrüßen“. Thomas meinte: „Einmal Freund, immer Freund! So geht's ja auch nicht. Ich werf' meine alten T-Shirts ja auch nicht weg. Überhaupt, wo sind die eigentlich? Grübel ...“. Robert war „Verwundert“, dass ich Andrea nicht von meiner Liste strich usw. – alles super Antworten, nebenbei stiegen auch die Likes für Postings, die ich so nebensächlich betreibe.

Auch reale Treffen waren nett, am Fußballplatz, im Supermarkt, beim Joggen. Die Menschen haben sich gefreut, dass ich sie nicht entfreundet habe. „Noch immer Freunde!“, war der allgemeine Tenor. Besonders lustig war hier Thomas, den ich entfreundete, und am nächsten Tag eher zufällig traf. Er meinte, er sehe mich auf FB immer (!) beim Laufen und auf dem Fußballplatz.. Als ich ihm zur Verabschiedung  sagte, dass wir uns in einem anderen Leben wiedersehen werden, schaute er mich leicht verwirrt an. Ich glaube, er weiß bis heute nicht, dass unser gemeinsames FB-Leben beendet ist.

Die Konsequenz

Mit 300 Freunden weniger, habe ich über 30 % meiner Friends zumindest digital über den Jordan geschickt. Warum nicht gleich alle? Wäre doch eine feine Sache, sich von den letzten 100 Friends zu verabschieden und dann sich in letzter Konsequenz selbst zu entliken. Ja, vielleicht kommt das noch einmal. Es hat zumindest etwas von Agieren und nicht von Reagieren. Und Menschen die agieren, werden nun mal eher gemocht, als Menschen die reagieren. Ist ja alles nur ein Spiel, ist ja nix passiert. Ein bisserl Aufmerksamkeit braucht jeder, da schließe ich mich nicht aus, obgleich es mir wichtig erscheint, gelegentlich an den Dingen loszulassen, die man nur gewohnheitsmäßig festhält. Also, ich rate einem jeden: - 30 % Facebook-Friends zahlen sich auch. Weniger ist mehr, Tatsache.

Wa.

P.S.: Schön, dass wir noch befreundet sind, irgendwann lernen wir uns schon noch kennen. Und: Rätselraten entstand, welche Friends ich nach welchem Prinzip entfreunde. Hier stand nicht wie vermutet, der Fußballverein an vorderster Stelle.

© Text: Martin G. Wanko.



Thursday, November 05, 2015

Philip Kerr: Kick and rush!




Philip Kerr ist ein englischer Trillerautor höchster Qualität. Er reüssierte bereits mit „Game over“, oder „Das Wittgensteinprogramm“ und wurde damit unter anderem mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet. Mit „Der Winter Transfer“ legt der Fußballfan nun seinen ersten Fußball-Thriller vor. „Der Winter Transfer“ handelt von einem Co-Trainer, der prinzipiell nur eines versucht, seine Mannschaft London City auf Vordermann zu bringen und ein halbwegs gutes Mannschaftsklima aufrechtzuerhalten. Plötzlich findet man einen ehemaligen Freund und Mannschaftskollegen von Scott erhängt auf einem Mast vor dem Wembley-Stadion baumeln. Ziemlich unangenehm, dass dieser noch vor Stunden bei Scott auf Besuch war. Als dann noch der Trainer der Mannschaft ermordet wird, hört sich der Spaß auf und Scott, mit viel Insiderwissen ausgestattet, beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.

Der Zug zum Tor

Nun denn, es gibt kaum etwas Schwierigeres, als ein gelungenes literarisches Werk zu schaffen, das an die Leidenschaft des Autors gekoppelt ist. Zu viele Ausschweifungen, zu viele Details, Seiten also, denen der mäßig interessierte Leser nicht folgen mag. Noch problematischer wird es, wenn es hier um ein Thema geht, auf das die eine Hälfte der Gesellschaft brennend, die andere jedoch überhaupt nicht interessiert, nämlich Fußball. Dazu kommt noch, dass fußballbegeisterte Personen jetzt gerade nicht als überdurchschnittliche Leser bekannt sind. Doch Philip Kerr meistert dies grandios. Hin und wieder erzählt der deklarierte FC Arsenal Fan eine Nuance zu viel, das kann als brasilianisches Dribbling quotieren, ich zwicke ihm da aber schon in die Eier. Aber: Er hat einen Zug zum Tor, sprich: Die Spannung lässt nicht nach. Nun, Weihnachten naht, und wollen die Damen unter den Lesern ihren fußballversessenen Partnern ein Buch schenken, welches denen so richtig Spaß macht, wäre „Der Winter Transfer“ ein guter Griff.

Wa.
Philip Kerr: „Der Winter Transfer“, 425 Seiten, Tropen Verlag

Saturday, October 17, 2015

Das Boot des Präsidenten oder viel Krach.



Wahrscheinlich füllen die Biographien über John F. Kennedy schon Regale. „Der Kurs der Kennedys“ ist jedoch weder ein sensationsgieriges Elaborat, noch ein öder Schinken, sondern es überrascht durch seine Finesse. Es beschreibt anhand der Segelboote des Kennedy-Clans den Werdegang einer der einflussreichsten Politikerdynastien des 20. Jahrhunderts.
Wie tief das Segeln in der Familie verwurzelt ist, zeigt, dass John F. Kennedy sogar noch in seinem Hotelzimmer Dallas, vor dem tödlichen Attentat auf ihn, ein fahrendes Segelboot skizzierte, vermutlich die zierliche Victura, das erste Segelschiff der Kennedys, mit weißem Rumpf, welcher später blau lackiert wurde. Hinter der Idee, seine Kinder schon im frühen Alter mit dem Segeln vertraut zu machen, stand sein Vater, Joseph P. Kennedy, der den Kindern Disziplin, Gemeinschaftsgefühl aber auch den Willen zum Erfolg durch sportliche Betätigungen, vor allem durch das Segeln nahebrachte.

 Schiff ahoi, Herr Präsident

Der Autor, James W. Graham, besticht durch unheimliches Detailwissen, aber auch durch eine Art literarisches Schreiben, welches bei Sachbuchautoren oft auf der Strecke bleibt. Gelegentlich fühlt sich der nicht so dem Segeln vertraute Leser etwas überfordert, aber prinzipiell bleibt der Autor seinem Kurs treu: Er beleuchtet das Leben der Kennedys vom Boot aus, beschreibt die Verwandlung des Familiensports zum öffentlichkeitswirksamen Wahlkampfinstrument. Sogar in seiner kurzen Präsidentschaft verbrachte Kennedy seine Freizeit auf dem Boot und ließ in seine Reden das Meer und die Schifffahrt einfließen. Bis heute klammert sich die Familie an diesem Mythos. Ob jedoch die Segelboote der Kennedys ohne Galionsfiguren Kurs halten können, bleibt abzuwarten.

In die tiefen Wälder der Vereinigen Staaten geht es bei Benjamin Percy. In seinem Debüt schreibt er Kurzgeschichten über das Leben und Sterben im US-Bundesstaat Oregon. „Jemand wird dafür bezahlen müssen“, nennt sich der Band. Er kreist um den Irakkrieg und die Zeit danach, um eigenartige Jagden, die verzweifelten Liebe alter Menschen und die Perspektivenlosigkeit junger Amerikaner, die sie in den Krieg führt.

 


Berliner Namedropping
Blick zurück in die Zeit der Mauer-Bohème. Ein junger Mann namens Alexander Hacke befindet sich im Berlin der 1970er-Jahre. Er ist etwas frühreif und zieht sich schon im vorpubertären Alter Band wie die Ramones oder Nina Hagen hinein. Das mag vorkommen, dass der junge Mann jedoch in Berlin lebt, macht die Sache doch spannender, dass er sich sehr bald als ein Fast-Gründungsmitglied der intelligenten und theatertauglichen Lärm-Band „Einstürzende Neubauten“ entpuppt, macht die Autobiographie „Krach“ einzigartig. Künstler wie Martin Kippenberger oder Wim Wenders sind hier keine Ausnahme und dass der Autor mit dem wohl berühmtesten Junkie der damaligen Zeit, Christiane F., eine dreijährige Beziehung führte, gereicht der Biographie sicher nicht zum Nachteil.

Der Leser ertappt sich dabei, Künstler oder Bands wiederzuentdecken, die längst aus der medialen Wahrnehmung verschwunden sind, andere wiederum haben sich in die Gehirnwindung gebrannt. Schade ist, dass die kurzweiligen Kapitel zu wenig reflektieren, hier hätten essayartige Momente reingepasst. Manchmal gelingen Statements knapp und knackig: Heute unterliegen, laut Autor, introvertierte Menschen zu leicht dem Reiz sich in sozialen Netzwerken zu Tode liken zu lassen. Den Außenseiter gibt es quasi nicht mehr, jeder ist sein eigener König.

Wa.

James W. Graham: „Der Kurs der Kennedys“, 400 Seiten, mare Verlag

Alexander Hacke: „Krach“, 279 Seiten, Metrolit Verlag

 

 

 

Triest muss man nicht mögen.


Canale Grande, a bisserl rosto!

Triest? Ich muss Triest jetzt nicht mögen. Alle mögen Triest. Vielleicht nicht alle, aber schaut man ins Netz, oder in einschlägige Bücher, wird die Stadt mehr oder minder als Tor zur Adria angepriesen. Stimmt. Stimmt aber auch nicht, denn Triest schaut jetzt nicht zur sandigen italienischen Adria, ihr steinerner Zinken ragt nach Slowenien und Kroatien. Der Stadt fehlen die römischen Prachtbauten und die der Renaissance, der Canale Grande scheint in Summe nicht fertiggebaut, in der Literatur würde man sagen „nicht ausformuliert“, diese Nüchternheit hat natürlich seine Reize, ob sie gewollt war, ist fraglich. Auch seinen engen Gassen fehlt oft das Schmuckhafte, ich kann das gut annehmen, auch weil dadurch der Massentourismus nicht funktioniert. Trotzdem muss man Triest nicht mögen.
Illy!
 
 

Man kann Triest wegen des Kaffees mögen, oder auch nicht. Über 30 Kaffeeröstereien gibt es, stimmt wahrscheinlich, aber meistens sieht man doch nur den Illy, was grundsätzlich nichts Schlechtes ist, weil er für ein Massenprodukt sehr hoch im qualitativen Anspruch liegt und auch Kunstanspruch hat, siehe zum Beispiel die von Künstlern designten Tassen, oder das Engagement auf der Biennale in Venedig. Ob’s nun noch 30 Kaffeeröstereien sind, weiß ich nicht. Hausbrand, die eigentliche Marke (mit dem historischen Link nach Graz), sieht man jedoch eher selten. Aber mag man deshalb Triest? Vielleicht mag man Triest, weil die Stadt den fünffachen Kaffeekonsum gegenüber dem Rest-Italien aufweist, das macht sie gleich viel italienischer, aber auch das ist leider eine Mär, für diese Statistik waren unsere Freunde in Jugoslawien zuständig, die in der Zeit des Kommunismus an den Grenzen zu Italien massiv Kaffee kauften um ihrem eigenen zu entkommen. (Quelle: Wolfgang Salomon „Triest abseits der Pfade“).

Wirbel im Gartenwald :)
 
Die Universität tut sich schwer, wurde mir berichtet. Mit Neid schaue man auf die Kaderschmieden nach Bologna und Mailand. Und auch die Jugend ist in Triest schwer zu halten. Mit der Industrie wandert auch die Jugend ab … ohne Navi hat man es auch so nicht leicht, denn die Stadt breitet sich um den Golf aus, einen zentralen Platz von dem die Straßen ausgehen ist kaum auszumachen. Dadurch lernt man zumindest andere Stadtteile kennen, in denen schäbige Hochhäuser über brach liegende Hafenanlagen ragen. Dies schaut eher nach albanischen Gegebenheiten aus, als nach der italienischen Adria. Gerade am Meer drängt sich hier die Frage auf, ob hier nicht bauliche Maßnahmen rentabel wären. Apropos rentabel: Die Stadt bzw. Rom muss an allen Ecken und Enden sparen. Das Schloss Miramare bröckelt, in der Nacht darf es nicht mehr beleuchtet werden, der Strom sei zu teuer. Langsam frage ich mich wirklich, warum sollte man Triest mögen? Vielleicht eher bemitleiden?
Café - Schiff - Platz!
 

Falsch! Triest ist ein wunderbar zusammengewürfelter Haufen an Kulturen. Darüber schwebt sozusagen die Triestiner Bevölkerung. Ob sie es nun wollen oder nicht, sie haben viel Italienisches an sich. Die Motorroller brausen, die Autos fahren nach Gefühl und sehr schnell, die Menschen tratschen und ratschen sehr gerne, wie es sich für Italiener gehört. Mit wunderbaren kleinen Häusern und Wohnungen machten sie sich die Karsthänge urban. Sie trotzen den Fallwinden in den kalten Jahreszeiten und lassen sich auch in den heißen Monaten nicht aus der Fassung bringen. Sie haben rechtzeitig entdeckt, dass ihre sehr eigene Art auf die schroffe Landschaft zurückzuführen ist, im dort gekelterten Wein lässt eine klare Antwort findet: Der Wein ist im Karst so eigen, sowie die Menschen auch und deshalb muss man Triest nicht nur mögen, sondern auch achten.

Ciao, čáo und tschüss,

Wa.

Mehr zum Karst und Triest finden Sie unter: http://ilcarsolabora.blogspot.co.at/